Schon im Wintersemester 2004/2005 im Rahmen eines Filmseminars von Herrn Stein: „Filmproduktionen als Teil der auswärtigen Kultur- und Programmarbeit“ setzten wir uns innerhalb einer Gruppe eingehend mit zwei Filmen von Wim Wenders auseinander: „Der Himmel über Berlin“ (1986/ 87) und „In weiter Ferne so Nah!“ (1993). Damals bereiteten wir uns auf eine
Präsentation vor, unter dem Thema „Wiedervereinigung und Kulturelle Identität“. Wir kristallisierten zwei Hauptthemen heraus, um welche beide Filme kreisen: das Thema der Stadt Berlin (Gegenwart und Historie) und das Thema der Dualität zwischen Engel und Mensch.
In dieser Arbeit beschränken wir uns nun auf den ersten und erfolgreichsten Film der beiden: „Der Himmel über Berlin“. Wir konzentrieren uns auf die Engel- und Menschenthematik und nähern uns darüber den Zuständen der Spaltung und Teilung im Film.
Ausgehend von der Dualität Engel - Mensch tauchen verschiedene andere Gegenpole auf; sie durchziehen den gesamten Film, begegnen dem Zuschauer in verschiedenen Konstellationen und wandeln das augenscheinliche Thema des Films - in Filmrezessionen wird von einer Liebesgeschichte gesprochen (vgl. z.B. Müller 1987, 230) - zu einem Film, der sich eben mit diesem, mit dem Thema der Gespaltenheit und Einheit auseinandersetzt.
Die Dualitäten lassen sich nicht klar voneinander trennen, es gibt kaum eindeutige Grenzen unter bestimmten Parametern stehen sie sich gegenüber, unter anderen verschmelzen sie wieder und stehen einem anderen Parameter gegenüber. Es ist eine diskursive Gespaltenheit, für welche Wenders am Ende auch einen Ausblick gibt: nämlich die Vereinigung zwischen Mann und Frau.[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundsätzliches zur Dualität zwischen Engel und Mensch
3. Die Engel und die Menschen
3.1 Das Menschenbild
3.1.1 Die Berliner als die „normalen Menschen“
... im Film
... aus der Darstellungsperspektive
... Charakteristika
... in ihren Genderrollen
3.1.2 Die Kinder
... im Film
... aus der Darstellungsperspektive
... Charakteristika
3.1.3 Der Greis
... im Film
... aus der Darstellungsperspektive
... Charakteristika
3.1.4 Marion
... im Film
... aus der Darstellungsperspektive
... Charakteristika
3.2 Das Engelbild
3.2.1 Die Engel
… vor ihrem Entstehungshintergrund
…aus der Darstellungsperspektive
... im Film
…Charakteristika
Die Engel und ihre Existenz
Die Engel und ihre poetische Sprache
Die Engel und die Zeit/ die Geschichte
Die Engel und der Raum/ die Stadt Berlin
Die Engel und die Menschen
4. Die Vereinigung
4.1 Der Engel Damiel wird Mensch
4.2 Die Aufhebung der Spaltung und Teilung
5. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht Wim Wenders' Film „Der Himmel über Berlin“ mit dem Ziel, die im Film thematisierten Zustände der Spaltung und Teilung durch eine Analyse der Dualität zwischen Engel und Mensch zu beleuchten und zu dekonstruieren.
- Analyse des Menschenbildes im Film anhand von Gruppen wie Berliner, Kindern und dem Greis Homer.
- Untersuchung des Engelbildes und dessen Entstehungshintergrund sowie Darstellungsperspektive.
- Deutung der symbolischen Bedeutung von Raum, Zeit und Sprache im Kontext der Engelexistenz.
- Erforschung der Menschwerdung von Damiel als Akt der Vereinigung.
- Diskussion der Aufhebung von Gegensätzen und der Überwindung von Dualitäten im Film.
Auszug aus dem Buch
Die Engel und die Menschen
Die Menschen, die in Wenders Film auftauchen, sind: Berliner, in ihrem Alltag, Kinder, der alte Homer, Marion (Solveig Dommartin), die Trapezkünstlerin und auch Peter Falk gehört dazu. Was Mensch-Sein bedeutet, beschreibt Wenders anhand von drei Gruppen: es gibt die Berliner, als „die normalen Menschen“ (wozu auch Marion anfänglich gehört), es gibt Kinder und den Greis Homer. Peter Falk spielt noch einmal eine gesonderte Rolle, da er ein ehemaliger Engel ist.
