Zusammenfassung: Die wissenschaftstheoretische Grundposition der Raumwirtschaftslehre ist eine deduktiv- nomologische, d.h. Ziel ist das Herausfinden von Gesetzmäßigkeiten bzw. wenn- dann oder je- desto Aussagen treffen zu können. Der raumwirtschaftliche Ansatz prägte die Wirtschaftsgeographie in den letzten 30 Jahren sehr deutlich. Es gab zwar auch andere wissenschaftliche Konzeptionen, wie der verhaltenswissenschaftliche oder der Wohlfahrtsansatz, diese blieben jedoch weitgehend unbedeutend.
Diese eben beschriebene Forschungslandschaft der letzten 30 Jahre kann im Rahmen dieser Hausarbeit als „alte Wirtschaftsgeographie“ bezeichnet werden.
Diese Arbeit bzw. dieses Referat soll ein Beitrag zum Verständnis der Rolle des cultural turn in der neuen Wirtschaftsgeographie leisten bzw. versuchen ansatzweise die Unterschiede von „alter“ und „neuer“ Wirtschaftsgeographie aus kulturtheoretischer Sicht zu beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitender Rückblick in die wissenschaftliche Disziplin der Wirtschaftsgeographie - Unterscheidung von alter und neuer Wirtschaftsgeographie
- Kultur, eine lediglich unbedeutende Variable in der wirtschaftsgeographischen Fachdiskussion?
- Cultural turn- eine theoretische und thematische Schwerpunktverschiebung; hin zum interpretativen Konstruktivismus mit Hilfe von hermeneutisch- phänomenologischer Forschung.
- Zusammenfassung, kritische Anmerkungen und Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit befasst sich mit dem Einfluss des "cultural turn" auf die Wirtschaftsgeographie. Sie beleuchtet die Entwicklung der Disziplin von der "alten" Wirtschaftsgeographie, die primär auf deskriptive und quantitative Ansätze fokussierte, hin zu einer "neuen" Wirtschaftsgeographie, die die Bedeutung von Kultur und Interpretation stärker berücksichtigt.
- Entwicklung der Wirtschaftsgeographie im 20. Jahrhundert
- Einfluss des "cultural turn" auf die Wirtschaftsgeographie
- Kritik an quantitativen Ansätzen und der Bedeutung von Kultur für räumliche Entwicklungen
- Methoden des interpretativen Konstruktivismus und hermeneutisch-phänomenologischer Forschung
- Rolle von Kultur in der Analyse von Standortentscheidungen und räumlichen Strukturen
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über die Entwicklung der Wirtschaftsgeographie und die Unterscheidung zwischen "alter" und "neuer" Wirtschaftsgeographie. Es beleuchtet die traditionellen Ansätze der Raumwirtschaftslehre, die stark auf quantifizierbare Faktoren wie Infrastruktur, Lohnkosten und Steuerhöhe fokussierten.
- Kapitel 2: Dieses Kapitel untersucht die Rolle von Kultur in der wirtschaftsgeographischen Fachdiskussion. Es stellt die Frage, ob Kultur in der Vergangenheit vernachlässigt wurde und beleuchtet die Gründe, warum Kultur für ein tieferes Verständnis von räumlichen Entwicklungen entscheidend ist.
- Kapitel 3: Dieses Kapitel erklärt den "cultural turn" als eine theoretische und methodische Verschiebung in der Wirtschaftsgeographie. Es beleuchtet den Übergang vom quantitativen Ansatz zum interpretativen Konstruktivismus und die Anwendung hermeneutisch-phänomenologischer Forschungsmethoden.
Schlüsselwörter
Die wichtigsten Schlüsselwörter dieser Arbeit sind: Wirtschaftsgeographie, Cultural turn, interpretativer Konstruktivismus, hermeneutisch-phänomenologische Forschung, Kultur, Raum, Standortentscheidung, räumliche Strukturen, quantitative Revolution, Raumwirtschaftslehre, Länderkunde.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der „Cultural Turn“ in der Wirtschaftsgeographie?
Es ist eine theoretische Verschiebung, bei der kulturelle Faktoren und soziale Praktiken stärker in die Analyse wirtschaftlicher Räume einbezogen werden, anstatt nur quantitative Daten zu nutzen.
Was unterscheidet die „alte“ von der „neuen“ Wirtschaftsgeographie?
Die „alte“ Wirtschaftsgeographie fokussierte auf Gesetzmäßigkeiten und messbare Faktoren (Lohnkosten, Steuern). Die „neue“ setzt auf interpretative Methoden und den Einfluss von Kultur auf Standortentscheidungen.
Was bedeutet „interpretativer Konstruktivismus“?
Dieser Ansatz geht davon aus, dass wirtschaftliche Räume sozial konstruiert sind und durch die Wahrnehmung und Interpretation der handelnden Akteure entstehen.
Warum ist Kultur für die Raumwirtschaft wichtig?
Kultur beeinflusst Arbeitsweisen, Innovationsfähigkeit und Netzwerke. Ohne kulturellen Kontext lassen sich viele räumliche Entwicklungen nicht allein durch ökonomische Kennzahlen erklären.
Was ist hermeneutisch-phänomenologische Forschung?
Es ist eine qualitative Forschungsmethode, die versucht, die tieferen Bedeutungen und das Erleben von Akteuren in ihrem räumlichen Umfeld zu verstehen und zu deuten.
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- Steffen Schuerer (Author), 2005, New Economic Geography: Die Rolle des 'cultural turn', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67108