Heiner Müller in der Literaturkritik am Beispiel Quartett


Seminararbeit, 2000

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Vorwort

1. Zum Roman

2. Zum "Quartett":
2.2. Aufbau des Stückes
2.3. Geschichtsreferenz und Intertextualität
2.3.1. Zum Ort und Zeitpunkt des Dramas
2.4. Das Geschlechterrollenspiel
2.4.1. Valmont
2.4.2. Merteuil

3. Die Kritiken
3.1. Der Stücktext
3.2. Die Aufführungen:
3.3. Zusammenfassung der Aufführungskritiken
3.4. Inszenierungsmöglichkeiten

4. Schlußwort

Einleitung

Bezogen auf das Seminar "Tinte Säuft Blut - Das dramatische Werk Heiner Müllers" hat die vorliegende Arbeit das Ziel, die Resonanz der Literaturkritik auf das 1981 erschienene Drama "Quartett" zu betrachten.

Müllers Werk umfasst neben einigen Prosa und Lyrik - Werken ca. 12 Dramen, die sich in der Hauptsache auf Themen der deutschen Geschichte beziehen. "Quartett" wurde als Thema für diese Arbeit ausgesucht, weil es das noch immer am häufigsten aufgeführte Stück ist und im Vergleich zu Müllers weiteren Stücken eine Thematik aufweist, die von den geschichtlichen Dramen abweicht. Müller nutzte als Vorlage den 1782 erschienenen Roman "Les Liasons Dangereuses" von Choderlos des Laclos. Thema des Dramas ist - ganz knapp zusammengefasst - das Zusammenspiel von Liebe, Haß und Tod.

Aus den zahlreichen Kritiken, die es zum "Quartett" gibt, kann hier nur eine geringe Zahl berücksichtigt werden. Ihre Auswahl hat das Ziel, einen Querschnitt über die kontroversen Meinungen der Kritik darzustellen.

Zunächst wird Laclos´ Romanvorlage kurz vorgestellt. Auf eine tiefere Interpretation wird hier weitgehend verzichtet, da lediglich ein kurzer Einblick in Müllers Vorlage gegeben werden soll.

Im ersten Teil beschäftigt sich die Arbeit mit einer Interpretation des Stücktextes "Quartett".

Neben Aufbau und Handlung des Dramas werden die Geschichtsrelevanz und die Bedeutung intertextueller Elemente im "Quartett" und in Müllers Werk allgemein erörtert.

Intertextuelle Elemente spielen in Müllers Werk eine große Rolle und ziehen sich durch sämtliche Werke, so auch im "Quartett". Obwohl das Stück auf den ersten Blick kein "geschichtliches" ist, wird hier versucht zu zeigen, daß auch im Stück "Quartett" der historische Bezug nicht außer acht gelassen wird, wenn auch zunächst verborgen. Dies aufzuzeigen ist Gegenstand des Kapitels 1.3. dieser Arbeit.

Im zweiten Teil werden Aufführungskritiken aus den achtziger Jahren bearbeitet. Es soll gezeigt werden, ob die Aufführungen dem Stück und der Intention Müllers gerecht werden.

Die Arbeit stellt einen Versuch dar, "Quartett" auf zwei Ebenen zu betrachten: Einmal der reine Stücktext, den Handlungsablauf und die Charakterisierung der Personen, dann die Art und Möglichkeiten der Inszenierung.

Zu den Inszenierungsmöglichkeiten gehört ein kurzer Eindruck einer von mir gesehenen "Quartett" - Aufführung. Nach Bearbeitung des Dramas und der Kritiken erschien es mir wichtig, mir von dem Stück und der Inszenierung selbst ein Bild zu machen.

Zudem stellt er einen aktuellen Bezug zu den hier vorgestellten immerhin gut zehn Jahre alten Kritiken dar.

Leider kann nicht auf alle Aspekte des Stückes eingegangen werden, so würde beispielsweise das Betrachten der Theorien der Aufklärung, die im Stück zweifelsohne vorhanden sind, den Rahmen der Arbeit gesprengt.

