Humanitäre Hilfe in einer globalisierten Welt

Entwicklungshilfe am Beispiel der NGO 'Ärzte ohne Grenzen'


Hausarbeit, 2007

35 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Der Begriff Globalisierung

3 Non-Governmental Organisations (NGOs)
3.1 Einführung in die Thematik
3.2 Bedeutung der Globalisierung für die Arbeit von Hilfsorganisationen
3.2.1 Mediale Berichterstattung
3.2.2 Logistik
3.3 Humanitäre Hilfe und kriegerische Konflikte

4. Médecins Sans Frontières / Ärzte ohne Grenzen
4.1 Der Globalisierungsprozess von Ärzte ohne Grenzen
4.2 Motivation und Anforderungen: Interview einer Mitarbeiterin
4.3 Die Prinzipien und Ziele
4.3.1 Unabhängigkeit wahren
4.3.2 Witnessing - Zeuge sein
4.4 Logistik und Vorbereitung
4.5 Finanzierung der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen
4.6 Spendenbereitschaft für die Opfer des Tsunami

5. Zusammenfassung und Ausblick

Literatur

1 Einleitung

Als weltweit größte nichtstaatliche Organisation für medizinische Nothilfe engagiert sich Ärzte ohne Grenzen[1] (Médecins Sans Frontières) seit zwanzig Jahren für Völker, deren Leben unmittelbar bedroht ist. Die freiwilligen Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen erleben die größten Krisen sehr existentiell. Das Aufgabenfeld, in dem sie dabei tätig werden, ist einem tiefgreifenden Wandel unterworfen. Seit dem Ende des Kalten Krieges 1990 hat sich das internationale Umfeld grundlegend verändert, und so auch die Antworten der internationalen Gemeinschaft auf Krisensituationen. Neue Doktrin treten in Erscheinung, neue Instrumente werden geschaffen, und auf der humanitären Szene treten immer neue Akteure auf. Die humanitären Hilfsmaßnahmen geraten zunehmend unter staatlichen und militärischen Einfluss. Den Vereinten Nationen kommt bei der Hilfe für die Opfer und bei der Herstellung des Friedens wieder zentrale Bedeutung zu. Es lassen sich drei Veränderungen feststellen. Sie betreffen den Krisentypus, die internationalen Reaktionen und die Rolle der Medien. Humanitäre Aktionen spielen sich zunehmend in instabilen und in Auflösung befindlichen Verhältnissen ab, in denen es manchmal schwierig ist, repräsentative und verantwortliche Gesprächspartner zu finden. Die Folge ist, dass es immer schwieriger wird, die Opfer zu erreichen, dass die Arbeit der humanitären Organisationen gefährlicher und die Achtung, die man ihnen entgegenbringt, geringer wird. Diese Probleme werden noch verschärft durch die zunehmende Verknüpfung humanitärer Hilfe mit politischen Zielen, was die Prinzipien der Neutralität, der Unparteilichkeit und der Unabhängigkeit schwächt. Über ein Jahrhundert lang, seitdem der Gründer des Roten Kreuzes (1859) die Idee der humanitären Hilfe entwickelt hat, „eskortierten“ die freiwilligen Mitarbeiter der humanitären Organisationen die kriegsführenden Armeen auf die Schlachtfelder, um die Opfer zu evakuieren und zu versorgen. Heute ist es umgekehrt: die Armeen „eskortieren“ die freiwilligen Helfer! Dieses neue Engagement des Militärs im humanitären Bereich hatte weitreichende Auswirkungen. Für die Motivation, Methoden und Ziele der internationalen humanitäre Organisationen, die sich um Unabhängigkeit bemühen, ist dies natürlich eine folgenschwere Entwicklung, die neue Fragen hinsichtlich der Art der Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen aufwirft.

