Die Wiener Genesis unter besonderer Berücksichtigung der Luzifer Geschichte


Seminararbeit, 2000
19 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort

2. Die Wiener Genesis im Kontext der Epoche

3. Zur Überlieferung der Handschriften der althochdeutschen Genesis

4. Zum Verfasser – Problem

5. An wen richtete sich die Wiener Genesis?

6. Die Wiener Genesis als Lehrdichtung?
6.1. Außerbiblische Quellen
6.1.1. Über die Vorlagen der Luzifer – Geschichte
6.1.2. Zur Lehre Augustins
6.2. Die Sprache der Wiener Genesis

7. Schlusswort

1. Vorwort:

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der „Wiener Genesis“. Es soll ein Überblick über den Text und seine Quellen, sowie dessen Bedeutung im zeitlichen Kontext gegeben werden.

Eine Besonderheit stellt die Geschichte Luzifers und sein Fall aus der Gnade Gottes dar, daher wird auf diesen Aspekt in der Arbeit besonders eingegangen.

Mitte des 11. Jahrhunderts entstand – vermutlich in Kärnten - die „Altdeutsche Genesis“. Sie ist in drei Sammelhandschriften überliefert. Da die Wiener Handschrift - „in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts in schöner karolingischer Minuskel“[1] geschrieben - nicht nur „den besten Text bietet“, sondern auch allgemein als Vorlage für die beiden weiteren erhaltenen Handschriften - die Millstädter und die Vorauer Handschrift - gilt, wird sie Grundlage dieser Arbeit sein.

Zunächst werden die Herkunft und das Entstehungsdatum der drei erhaltenen Handschriften beleuchtet, daran anschließend wird die Frage nach dem Verfasser des Textes kurz angerissen.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird hier inhaltlich nur ein kleiner Teil der Wiener Genesis behandelt, und zwar vom Beginn bis zur Erschaffung des Adam, ( Zeile 1 – 231 in der Wiener Genesis, entsprechend Genesis 1,1 – 2,4a in der Bibel) was der Interpretation von Eßer entspricht.

Exemplarisch werden am Beispiel vom Fall Luzifers ( Zeile 17 – 39 der Wiener Genesis, in der Bibel findet sich keine Entsprechung dieses Abschnitts ) die Absichten des Dichters erläutert - an wen war der Text mutmasslich gerichtet, wollte der Dichter hauptsächlich erzählen oder belehren? Es folgt ein kurzer Anriss über seine Hauptquellen, soweit sie nicht biblischer Herkunft sind, und die daran anschließende Frage ob die Wiener Genesis als Lehrdichtung konzipiert war, was heute der allgemeinen wissenschaftlichen Auffassung entspricht. Davon ausgehend wird kurz auf die sprachlichen Besonderheiten des Textes eingegangen.

2. Die Wiener Genesis im Kontext der Epoche

Im frühen Mittelalter enstanden Schriften in deutscher Sprache hauptsächlich zu dem Zweck, christliches Gedankengut auch an das Volk zu vermitteln, das der lateinischen Sprache nicht mächtig war. Werke wie das “Wessobrunner Gebet“ 770/90; „Muspilli“, Anfang des 9.Jahrhunderts, sowie der „Heliand“ um 830 sind Beispiele für erste althochdeutsche, christliche Literatur.

Auch erhalten gebliebene Werke aus der Zeit von 1050 bis 1170 bestehen überwiegend aus geistlicher, religiöser Literatur.

Im 11.Jahrhundert entstand geistliche Lehrdichtung wie das frühmittelhochdeutsche „Ezzolied“, auch „Ezzos Gesang“ genannt. Hier wird „Das Weltgeschehen vom Anfang der Zeiten bis zur Erlösungstat Gottes“[2] zusammengefasst. Erhalten geblieben ist es in der Vorauer Handschrift des späteren 12. Jahrhunderts. Weiter zu erwähnen sind hier das „Leben Jesu“ der Frau Ava (der ältesten namentlich bekannten Dichterin deutscher Sprache), das etwa 1120 entstand, und das „Annolied“ (Ende des 11. Jahrhunderts).

Ihre Blüte erlebt die Bibeldichtung in der Mitte des 11. Jahrhunderts.

Die „Wiener Genesis“ wird als erster „großepischer Versuch“[3] bezeichnet.

„Biblische Vorgänge werden zu mahnenden Ereignissen [...]“[4] und

Auslegungen des Alten Testaments betonen insbesondere die Macht und Größe Gottes[5]. „Rhetorischer Schmuck“[6] wird im Werk vermieden.

