FAT MAN: Die Rolle der Atombombe in der Containment-Politik der USA unter Präsident Truman


Seminararbeit, 2005
18 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Der 2. Weltkrieg
A. Von Roosevelt zu Truman
B. Von Stettinius zu Byrnes
C. Von New Mexiko nach Potsdam
D. Von Trinity zum Ernstfall

II. Amerikanisches Atommonopol
A. Von Asien nach Europa
B. Von Showdown zu Containment
C. Von Monroe zu NATO

III. Atomares Patt
A. Von Fat Man zu Super
B. Von Kennan zu Nitze
C. Von Europa zurück nach Asien

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung:

Einige Monate nach Beginn des Zweiten Weltkriegs bekam der amerikanische Präsident Roosevelt einen Brief, welcher ihn über eine unglaubliche neue Entdeckung unterrichten sollte. Unterzeichner des Briefes waren Leo Szilard und Albert Einstein. Man habe eine Möglichkeit entdeckt, so schrieben die beiden Wissenschaftler, eine Bombe von gewaltiger Zerstörungskraft zu bauen. Leider, so informierte der Brief, seien auch die deutschen Wissenschaftler in Berlin auf bestem Wege eine solche Bombe zu bauen. Präsident Roosevelt zögerte keinen Moment und gab den Auftrag so schnell wie möglich weiter zu forschen. Doch die Beschaffung der benötigten Materialien, vor allem metallisches Uran, stellte sich anfangs als schwierig heraus. 1940 berichteten Emigranten, dass die in Deutschland verbliebenen Wissenschaftler bereits an der Bombe bauten. Dies gab dem Projekt erneut Aufschwung, denn jedem der Beteiligten war klar, was eine solche Waffe in den Händen Adolf Hitlers bedeutet hätte.[1]

Als das Jahr 1943 anbrach, befanden sich die USA mit drei Nationen im Krieg. Japan hatte ohne weitere Probleme die Philippinen eingenommen und drohte, ganz Südostasien zu überrennen. Auch die Deutschen spürten noch kaum Rückschläge. Zudem hatten letztere 18 Monate Vorsprung bei ihrer Atomwaffenforschung. Ende 1944 kam jedoch die beruhigende Nachricht: Bei der Einnahme Straßburgs hatten die Alliierten deutsche Dokumente sichergestellt, aus denen hervorging, dass das deutsche Atomwaffenprojekt etwa auf dem Stand der Amerikaner von 1942 war. Damit waren die Deutschen aus dem Rennen ausgeschieden. Fraglos war aber schon zu diesem Zeitpunkt, dass die Atombombe eine wichtige Rolle bei der endgültigen Besiegung Japans spielen würde.[2]

Diese Arbeit beginnt im Jahr 1945, die Zeit, in der die Probleme der Kriegsallianz mit jedem weiteren Vorrücken ihrer Armeen in Zentraleuropa offensichtlicher wurden. Roosevelt, Churchill und Stalin hatten im Februar versucht, die Probleme der Ost-West Beziehung zu lösen. Der Westen wollte die Probleme lösen, bevor er seine Truppen vom europäischen Kontinent abzöge. Obwohl die Konferenz von Jalta mit einer Einigung beendet wurde, wurde in der Folgezeit schnell klar, dass die alliierte Zusammenarbeit mehr Schein als Wirklichkeit war.

Roosevelt starb nur zwei Monate nach der Konferenz von Jalta am 12. April 1945.[3] Er kam nicht mehr dazu seinen größten Trumpf auszuspielen, den einige der besten Wissenschaftler der Welt in der Zwischenzeit in New Mexiko erforschten. Wie sein Nachfolger, Harry S Truman, mit den Herausforderungen dieser Zeit umging und in welchem Maße er sich dabei der Atomwaffe bediente wird das Hauptthema dieser Arbeit sein. Eine Arbeit zu den Anfängen des Kalten Krieges muss sich zwangsläufig auch mit den sowjetischen Reaktionen und Aktionen beschäftigen. Diese Arbeit beschäftigt sich jedoch vornehmlich mit der Politik der Vereinigten Staaten von Amerika.

Vor allem durch die strenge Geheimhaltungspolitik sprach anfangs niemand spezifisch von ‘der Atombombe’. Offiziell sprach man von ‚S-1’; die Wissenschaftler des Manhattan Projekts sprachen meist von ‚the gadget’, der Erfindung. Churchill sollte ihr später einmal den Namen Fat Man geben.[4] Um Missverständnisse zu vermeiden, werden in dieser Arbeit jedoch solche Bezeichnungen, auch in direkten Zitaten, durch ‚Atombombe’ ersetzt.

I. Der 2. Weltkrieg

A. Von Roosevelt zu Truman

Noch 1944 war man in den USA davon überzeugt, dass die Beziehungen zur Sowjetunion durchaus freundlich sein würden. Bis zur Konferenz von Jalta 1945 waren diese auch alles andere als schlecht.[5] Mit dem Tod Roosevelts und der Amtseinführung Harry S Trumans als 33. Präsidenten der Vereinigten Staaten am 12. April 1945 sollte sich das diplomatische Verhältnis der USA gegenüber der alliierten Sowjetunion jedoch entscheidend verändern.

