„Eigenlob stinkt.“
Ein Ausspruch, der auch heute noch seine Gültigkeit hat. Wer prahlt und sein Können überaus hervorhebt, erweckt Misstrauen bei seinen Mitmenschen und wird in der Gesellschaft nicht anerkannt. Wenn jemand über sich selbst spricht, beobachten ihn die anderen oft aufs Genaueste und es wird hinterfragt, ob die Person tatsächlich dem entspricht, wie sie sich selbst beschreibt oder ob sie nur den Anschein dessen erwecken möchte.
Die gesellschaftliche Kontrolle über das Verhalten des anderen ist heute noch da, jedoch war sie im Mittelalter viel ausgeprägter. Es gab bestimmte Benimmregeln, die am Hofe eingehalten werden mussten um ein anerkanntes Mitglied in der Gemeinschaft zu sein.
Diese große Bedeutung von angemessenem Verhalten lässt sich in vielen Werken aus dem Mittelalter beobachten. So hinterfragt auch Keie, der Truchsess des König Artus, in dem Roman „Iwein“ von Hartmann von Aue das Benehmen der anderen. Dabei gerät er oft selbst in Konflikt mit den Konventionen des Hofes.
In folgender Seminararbeit soll die Funktion dieser Figur näher untersucht werden. Dazu werde ich zuerst einen kurzen Überblick über den Autor und sein Werk und über die Regeln am Hofe im Mittelalter geben. Anschließend werde ich die Figuren Keie und Gawein miteinander vergleichen, um schließlich die verschiedenen Funktionen des Keie herauszuarbeiten und beschreiben zu können.
Inhaltsverzeichnis
Gliederung
„Eigenlob stinkt.“
I. „Iwein“ – Der Roman
1. Hartmann von Aue
2. Das Werk
3. Inhalt
II. Höfisches Verhalten - Regeln und Konventionen am Hofe im Mittelalter
1. Hövescheit
2. Selbstlobverbot
3. Regeln am Artushof
III. Vergleich der Figuren Gawein und Keie
1. Gawein als Vorbildfigur
1.1 Funktion am Hof
1.2 Charakterisierung durch den Erzähler
1.3 Einvernehmen mit den Regeln am Hof
2. Keie als Negativbeispiel
2.1 Funktion am Hofe
2.2 Charakterisierung durch den Erzähler
2.3 Widerspruch mit den Regeln am Hofe
3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Figuren Gawein und Keie
3.1 Vorkommen im Roman
3.2 Eigenschaften
3.3 Verbindung zu Iwein
IV. Funktionen Keies im „Iwein“
1. „Komische“ Funktion
2. Kritische Funktion
3. Mahnende Funktion
4. Symbol für die „gerechte Strafe“
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Funktion der Figur des Keie im Artusroman „Iwein“ von Hartmann von Aue, wobei insbesondere sein widersprüchliches Verhalten gegenüber den höfischen Normen sowie seine Rolle als Gegenpol zum idealisierten Ritter Gawein analysiert werden.
- Analyse des höfischen Verhaltenskodex im Mittelalter.
- Kontrastiver Vergleich der Charaktere Gawein und Keie.
- Untersuchung der komischen, kritischen und mahnenden Funktionen von Keie.
- Deutung von Keie als Symbol für den Widerstreit zwischen Gut und Böse im Roman.
Auszug aus dem Buch
1. „Komische“ Funktion
Zuallererst nimmt Keie eine unterhaltende Funktion ein. Er unterhält die anderen Ritter am Artushof, indem er sich selbst durch seine Rede in den Regeln des verstrickt: „Er rühmt sich lauthals damit, dass er selbst sich niemals rühme, und er fordert am Ende seiner eitlen Prahlrede gar, dass Iwein ebenso schweigen möge wie er selbst“ (Wandhoff 127).
Zudem wirkt Keie auch belustigend auf den Leser, da der Ritter die Regeln so offensichtlich überschreitet, dass selbst der heutige Rezipient die Ironie der Figur erkennt. Cormeau weist auch darauf hin, dass Hartmann im Gegensatz zu seinen vorhergehenden Werken das Stilmittel der Ironie verwendet14.
Zusammenfassung der Kapitel
I. „Iwein“ – Der Roman: Dieses Kapitel bietet einen biografischen Überblick zu Hartmann von Aue, ordnet das Werk in den literarischen Kontext ein und fasst den Handlungsverlauf des Romans zusammen.
II. Höfisches Verhalten - Regeln und Konventionen am Hofe im Mittelalter: Es werden die zentralen Begriffe der „Hövescheit“ sowie das strikte Selbstlobverbot und die soziokulturellen Erwartungen an Ritter im mittelalterlichen Artushof definiert.
III. Vergleich der Figuren Gawein und Keie: Dieser Abschnitt kontrastiert den Musterritter Gawein mit dem als Negativbeispiel fungierenden Keie hinsichtlich ihrer höfischen Rolle, ihrer Erzählcharakterisierung und ihrer Beziehung zu Iwein.
IV. Funktionen Keies im „Iwein“: Das letzte Kapitel arbeitet die spezifischen Wirkungsweisen von Keie heraus, darunter seine Funktion als komische, kritische und mahnende Instanz sowie seine Bedeutung als Symbol der Strafe.
Schlüsselwörter
Iwein, Hartmann von Aue, Keie, Gawein, Artushof, Hövescheit, höfische Literatur, Mittelalter, ritterliche Tugenden, Selbstlobverbot, Literaturanalyse, Truchsess, aventiure, Narratologie, Tugendethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle des Truchsess Keie in Hartmann von Aues „Iwein“ und wie diese Figur durch ihr Verhalten die höfische Gesellschaft und deren Regeln widerspiegelt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen den höfischen Verhaltenskodex, die literarische Charakterzeichnung, den Vergleich idealisierter und negativer ritterlicher Vorbilder sowie mittelalterliche Werte wie Tugend und Ehre.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Keie mehr als eine bloße Nebenfigur ist und verschiedene Funktionen erfüllt, die den Protagonisten Iwein in seiner Entwicklung unterstützen und das ethische Weltbild des Romans verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Heranziehung von Primär- und Sekundärliteratur, um die Funktionen der Figur textnah zu belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur höfischen Kultur, einen detaillierten Vergleich zwischen Gawein und Keie sowie eine differenzierte Untersuchung der funktionalen Rollen Keies.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen Hövescheit, Negativbeispiel, Artusroman, ritterliche Tugenden, Ironie und die Funktion des Truchsess.
Warum wird Keie im Roman mit dem Teufel in Verbindung gebracht?
Die Verbindung dient als literarische Verdeutlichung seines Status als Repräsentant des Bösen oder des „Schlechten“, das dem tugendhaften, gottgefälligen Iwein gegenübersteht.
Welchen Einfluss hat Keies Spott auf Iwein?
Keies wiederholte Schmähungen fungieren paradoxerweise als Antrieb für Iwein, da dieser seine ritterliche Ehre verteidigen und beweisen möchte, was ihn zu weiteren heldenhaften Taten anspornt.
- Citation du texte
- Franziska Marschick (Auteur), 2006, Die Funktion des Keie im Iwein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67087