Der Klassische Konzertsatz


Hausarbeit, 2000

13 Seiten, Note: Gut - Bestanden


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Klassische Konzert

3. Die Klassische Konzertsatzform

4. Vergleich zur Sonatenhauptsatzform

5. Der Klassische Konzertsatz am Beispiel des 1. Satzes des A-Dur Klavierkonzerts von Wolfgang Amadeus Mozart
5.1. Die Analyse
5.2. Schlußbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das A-Dur Klavierkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Jahre 1786 gilt als eine mustergültige Komposition hinsichtlich der theoretischen Form und Struktur eines Klassischen Konzertsatzes.

Dieses schriftliche Referat widmet sich dem Zeitalter der Klassik, insbesondere dem Solo- konzert und dessen formaler, kompositorischer Aufbau am Ende des achtzehnten Jahrhun- derts. Anfänglich sollen die theoretischen Aspekte in bezug auf die Gestaltung des ersten Sat- zes dieser musikalischen Gattung erläutert und schließlich an einem Exempel belegt werden. Gegenstand dazu ist der 1. Satz des A-Dur-Klavierkonzerts von W. A. Mozart, Köchelver- zeichnis 488.

2. Das Klassische Konzert

Das klassische Konzert ist ein mehrsätziges Werk für Solo und Orchester, wobei der einzelne Musiker stellenweise herausragt, seine Empfindungen ausdrückt und durch Können am In- strument das Publikum begeistert. Es trat aus seinen barocken Vorreitern hervor, nämlich dem Concerto und Concerto grosso. Das Merkmal der „Dreisätzigkeit“ wurde übernommen, wobei erstmals auch vier Sätze erschienen sind, wie zum Beispiel in Johannes Brahms’ zweitem Klavierkonzert, B-Dur, op.83 aus dem Jahre 1881. Als ein wichtiger Unterschied gilt zum einen der Fortfall der Generalbaßbegleitung im Solopart und zum zweiten, die Aufhebung von starrem Gegenüberstellen des einzelnen Instruments zum gesamten Orchester. Bevorzug- te Soloinstrumente sind dabei die Violine und vor allem das Klavier, was sich anhand der überwiegenden Besetzungen bemerkbar macht. Mozart schrieb beispielsweise insgesamt 23 Konzerte für das Pianoforte, Carl Philipp Emanuel Bach sogar fast 50 dieser Werke für Cem- balo. Ein weiterer Punkt ist die Suche nach neuen Möglichkeiten hinsichtlich des virtuosen Spiels, wobei das Pianoforte durch großzügigen Tonumfang, geeignetem Tonvolumen und seiner Klangfarbe dominierte. Durch die Entwicklung der Hammermechanik seit ca. 1709 bot es dem Solisten neuartige Ausdrucksformen. Diese äußerten sich zu damaliger Zeit in Nuan- cen der Anschlagsart und Artikulationsweise. Der Instrumentalvirtuose entwickelte sich auf diese Art zum attraktivem Mittelpunkt des Konzertwesens in der zweiten Jahrhunderthälfte. Er reiste durch ganz Europa und bewies sein Talent vor adligem, wie auch bürgerlichem Pub- likum. Die Schlußsätze dieser Solokonzerte stehen meist in der Rondoform und greifen die Haupttonart auf. Die langsamen Mittelsätze hingegen stehen in einer verwandten Tonart, wie der Dominante oder Tonikaparallele. In den Kopfsätzen dieser Solokonzerte werden typische Strukturmerkmale sichtbar, die dem Kompositionsprinzip der Klassischen Konzertsatzform und auch der Sonatenhauptsatzform entsprechen. Gegen 1760 drang die Sonatensatzform als kompositorisches Mittel vor. Sie löste nach einem langen, vielschichtigen Entwicklungspro- zeß die frühere Ritornellform Vivaldischer Konzerte ab, welche zum Beispiel am Potsdamer Hof noch bis in die achtziger Jahre gepflegt wurde.