Ein Element der Globalisierung ist die zunehmende Bedeutung der Medien. Die Medien spielten schon immer eine wichtige Rolle, wenn es darum ging, Krisen aufzudecken und publik zu machen. Heute jedoch üben die per Satellit direkt übertragenen Bilder einen wachsenden Einfluss auf die öffentliche Meinung aus und scheinen ausschlaggebend für den Erfolg humanitärer Aktionen geworden zu sein. Die Landung der amerikanischen Soldaten, die humanitäre Intervention der Vereinigten Nationen an der somalischen Küste vor Mogadischu (1993), die während der besten Sendezeit in den Vereinigten Staaten stattfand, hatte jedoch von den Schwierigkeiten der Hilfsmaßnahmen in Somalia abgelenkt. Diese Entwicklungen blieben nicht ohne Folge für zukünftige internationale Interventionen und für die Aktionsmöglichkeiten der humanitären Organisationen. Die Länder, in denen Ärzte ohne Grenzen aktiv wird, sind in erster Linie von Bürgerkriegen oder inneren Unruhen, von Vertreibungen und Flüchtlingsbewegungen gekennzeichnet, in einigen herrschen Hungersnöte oder Epidemien. Alle diese Krisen bedeuten eine unmittelbare und lebensbedrohende Gefahr für die Bevölkerung.

2 Der Begriff Globalisierung

Der Begriff „Globalisierung“ wurde erstmals Anfang der 90er Jahre geprägt. Er bezeichnet eine Entwicklung, die bereits früher eingesetzt hatte. Grenzüberschreitende wirtschaftliche Beziehungen und Produktion, der Abbau von Handelsschranken und die internationale Verflechtung von Märkten führten nicht nur zu internationaler Arbeitsteilung, sondern gleichzeitig zu Abhängigkeit untereinander. Die Globalisierung beschränkt sich nicht auf die wirtschaftliche Entwicklung, sondern umfasste in der Folge auch Politik, Umwelt, Kultur und soziale Verhältnisse.

Voraussetzung für den Prozess der Globalisierung sind wirtschaftliche Faktoren, wie die ungehinderte internationale Beweglichkeit des Finanzkapitals, die Auslandsinvestitionen transnationaler Unternehmen, schnelle internationale Kommunikationswege, geringe Transportkosten und Vereinheitlichung technischer Normen. Die Bezeichnung Globalisierung wird in der Literatur unterschiedlich verwandt. Manche Autoren bezeichnen damit die Entwicklungen Mitte der 70er und 80er Jahre des 20. Jahrhunderts, als die internationale wirtschaftliche Verflechtung rasant zunahm. Andere setzen den Beginn der Globalisierung schon viel früher an – mit dem Bau der großen Eisenbahnlinien und dem Einsatz von Dampfschiffen oder dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. In diesen Kontext ist der Begriff „global governance“ einzuordnen. Politisch ist die Welt in Staaten unterteilt, die Folgen der Globalisierung gehen jedoch über deren Grenzen hinaus. Unter global governance ist die Einbeziehung von Regierungen, nichtstaatlichen Organisationen (NGOs), transnationalen Unternehmen und anderen in Entscheidungsprozesse zu verstehen, welche weltweite Auswirkungen haben (Nuscheler 2005: 54-57).

Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 entstand der Ost-West-Konflikt. Zwei wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch unterschiedlich strukturierte Blöcke standen sich unversöhnlich gegenüber. Erst die Kuba-Krise des Jahres 1962, die die Welt an den Rand eines Atomkriegs brachte, markierte einen Wendepunkt. Die Hauptakteure, USA und UdSSR, begannen in den 60er Jahren nach einem weniger gefährlichen, stabileren internationalen System zu suchen. In diese Zeit der Aufweichung der Blocksysteme fiel die Dekolonisation fast aller afrikanischen und einer Anzahl mittelamerikanischer Staaten (Beck 1997: 67-69).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 Schematische Darstellung: Nord-Süd-Gefälle

(Quelle: http://www.globaleducation.at).

Vor etwa einem halben Jahrhundert wurde der Begriff “Dritte Welt” für die wirtschaftlich und sozial unterentwickelten Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas gebräuchlich – in Anlehnung an den “Dritten Stand” der frühneuzeitlichen Ständeordnung, zu dem die nicht privilegierten Bürger und Bauern gehörten. Viele Regierungen der wohlhabenden Industriestaaten und unzählige Organisationen wollten durch die so genannte Entwicklungshilfe dazu beitragen, das gewaltige wirtschaftliche und soziale Gefälle zwischen den Industrie- und den Entwicklungsländern zu verringern. Im Laufe der letzten Jahrzehnte ist dieses Vorhaben nur in wenigen Staaten gelungen. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Absichten hat sich der Abstand zwischen reich und arm bei den Staaten dieser Erde vergrößert (Rotte 1996: 110-111).

