Die Funktion des Keie im Iwein


Seminararbeit, 2006

16 Seiten, Note: 2,0

Franziska Marschick (Autor)


Leseprobe

Gliederung

„Eigenlob stinkt.“

I. „Iwein“ – Der Roman
1. Hartmann von Aue
2. Das Werk
3. Inhalt

II. Höfisches Verhalten - Regeln und Konventionen am Hofe im Mittelalter
1. Hövescheit
2. Selbstlobverbot
3. Regeln am Artushof

III. Vergleich der Figuren Gawein und Keie
1. Gawein als Vorbildfigur
1.1 Funktion am Hof
1.2 Charakterisierung durch den Erzähler
1.3 Einvernehmen mit den Regeln am Hof
2. Keie als Negativbeispiel
2.1 Funktion am Hofe
2.2 Charakterisierung durch den Erzähler
2.3 Widerspruch mit den Regeln am Hofe
3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Figuren Gawein und Keie
3.1 Vorkommen im Roman
3.2 Eigenschaften
3.3 Verbindung zu Iwein

IV. Funktionen Keies im „Iwein“
1. „Komische“ Funktion
2. Kritische Funktion
3. Mahnende Funktion
4. Symbol für die „gerechte Strafe“

Literatur

„Eigenlob stinkt.“

Ein Ausspruch, der auch heute noch seine Gültigkeit hat. Wer prahlt und sein Können überaus hervorhebt, erweckt Misstrauen bei seinen Mitmenschen und wird in der Gesellschaft nicht anerkannt. Wenn jemand über sich selbst spricht, beobachten ihn die anderen oft aufs Genaueste und es wird hinterfragt, ob die Person tatsächlich dem entspricht, wie sie sich selbst beschreibt oder ob sie nur den Anschein dessen erwecken möchte.

Die gesellschaftliche Kontrolle über das Verhalten des anderen ist heute noch da, jedoch war sie im Mittelalter viel ausgeprägter. Es gab bestimmte Benimmregeln, die am Hofe eingehalten werden mussten um ein anerkanntes Mitglied in der Gemeinschaft zu sein.

Diese große Bedeutung von angemessenem Verhalten lässt sich in vielen Werken aus dem Mittelalter beobachten. So hinterfragt auch Keie, der Truchsess des König Artus, in dem Roman „Iwein“ von Hartmann von Aue das Benehmen der anderen. Dabei gerät er oft selbst in Konflikt mit den Konventionen des Hofes.

In folgender Seminararbeit soll die Funktion dieser Figur näher untersucht werden. Dazu werde ich zuerst einen kurzen Überblick über den Autor und sein Werk und über die Regeln am Hofe im Mittelalter geben. Anschließend werde ich die Figuren Keie und Gawein miteinander vergleichen, um schließlich die verschiedenen Funktionen des Keie herauszuarbeiten und beschreiben zu können.

I. „Iwein“ – Der Roman

Im Folgenden wird kurz auf die Person Hartmann von Aues, die Entstehungsgeschichte des „Iwein“ und dessen Inhalt eingegangen werden.

1. Hartmann von Aue

Da über die Autoren aus dem Mittelalter kaum Dokumente vorhanden sind, ist man in der Mediävistik auf die Informationen aus den Werken der Person selbst oder auf Nennungen anderer Autoren in deren Arbeiten angewiesen[1].

Mit Hilfe dieser Anhaltspunkte geht man davon aus, dass Hartmann von Aue um 1160/65 geboren und um 1210 gestorben ist. Er war ein Ritter und konnte, was zu dieser Zeit noch eine Seltenheit war, lesen und schreiben[2]. Sein literarisches Schaffen wird auf 1180 bis 1205 datiert[3]. Folgende Werke stammen von Hartmann von Aue: Erec, Gregorius oder Der gute Sünder, Der arme Heinrich und Iwein. Zudem hat er einige Minne- und Kreuzlieder geschrieben.

2. Das Werk

Hartmann von Aue orientierte sich bei dem „Iwein“ an dem französischen Roman „Yvain“ von Chrétiens de Troyes, der nach unterschiedlichen Datierungen um 1177 oder zwischen 1185 und 1188 entstand[4].