Vorwort:

Heiner Müller wird am 9 Januar 1929 in Eppendorf / Sachsen geboren. Seine Jugendzeit verlebt er in Sachsen und Mecklenburg. 1951 geht er nach Ostberlin, wo er ab 1954 als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Schriftstellerverband arbeitet.

Sein erstes Stück, "Der Lohndrücker" wird 1958 in Leipzig uraufgeführt. Müller erhält dafür zusammen mit seiner Frau Inge den Heinrich-Mann- Preis. Nach der Uraufführung des Stückes "Die Umsiedlerin" ( das 1976 nach geringfügigen Überarbeitungen in "Die Bauern" umbenannt wurde ) 1961 wird Heiner Müller aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen - die "Umsiedlerin" wurde gleich nach der Aufführung verboten, ebenso wie die meisten seiner anderen Stücke, wie 1970 "Mauser", 1973 "Zement" und 1978 "Germania Tod in Berlin", das nur in Westdeutschland aufgeführt wird, aber auch dort Kritik erntet.

1981 schreibt Müller das "Quartett", nach der Romanvorlage "Les liasons dangereux" von Laclos.

Neben seinem dramatischen Werk schreibt Müller Gedichte sowie kurze Prosa - Texte.

1987 erhält er den Nationalpreis 1. Klasse der DDR, 1991 wird ihm der Europäische Theaterpreis verliehen.

Müller wird Präsident der Akademie der Künste (Ost).

Von 1993 bis zu seinem Tod ist er Intendant des Berliner Ensembles.

1995 schreibt er "Germania 3 - Gespenster am Toten Mann", sein letztes Stück.

Heiner Müller stirbt am 30.12.1995 in Berlin.

1. Zum Roman:

"Kunst hat und braucht eine blutige Wurzel. Das Einverständnis mit dem Schrecken, mit dem Terror gehört zur Beschreibung. Das ist der Fall bei "Gefährliche Liebschaften". Laclos erklärte sich immer für einen Moralisten, der all diese Abgründe beschreibt, um die Menschheit davor zu warnen. Das war aber nur die moralische Attitüde eines an den Finsternissen der Seele heftig interessierten Autors."[1]

Bei Lektüre von Laclos Vorlage wird deutlich, daß der Roman in seiner Sprache lange nicht derart "obszön" ist wie Müllers Adaption von verschiedener Seite bezeichnet wird.[2] Die "Vorbemerkung des Verlegers" zeigt allerdings daß in der Gesellschaft des 18. Jahrhunderts weder Themen noch Sprache des - damals anonym erscheinenden - Romans anerkannt waren. " [...] Einige der Personen, die er auftreten läßt, haben in der Tat so schlechte Sitten, daß es unmöglich ist zu glauben, sie hätten in unserem Jahrhundert gelebt.[...]"[3]

Der Roman wird vom Herausgeber in einem Vorwort als authentisch beschrieben, was jedoch vom Verleger angezweifelt wird: "Wir glauben, das Publikum in Kenntnis setzen zu müssen, daß ungeachtet des Titels dieses Werkes, [...] wir für die Echtheit dieser geschilderten Vorkommnisse nicht bürgen können[...]"[4] - eben aufgrund der "verderbten" Personen.

Der Roman besteht aus Briefen, in denen die im "Quartett" nur angedeuteten Ereignisse ausführlich zur Sprache kommen, so Merteuil und Valmonts Pläne, Cecille de Volange mit Valmont zu verkuppeln, die aber den Grafen Geaucourt heiraten soll. Valmont wird von allen Personen, so auch von Cecilles Mutter und der Tourvel, als Lüstling beschrieben, von dem man sich fernhalten sollte. Merteuil wird vor allem von Cecille als Freundin beschrieben, schmiedet aber in Briefen an Valmont hinterhältige Pläne über Cecille .

Durch Lektüre des Romans wird deutlich, daß Müller ganze Passagen des Romans in seinem Text verarbeitet hat. Allerdings setzt er seinen Themenschwerpunkt auf die im Roman eher hintergründig präsentierten Themen Vergänglichkeit, Tod und Alter.

