Theoretische Grundlagen der europäischen Metropolregion Rhein-Ruhr


Hausarbeit, 2005
33 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Historisch gesellschaftliche Entwicklung des Metropolenbegriffs

2 Theorie der Zentralen Orte
2.1 Grundzüge der Zentralen-Orte-Theorie
2.2 EMR – Zentrale-Orte-Konzept

3 Wachstumspoltheorie
3.1 Grundzüge der Wachstumspoltheorie
3.2 EMR – Entwicklungsschwerpunkt

4 Theorie der Städtesysteme
4.1 Grundzüge der Städtesystemforschung
4.1.1 Standorttheorie unternehmensorientierter Dienstleistungen
4.1.2 Städtesysteme im Postfordismus
4.1.3 Global City-Ansatz
4.2 EMR – Theorie der Städtesysteme

5 Gebietskategorien
5.1 Grundzüge des Konzepts der Gebietskategorien
5.2 EMR - Gebietskategorien

6 Städtenetze
6.1 Gründzüge der Städtenetze
6.2 EMR - Städtenetze

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die folgende Arbeit „Theoretische Grundlagen der europäischen Metropol-region (EMR) Rhein-Ruhr“ dient als Basis für eine Vertiefung des Themen-komplexes EMR. Dabei ist die Arbeit in grundsätzlich zwei Abschnitte zu trennen, so werden zunächst planungssystematische Theorien in ihren Grundzügen dargestellt und daraufhin das Verhältnis dieser Theorien zum EMR-Konzept beleuchtet. Die Frage der Kompatibilität der vorgestellten Theorien zum EMR-Konzept ist von besonderer Bedeutung. Der Beitrag von Hans Heinrich Blotevogel „Europäische Metropolregion Rhein-Ruhr – theoretische, empirische und politische Perspektiven eines neuen raumordnungspolitischen Konzepts“ von 1998 dient im folgenden als Stütze und ist inhaltlich eng mit dieser Arbeit verknüpft.

Während Blotevogel zunächst all die allgemeinen planungssystematischen Theorien abhandelt und erst im zweiten Schritt die Kompatibilität aller Konzepte zu klären versucht, folgt bei dieser Arbeit je unmittelbar nach Vorstellung einer Theorie die Prüfung der Kompatibilität. Dieser Vorgang hat den Vorteil, dass dem Leser der Inhalt jeder Theorie bei einem Vergleich mit dem EMR-Konzept um einiges präsenter ist.

1.1 Historisch gesellschaftliche Entwicklung des Metropolenbegriffs

Um die Thematik dieser Arbeit: „Theoretische Grundlagen des EMR Rhein-Ruhr“ mit all ihren theoretischen Hintergründen möglichst gut verstehen und einordnen zu können, ist es vom Interesse, an dieser Stelle die Herkunft des Begriffs Metropolregion sowie den Wandel der Bedeutung dieses Begriffes und verwandter Begriffe wie Weltstadt näher zu beleuchten.

Der Begriff „Metropolregion“ lässt sich in zwei Worte unterteilen. Zum einen „Metropole“, eine Zusammensetzung zweier Worte griechischen Ursprungs, wobei „mätar“ wörtlich übersetzt „Mutter“ bedeutet und mit „polis“ die Stadt gemeint ist. Die direkte Übersetzung für „Metropole“ lautet folglich „Mutter-stadt“ und meint eine Hauptstadt, ein Zentrum oder eine Hochburg. Zum anderen ist „das lateinische Wort „regio“ in dem Begriff „Metropolregion“ herauszufiltern.

Übersetzt heißt „regio“ Gebiet oder Bereich und versteht in diesem Zusam-menhang ein territorial abgrenzbares Gebiet innerhalb eines Staates. Im Gegensatz zur „Stadt“ ist der Begriff „Region“ wesentlich unschärfer definiert und kann unterschiedliche Dimensionen aufweisen. Charakteristisch für Regionen ist aber, dass sie überwiegend aus städtischen Zentren mit nach außen kontinuierlich nachlassendem Umland bestehen.