3. Die Klassische Konzertsatzform

Die Klassische Konzertsatzform bildet sich gleichzeitig als eine modifizierte Sonatensatzform heraus, die die gegensätzlichen Klanggruppen des Barockzeitalters, Tutti und Solo, wie auch den „sonatenhaften“ Themendualismus in sich vereinbart. Die Termini Exposition, Durchführung, Reprise und Coda aus der Sonatentheorie sind auch hier vorherrschend. Diese Satzteile sind durch solistische Eingänge, Spielepisoden und teilweise durch ein drittes Thema erweitert. Die Episode gilt als ein in die Komposition eingeschobener virtuoser Formteil, wobei Improvisation, Begabung und Spielfertigkeit des Solisten deutlich werden. Sie steht eher außerhalb der eigentlichen thematischen Arbeit.

Im allgemeinen sind die Soloparts des Instrumentalkonzerts der Klassik breiter angelegt als zur Barockzeit. Eine weitere Besonderheit besteht in der „doppelten Exposition“, bei der eine Wiederholung des Anfangstutti durch den Solisten erfolgt. Daraus resultiert eine Aufspaltung in Orchester- und Soloexposition. Die beiden kontrastierenden Themen, Hauptsatz und Sei- tensatz, werden durch eine Überleitung miteinander verbunden, wonach die Schlußgruppe einsetzt. Bei dieser ersten Exposition verbleibt das Orchester durchgängig in der Tonika. Da- nach schließt sich die Repetition dieses Teils durch das Soloinstrument unter Mitwirkung des Orchesters an. Oft erscheint als Einleitung vor dem ersten Thema, eine präludierende Ein- gangskadenz im Solopart, was in den fünf Klavierkonzerten von Ludwig van Beethoven stets der Fall ist. In der Überleitung findet dann die Modulation zur Dominante bzw. Tonikaparal- lele bei entsprechender Molltonart statt, wie es in der Sonatenhauptsatzform üblich ist. Somit ist der Gegensatz des zweiten Themas zum ersten hinsichtlich der tonartlichen Ebene geschaf- fen. Als Abschluß dieser Soloexposition erscheint eine Spielepisode, die, wie schon erwähnt, das Können des Solisten unter Beweis stellt. Dies äußert sich in gesteigerter Form häufig durch Triller, Passagenwerk oder Tonleiterfiguren. Auch außerhalb dieses Abschnitts über- rascht der Solist seine Zuhörer immer wieder mit virtuosen Spielfiguren. Der nun folgende Orchestereinschub wird immer noch, wie Seitenthema und Spielepisode der Soloexposition, durch die Dominanttonart bestimmt und fungiert als Epilog und Überleitung zur Durchfüh- rung.

In der Durchführung werden die Themen in motivisch-thematischer Verarbeitung abwech- selnd durch Solo und Orchester geführt, wobei hier auch ein neues Thema erscheinen kann. Währenddessen erfolgt die Modulation. Die Haupttonart findet sich erst in der Reprise wie- der, bei welcher das thematische Material aus der Exposition noch einmal aufgegriffen wird. Dabei werden erstes Thema, Überleitung und zweites Thema entweder im Wechselspiel von Solo und Tutti oder auch nur durch das Orchester wiederholt, und der Formteil mit einer wei- teren Spielepisode beendet. Im Epilog taucht wiederum ein Einschub des Orchesters auf, welches in der Tonika schließt.

Ein besonderer Höhepunkt der Klassischen Konzertsatzform ist die Kadenz kurz vor Ende des ersten Satzes. In diesem kleinen Zwischenspiel fantasiert der Solist nochmals über die The- men und hat wieder Gelegenheit seine musikalischen Fähigkeiten und technischen Fertigkei- ten am Instrument aufzuzeigen. Dieser Teilabschnitt galt demzufolge als eine bloße Unterbre- chung, enthielt keine Schlußbildung und hatte vielmehr den Charakter einer Verzögerung. Die Kadenz wird nach einer Fermate des Tutti über dem Quartsextakkord der Tonika einge- schoben und modulierend weitergesponnen. Diese solistische Einlage wurde bis zur Zeit Beethovens improvisiert und dann in die Partitur hineingeschrieben, was unter dem Begriff Originalkadenz zusammengefaßt wird, sofern sie vom Komponisten selbst stammte. Sie konnte ebenfalls von fremder Hand stammen. Letztendlich wird der gesamte erste Satz durch die Coda vollendet, wobei dieser Teil identisch ist mit der Schlußgruppe des Anfangstutti und in der Haupttonart abgeschlossen wird.

