Frederick Winslow Taylor und der Taylorismus


Seminararbeit, 2006

19 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung
2.1. Die Entstehungsbedingungen des Taylorismus
2.2. Die Grundsätze des Taylorismus
2.3. Die Kritik am Taylorismus

3. Gründe für die weltweite Anwendung des Taylorismus
3.1. Frederick Winslow Taylor- Kurzbiographie
3.2. Die Historische Hintergründe des Taylorismus
3.3. Ältere Managementlehren
3.4. Die Ausbreitung des Taylorismus
3.5. Ausblick

4. Abschließende Bemerkung

5. Anhang
5.1. Literaturverzeichnis
5.2. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

„21. März 2006. Die Frühschicht beginnt um 5.45 Uhr. (…) In den kommenden acht Stunden (sollen) wie an jedem Werktag etwa 350 Mittelklasselimousinen der Modelle Vectra und Signum vom Montageband des Rüsselsheimer Opel-Werkes laufen, das als eines der modernsten in Europa gilt.(…) Stahlkappenschuhe sind ohnehin Pflicht, und angesichts des Tempos, mit dem die Materialwagen durch die Gänge sausen, ist es ratsam, die markierten Gehwege zu benutzen. Außerdem muß die Uhr unter einem Schweißband und die Gürtelschnalle unter einem Schoner verschwinden, damit die glänzenden Autolacke keine Kratzer abbekommen. Nichts wird dem Zufall überlassen - Frederick Winslow Taylor, der Begründer der modernen Arbeitswissenschaft, hätte seine Freude gehabt.“[1]

Kaum jemand hat die Geschichte der Unternehmensproduktion und Organisation so nachhaltig beeinflusst wie Frederik Winslow Taylor. Als er vor rund 100 Jahren das Scientific Management begründete, versprach sein System der wissenschaftlichen Betriebsführung eine Revolution in den Bereichen Management, Produktion und Arbeitsmarkt.

Schenkt man den Quellen, wie dem obigen Zitat, Glauben so ist der Taylorismus auch heute noch in den Managementstrategien vieler Unternehmen vorhanden.

Doch die Kritik am Taylorismus ist so alt wie seine Lehre selbst. Wie ein Blick auf die Quellensituation verdeutlicht, übertrifft die Spannbreite der kritischen Bewertungen die der positiven Begutachtungen um ein Vielfaches.

Aber wie kam es dann dazu, dass das Scientific Management trotz der vielen Kritik weltweite Anwendung fand?

Auf wichtige Themenbereiche wie die Auswirkungen des Taylorismus kann im Folgenden, wegen dem Versuch einer knappen Darstellung, nur am Rande eingegangen werden.

Um die Gründe für die Anwendung des Taylorismus darzustellen wird zunächst auf seine Entstehungsbedingungen und seine Grundsätze eingegangen. Um die Widersprüchlichkeit zwischen den vielfältigen Gegenstimmen und der Anwendung zu verdeutlichen, werden im Anschluss die drei Hauptkritikpunkte am Scientific Management aufgeführt.

Im zweiten Teil der Seminararbeit werden schließlich die allgemeinen und länderspezifischen Hintergründe der Anwendung folgen. Schließlich soll ein kleines Kapitel über den eventuellen Missbrauch von Taylors Lehren zu einer veränderten Sichtweise anregen. Zur Abrundung erfolgt schließlich eine Zusammenfassung der angeführten Darlegungen.

Als besonders hilfreich für die Erstellung der Seminararbeit haben sich Walter Hebeisens „F. W. Taylor und der Taylorismus“ und Harry Bravermans „Die Arbeit im modernen Produktionprozeß“ erwiesen. Die Darstellungen der Grundsätze des Taylorismus wurden größten Teils mit Hilfe der „Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung“ von Frederick Winslow Taylor in deutscher Ausgabe von 1919 erarbeitet.

2. Die Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung

2.1. Die Entstehungsbedingungen des Taylorismus

Frederick Winslow Taylor verwissenschaftlichte die Managementlehre. Seine „Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung“ übten großen Einfluss auf die Organisationsstrukturen von Unternehmen aus.

Ins Zentrum seiner Lehren stellte Taylor die Prosperität.