Aus der Sicht der Entwicklungsländer waren die einstigen Kolonien niemals gleichberechtigte Wirtschaftspartner. Vielmehr waren sie von Anfang an Lieferanten von billigen Rohstoffen. Ihre Gesellschaft, ihre Kultur, ihre Wirtschaftsstruktur, ihr Bildungswesen, ihre Verkehrswege, ihre Siedlungen, sogar ihre Bevölkerung wurden durch die Eingriffe der Kolonialmächte verändert. Nachdem sie den Kolonialismus überwunden und ihre staatliche Unabhängigkeit erreicht hatten, blieb die Struktur ihrer Wirtschaft erhalten. An die Stelle der einstigen Kolonialherren traten Diktatoren oder substaatliche Herrschaftsstrukturen (z.B. Warlords) (Rotte 1996: 75).

In seinem Buch “Soziale Strategie für Entwicklungsländer” (Frankfurt, 1965) entwickelt R. F. Behrend die Formel von den geografischen Gebieten und Völkern, deren vorherrschende technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Lebensformen entwicklungsmäßig hinter denjenigen zurückgeblieben sind, die sich zu einem gegebenen Zeitpunkt in anderen Gegenden der Erde als realisierbar erwiesen haben.

Die 1977 unter dem Vorsitz des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt tagende Nord-Süd-Kommission kam zu dem Schluss: „Der Begriff ‘Entwicklung’ wird und kann niemals zur allgemeinen Zufriedenheit definiert werden. Er bezeichnet, weit gefasst, den erwünschten sozialen und wirtschaftlichen Forschritt - und es wird immer unterschiedliche Auffassungen darüber geben, was erwünscht ist. Ganz gewiss muss Entwicklung Verbesserungen der Lebensbedingungen bedeuten, wofür Wirtschaftswachstum und Industrialisierung wesentlich sind. (...) Entwicklung ist jedoch mehr als der Übergang von arm zu reich, von einer traditionellen Agrarwirtschaft zu einer komplexen Stadtgemeinschaft. Sie trägt in sich nicht nur die Idee des materiellen Wohlstands, sondern auch die von mehr menschlicher Würde, der Sicherheit, Gerechtigkeit und Gleichheit.” Damit wird deutlich, dass zur Entwicklung nicht nur wirtschaftliche Aspekte zählen, sondern auch die Einhaltung der Menschenrechte.

Daneben gibt es noch eine Vielzahl anderer Begriffsbestimmungen. Breite Zustimmung hat in der Vergangenheit eine Definition der UNO gefunden. Danach ist ein “Entwicklungsland” dadurch bestimmt, dass das jährliche Pro-Kopf-Einkommen nicht mehr als 25 Prozent des Einkommens der hoch entwickelten Länder (Westeuropa, USA, Japan, Kanada, Australien, Neuseeland) beträgt. Die UNO-Definition vermeidet allerdings Aussagen über politische Verhältnisse und die Güterverteilung im Land (Ziri 2000: 67-72).

3 Non-Governmental Organisations (NGOs)

3.1 Einführung in die Thematik

Non-Governmental Organisations (NGOs), oder Nicht-Regierungs-Organisationen (NRO), sind Gruppen von BürgerInnen, die sich für die Wahrung der Menschenrechte einsetzen, für Umweltschutz, soziale Fragen und Entwicklungspolitik, um dem oben beschriebenen zunehmenden Nord-Süd-Gefälle entgegen zu wirken. Häufig wird auch von der Zivilgesellschaft gesprochen. Human Rights Watch, Greenpeace, Ärzte ohne Grenzen, amnesty international, der WWF World Wide Fund for Nature sind bekannte Beispiele. Sie kämpfen für die Wahrung der Grundrechte von Mensch und Natur, die die global orientierte Wirtschaft oft ihren Profitinteressen unterordnet (Fisher 1998: 51-53).