Der „Iwein“ scheint äußerst beliebt gewesen zu sein:

Der Reichtum der Überlieferung ist in sich oft eine historische Aussage. Er beweist, dass der ‚Iwein’ offenbar stark gewirkt hat, stärker als jedes der anderen Werke Hartmanns, und das wiederum beweist, dass dieses Epos als in seiner Art vorbildlich empfunden wurde, als Muster und Exempel, vollkommene Erfüllung des Artus-Themas (Wapnewski 59).

Zwar sollte man bei dem überschwänglichen Lob Wapnewskis vorsichtig sein, jedoch zeigt die zahlreiche Überlieferung tatsächlich, dass sich das Werk großer Beliebtheit erfreute.

Durch Rekonstruktion nimmt man an, dass der Iwein vor 1205 abgeschlossen und Hartmanns letztes Werk war[5].

3. Inhalt

Der Roman beginnt mit einem Pfingstfest am Hof des König Artus. Kalogrenant, einer der zwölf Ritter, berichtet davon, wie er aventiure suchte und gegen den Ritter Askalon im Kampf verlor und somit Schande erfuhr. Iwein, ein weiterer Ritter des Hofes und zugleich sein Neffe, verspricht Kalogrenant daraufhin seine Ehre wiederherzustellen, woraufhin er von Keie, dem Truchsess, des Selbstlobes getadelt wird.

Durch die Schande Kalogrenants erfährt der Artushof die Berechtigung diese Demütigung zu rächen und der König beschließt mit seinem Gefolge auszuziehen. Iwein will jedoch die ritterliche Tat alleine begehen und zieht früher als alle anderen fort. Er besiegt tatsächlich Askalon und heiratet schließlich dessen Frau, Laudine und wird somit der Herr des Landes.

Durch seinen Sieg ist das Ansehen des Artushofes wieder hergestellt. Daraufhin geht Iwein auf den Rat seines Freundes Gawein, wieder zurück an den Hof mit dem Versprechen an seine Frau, dass er nach einem Jahr wiederkomme. Jedoch vergisst er seine Zusage und verärgert Laudine damit so sehr, dass sie die Ehe auflöst. Iwein verliert dadurch die gewonnene Ehre und fällt in den Wahnsinn. Er lebt nun fern vom Artushof in der Wildnis. Nach zahlreichen bestandenen Abenteuern und Kämpfen erreicht er schließlich den Hof Laudines und kann durch eine List Lunetes, ihrer Dienerin, deren Gunst zurückgewinnen und bei ihr bleiben.

[...]


[1] Keine Urkunde nennt die großen Epiker des Mittelalters: nicht Wolfram von Eschenbach, nicht Gottfried von Straßburg, nicht Chrestien de Troyes; und auch nicht Hartmann. Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck der wesentlichen Tatsache, dass Kunst zu jener Zeit kein Eigenbereich mit autoritärem Anspruch war, sondern funktionales Element einer Gesellschaft, die Urkunden mit ihren res gestae füllte und nicht mit der Rühmung von Künstlern (Wapnewski, 3).

[2] vgl. Wapnewski, 4.

[3] vgl. ebd. 23.

[4] vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Iwein.

[5] Die zeitliche Einordnung von Hartmanns Texten blieb in gewissem Maße bis heute kontrovers. Das liegt daran, dass sie nur aufgrund innerliterarischer Relationen möglich ist, diese Relationen aber gwöhnlich mit Hilfe von Textdeutungen und Vermutungen in chronologische `Fakten` umgesetzt werden (Cormeau 25).

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Funktion des Keie im Iwein
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften)
Veranstaltung
Dialogszenen in mittelhochdeutscher Epik um 1200
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V67087
ISBN (eBook)
9783638593601
ISBN (Buch)
9783638768184
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Keie, Iwein, Dialogszenen, Epik, Mittelalter, Konventionen, Hofleben, Mittelhochdeutsch, Hartmann von Aue, Gawein, Hövescheit, Selbstlobverbot, Regeln am Artushof, Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Symbol, Funktion
Arbeit zitieren
Franziska Marschick (Autor), 2006, Die Funktion des Keie im Iwein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67087

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