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Zu Johann Wolfgang von Goethe "Die Leiden des jungen Werther". Werther, ein gescheitertes Genie?

Title: Zu Johann Wolfgang von Goethe "Die Leiden des jungen Werther". Werther, ein gescheitertes Genie?

Term Paper , 2006 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Fabian Elias Gebauer (Author)

German Studies - Modern German Literature
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[Aus der Einleitung] „Es ist ein Meisterwerk, worin hinreißendes Gefühl und frühreifer Kunstverstand eine fast einmalige Mischung eingehen. Jugend und Genie sind sein Gegenstand, und aus Jugend und Genie ist es selbst geboren.“ Ausgehend von diesem Zitat Thomas Manns über Die Leiden des jungen Werthers wird sich diese Arbeit mit dem ‚Genie‘ beschäftigen. Dies mag zwar insofern verwundern, als die unglückliche Liebe zu Lotte lange Zeit allein im Mittelpunkt des Romans für die Rezipienten, seien es Leser oder Kritiker, stand, doch verweist die Forschung ab dem 19. Jahrhundert auf die ungerechtfertigte Reduzierung auf die Liebessemantik, die der Qualität des Briefromans nicht gerecht wird. Die Leiden sind eben nicht nur Ausdruck einer gescheiterten Liebe, sondern spiegeln unter anderem in zentraler Weise das Scheitern eines Menschen wider, der sich selbst als Genie fühlt und den damit verbundenen Anspruch an sich selbst zu erfüllen sucht. Betrachtet man den Werther als ein maßgebliches Werk der Genieperiode, ist es umso interessanter, nach Elementen der Stürmer und Dränger zu suchen und Werthers Genialität zu erfassen und zu beurteilen. Als Zeitgenosse Goethes hatte Lenz zur Beschreibung Werthers schon damals ein bis in die Gegenwart hinein oft zitiertes, prägnantes Wort gefunden, indem er ihn als „gekreutzigte[n] Prometheus“ bezeichnete. Doch inwiefern war Werther wirklich ein Genie, wie es Prometheus, als Idealtypus für die Stürmer und Dränger, war? Kann man den jungen Selbstmörder wirklich als Genie bzw. als gescheitertes Genie ansehen? Was war überhaupt ein Genie? Der Bearbeitung dieser Fragen werden in dem Hauptteil ‚Werther als Genie?‘ drei große Themenblöcke gewidmet, in welchen genialische Merkmale sowie Widersprüche zur Genieidentifizierung Werthers besprochen werden: Gesellschaft, Natur und Kunst. Die jeweiligen spezielleren Unterteilungen werden an Ort und Stelle vorgestellt und begründet. Die Frage nach der Genialität Werthers erfordert zunächst eine Definition davon, was im Sturm und Drang überhaupt als Genie galt. Damit eröffnet die Analyse des Geniebegriffes den Hauptteil und bildet das Grundgerüst der Arbeit.
Als Hauptquelle wird die erste Fassung des Werthers von 1774 benutzt, da Goethe (beeinflusst von seiner gehobenen gesellschaftlichen Position und abgekehrt von seinen Idealen des Sturm und Drang) in der zweiten Version von 1787 große sprach-stilistische sowie inhaltliche Eingriffe vorgenommen hat. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Geniebegriff im Sturm und Drang

3 Werther als Genie?

3.1 Gesellschaft

3.1.1 Kritik am Adel

3.1.2 Kritik am Bürgertum

3.1.3 Gesellschaftsvorstellungen

3.2 Natur

3.3 Kunst

3.3.1 Malerei

3.3.2 Dichtung

4 Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“ vor dem Hintergrund des Geniebegriffs der Epoche des Sturm und Drang. Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob die Titelfigur Werther tatsächlich als Genie im Sinne der zeitgenössischen Ideale gelten kann oder ob sein Scheitern aus einer mangelnden schöpferischen Potenz resultiert.

  • Analyse des Geniebegriffs im Sturm und Drang.
  • Untersuchung der gesellschaftskritischen Haltung Werthers.
  • Betrachtung von Werthers Naturverhältnis und seiner pantheistischen Prägung.
  • Kritische Würdigung von Werthers künstlerischen Ambitionen in Malerei und Dichtung.
  • Diskussion des Suizids als Inszenierung und endgültiges Scheitern.

Auszug aus dem Buch

3.1 Gesellschaft

Man kann zum Vorteile der Regeln viel sagen, ungefähr, was man zum Lobe der bürgerlichen Gesellschaft sagen kann. [...] dagegen wird aber auch alle Regel, [...], das wahre Gefühl von Natur und den wahren Ausdruck derselben zerstören! Werther scheint keine Regeln in Natur, Gesellschaft oder der Liebe zu akzeptieren. Gleich im ersten Brief wird erwähnt, wie froh er ist, die Stadt hinter sich gelassen zu haben, denn er fühlt dort eingeschränkt, da die „thätigen und forschenden Kräfte des Menschen eingesperrt sind“. Hier wird sichtbar, dass er der Gesellschaft entfliehen möchte – hin zur Natur, welche zu einem Ort der Zuflucht wird.