Als Metropolregionen gelten typischerweise „solche Regionen, die im Siedlungssystem eine Spitzenstellung einnehmen und sich gegenüber anderen Stadtregionen durch ihre Größe, ihre engere Integration in das globale Städtesystem und ihre herausragende Funktion im nationalen Kontext, aber auch im internationalen Zusammenhang auszeichnen“ (Adam/Göddecke-Stellmann 2002). Metropolregionen sind als Knotenpunkte in einem europäischen, die nationalen Grenzen überschreitenden Netzwerk zu verstehen, das auch globale Verflechtung aufweist.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten von Metropolregionen. Zum einen gibt es Metropolregionen mit einer dominierenden Metropole wie Paris oder in Deutschland München. Zum anderen sind aber auch Metropol-regionen ohne Metropole weit verbreitet. Als Beispiel ist hier die europäische Metropoleregion Rhein-Ruhr zu nennen. Sie besteht aus vielen größeren Städten wie Dortmund, Essen, Köln oder Düsseldorf. Dieses Merkmal wird als Polyzentrismus bezeichnet. In Deutschland gibt es mit Hamburg, Rhein-Ruhr, Berlin-Brandenburg, Rhein-Main, Stuttgart, München und dem Sach-sendreieck Halle-Dresden-Zwickau gleich eine Vielzahl von Metropolre-gionen, die sich auch in ihrer Art unterscheiden. So ist in Deutschland neben den beiden aufgeführten Beispielen München und Rhein-Ruhr das Sachsendreieck gesondert hervorzuheben, da die Städte Halle, Dresden, Leipzig und Zwickau ein sogenanntes Städtenetz bilden, auf das in dieser Arbeit später noch explizit einzugehen sein wird.

Im Verlauf der Zeit hat sich die Bedeutung der Begriffe „Metropole“ oder „Weltstadt“ gewandelt. Man hat zu verschiedenen Zeiten etwas sehr Verschiedenes unter diesen Begriffen verstanden.

Zu Zeiten, als Macht und Ansehen primär durch Religion und Ideologien vermittelt wurden, galten Städte wie Rom im Mittelalter, Peking im chinesischen Kaiserreich oder im absolutistischen Europa Paris/Versailles als Metropolen. Erst mit dem Städtewachstum im 20 Jh. im Industriezeitalter wandelte sich der Begriff allmählich auf eine neu entstandene Gruppe der international bedeutsamsten und zugleich größten Städte mit mehreren Millionen Einwohnern (Blotevogel 1998, 35).

Der Begriff Metropole war sowohl Ausdruck quantitativer als auch funktionaler Größenordnung. Begriffe wie Stadt, Großstadt, City waren nicht mehr angemessen um insbesondere eine Kategorisierung von London, New York, Paris oder Berlin zum Ausdruck zu bringen.

Der Metropolencharakter ist seitdem von ökonomischen bzw. politisch-ökonomischen Kriterien geprägt. Heute erlangt man Ansehen und globale Macht in erster Linie durch Wohlstand und wirtschaftlich-technische Leistungsfähigkeit. Wichtig sind die „Bilanzsummen der ansässigen Banken“ und nicht mehr die „Zahl der Theater-Uraufführungen“(Blotevogel 1998, 35).

Auch frühere Weltstädte wie Jerusalem oder Venedig haben aufgrund des Wandels der Kriterien, von religiösen, kulturellen und politischen Kriterien hin zu politischökonomischen Kriterien, an Bedeutung verloren.

In jüngster Zeit scheint sich ein Trend abzuzeichnen, dass die kulturelle Bedeutung in den Metropolen wieder ansteigt. So könnten die Regionen in Zukunft durch Produzenten, kreative Berufe etc. kulturell aufgewertet werden (vgl. ebd., 36).

Des Weiteren gilt es, für das bessere Verständnis dieser Arbeit auf die Kriterien einzugehen, die eine Stadtregion als Metropolregion bestimmen und ferner Funktionen von Metropolregionen zu ermitteln.

