In der Literatur findet sich eine verwirrende Vielzahl von unterschiedlich gebrauchten Bezeichnungen, die mit dem Phänomen Lese-Rechtschreibschwäche zu tun haben. Zu den gebräuchlichsten gehören im deutschen Sprachraum die Ausdrücke Legasthenie und Dyslexie. Beide Wörter bezeichnen eine Phänomen, das sich wörtlich genommen auf einen Bereich der Schriftsprache beschränkt, nämlich das Lesen bzw. die gesprochene Sprache. Das, was unter Störung des Schriftspracherwerbs verstanden wird, was als Ursache angenommen wird und wie Schriftspracherwerbsprozesse zu fördern sind, ist heterogen. Begriffe wie z.B. Legasthenie, Lese-Rechtschreibschwäche (LRS), A- bzw. Dyslxie bzw. Anbzw. Dysorthografie werden für das selbe Erscheinungsbild verwendet, nämlich für orthografisch nicht korrekte Schreibungen eines Schreibers zu einem Zeitpunkt, zu dem eine Mehrzahl der Kinder/Schreiber über bessere Schreibungen verfügt.
UnterLegasthenie(altgr.:legein= sprechen [hier = lesen, schreiben],a= nicht [hier = ohne],sthenos= Kraft [hier = Stärke]; Lese-Rechtschreib-Schwäche/Lese-Rechtschreib-Schwierigkeit) versteht man eine massive und lang andauernde Störung des Erwerbs der Schriftsprache.
Die betroffenen Personen (Legastheniker) haben häufig Probleme mit der Umsetzung der gesprochenen zur geschriebenen Sprache und umgekehrt. Als Ursache werden Probleme der auditiven und visuellen Wahrnehmungsverarbeitung, der Verarbeitung der Sprache und vor allem der Phonetik angenommen. Ursprünglich war Legasthenie der nur in der Medizin und Psychologie benutzte Begriff für eine Lese-Rechtschreib-Schwäche und der daraus resultierenden Probleme. In der Pädagogik sprach und spricht man eher von einer „isolierten Lese-Rechtschreibstörung“ oder einer „Lernstörung bei normal begabten Kindern“, um die Diskrepanz zwischen einer ausgesprochen niedrigen Lese- und Schreibleistung und normaler oder sogar oft überdurchschnittlich hoher Intelligenz in Worte zu fassen.
Als internationaler Begriff wird in den meisten Ländern für die isolierte Lese-Rechtschreibstörung Dyslexie bzw. Dyslexia (Dys-/ dys- = erschwert, schwierig, miss-/Abweichung von der Norm, lexis= Sprechen, Rede Wort) benutzt. Die Abkürzung LRS wird im Schulsystem vor allem für andere Formen von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten angewendet, z. B. für alle nichtlegasthenen Leseschwächen bedingt durch Erkrankung, Meningitis oder andere Behinderungen wie z.B. Down-Syndrom oder auch durch mangelnde Deutschkenntnisse wegen Migration.
Inhaltsverzeichnis
1. Definition der Lese- Rechtschreibstörung
1.1 Definition nach dem DSM-IV
1.2. Erscheinungsbild
2. Anzeichen für Lese-Rechtschreibstörung
3. Lese-Rechtschreibstörung in der Sekundarstufe
4. Die Teilleistungen
Wichtige Lernvoraussetzungen:
5. Die richtige Hilfe
5.1 Hilfen in der Schule
5.2. Der Notenschutz
5.3. Chronik von Richtlinien und Erlässen bezüglich Legasthenie in Österreich
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das Phänomen der Lese- und Rechtschreibschwäche (Legasthenie) zu definieren, ihre diagnostischen Merkmale und Ursachen zu beleuchten sowie pädagogische Förderansätze und rechtliche Rahmenbedingungen, insbesondere im österreichischen Kontext, aufzuzeigen.
- Definition und Erscheinungsbild der Legasthenie und Lese-Rechtschreibstörung
- Diagnostische Kriterien und Symptome in verschiedenen Altersstufen
- Bedeutung von Teilleistungsschwächen für den Schriftspracherwerb
- Pädagogische Interventionsmöglichkeiten in der Sekundarstufe
- Bedeutung des Notenschutzes als Nachteilsausgleich
Auszug aus dem Buch
3. Lese-Rechtschreibstörung in der Sekundarstufe
Überraschenderweise gibt es sowohl in den Hauptschulen als auch in allgemein bildenden höheren Schulen Kinder mit sehr schlechten Rechtschreibkenntnissen oder geringen Lesefertigkeiten. Dazu kommt es, weil der Begriff „Legasthenie“ noch immer generell schwache Lese- und Schreib-Fertigkeiten ausschließt. Immer wieder erleben wir, dass Eltern empfohlen wird, mit ihren Kindern zu üben, da diese nicht rechtschreiben können. Doch wie sollen die Betroffenen üben?
Lesen- und Schreibenlernen ist, wie der Name schon sagt, ein Lernakt. Alles Lernen unterliegt Lerngesetzen. Das bedeutet: Alles, was wir oft machen, können wir gut (wir haben viel „Übung“ in etwas). Was wir selten machen, bereitet uns Schwierigkeiten, dabei sind wir ungeschickt, also ungeübt.
Die Fertigkeiten (Kulturtechniken) Lesen und Schreiben sind sehr vielschichtig und daher kompliziert. Sie bauen auf dem Allgemeinwissen und dem Vorwissen auf. Man braucht einen entsprechenden Rahmen, um lesen und schreiben lernen zu können: Ruhe, Platz, Zeit, Unterstützung usw. Schließlich brauchen manche Kinder mehr Zeit und Übung diese Kulturtechniken zu erlernen als andere (vgl. Gräven M./Gräven G., 1999, S. 51/52).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definition der Lese- Rechtschreibstörung: Dieses Kapitel erläutert die terminologische Vielfalt und die medizinisch-psychologische Einordnung des Phänomens Legasthenie unter Berücksichtigung internationaler Standards wie dem DSM-IV.
2. Anzeichen für Lese-Rechtschreibstörung: Hier werden entwicklungsspezifische Symptome der Legasthenie für das Vorschulalter sowie für Kinder unter und über neun Jahren detailliert aufgeführt.
3. Lese-Rechtschreibstörung in der Sekundarstufe: Dieses Kapitel diskutiert die Herausforderungen des Schriftspracherwerbs bei älteren Schülern und betont die Notwendigkeit altersgerechter Förderansätze.
4. Die Teilleistungen: Es werden die neurologischen und sensorischen Voraussetzungen wie Optik, Akustik und Raumlage beschrieben, deren Störung das Entstehen einer Legasthenie maßgeblich begünstigen.
5. Die richtige Hilfe: Das abschließende Kapitel behandelt therapeutische Wege, schulische Fördermaßnahmen und die rechtliche Relevanz des Notenschutzes in Österreich.
Schlüsselwörter
Legasthenie, Lese-Rechtschreibstörung, Dyslexie, Teilleistungsschwäche, Schriftspracherwerb, Wahrnehmungsverarbeitung, Notenschutz, Nachteilsausgleich, Förderdiagnostik, Sekundarstufe, Phonetik, Lernstörung, Kulturtechniken, Diagnostik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition, den Ursachen und den förderpädagogischen sowie rechtlichen Aspekten der Lese- und Rechtschreibschwäche (Legasthenie) im schulischen Kontext.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit behandelt die medizinisch-psychologische Definition, diagnostische Anzeichen, die Rolle von Teilleistungsschwächen sowie praktische Unterstützungsmaßnahmen für betroffene Schüler.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist ein umfassender Überblick über das Störungsbild, um Lehrkräften und Betroffenen Grundlagen für ein besseres Verständnis und eine effektive Förderung in der Sekundarstufe zu liefern.
Welche wissenschaftlichen Grundlagen werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf etablierte Klassifikationssysteme wie DSM-IV und ICD-10 sowie auf fachdidaktische Literatur zur Sprachheilkunde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Störungsbilder, die detaillierte Darstellung von Wahrnehmungsproblemen (Teilleistungen) und die praktische Umsetzung von schulischen Hilfen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren das Werk?
Zentrale Begriffe sind Legasthenie, Lese-Rechtschreibstörung, Teilleistungsschwächen, Notenschutz und spezifische Wahrnehmungsbereiche wie Optik, Akustik und Raumlage.
Warum wird der Notenschutz in der Arbeit als essenziell hervorgehoben?
Der Notenschutz wird als notwendiger Nachteilsausgleich gesehen, der es legasthenen Schülern ermöglicht, ihre schulische Laufbahn ungeachtet ihrer spezifischen Rechtschreibproblematik gemäß ihrer Intelligenz zu gestalten.
Wie unterscheidet sich Legasthenie von anderen Lernschwächen?
Legasthenie wird als isolierte Schwäche bei normaler bis hoher Intelligenz definiert, die ohne erkennbare äußere Ursache auftritt, im Gegensatz zu erworbenen Leseschwächen durch Krankheit oder mangelnde Deutschkenntnisse.
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- Mag. Susanne Biermair (Autor), 2006, Lese- und Rechtschreibschwäche in der Sekundarstufe, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67032