Das Hauptaugenwerk einer Verwaltung sollte darauf gerichtet sein, gleichzeitig die größte Prosperität des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers herbeizuführen und so beider Interessen zu vereinen.“[2]

Unter Prosperität verstand Taylor nicht nur hohe Dividenden für den Besitzer und die Gesellschaft. Er zählte auch die Entwicklung eines Geschäftszweiges zu seiner Vollkommenheit einerseits und auf Arbeitnehmerseite andererseits, das Erlangen von Perfektion im entsprechenden Aufgabenbereich hinzu.[3]

Taylor sah das Problem der, damals bestehenden Betriebe vor allem in der Verschwendung menschlicher Arbeitskraft mit der verhängnisvollen Folge einer geringen Prosperität.

„(…) die größte Prosperität ist das Resultat einer möglichst ökonomischen Ausnutzung des Arbeiters und der Maschinen, d. h. Arbeiter und Maschine müssen ihre höchste Ergiebigkeit, ihren höchsten Nutzeffekt erreicht haben.“[4]

Diese größte Prosperität wird nach Untersuchungen Taylors aus drei Gründen nicht erreicht.

Ein wesentlicher dieser Gründe ist das Sich- Drücken der Arbeitnehmer. Diese üben sich aus Angst, durch mehr Leistung ihre eigenen Arbeitsplätze zu gefährden, in Produktionszurückhaltung.[5]

Weiterhin stellen „Die mangelhaften Betriebs- und Verwaltungssysteme, die allgemein verbreitet sind und die jeden Arbeiter zum >Bummeln< zwingen, um seinen eigenen Vorteil zu wahren“ dar.[6]

Der Arbeiter hält sich aus zwei Ursachen in seiner Leistung zurück: Zum einen aus natürlicher Bequemlichkeit und zum zweiten aus Angst, dass der Arbeitgeber, wenn er einmal seine wirkliche Arbeitskraft bemerkt hat, diese zukünftig regelmäßig fordert.[7]

Der dritte Grund ist, dass „Die unökonomische Faustregel-Methoden, die sich noch in allen Gewerben finden, und bei deren Anwendung unsere Arbeiter einen großen Teil ihrer Kraft verschwenden.“[8]

Hier ist die Tatsache gemeint, dass eine Ausbildung in der damaligen Zeit lediglich aus Beobachtung bestand. In der Folge existierten für einen Arbeitsschritt unzählige unterschiedliche Methoden und Werkzeuge. Nach Annahme Taylors gab es aber für jeden Arbeitsschritt nur eine beste Methode und eine bestes Werkzeug.

Diese drei Ursachen der mangelhaften Betriebsführung wollte Taylor durch wenige Grundsätze ausräumen. Auch die unvereinbar geglaubten Interessen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten durch die Anwendung seiner Lehren eine Verschmelzung erfahren.

2.2. Die Grundsätze des Taylorismus

Die Lösung für das Grundproblem der Verschwendung von Arbeitskraft formuliert Taylor in vier Grundprinzipien:

„Erstens: Die Leiter entwickeln ein System, eine Wissenschaft für jedes einzelne Arbeitselement, die an die Stelle der alten Faustregel- Methode tritt.“[9]

Die Arbeitsabläufe sollten genau analysiert, verbessert und anschließend in einzelne Bewegungsabläufe standardisiert werden. Um den „einen besten Fertigungsweg“ zu finden, sollten systematische Zeit- und Bewegungsstudien durchgeführt werden.

„Zweitens: Auf Grund eines wissenschaftlichen Studiums wählen sie die passendsten Leute aus, schulen sie, lehren sie und bilden sie weiter, anstatt, wie früher, den Arbeiter selbst die Wahl ihrer Tätigkeit und ihre Weiterbildung zu überlassen.“[10]

Durch diesen Grundsatz wollte Taylor erreichen, dass jeder Arbeiter nur genau diese Tätigkeit ausführte, für die er am besten geeignet schien. Dieser beste Arbeiter sollte, um den Rückfall in eine Vielzahl von Fertigungsmöglichkeiten zu verhindern, in dem „einen besten Weg“ geschult werden.

[...]


[1] FAZ

[2] Taylor, S. 7.

[3] Vgl. Taylor, S. 7.

[4] Taylor, S.10.

[5] Vgl. Taylor, S. 14.

[6] Taylor, S. 14.

[7] Vgl. Taylor, S. 14- 24.

[8] Taylor, S. 14- 15.

[9] Taylor, S. 38.

[10] Taylor, S. 38.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Frederick Winslow Taylor und der Taylorismus
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Was bleibt von der Maloche? Geschichte der Arbeit im 19. und 20. Jahrhundert
Note
1,2
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V66827
ISBN (eBook)
9783638592185
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Taylorismus, Proseminar
Arbeit zitieren
Linda Claudia Kohl (Autor), 2006, Frederick Winslow Taylor und der Taylorismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66827

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