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Die Reise in den Orient - Eine Untersuchung des West-östlichen Divans Goethes vor dem Hintergrund von Edward W. Saids Orientalismus

Title: Die Reise in den Orient - Eine Untersuchung des West-östlichen Divans Goethes vor dem Hintergrund von Edward W. Saids Orientalismus

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 27 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Heike Pollmann (Author)

German Studies - Comparative Literature
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„Der Orientalismus ist ein westlicher Stil der Herrschaft, Umstrukturierung und des Autoritätsbesitzes über den Orient.“ (Said 1981, 10)

Der Postkolonialist Edward W. Said bringt hier auf den Punkt, was der Kern seines Werks Orientalismus ist. Er definiert „Orientalismus“ als Methode der Unterwerfung, Degradierung und Manipulierung des Orients durch Europa und Nordamerika. Diese Vorgehensweise wird auf akademischer bzw. universitärer Ebene mit der Absicht eines wissenschaftlichen Diskurses über den Orient betrieben. (Daß der „Orient“ ein heterogener, geographisch wie kulturell nicht genau festgelegter Begriff ist, dessen Geltungsbereich sich von Nordafrika bis in den Fernen Osten erstreckt, setze ich hier voraus.) Doch auch politische Unternehmungen und fiktive Literatur bedienen sich Said zufolge dieser Methode. Zwar behandelt Said in Orientalismus hauptsächlich britische, französische und nordamerikanische Werke und Autoren, doch wird an mehreren Stellen deutlich, daß sich seine Thesen ebenso auf deutsche Literatur und Schriftsteller übertragen lassen (vgl. ebd., 26); mehrfach wird auch Goethes West-östlicher Divan erwähnt (vgl. ebd., 62).

Diese Arbeit soll ausschließlich den literarisch-fiktiven Bereich des Orientalismus berücksichtigen. Dabei wird vor dem Hintergrund verschiedener Thesen Saids untersucht, ob sich auch in Goethes West-östlichem Divan Anzeichen der Autorität und Kontrolle über den Orient finden lassen und ob Goethe sich dadurch als ein „Orientalist“ im Sinne Saids offenbart.

Said kritisiert die grundsätzliche Trennung von Osten und Westen in der Orient-Literatur westlicher Schriftsteller. Problematisch ist dabei, daß keine Gleichberechtigung der beiden Teile unterstellt wird, sondern eine Darstellung entsprechend des angenommenen Machtverhältnisses gewählt wird. Im ersten Teil der Arbeit wird geprüft, ob auch Goethe im West-östlichen Divan eine solche Trennung vorgenommen hat und wie er sein Verhältnis zum Orient gesehen hat. Gegenstand des zweiten Teils wird das in der Forschungsliteratur zum Divan vielbesprochene Motiv der Flucht sein, wobei der Schwerpunkt des Kapitels auf der Untersuchung des Gedichts Hegire liegen wird. Said stellt fest, daß für jeden Orient-Schriftsteller die Reise in den Orient die Erfüllung eines persönlichen Projektes ist. Welches Projekt wollte Goethe im Divan verwirklichen? [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Spaltung von Orient und Okzident

1.1 Zwillingsbruder Hafis

1.2 Reise in den Orient

2. Das Motiv der Flucht

2.1 Hegire

3. Typische Motive

3.1 Liebestod

4. Der Orient als poetologisches Konzept

4.1 „Orientalismus“ und „Orientalität“

4.2 Symbol und Allegorie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Goethes West-östlichen Divan vor dem theoretischen Hintergrund von Edward W. Saids Orientalismus-Konzept. Das Hauptziel ist zu analysieren, ob Goethe in seinem Werk Autorität und Kontrolle über den Orient ausübt, stereotypisierende Bilder verwendet oder den Orient als Mittel zur Verwirklichung seiner eigenen poetischen Ästhetik und zur Erneuerung seiner Dichtung instrumentalisiert.

  • Kritische Auseinandersetzung mit Edward W. Saids Thesen zum Orientalismus.
  • Analyse der Zwillingsmetaphorik in Goethes Beziehung zu Hafis.
  • Untersuchung des Motivs der Flucht, insbesondere am Beispiel des Gedichts Hegire.
  • Betrachtung des Liebestodes als stereotypisierendes Motiv.
  • Reflexion über Goethes poetologisches Konzept von „Orientalismus“, „Orientalität“, Symbol und Allegorie.

Auszug aus dem Buch

1.1 Zwillingsbruder Hafis

Goethes Beschäftigung mit dem Divan des persischen Dichters Hafis, den er 1814 in der Übersetzung von Joseph von Hammer-Purgstall zum ersten Mal im Ganzen kennenlernte, kann als Ausgangspunkt für die Entstehung des West-östlichen Divans angesehen werden. In der Forschungsliteratur wird der West-östliche Divan sogar als Antwort auf die Literatur Hafis’ bezeichnet. Goethe muß von der Sprachkunst des Persers sehr beeindruckt gewesen sein und meinte in seiner Begeisterung das Gelesene nur durch eigene Produktion verarbeiten zu können (vgl. Henckmann 1975, 125). Aber nicht nur das dichterische Können, sondern auch die Lebensumstände Hafis’ ließen Goethe sich diesem verbunden fühlen. Hafis hatte im 14. Jahrhundert zu einer Zeit politischer Unruhen gelebt und unter der Herrschaft Timurs gelitten; Goethe konnte Hafis’ Situation leicht auf seine eigene Zeit, die der Napoleonischen Kriege übertragen.