Diese erlebt er umso eindringlicher, je klarer er sie gegen die Stadt, die er mit der Zivilisation und der Gesellschaft gleichsetzt, abgrenzt. Die zeitgenössische Gesellschaft lehnt ihn ab, da er sich weigert, sich in sie einzubringen und die Normen zu achten – sein Verhalten interpretiert Scherpe als „Selbstsucht und Rücksichtslosigkeit“. Er widersetzt sich der Regel, zum „Wohle des Gemeinwesens“ beizutragen und fühlte sich schon immer „durch profane soziale Pflichten eingeschränkt“. Er muss beispielsweise als Knabe zu einer „bestimmte[n] Zeit wieder [nach Hause] zurück“ und verlässt nur widerwillig „den lieben Platz“, an dem er sich so gerne aufhält. Hier legt Werther ganz typische Eigenschaften des Stürmers und Drängers an den Tag, denn er steht im Protest gegen die „gesellschaftlichen ‚Regeln‘“ und sieht in der ursprünglichen Natur die menschliche Lebensgrundlage.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein und begründet den Fokus auf Werthers Genialitätsanspruch sowie die Entscheidung, die Erstfassung des Romans von 1774 als Primärquelle zu nutzen.

2 Der Geniebegriff im Sturm und Drang: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Geniebegriffs, insbesondere durch Einflüsse von Young, Herder und Lavater, erörtert, um das zeitgenössische Künstlerideal zu definieren.

3 Werther als Genie?: Dieses Hauptkapitel untersucht Werther in den Bereichen Gesellschaft, Natur und Kunst auf sein genialisches Potential hin.

4 Fazit: Das Fazit zieht die Bilanz der Analyse und kommt zu dem Schluss, dass Werther trotz seiner Geniestereotypen letztlich an seiner Unfähigkeit zur Form und seinem Dilettantismus scheitert.

Schlüsselwörter

Johann Wolfgang Goethe, Die Leiden des jungen Werther, Genie, Sturm und Drang, Aufklärung, Originalität, Subjektivität, Gesellschaftskritik, Natur, Kunst, Dilettantismus, Empfindsamkeit, Selbstmord, Geniebegriff, Autorschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, ob Johann Wolfgang Goethes Werther den zeitgenössischen Idealen des Genies der Sturm-und-Drang-Epoche entspricht oder ob er lediglich ein Dilettant ohne echte Schöpfungskraft ist.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Die Untersuchung konzentriert sich auf Werthers Verhältnis zur Gesellschaft (Adel und Bürgertum), zur Natur und zur Kunst (speziell Malerei und Dichtung).

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die zentrale Frage lautet, ob Werther als Genie oder als gescheitertes Genie zu betrachten ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext (Erstfassung 1774) mit theoretischen Quellen der Zeit sowie Sekundärliteratur zur Genieästhetik vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet detailliert Werthers Kritik an den gesellschaftlichen Konventionen, sein pantheistisches Naturerleben sowie sein Scheitern bei den Versuchen, durch Malerei und Dichtung ein eigenständiges Werk zu erschaffen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Genialität, Subjektivität, Nonkonformismus, Schöpfungskraft und das Scheitern an gesellschaftlichen sowie ästhetischen Normen.

Inwieweit spielt die „Klopstock-Szene“ eine Rolle für das Verständnis Werthers?

Sie illustriert, dass Werther keine eigene, authentische Sprache findet, sondern als Individuum auf literarische Schablonen zurückgreift, um Emotionen auszudrücken.

Warum wird Werther im Fazit als „Dilettant“ bezeichnet?

Der Autor argumentiert, dass Werther zwar die Gefühle eines Genies empfindet, aber die „Unfähigkeit zur Form“ und die schöpferische Potenz fehlen, um aus seinen Erfahrungen echte Kunstwerke zu schaffen.

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Details

Title
Zu Johann Wolfgang von Goethe "Die Leiden des jungen Werther". Werther, ein gescheitertes Genie?
College
University of Cologne
Grade
1,0
Author
Fabian Elias Gebauer (Author)
Publication Year
2006
Pages
23
Catalog Number
V66830
ISBN (eBook)
9783638599573
ISBN (Book)
9783638671705
Language
German
Tags
Johann Wolfgang Goethe Leiden Werther Genie Gescheitert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Fabian Elias Gebauer (Author), 2006, Zu Johann Wolfgang von Goethe "Die Leiden des jungen Werther". Werther, ein gescheitertes Genie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66830
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