Der unerfahrene Vize-Präsident, der vom verstorbenen Roosevelt nicht weiter in die politischen Pläne eingeweiht worden war, übernahm nach seinem plötzlichen und unerwarteten Amtsantritt erst einmal den Großteil des Beraterstabes seines Vorgängers. Unter den Mitarbeitern hatte sich jedoch schon Ende 1944 eine kritische Stimmung gegenüber der Rooseveltschen Russlandpolitik breit gemacht. Die Hilfe der USA an die Sowjetunion würde nicht dazu führen ihr Vertrauen zu gewinnen, sondern lediglich als ein Zeichen von Schwäche interpretiert werden. Man müsse der Sowjetunion deutlich machen, welche Gegenleistungen man für ein Entgegenkommen erwarte.[6] Um nicht als unentschlossen zu erscheinen, übernahm Truman diese Sicht der Dinge. In dem Glauben, damit die Pläne Roosevelts weiter zu führen, führte Truman den quid pro quo Ansatz seiner Berater ein und verfolgte schon sehr bald nach seinem Amtsantritt eine schärfere Politik gegenüber Moskau.[7] Diese neue Richtung traf auch die Sowjets unvorbereitet. Als Truman am 23. April 1945 vom sowjetischen Außenminister Molotow auf seine eigene, sehr direkte Weise verlangte, Moskau müsse in Polen eine neue Regierung einsetzen, antwortete dieser empört: „I have never been talked to like that in my life“. Trumans Antwort darauf war lediglich: “Carry out our agreements and you won’t get talked to like that.”[8]

Die Mehrzahl der Berater des Präsidenten befürworteten einen symbolischen Showdown der USA mit der Sowjetunion, um Moskau zum Einlenken zu zwingen.[9] Die Polnische Frage wurde zum Stein des Anstoßes. Stalin hatte vorgeschlagen, Polen nach dem Beispiel Jugoslawiens neu zu strukturieren, indem man für vier Kabinettsmitglieder jeweils ein neues Mitglied hinzufüge um den sowjetisch orientierten Polen eine Mehrheit zu geben. Truman lehnte diesen Vorschlag jedoch gleich zu Beginn seiner Amtszeit definitiv ab.[10] Die USA würden nur eine frei gewählte polnische Regierung anerkennen. Stalin ließ sich jedoch nicht auf Verhandlungen über Veränderungen im Sinne der Amerikaner innerhalb seines Einflussgebietes ein. Auch drastische Kürzungen der Lend-Lease Hilfe der USA an die Sowjetunion verhalfen nicht zu einem Einlenken Moskaus.[11] Die Strategie der amerikanischen Regierung führte nicht zum erwarteten Erfolg; Washington brauchte ein stärkeres Druckmittel um den sowjetischen Diktator zu Zugeständnissen zu bewegen.

B. Von Stettinius zu Byrnes

Zum ersten Mal hörte der neue Präsident von der Atombombe direkt nach der ersten Kabinettsitzung, als ihm Kriegsminister Henry Stimson eröffnete, dass die USA in der nächsten Zeit einen «neuen Explosivstoff von fast unglaublicher Zerstörungskraft» zur Verfügung haben würden.[12] Wenige Tage später, am 24. April 1945, nur einen Tag nach seinem Zusammenstoß mit Molotow, bekam Truman ein Memo von Kriegsminister Stimson: „I think it is very important that I should have a talk with you as soon as possible… [Die Atombombe] has such a bearing on our present foreign relations and such an important effect upon all my thinking in this field that I think you should know about it without much further delay.“[13] Obwohl der Präsident bis zu diesem Zeitpunkt, ungeachtet der Tatsache, dass er unter Roosevelt ja bereits Vizepräsident war, nicht über dieses Waffenprogramm informiert worden war, war er sich, wie auch Stimson, augenblicklich im Klaren über die politische und militärische Tragweite dieser Entdeckung.

Zum einen schien jetzt endlich eine Waffe gefunden um Japan schnell, und im besten Fall ohne den befürchteten Einsatz von Bodentruppen auf dem japanischen Festland riskieren zu müssen, zur endgültigen Kapitulation zu zwingen. Viel wichtiger erachteten die beiden Politiker jedoch „the effect the atomic bomb might likely have on our future foreign relations“,[14] bot doch die Tatsache, dass die USA alleinig im Besitz der Atombombe waren auch die einmalige und äußerst willkommene Chance die Sowjetunion nach monatelangen und sehr unbefriedigenden Verhandlungen über eine europäische Nachkriegsordnung in ihre Schranken zu weisen.