So schockierend wie der Roman auf die Gesellschaft des 18. Jahrhunderts gewirkt haben muß wollte Müller sicher auch mit dem "Quartett" auf das Theaterpublikum der achtziger Jahre wirken. Fraglich ist nur, ob dies überhaupt noch schockierend wirken kann. Wird nicht eher Belustigung erreicht? Wie die Inszenierung von Peer Rabens zeigt, ist der Schockeffekt eher klein: "Es gingen nur drei ältere Damen". Dies hängt allerdings sicherlich zum großen Teil mit der Art der Inszenierung zusammen.

Allerdings handelt der Roman mehr von Intrigen und Kupplerei als von Müllers Themen, Vergänglichkeit, Tod und Alter.

2. Zum Quartett:

"Hier hat mich interessiert, die Struktur von Geschlechterbeziehungen freizulegen, wie ich sie für real halte und die Klischees, die Verdrängungen zu zerstören".[5]

Am Ende ihres Lebens spielen der Vicomte de Valmont und die Marquise de Merteuil ihre vergangenen sexuellen Affären in der Retrospektive. Unterbrochen wird ihr "Spiel- im Spiel" durch kurze Einspielungen in die Jetzt-Zeit, die ihr Spiel reflektieren.

Dabei spielen die Figuren abwechselnd sich selbst, den jeweils anderen und zwei abwesende Personen: Die Tourvel, Valmonts verheiratete Geliebte, die er nach der Merteuil verführte und die jungfräuliche Nichte der Merteuil, Cecille de Volange, die Valmont gerne verführt hätte.

Am Ende bringt sich Valmont in der Rolle der Tourvel um, die Merteuil bleibt allein zurück, doch mit den Worten "Jetzt sind wir allein, Krebs mein Geliebter"[6] deutet auch sie auf ihren bevorstehenden Tod hin.

Im Verlauf der Handlung wechseln beide mehrfach ihre Rollen. So spielt Valmont die Tourvel, und sich selbst, Merteuil spielt Valmont, die Volange und sich selbst. Neben ihren gespielten Rollen schlüpfen beide auch aus ihren Rollen und reflektieren ihr Spiel in der Jetzt-Zeit.

Die einzigen Regieanweisungen im Stück sind neben Auf - und Abgang Valmonts, und der zwei "Pausen", die jeweils das Ende der "Spiel-im Spiel" Phasen kennzeichnen, die Angabe des Zeitraumes "Salon vor der Französischen Revolution / Bunker nach dem dritten Weltkrieg". Auf dessen Bedeutung wird in Kapitel 1.3.1. näher eingegangen.

[...]


[1] Heiner Müller, "Krieg ohne Schlacht", S. 290

[2] Vgl. M. Erdmann in: Theater Heute, 07 / 1981, P. Friedl in: Theater Heute 03 / 1983, S.57

[3] Choderlos des Laclos "Die gefährlichen Bekanntschaften", S. 5

[4] Ebd.: S. 5

[5] Heiner Müller in: "Ich scheiße auf die Ordnung der Welt" in: Gesammelte Irrtümer Bd. 1, S.124

[6] S.90

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Heiner Müller in der Literaturkritik am Beispiel Quartett
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Proseminar: Tinte säuft Blut - Das dramatische Werk Heiner Müllers
Note
1,3
Autor
Jahr
2000
Seiten
24
Katalognummer
V6680
ISBN (eBook)
9783638141994
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Thema: Analyse des Stückes Quartett , v.a. Augenmerk auf Intertextuelle Elemente und Geschichtsbild Müllers, darin auch Vergleich zum Primärtext Les Liasons Dangereuses , Analyse einiger Aufführungen und Kritiken. Die Arbeit stellt einen Versuch dar, Quartett auf zwei Ebenen zu betrachten: Einmal der reine Stücktext, den Handlungsablauf und die Charakterisierung der Personen, dann die Art und Möglichkeiten der Inszenierung. 180 KB
Schlagworte
Heiner Müller, Intertextualität, Theaterkritik
Arbeit zitieren
Nadia Hamdan (Autor), 2000, Heiner Müller in der Literaturkritik am Beispiel Quartett, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6680

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