Wir möchten die verschiedenen „Menschen-Gruppen“ im Folgenden näher betrachten. Um ein klareres Bild zu bekommen, gehen wir von drei Blickwinkeln aus: Wir betrachten, wie die Menschen im Film auftauchen, wir betrachten, wie die Darstellung umgesetzt wurde (Darstellungs- bzw. Erzählperspektive) und schließlich versuchen wir, das Menschenbild zu erfassen, indem wir die Menschen analysieren (Charakteristika).
Die ersten Szenen des Films werden mit einem Kameraschwenk eingefangen: helle Wolken, dann ein leinwandfüllendes Auge, schließlich Häuser und Strassen, vom Himmel aus gesehen. Plötzlich ein Mann (Damiel) mit Flügeln und Haarzopf hoch oben auf der alten Gedächtniskirche (vgl. Grob 1991, 258); die Kamera gleitet hinunter zur Strasse; aus der Vogelperspektive sieht man fahrende Busse, Passanten, die alleine durch die Strassen eilen, sie wirken gestresst oder traurig; der Blick fliegt über die Häuser und Strassen Berlins; die Kamera steht nicht still, sie schwenkt weiter, nähert sich einem Wohnhaus, ohne Halt geht der Blick durch die Mauer und wandert von Wohnung zu Wohnung. Der Zuschauer erhält Einblick in die momentane Lage der Bewohner der Wohnungen; er nimmt Wortfetzen von inneren Monologen wahr; die sich dann wieder zu einem fast ununterscheidbaren Hintergrundsgemurmel verdichten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Verfasser erläutern den Entstehungskontext der Arbeit im Rahmen eines Filmseminars und führen in die zentrale Thematik der Stadt Berlin und der Dualität zwischen Engel und Mensch ein.
2. Grundsätzliches zur Dualität zwischen Engel und Mensch: Dieses Kapitel legt die theoretische Basis fest, indem es auf die wechselseitige Definition von Mensch und Engel sowie deren untrennbare Verbindung hinweist.
3. Die Engel und die Menschen: Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Gruppen von Menschen sowie das Engelbild unter Berücksichtigung von Darstellungsweise, Perspektive und charakteristischen Merkmalen.
4. Die Vereinigung: Hier wird der Prozess der Menschwerdung des Engels Damiel sowie die symbolische Aufhebung der im Film dargestellten Spaltungen und Teilungen untersucht.
5. Schluss: Zusammenfassend wird resümiert, wie die Gegenüberstellung von Mensch und Engel die Gespaltenheit und die letztliche Vereinigung im Film auf die Spitze treibt.
Schlüsselwörter
Der Himmel über Berlin, Wim Wenders, Engel, Mensch, Dualität, Spaltung, Teilung, Berlin, Menschwerdung, Damiel, Marion, Homer, Erzählperspektive, Identität, Vereinigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Wim Wenders' Film „Der Himmel über Berlin“ hinsichtlich der dargestellten Zustände von Spaltung und Teilung, ausgehend von der Dualität zwischen Engeln und Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Menschenbild (Berliner, Kinder, Greis, Marion), das Engelbild (Existenz, Sprache, Zeit/Raum) und die thematische Aufhebung dieser Gegensätze durch die Vereinigung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die dem Film zugrundeliegenden Gegensätze aufzuzeigen und zu verdeutlichen, wie Wenders diese durch die Erzählweise und die Entwicklung der Charaktere zur Vereinigung führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine filmwissenschaftliche Analyse, wobei verschiedene Blickwinkel wie Darstellungs- bzw. Erzählperspektive und Charakteristika der Figuren zur Anwendung kommen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil (Kapitel 3) werden detailliert die Charakteristika der Menschengruppen sowie der Engelsexistenz untersucht, um die Gegensätzlichkeit zwischen beiden zu untermauern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem: Dualität, Engelexistenz, Berliner Alltag, Identitätskrise, Symbolik von Raum und Zeit sowie die filmische Darstellung von Spaltung und Einheit.
Welche Rolle spielt Homer im Film laut der Analyse?
Homer fungiert als „ewiger Erzähler“ und verkörpert das kollektive Gedächtnis von Berlin, womit er eine Sonderstellung einnimmt, die weder rein menschlich noch engelhaft ist.
Warum ist die Liebesbeziehung zwischen Damiel und Marion zentral?
Die Vereinigung der beiden symbolisiert nicht nur die Verbindung von Mann und Frau, sondern auch die Überwindung fundamentaler Dualitäten wie Geist und Körper, Himmel und Erde sowie Vergangenheit und Gegenwart.
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- M. Berlitz (Author), Evriklia Siakagianni (Author), 2005, Die Engel und die Menschen: Zustände der Spaltung und Teilung in „Der Himmel über Berlin“ von Wim Wenders (1986/ 87), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66818