4. Vergleich zur Sonatenhauptsatzform

Zusammenfassend betrachtet bestehen die Differenzen des Klassischen Konzertsatzes zur Sonatenhauptsatzform hinsichtlich des Aufbaus darin, daß erstens, die Exposition auf Orches- ter und Solo verteilt wird und zweitens, keine Modulation während der Orchesterexposition stattfindet. Bei der Sonate erfolgt lediglich eine wörtliche Wiederholung der Exposition, was durch einen Doppelstrich mit Wiederholungszeichen im Notenbild angegeben wird. Die dritte Abweichung läßt sich durch hinzugefügte Komponenten, wie Spielepisoden und Orchester- einschübe erkennen. An einem konkreten Beispiel soll nun die Theorie der Klassischen Kon- zertsatzform bewiesen werden. Unzweifelhaft basieren viele Konzerte bedeutender Tonsetzer des achtzehnten Jahrhunderts, wie Beethoven, Haydn, Brahms oder die Bachsöhne Carl Phi- lipp Emanuel und Johann Christian, auf dem Kompositionsprinzip des Klassischen Konzert- satzes. Doch eignet sich hierzu das A-Dur Klavierkonzert Mozarts als eine mustergültige Komposition aufgrund seiner einfachen, durchsichtigen Struktur und präziser Anlehnung an die Konzertsatzform. Dieses Werk wurde am 2. März 1786 in Wien fertiggestellt und besteht aus drei Sätzen, einem Allegro, Adagio und Allegro assai. Die Ecksätze stehen in A-Dur und der zweite Satz in fis-Moll, der Paralleltonart. Das Datum der Vollendung schrieb Mozart in sein eigenhändiges Werkverzeichnis, das er seit 1784 führte.

5. Der Klassische Konzertsatz am Beispiel des 1. Satzes des A-Dur Klavier-konzerts von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart galt seinerzeit als der erste konzertgebende Virtuose und wurde als Pianist gefeiert, wenn er bei privaten und öffentlichen Akademien vorspielte. Seine 23 Klavierkonzerte waren fast immer für den eigenen Vortrag bestimmt und sind wahre Höhepunkte dieser Gattung, zugleich meisterhafte Beispiele des klassischen Stils. In ihnen vereinigt Mozart das Sinfoni- sche und Konzertante zu einer vollkommenen, eindrucksvollen Ganzheit. Dabei wurde mit dem Klavier ein würdiger und angemessener Gegenspieler des Orchesters gefunden. Klang- reich, voluminös und selbstsicher wird es keinesfalls als Soloinstrument untergehen. Alle Konzerte komponierte Mozart für das neuentwickelte Pianoforte und nicht mehr für das Cem- balo.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Klassische Konzertsatz
Hochschule
Technische Universität Berlin
Veranstaltung
Die Geschichte des Instrumentalkonzerts
Note
Gut - Bestanden
Autor
Jahr
2000
Seiten
13
Katalognummer
V66834
ISBN (eBook)
9783638592239
ISBN (Buch)
9783638768122
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Theorie und eine Analyse des 1. Satzes des A-Dur-Klavierkonzerts von Wolfgang Amadeus Mozart.
Schlagworte
Konzertsatz, Mozart, Klassik, Instrumentalkonzert, Klavierkonzert, Klassischer Konzertsatz, A-Dur, Solokonzert, Virtuose, Kadenz, Solokünstler, Form
Arbeit zitieren
Kristin Peukert (Autor:in), 2000, Der Klassische Konzertsatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66834

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