Im Jahr 2001 erschien in Spanien im Barceloniner Verlag Planeta der Roman eines bis dahin kaum beachteten Autors: Carlos Ruiz Zafón. Der Titel: La Sombra del Viento.
Innerhalb kurzer Zeit konnte man den Titel ganz oben auf den nationalen Bestsellerlisten finden. Das mittlerweile in der 50. Auflage gedruckte Buch wurde nach und nach auch zu einem internationalen Erfolg. In der Zwischenzeit in über 20 Sprachen übersetzt und in mehr als 40 Ländern publiziert, rangiert der Roman Zafóns neben Werken von Gabriel García Márquez, Isabel Allende und Umberto Eco.
Die Hintergründe dieses überraschenden Erfolges sind Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Es fallen dem aufmerksamen Leser deutliche Ähnlichkeiten mit Eduardo Mendozas La Ciudad de los Prodigios auf, ein Roman, der in den 1980er Jahren hochgelobt und unterdessen als gutes Beispiel postmoderner spanischer Literatur angesehen wird. Es wird Zafón vorgeworfen, sich des Plagiats schuldig gemacht und somit eine Erfolgsgarantie „eingebaut“ zu haben. Wie La Ciudad auch enthält der Roman Elemente aus verschiedenen Romangattungen, darunter historischer Roman, Kriminalroman, Liebesroman, Stadtroman, Märchen und Schauerroman. Ob es diese Mischung der verschiedenen Genres ist, die den Publikumserfolg begründet, gilt es, mithilfe der Analyse zu klären.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
.1 Gegenstand
.2 Aufbau und Methodik
.3 Forschungslage
II Hauptteil
1. Carlos Ruiz Zafón und La Sombra del Viento
1. 1. Der Autor und sein bisheriges Werk
1. 2. Inhalt des Romans
2. Analyse
2.1. Die Rezeptionsgeschichte von La Sombra del Viento
2.2. Aufbau und Struktur
2.3. Inhaltliche Analyse
2.3.1. Zur Postmoderne
2.3.2. Zur Genrefrage
2.3.2.1. Die nueva novela histórica
2.3.2.2. Der Kriminalroman
2.3.2.3. Der Liebesroman
2.3.2.4. Der Stadtroman
2.3.2.6. Märchen / Schauerroman
2.3.2.6. Andere Genres
2.4. Thematische Parallelen zu Eduardo Mendozas Werk
2.4.1. Kino
2.4.2. El ángel de brumas / Onofres palacio
2.4.3. Don Federico / Señor Braulio
2.4.4. El doctor Mendoza
2.5. Intertextualität
2.6. Sprache
2.6.1. Parodie / Komik
2.6.2. Sprachfärbung
III Schlussbetrachtung
IV Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Carlos Ruiz Zafóns Roman "La Sombra del Viento" durch die gezielte Vermischung verschiedener Genres und intertextuelle Bezüge als ein literarisches Produkt der Postmoderne eingeordnet werden kann, und setzt sich dabei kritisch mit dem Plagiatsvorwurf auseinander, der das Werk in die Nähe von Eduardo Mendozas "La Ciudad de los Prodigios" rückt.
- Analyse der Rezeptionsgeschichte und Vermarktung des Bestsellers
- Hybridität der Genres: Krimi, Liebesroman, historischer Roman, Schauerroman
- Strukturelle und thematische Vergleiche mit Eduardo Mendozas Werk
- Untersuchung der Intertextualität und sprachlichen Mittel (Parodie, Komik)
- Einordnung des Romans in die postmoderne Literatur
Auszug aus dem Buch
2.3.2.1. Die nueva novela histórica
Im Rahmen der Entwicklung des Romans entstand in Spanien auch die nueva novela histórica, die für die vorliegende Untersuchung von Bedeutung ist. Sie gilt als Weiterentwicklung des traditionellen historischen Romans. Dieser, bereits durch Sir Walter Scott im 19. Jahrhundert begründet, lässt sich schlicht definieren als „Roman, der historische Personen und Ereignisse schildert oder anhand von erfundenen Figuren das Bild einer vergangenen Epoche einzufangen versucht.“48 Die nueva novela histórica bricht zwar nicht völlig mit diesem Konzept, erweitert aber das Spektrum der Möglichkeiten um einige Elemente, die vorher noch nicht mit historischen Romanen in Verbindung gebracht wurden wie Metafiktionalität, Parodie etc., also postmodernen Erzählelementen.
Auf die ersten Werke in den 1960er Jahren von z. B. Juan Goytisolo (Señas de identidad; 1966) folgten unzählige andere. Die Blütezeit erlebte die nueva novela histórica jedoch in den 1980er Jahren. Erst nach der Franco-Ära und der transición, also nach Abschluss der Demokratisierung, war es in Spanien möglich, ein entspanntes Verhältnis zur Geschichte aufzubauen, das nicht „der Verherrlichung der Vergangenheit, der Beschwörung von Spaniens Weltmachtgröße im Siglo de Oro“49 diente, sondern der Neuorientierung in der Weltgeschichte. In diesem Sinne versucht die nueva novela histórica nicht, der Geschichte einen bestimmten und eindeutigen politischen Charakter aufzudrücken, so wie es bisher, besonders beeinflusst durch die Zensur, geschehen war, sondern sie ist geprägt von:
„Skepsis, Zweifel, Fragen (statt Antworten) und vor allem eine gesunde Neugier, die ihr Interesse auch auf das richtet, was so lange verdrängt, verschwiegen, unterdrückt und verleugnet war. Diese neue Fragehaltung, die der des Kriminalromans ähnlich ist (der Spuren freilegt, wo Spuren verwischt worden sind), schlägt sich auch in der Erzählweise nieder, die nicht mehr selbstgewiß linear, sondern reflexiv verschlungen, vielschichtig und bisweilen ironisch ist.“50
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Vorstellung des Gegenstands, der Methodik der Untersuchung und der aktuellen Forschungslage zum Roman.
II Hauptteil: Detaillierte Analyse von Autor, Romaninhalt, Rezeptionsgeschichte, Struktur sowie der verschiedenen Genres und intertextuellen Parallelen zu Mendoza.
III Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einordnung des Werkes als postmodern und Bewertung der Plagiatsvorwürfe im Kontext gängiger literarischer Methoden.
IV Ausblick: Diskussion über die zukünftige literarische Bedeutung des Romans und seine kommerzielle Vermarktung im neuen Jahrtausend.
Schlüsselwörter
Carlos Ruiz Zafón, La Sombra del Viento, Postmoderne, Eduardo Mendoza, La Ciudad de los Prodigios, Hybridität, Intertextualität, neue historische Roman, Barcelona, Genre-Brüche, Rezeptionsgeschichte, Literaturwissenschaft, Literaturkanon, Pikaresker Roman, Schauerroman.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Carlos Ruiz Zafóns Roman "La Sombra del Viento" trotz seiner kommerziellen Popularität und der Plagiatsvorwürfe als ein komplexes, postmodernes Werk in der spanischen Literaturgeschichte verortet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Genre-Hybridität, die Bedeutung des Schauplatzes Barcelona, der intertextuelle Bezug zu Eduardo Mendoza und die Rolle von Liebe und Kriminalität in Zafóns Erzählstruktur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob die genreübergreifende Mischung und die Anlehnung an Mendoza ein bewusstes, postmodernes Merkmal sind oder eine bloße Nachahmung zur Sicherung des Publikumserfolgs darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird werkimmanent und komparatistisch gearbeitet, um Charakteristika der Postmoderne aufzuzeigen und diese anhand von Vergleichen mit Mendozas "La Ciudad de los Prodigios" zu stützen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung des Autors, eine Inhaltsangabe sowie eine detaillierte Analyse der Rezeptionsgeschichte, der Erzählstruktur, der Genreelemente und der spezifischen thematischen Parallelen zu Mendoza.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Postmoderne, Hybridität, Intertextualität, Barcelona, Kriminalroman und die "nueva novela histórica".
Wie unterscheidet sich die Stadt Barcelona in Zafóns Werk von Mendozas Darstellung?
Während Barcelona bei Mendoza aktiv als Protagonistin auf der Demonstrationsebene fungiert, dient die Stadt bei Zafón eher als atmosphärischer Hintergrund, der jedoch durch personifizierte, geheimnisvolle Attribute den Charakter eines Schauerromans unterstreicht.
Wie bewertet die Arbeit den Plagiatsvorwurf?
Die Arbeit entkräftet den Vorwurf, indem sie aufzeigt, dass Intertextualität und das Zitat in der Postmoderne legitime und gängige künstlerische Methoden sind, um Traditionen aufzubrechen und neue Denkräume zu schaffen.
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- Conny Schibisch (Author), 2005, La sombra del viento von Carlos Ruiz Zafón, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66868