3. Zur Überlieferung der Handschriften der althochdeutschen Genesis

Die frühmittelhochdeutsche Genesis ist in drei Handschriften überliefert: Eine Wiener, eine Vorauer und eine Millstädter Handschrift. Zwar wird „M. [Die Millstädter Handschrift] einstimmig als die jüngere dieser beiden Handschriften [Wiener und Millstädter] betrachtet“, so Smits[7], doch ist die Frage, welche als die „Mutterhandschrift“, und somit als die älteste, anzusehen ist von der Wissenschaft noch nicht vollständig geklärt.

Sowohl die Millstädter als auch die Wiener Handschrift enthalten in derselben Reihenfolge „Genesis“, „Physiologus“[8] und „Exodus“. Letztere bleibt in der Wiener Handschrift allerdings unvollständig. Diemer folgert daraus, dass beide Handschriften einer gemeinsamen Mutterhandschrift entstammen. Jene Mutterhandschrift, Smits nennt sie „*WM“, hatte wiederum eine gemeinsame Vorlage mit der Vorauer Handschrift, die Diemer jedoch noch immer nicht als das Original ansieht.[9]

Auch Menhardt sieht die Wiener Handschrift als „konservative Abschrift“ der „*WM“. Wenig später sei die Millstädter Handschrift als Bearbeitung aus *WM hervorgegangen. 1195 seien die ersten fünf Seiten der Wiener Schrift illustriert worden.[10] Die Bilder sind bis heute erhalten geblieben, jedoch bleibt der für die Illustrationen vorgesehene Teil im weiteren Verlauf der Schrift leer.

Hella Voss ist ähnlicher Ansicht: Die Wiener Handschrift sei die Mutterhandschrift aus der dann die Millstädter Handschrift entstand. Voss geht jedoch einen Schritt weiter: Weder die Wiener noch die Millstädter Ausgabe seien Originale „sondern bereits vorher [..] mehrmals einzeln aufgeschrieben“. Zur Niederschrift der Millstädter Handschrift habe nun deren Bearbeiter die Wiener Schrift als Vorlage benutzt und den dort fehlenden Exodus Teil aus der ihm bekannten Wiener Quelle entnommen[11] - möglicherweise die als „*WM“ bezeichnete Schrift?

[...]


[1] Dollmayr, Victor: Die altdeutsche Genesis nach der Wiener Handschrift: Halle / Saale, 1932, S. IV

[2] Neumann, Friedrich: Geschichte der Altdeutschen Literatur: Berlin, 1966, S.74

[3] Neumann, S. 77

[4] Neumann, ebd.

[5] Vgl. Sowinski, Bernhard: Lehrhafte Dichtung des Mittelalters: Stuttgart, 1971, S. 35f

[6] Neumann, S. 78

[7] Smits, Kathryn: Die frühmittelhochdeutsche Wiener Genesis. Kritische Ausgabe: Berlin, 1972, S.10

[8] Griech.: „Der Naturkundige“. Spätgriechische Naturlehre, die Pflanzen, Steine und Tiere beschreibt und allegorisch auf das Heilsgeschehen hindeutet. Der Physiologus führt mit lehrhafter Absicht richtiges Verhalten in der Welt sowie im Kloster vor.

[9] Vgl. Smits, S. 11

[10] Eßer, Josef: Die Schöpfungsgeschichte in der Altdeutschen Genesis: Göppingen, 1987, S. 22

[11] Vgl. Smits, S. 12

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Wiener Genesis unter besonderer Berücksichtigung der Luzifer Geschichte
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Proseminar: Bücher schreiben Kulturgeschichte
Note
2,3
Autor
Jahr
2000
Seiten
19
Katalognummer
V6682
ISBN (eBook)
9783638142014
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Wiener Genesis im Kontext der Epoche, zur - noch immer ungelösten - Frage nach dem Verfasser des Textes, , zur Vorlage der Luzifer Geschichte, die Wiener Genesis als Lehrdichtung? - Exkurs zur Lehre Augustins, sprachliche Besonderheiten. 173 KB
Schlagworte
Wiener Genesis, Luzifer, frühmittelhochdeutsch, Augustin, Lehrdichtung
Arbeit zitieren
Nadia Hamdan (Autor), 2000, Die Wiener Genesis unter besonderer Berücksichtigung der Luzifer Geschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6682

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