Was zeichnet eine europäische Metropolregion eigentlich aus? „Metropolen bzw. Weltstädte werden heute von den meisten Autoren als Knotenpunkte der globalisierten Ökonomie, als wirtschaftliche Steuerungs- und Dienstleistungszentralen mit weltweiten Verflechtungen definiert“ (vgl. ebd., 36). In einer Metropolregion herrscht eine hohe Konzentration von politischen und wirtschaftlichen Steuerungsfunktionen. Eine große Dichte von spezia-lisierten, unternehmensnahen Dienstleistungsunternehmen sowie hoch ent-wickelte Infrastrukturausstattung sind ebenfalls charakteristisch.

Zudem weisen Metropolregionen üblicherweise eine hohe Einwohnerdichte und einen starken Zulauf von Migranten auf.

Im Wesentlichen lassen sich die Funktionen von Metropolen und Metropol-regionen im Siedlungssystem in drei Punkte unterteilen (vgl. Adam/ Göd-decke-Stellmann 2002). Erstens haben Metropolregionen Entscheidungs- und Kontrollfunktionen, was sich beispielsweise durch Sitze von bedeut-samen Organisationseinheiten großer Institutionen bemerkbar macht (vgl.ebd.). Zweitens ist die Verbreitung von Wissen, ein hoch ausdiffer-enzierter Arbeitsmarkt sowie die Anwesenheit von Einrichtungen von For-schung und Entwicklung wie Universitäten unter der Innovations- und Wett-bewerbsfunktion zusammenzufassen (vgl. ebd.). Die Gateway-Funktion ist die dritte Funktion einer Metropole im Siedlungssystem (vgl. ebd.) Eine Metropole dient als allgemeiner Knotenpunkt. Die Existenz großer Verkehrs-wege und die Ermöglichung des Zugangs zu Wissen sind weitere Aspekte, die der Gateway-Funktion zuzuordnen sind (vgl. ebd.).

2 Theorie der Zentralen Orte

2.1 Grundzüge der Zentralen-Orte-Theorie

Mit dem Ziel, Gesetzmäßigkeiten über die Größe, Anzahl und räumliche Verteilung von Siedlungen mit „städtischen“, d.h. tertiärwirtschaftlichen, zentralörtlichen Funktionen[1] abzuleiten, untersuchte Christaller Anfang der dreißiger Jahre den süddeutschen Lebensraum (vgl. Blotevogel 1998, 36). Aus seinen gewonnen Erkenntnissen, die er in seinem publizierten Werk „Die zentralen Orte in Süddeutschland“ festhielt, entwickelte Christaller die sogenannte Zentrale-Orte-Theorie, mit der er, die relative Größe und die räumliche Anordnung von Städten als eine Funktion des Versorgungs-verhaltens zu erklären versucht (vgl. Knox/Marston 2001, 509). Zentrale Orte stellen Siedlungen dar, die Güter und Dienstleistungen über ihren eigenen Bedarf hinaus für Kunden des Umlands bereitstellen (vgl. ebd., 509).

Christaller beobachtete in seiner Untersuchung, dass es eine große Anzahl von verhältnismäßig nah beieinander liegenden Kleinstädten gab, die jeweils über ein begrenztes Spektrum an Geschäften, Dienstleistungen und anderen Einrichtungen zur Deckung des Bedarfs der örtlichen und der im Nahbereich lebenden Bevölkerung verfügten (vgl. ebd., 509f.).

„Andererseits gab es deutlich weniger und weiter auseinander liegende große Städte mit einer breiteren Palette an Geschäften, Dienstleistungen und Einrichtungen, die auch von Kunden aus weiter entfernten Kleinstädten und ländlichen Räumen in Anspruch genommen wurden (ebd., 510).“ Zwischen diesen beiden Kategorien existierten Orte mittlerer Größe mit einer mittleren Zahl und Vielfalt von Geschäften, Dienstleistungen und Einrichtungen (vgl. ebd., 510).

So kam er zu dem Schluss das Klein-, Mittel oder Großstädte unterschiedlich große Gebiete und Bevölkerungsgruppen versorgen, er sprach von sogenannten Grund, Mittel und Oberzentren, die je nach Ver-sorgungs­eigenschaft eine unterschiedlich große zentralörtliche Funktion be-sitzen und somit hierarchisch im Raum angeordnet sind (vgl. ebd., 510).