Henckmann (vgl. ebd., 126) zieht aus der Analogie der beiden Schicksale noch eine umfassendere Beurteilung: sie seien kein Einzelfall mehr, dieses Schicksal erscheine nun beispielhaft für die Dichterexistenz überhaupt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Spaltung von Orient und Okzident: Dieses Kapitel prüft Saids Kritik an der binären Trennung von Orient und Okzident und hinterfragt, ob Goethe im Divan eine gleichberechtigte Darstellung anstrebt oder Machtverhältnisse reproduziert.

1.1 Zwillingsbruder Hafis: Hier wird Goethes Identifizierung mit dem persischen Dichter Hafis analysiert, wobei kritisch beleuchtet wird, ob dies eine echte Begegnung oder eine Instrumentalisierung des „passiven“ orientalischen Dichters darstellt.

1.2 Reise in den Orient: Dieses Kapitel untersucht die metaphorische „Orientreise“ Goethes als zeitlich begrenzte Grenzüberschreitung und seine Rolle als „Reisender“, die den Anspruch auf eine temporäre Annäherung ohne tiefgreifende Assimilation erhebt.

2. Das Motiv der Flucht: Der Fokus liegt auf der Verknüpfung von Flucht und Reise, wobei analysiert wird, inwieweit das Motiv der Flucht Goethes Unzufriedenheit und sein Bedürfnis nach poetischer Verjüngung widerspiegelt.

2.1 Hegire: Eine detaillierte Untersuchung des Gedichts Hegire verdeutlicht, wie Goethe den Orient als „reinen“ Gegenentwurf zur europäischen Zerrüttung zur Erfrischung seiner eigenen Dichtung nutzt.

3. Typische Motive: Dieses Kapitel beleuchtet Saids These der Stereotypisierung durch westliche Autoren und hinterfragt, inwieweit Goethe solche Klischees einsetzt.

3.1 Liebestod: Anhand des Motivs des Liebestodes wird untersucht, wie Goethe arabische Liebesgeschichten adaptiert und dabei den mystischen Gehalt zugunsten einer weltlichen Interpretation für sein eigenes poetisches Vorhaben modifiziert.

4. Der Orient als poetologisches Konzept: Hier wird der Orient als Mittel zur Darstellung von Goethes persönlicher Ästhetik und Weltanschauung gedeutet.

4.1 „Orientalismus“ und „Orientalität“: Dieses Kapitel differenziert zwischen Goethes Verständnis von bloßer Nachahmung („Orientalismus“) und einer künstlerischen Verfahrensweise der Weltgestaltung („Orientalität“).

4.2 Symbol und Allegorie: Die abschließende theoretische Analyse zeigt auf, dass Goethe das Orient-Material entweder als Symbol (seiner Ästhetik gemäß) oder als Allegorie (von ihm abgelehnt) kategorisiert.

Schlüsselwörter

Goethe, West-östlicher Divan, Edward W. Said, Orientalismus, Orientalität, Hafis, Hegire, Liebestod, Medschnun und Laila, poetische Ästhetik, Symbol, Allegorie, Reiseliteratur, kultureller Austausch, literarische Fremdwahrnehmung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in der Arbeit?

Die Arbeit untersucht Goethes West-östlichen Divan im Kontext postkolonialer Literaturwissenschaft, insbesondere unter Anwendung der Orientalismus-Theorie von Edward W. Said.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Konstruktion des Orients durch westliche Literatur, die Identifizierung Goethes mit Hafis, das Motiv der Flucht sowie die poetologische Verwendung von Symbolen und Allegorien.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es zu klären, ob Goethe den Orient als eigenständige Kultur wahrnahm oder ihn als notwendiges „Projekt“ zur Verwirklichung und Erneuerung seiner eigenen Ästhetik instrumentalisierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext (Goethes Divan) mit den theoretischen Thesen von Edward W. Said sowie der einschlägigen Forschungsliteratur abgleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Aspekte wie die Spaltung von Orient und Okzident, das Motiv der Flucht (Hegire), den Liebestod als Motiv und die Unterscheidung von Symbol und Allegorie in Goethes Poetik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Orientalismus, Orientalität, Goethes Ästhetik, Hafis, Hegire und das Spannungsfeld zwischen Symbol und Allegorie.

Wie bewertet die Arbeit Goethes Beziehung zu Hafis?

Die Arbeit differenziert zwischen der Verehrung Goethes für Hafis und der kritischen Beobachtung, dass er Hafis in ein „Dialogkonzept“ zwingt, in dem der persische Dichter primär eine passive Rolle als „Materialspender“ einnimmt.

Warum spielt das Motiv der Flucht für Goethe eine so große Rolle?

Die Flucht, eingeleitet durch das Gedicht Hegire, dient Goethe als Metapher für den Aufbruch aus einer als materiell und zerrüttet empfundenen westlichen Welt hin zu einer ideellen, reinen poetischen Welt, um seine eigene Dichtung zu verjüngen.

Wie steht die Arbeit zum Vorwurf Saids bezüglich Goethes „Orientalismus“?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Goethe nicht vollständig von Saids Kritik befreit werden kann, da auch im Divan Anzeichen von Autorität, Manipulation und einer selektiven Wahrnehmung zugunsten Goethes persönlicher Ästhetik erkennbar sind.

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Details

Title
Die Reise in den Orient - Eine Untersuchung des West-östlichen Divans Goethes vor dem Hintergrund von Edward W. Saids Orientalismus
College
RWTH Aachen University
Grade
1,0
Author
Heike Pollmann (Author)
Publication Year
2005
Pages
27
Catalog Number
V67104
ISBN (eBook)
9783638599856
ISBN (Book)
9783656783596
Language
German
Tags
Reise Orient Eine Untersuchung West-östlichen Divans Goethes Hintergrund Edward Saids Orientalismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Heike Pollmann (Author), 2005, Die Reise in den Orient - Eine Untersuchung des West-östlichen Divans Goethes vor dem Hintergrund von Edward W. Saids Orientalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67104
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