Eine richtungweisende Entscheidung Trumans in Bezug auf die künftige Rolle der Atombombe in der Politik der USA war die Ernennung von James F. Byrnes, welcher Edward R. Stettinius als Außenminister ablöste. Byrnes hatte von Anfang an eine sehr klare Vorstellung vom Einfluss der Atombombe auf die zukünftigen internationalen Beziehungen der USA: Einen Tag nach Roosevelts Tod erklärte er, „that the United States was perfecting an explosive great enough to destroy the whole world“.[15] Mitte April erläuterte er dem Präsidenten, seiner Meinung nach würde die Atombombe die USA in die Position bringen, „to dictate our terms at the end of the war“[16]. Die Entscheidung für Byrnes kann wohl als indirekter Hinweis auf die Sympathie Trumans mit dem generellen Anspruch Byrnes ausgelegt werden. In den folgenden Monaten musste sich Truman immer wieder zwischen seinem Außenminister Byrnes und seinem Kriegsminster Stimson entscheiden, wobei er jedoch meist Ersterem zustimmte.[17]

Anfang Mai jedoch war die wichtigste Entscheidung, welche es zu treffen gab, die, ob die Konfrontation mit der Sowjetunion bis zum erfolgreichen Abschluss des Atomwaffenprogramms aufgeschoben werden sollte oder nicht. Im Gegensatz zum Rest des Beraterstabes Trumans, welcher eine sofortige Konfrontation mit Moskau befürwortete, riet Kriegsminister Stimson dem Präsidenten dazu, die Verhandlungen über eine konkrete Nachkriegsordnung in Europa zu verschieben, mit der Begründung „We shall probably hold more cards in our hands later than now“.[18] Die USA hatten zwar zu diesem Zeitpunkt nicht nur das Monopol auf den gesamten Herstellungsprozess von Nuklearwaffen, sondern kontrollierten auch sämtliche dafür benötigten Ressourcen.[19] Eine erstarkte Machtposition hätte ihre Rechtfertigung aber nur in einem positiv verlaufenden Test, finden können. Trumans einzige Chance mit dem Joker in der Hand nach Potsdam zu fahren, war es nun, abzuwarten.

Anfang Mai fällte Truman die endgültige Entscheidung in einer Antwort auf ein Telegramm Churchills, indem er dem britischen Regierungschef mitteilte, er teile zwar die Ansicht über die Notwendigkeit eines direkten Treffens der Großen Drei, könne Washington aber aus innenpolitischen Gründen für weitere zwei Monate nicht verlassen. Der Beginn der Konferenz von Potsdam wurde schließlich auf den 16. Juli 1945 festgelegt, also nur einen Tag nach dem ersten Atomwaffentest der USA in der Wüste von New Mexiko, der den Namen Trinity erhielt.[20]

[...]


[1] Lamont Lansing: Eine Explosion verändert die Welt. Die Geschichte der ersten Atombombe, München 1966, S. 26 – 28.

[2] Ebd., S. 39 – 44.

[3] Gar Alperovitz: Atomic Diplomacy: Hiroshima and Potsdam. The use of the atomic bomb and the American confrontation with the Soviet Power, London 1966, S. 12.

[4] Lamont Lansing: Eine Explosion verändert die Welt, S. 17.

[5] Rolf Steininger: Der Kalte Krieg, Frankfurt am Main 2003, S. 11.

[6] Gar Alperovitz: Atomic Diplomacy, S. 27.

[7] John Lewis Gaddis: Strategies of Containment. A critical appraisal of American National Security Policy during the Cold War, revised and expanded edition, Oxford/New York 2005, S. 13 – 14.

[8] Walter Lafeber: America, Russia, and the Cold War, 1945 – 2000, ninth edition, New York 2002, S. 18.

[9] Gar Alperovitz: Atomic Diplomacy, S. 25.

[10] Ebd., S. 20.

[11] Gar Alperovitz: Atomic Diplomacy, S. 39.

[12] Harry S Truman: Memoirs, Vol. I, Year of decisions, New York 1955, S. 23.

[13] Gar Alperovitz: Atomic Diplomacy, S.55 – 56.

[14] Harry S Truman: Years of decisions, S. 87.

[15] Ebd., S. 10 – 11.

[16] Ebd., S. 87.

[17] Gar Alperovitz: Atomic Diplomacy, S. 63.

[18] Henry L. Stimson: The politics of integrity: The Diaries of Henry L. Stimson, 1931 – 1945, New York 1976, S. 280.

[19] Im September 1944 hatten die USA und Großbritannien mit Belgien ein Abkommen zur Ausbeutung von Uranerzen in Belgisch-Kongo geschlossen. Siehe Arnold Offner: Another such victory. President Truman and the Cold War 1945 – 1953, Stanford 2002, S. 101.

[20] Gar Alperovitz: Atomic Diplomacy, S.65.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
FAT MAN: Die Rolle der Atombombe in der Containment-Politik der USA unter Präsident Truman
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V66797
ISBN (eBook)
9783638584883
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle, Atombombe, Containment-Politik, Präsident, Truman
Arbeit zitieren
Nina Westermann (Autor), 2005, FAT MAN: Die Rolle der Atombombe in der Containment-Politik der USA unter Präsident Truman, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66797

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: FAT MAN: Die Rolle der Atombombe in der Containment-Politik der USA unter Präsident Truman


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden