Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History

Anno II. von Köln als Heiliger in der Darstellung des Annolieds und der Vita Annonis minor

Title: Anno II. von Köln als Heiliger in der Darstellung des Annolieds und der Vita Annonis minor

Seminar Paper , 2006 , 25 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Florian Amberg (Author)

Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Assoziationsketten, die der Begriff des Heiligen anstößt, kreisen oft um zentrale Begriffe des Christentums wie etwa Frömmigkeit, Nächstenliebe, Demut oder Selbstlosigkeit. Die Schilderungen der Frutolfi chronica über den Kölner Erzbischof Anno II. lassen sich damit nicht in Einklang bringen. Sie beschreibt die fatalen Folgen des von Anno initiierten Staatsstreichs von Kaiserswerth:
[M]ulta [...] incommoda extunc orta et deinceps aucta certum tenemus. Nam perinde dissensiones in regno,ęcclesięperturbatio, monasteriorum destructio, clericatus despectio, totius iusticię ac religionis conculcatio et cępit et permanet.
Auch im Annolied findet sich ein Vers, der kontrovers gedeutet werden kann: „[Annin] gůte bikanti vil unmanig man.“ (AL, V. 597) Ist hier von Annos Bescheidenheit und Demut die Rede oder der Ignoranz seiner Mitmenschen? Oder spielt sie auf seine eigenen Verfehlungen gegenüber zahlreichen Menschen an? Mit Blick auf den Kontext des Werkes liegen die erstgenannten Vermutungen näher, da das Annolied ansonsten gänzlich auf eine kritische Betrachtung von Annos Wirken verzichtet. Im Licht der weiteren zeitgenössischen Quellen gewinnt der Vers eine neue, viel sagende Bedeutung. Dennoch wurde Anno im Jahr 1183 heilig gesprochen. Dies geschah erst im zweiten Anlauf und nicht ohne Irritationen und Komplikationen. Es zeigt deutlich, dass Annos Person und Handeln zu diesem Zeitpunkt äußerst umstritten waren.
Obgleich das Annolied und die Vita Annonis minor als Beschreibung seines Lebens mit dem Prozess der Heiligsprechung korrelierten, richtet diese Arbeit ihren Fokus in erster Linie auf die Darstellung Annos II. als Heiligen in den beiden Quellen. Doch was bedeutet es, ein Heiliger zu sein? Was zeichnet einen Heiligen aus?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. „sîn gůte bikanti vil unmanig man“: Einleitung

2. Heiligenattribute im Hochmittelalter

2.1 Die Aussagen der Vita Annonis minor

2.2 Pluralität der mittelalterlichen Heiligkeitskonzeptionen

3. Charakterisierung der Quellen

3.1 Das Annolied

3.2 Vita Annonis minor

4. Hagiographische Synopse des Annolieds und der Vita Annonis minor

4.1 Biblische Grundlegung

4.2 „al náh dis heiligin Christis bilide“: Imitatio

4.2.1 Imitatio Christi

4.2.2 Anderweitige Nachfolge

4.2.3 Gewichtung der Nachfolge-Modelle

4.3 „dî wurdin dâ gesunte“: Heilungen und Wundertaten

4.3.1 Heilungen

4.3.2 Das Volprecht-Wunder

4.3.3 Wundertaten

4.3.4 Stellenwert der Wunder

4.4 „als ein lamb gîn her untir diurftigin“: Tugendhaftigkeit

4.4.1 Bestand an Tugenden

4.4.2 Rolle der Tugenden innerhalb der Quellen

4.5 „als ein lewo saz her vur din vuristin“: Weltliches Handeln

4.6 „dritte werilde“: Ideal des christlichen Herrschers

4.7 „disin vlekkin wîsi hine gedûn“: Annos Schuld

4.7.1 Vision vom Flecken auf der Brust

4.7.2 Motivation der Thematisierung

4.7.3 Schwerpunktverschiebung innerhalb der Argumentation

4.8 „dů ward her gikeistigit“: Annos Leiden

5. „gode was her vili liep“: Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung des Kölner Erzbischofs Anno II. als Heiliger in zwei zeitgenössischen Werken, dem Annolied und der Vita Annonis minor. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der hagiographischen Konzeption herauszuarbeiten, um zu verstehen, wie die Autoren trotz historisch belegter Kontroversen und Vorwürfe gegen Annos Wirken ein positives Heiligkeitsbild konstruierten und verteidigten.

  • Vergleichende Analyse der Heiligkeitsattribute im Annolied und der Vita Annonis minor.
  • Die Rolle der Imitatio Christi und anderer Nachfolge-Modelle in der Charakterzeichnung.
  • Bedeutung von Wundertaten und tugendhaftem Handeln für die Legitimation der Heiligkeit.
  • Umgang der Autoren mit der "Schuldfrage" und der historischen Kritik an Anno.
  • Der Einfluss politischer und geistlicher Ideale auf die Darstellung als christlicher Herrscher.

Auszug aus dem Buch

4.2 „al náh dis heiligin Christis bilide“: Imitatio

Im Annolied erfährt der Leser gleich in der ersten Strophe, welcher Status Anno hier zugemessen wird: Jesus Christus selbst habe Wunder gewirkt „durch den diurlîchen man, den heiligen bischof Annen“ (AL, V. 12f.). Auch das Leiden Annos wird mit Hilfe von „al náh dis heiligin Christis bilide“ (AL, V. 673) in den direkten Bezug zu Christus gesetzt. Derart ausdrücklich stellt der Autor des Annolieds den Kölner Bischof lediglich an diesen beiden Stellen als Nachfolger Christi dar. Indirekt allerdings tut er dies auch, als er die Vision Annos schildert: „[E]inis dagis ingegin nône dir himil indedde sich scône“ (AL, V. 699f.). Diese Schilderung spielt auf die Taufe Jesu an (vgl. Mk 1,10).