NGOs befassen sich mit politischen und wirtschaftlichen Abkommen und deren Einhaltung (siehe Kyoto-Protokoll). Sie besitzen eine hohe Glaubwürdigkeit und Akzeptanz in der Bevölkerung. Regierungen, Unternehmen und die Medien finden eine geringere Beachtung, so die IPS Dritte Welt Nachrichtenagentur vom 19.1.2005 (durchgeführt wurde die Umfrage in den USA, Großbritannien, Australien, Frankreich und Deutschland von dem Unternehmen „Strategy One“, Tochter von „Edelman Public Relations Worldwide“; befragt wurden Entscheidungsträger). Internationale NGOs (INGOs) wie Ärzte ohne Grenzen haben transnationale Ziele, Operationen und Verbindungen.

International haben NGOs im Jahr 2000 eine Aufwertung erfahren, als die UNO zum ersten themenübergreifenden NGO-Treffen einlud. NGOs können bei den Vereinten Nationen einen Konsultativstatus erlangen, der ihnen Zugangs- und Vortragsrecht gewährt. Trotz großer Unterschiede in Größe, Struktur und inhaltlichem Engagement verbindet sie das Streben nach uneigennützigen Zielen unabhängig von Staat, Parteipolitik und Wirtschaft und eine zumindest minimale formale Organisation (Schade 2002:45).

3.2 Bedeutung der Globalisierung für die Arbeit von Hilfsorganisationen

Es waren zwei bedeutende Auswirkungen der Globalisierung für die Arbeit von Hilfsorganisationen (beziehungsweise humanitären NGOs) wichtig. Zum einen war es die mediale Berichterstattung und zum anderen die weltweite logistische Verknüpfung. Im folgenden sollen beide Entwicklungen beschrieben werden.

3.2.1 Mediale Berichterstattung

In einer globalisierten Welt ist es möglich, dass Journalisten binnen Stunden ein Krisengebiet erreichen. Die Satellitentechnik ermöglicht es, innerhalb von Minuten Bilder und Videos in die jeweiligen Redaktionen zu übertragen. Wie bereits oben beschrieben, geht von diesen Bildern eine große Intensität aus. Sie bewegen Regierungen, weitreichende Entscheidungen zu treffen. In Somalia wurden 1993 ermordete US-Soldaten durch die Straßen vom Mogadischu geschleift. Die Wirkungsstärke der Bilder führte dazu, dass Präsident Clinton sämtliche US-Soldaten aus dem Land abzog (Münkler 2002: 157-158).

Von der medialen Berichterstattung über Konflikte profitieren aber auch alle Hilfsorganisationen. Auch wenn die Sensibilisierung für Greultaten in den letzten Jahrzehnten deutlich zurück ging, wurde gerade dann eine erhöhte Spendenbereitschaft verzeichnet, wenn ein Konflikt eine hohe mediale Präsentation erfuhr. Diese Beobachtungen sind auch auf Naturkatastrophen übertragbar. (Bortolotti 2004:123). Die Berichterstattung über die Tsunami-Katastrophe (Dezember 2004) war deutlich höher als über das Erdbeben in Bam (Iran Dezember 2003). Für die Opfer der Tsunami-Katastrophe gingen deutlich mehr Spenden bei Ärzte ohne Grenzen ein, als für die vom Erdbeben Betroffenen.

3.2.2 Logistik

„Die Rolle der Logistik bei der Globalisierung darf nicht unterschätzt werden. Sie ist dabei sowohl Treiber als Getriebener und wird die weitere Entwicklung und Internationalisierung der Wirtschaft und der Menschen stark mitprägen.“ (Quelle: http://www.club-of-logistics.de)

Dabei erfüllt Logistik keinerlei einen Selbstzweck, sie ist vielmehr ein Hilfsmittel zur Versorgung der Menschen und der Unternehmen mit Waren und Rohstoffen. Entsprechend kritisch wurde vielfach über den Wegfall von Arbeitsplätzen aufgrund der Optimierung logistischer Prozesse sowie der zunehmenden Wettbewerbssituation, in der sich Arbeitnehmer heute befinden, diskutiert. NGOs wie Ärzte ohne Grenzen greifen auf die gewachsenen Möglichkeiten einer globalisierten Logistik zurück, um bei Hilfseinsätzen effektiver und schneller arbeiten zu können (siehe Kapitel 4.4).

3.3 Humanitäre Hilfe und kriegerische Konflikte

Kriegshandlungen erzeugen innerhalb kurzer Zeit große Flüchtlingsströme. An den Rändern der Konfliktgebiete entstehen Lager, die zur Versorgung der Kombattanten und Nichtkombattanten des Krieges errichtet wurden. Dort werden Hilfsorganisationen nötig, die Nahrungsmittel und medizinische Versorgung heranschaffen und den Ausbruch von Seuchen und Epidemien bekämpfen. Diese Flüchtlingslager sind ein Bestandteil der Kriegsökonomien und für die Kriegsparteien von erheblicher Bedeutung, da sie die Konfliktparteien mit lebensnotwendigen Dingen versorgen. Die Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen und die NGOs, wie Ärzte ohne Grenzen, sind somit zu einem festen Bestandteil der Kriegsökonomien geworden. Wo sie sich nicht von selbst einschalten, werden sie durch mediale Berichterstattung hinein gezogen. Was in den reichen Ländern als karitative Handlung gedacht ist, hat in den Kriegs- und Krisengebieten oft verheerende Folgen, da sich die Kriegsparteien selbst dadurch alimentieren. Für die Kriegsführenden sind die Hilfslieferungen ein strategisches Element und diese werden zunehmend in die operativen Planungen aufgenommen. Dies trägt zu einer Verbilligung der Kriege bei, mit der Folge, dass diese schneller begonnen und länger geführt werden können. Die humanitäre Hilfe wird zu einer Prämie, die auf die Weiterführung des ausgezahlt wird. Zumal wenn die Krieg führenden Parteien durch die Kriegsführung ihren Lebensunterhalt sichern, können sie nicht für den Abschluss und die Einhaltung von Friedensabkommen gewonnen werden. Vielmehr haben es die kriegsführenden Parteien verstanden, die internationale Hilfe zu steuern und diese als kostengünstige Ressource für die Fortsetzung des Krieges einzusetzen. Kleinere NGOs müssen zudem auf vorhandene Transportkapazitäten zurück greifen, um Güter und Menschen zu transportieren. Die hierfür benötigten Transportmittel können in der Regel nur die örtlichen Kriegsparteien zur Verfügung stellen. Schutz vor Übergriffen jeglicher Art können auch nur die Milizenführer geben. (Münkler 2002 153-157). Das internationale Rote Kreuz konstatiert, dass „die unabhängige neutrale Hilfe [...] - eingebettet in das historisch gewachsene Völkerrecht - auf dem Spiel steht“ (http://www.zeit-fragen.ch). Es muss jedoch fest gestellt werden, dass es keine neutrale Unterstützung gibt, denn jede Hilfe ist Einmischung in die bestehenden Verhältnisse. Nicht selten übernehmen die Kriegsparteien die Kontrolle über die Hilfe und die ungeschützten Helfer. „Somit wurde nicht nur Hunger zur Waffe im Kampf um die Macht, sondern die internationale Hilfe war unfreiwillig Finanzier der brutalen Banden des Bürgerkriegs geworden“ (Gantzel 2000: 300).

[...]


[1] Um Irritationen zu vermeiden benutze ich in der vorliegenden Arbeit für die Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières den im deutschen Sprachraum geläufigeren Namen „Ärzte ohne Grenzen“.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Humanitäre Hilfe in einer globalisierten Welt
Untertitel
Entwicklungshilfe am Beispiel der NGO 'Ärzte ohne Grenzen'
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Migrationspolitik
Note
1,4
Autor
Jahr
2007
Seiten
35
Katalognummer
V67089
ISBN (eBook)
9783638599757
ISBN (Buch)
9783638671835
Dateigröße
1148 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklungshilfe, Beispiel, Grenzen, Hilfe, Welt, Migrationspolitik
Arbeit zitieren
Conrad Philipp (Autor:in), 2007, Humanitäre Hilfe in einer globalisierten Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67089

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