Die zentralörtliche Funktion eines Ortes ist demnach um so höher, je mehr Güter bzw. Dienstleistungen die Stadt über ihren eigenen Bedarf hinaus ins Umland bereitstellte (vgl. Schätzl 1978, 64).

Um seine Beobachtungen erklären zu können, griff Christaller auf die Prinzipien der Reichweite zurück. „Die äußere Reichweite eines Produktes oder einer Dienstleistung entspricht der maximalen Distanz, die ein Kunde oder Klient unter normalen Umständen in Kauf nimmt, um eine Ware zu erwerben beziehungsweise eine Leistung in Anspruch zu nehmen (Knox/ Marston 2001, 510).“ Seltener benötigte wie auch meist recht teure Güter und Dienstleistungen haben somit eine weitaus größere Reichweite (bis zu 100km und mehr) als alltäglich genutzte, vergleichsweise billige Güter und Dienstleistungen, wie zum Beispiel Backwaren.

„Die innere Reichweite bezeichnet das Gebiet um einen Zentralen Ort, in dem gerade so viele Konsumenten leben, wie erforderlich sind, um ein Gut rentabel anbieten zu können (ebd., 511).“ Demnach haben hochwertige Dienste, wie etwa ein Krankenhaus, ein Schwellenwert von mehr als 10000 Menschen, um rentabel arbeiten zu können.

Geringwertige Dienste (z.B. ein Kiosk) können im Gegensatz dazu, auch schon mit 200 bis 300 Kunden in der näheren Umgebung auskommen.

Daraus ergibt sich, dass in jeder beliebigen Region nur eine begrenzte Zahl von Orten hoher Zentralitätsstufe notwendig ist, die das gesamte Spektrum an Gütern und Dienstleistungen anbieten und ein größeres Marktgebiet be-sitzen (vgl. ebd., 511). „Die Zahl und räumliche Verteilung von Orten niedriger Zentralitätsstufe ergibt sich aus dem Zusammenspiel unter-schiedlicher Reichweiten und Reichweitengrenzen (ebd., 511).“

Christaller konnte somit zeigen, dass sich unter idealen Bedingungen[2] städtische Siedlungen hierarchisch anordnen (vgl. Abb.1), in dem sich hexa-gonale Marktgebiete unterschiedlicher Ausdehnung um Orte unterschied-licher Größe und Zentralität herausbilden (vgl. ebd. 511).

Abb.1: Zentrale-Orte-Theorie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Knox/Marston 2001, 511)

Die von Christaller gewählte hexagonale Anordnung ist rein hypothetischer Natur und soll Überlappungen zwischen den einzelnen Reichweitengrenzen vorbeugen, die bei einem kreisförmigen Grenzverlauf entstehen könnten.

Obwohl die von Christaller vorausgesetzten Idealbedingungen nirgendwo in der Realität anzutreffen sind, fanden Geographen dennoch zahlreiche Bei-spiele für zentralörtliche Hierarchien mit regelmäßigen Größenverhältnissen und Raummustern (vgl. ebd., 511). Den eigentlichen Durchbruch schaffte die Theorie in den sechziger und siebziger Jahren als sie große Zustimmung in der Raumordnung, Landes- und Regionalplanung fand (vgl. Blotevogel 1998, 36).

[...]


[1] Gesamtheit der Geschäfte, Dienstleistungen und Einrichtungen in einer Siedlung (vgl. Knox/Marston 2001, 510)

[2] in ebenen, homogenen Gebieten mit flächendeckend guten Verkehrsverbindungen (vgl. Knox/Marston 2001, 511)

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Theoretische Grundlagen der europäischen Metropolregion Rhein-Ruhr
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Geographie)
Veranstaltung
Europäische Metropolregionen
Note
1,3
Autoren
Jahr
2005
Seiten
33
Katalognummer
V66972
ISBN (eBook)
9783638599610
ISBN (Buch)
9783656006527
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theoretische, Grundlagen, Metropolregion, Rhein-Ruhr, Europäische, Metropolregionen
Arbeit zitieren
Tobit Schneider (Autor)Philipp Schäfer (Autor), 2005, Theoretische Grundlagen der europäischen Metropolregion Rhein-Ruhr, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66972

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