Zugleich steht die Zahlen-Symbolik aus dem Neuen Testament im Vordergrund: Die neunte Stunde ist jene, in der Jesus am Kreuz stirbt. Auf den Tod Jesu bezieht sich auch die 33. Strophe des Annolieds, in der Anno als der 33. Bischof Kölns bezeichnet wird (vgl. AL, V. 569f.). Diese Zahl entspricht dem allgemeinen Glauben nach dem Alter Jesu, als er getötet wurde. Mit Ausnahme der ersten Strophe, die sich auf das Wunderwirken Annos bezieht, und der Vision, die bei Jesus positiv konnotiert ist, in der Dichtung aber mit dem Beginn von Annos tödlicher Erkrankung verknüpft ist, beschränken sich die im Annolied direkt mit Christus verknüpften Motive auf das Leiden und den Tod. Mit der imitatio Christi ist nun auch nicht mehr ausschließlich das aktive Handeln gemeint, das ganz von der Nachfolge Christi bestimmt ist. Die Zahlensymbolik und das Motiv des Leidens nach Christi Vorbild zeigen, dass imitatio nicht immer aktives Handeln bedeutet, sondern auch passiven Charakter haben kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. „sîn gůte bikanti vil unmanig man“: Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, Anno II. als Heiligen darzustellen, angesichts der historischen Vorwürfe gegen sein Wirken.

2. Heiligenattribute im Hochmittelalter: Dieses Kapitel erläutert, wie im Mittelalter Virtus und Wunder als zentrale Elemente für die Definition von Heiligkeit fungierten.

3. Charakterisierung der Quellen: Hier werden Entstehungszeit, Sprache und Struktur des Annolieds und der Vita Annonis minor kurz vorgestellt.

4. Hagiographische Synopse des Annolieds und der Vita Annonis minor: Das Hauptkapitel untersucht im Detail die biblische Fundierung, die Imitatio Christi, Wunderberichte, Tugenden und den Umgang mit der Schuldfrage in beiden Quellen.

5. „gode was her vili liep“: Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass beide Texte als Verteidigungsschriften fungieren, um Anno trotz seiner umstrittenen politischen Rolle als Heiligen zu etablieren.

Schlüsselwörter

Anno II. von Köln, Annolied, Vita Annonis minor, Heiligsprechung, Imitatio Christi, Hagiographie, Mittelalter, Tugendhaftigkeit, Wunderheilung, Kirchengeschichte, Reichskirche, Schuldfrage, christlicher Herrscher, Quellenvergleich, Frömmigkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Proseminararbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie der Kölner Erzbischof Anno II. in zwei mittelalterlichen Quellen – dem Annolied und der Vita Annonis minor – als Heiliger dargestellt und legitimiert wird.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen sind hagiographische Konzepte im Hochmittelalter, die Imitatio Christi, die Bedeutung von Wundertaten sowie der Umgang mit historischer Kritik und persönlicher Schuld.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Argumentationsstrategie beider Autoren herauszuarbeiten, um zu zeigen, wie sie Annos Heiligkeit trotz kontroverser politischer Handlungen belegen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine vergleichende Quellenanalyse, die durch eine Synopse von hagiographischen Motiven und die Einordnung in den kirchengeschichtlichen Kontext erfolgt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die biblische Grundlegung, verschiedene Formen der Nachfolge Christi, die Analyse von Wundertaten und Tugenden sowie die Auseinandersetzung mit der Vision von Annos Schuld.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Anno II., Annolied, Vita Annonis minor, Imitatio Christi, Hagiographie, Heiligsprechung und die Verbindung von weltlichem und geistlichem Handeln.

Wie gehen die Quellen mit Annos "Fleck auf der Brust" um?

Beide Quellen thematisieren diesen Fleck im Rahmen einer Vision als Symbol für eine ungebüßte Schuld, nutzen dies jedoch zugleich argumentativ, um Annos anschließende Wiedergutmachung als Beweis für seine Heiligkeit anzuführen.

Warum wird das Volprecht-Wunder in beiden Quellen hervorgehoben?

Das Volprecht-Wunder dient als zentrales, zweifach überliefertes Beispiel, das Kritiker zum Schweigen bringen soll; wer sich gegen Anno stellt, erleidet Strafe, wer sich bekehrt, erfährt Heilung.

Excerpt out of 25 pages  - scroll top

Details

Title
Anno II. von Köln als Heiliger in der Darstellung des Annolieds und der Vita Annonis minor
College
LMU Munich
Course
Einführung in die Kirchengeschichte: Das Annolied
Grade
1,0
Author
Florian Amberg (Author)
Publication Year
2006
Pages
25
Catalog Number
V67041
ISBN (eBook)
9783638593380
ISBN (Book)
9783656796787
Language
German
Tags
Anno Köln Heiliger Darstellung Annolieds Vita Annonis Einführung Kirchengeschichte Annolied
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Florian Amberg (Author), 2006, Anno II. von Köln als Heiliger in der Darstellung des Annolieds und der Vita Annonis minor, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67041
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  25  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint