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Konversationelle Implikaturen

Title: Konversationelle Implikaturen

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 25 Pages , Grade: 1

Autor:in: Julia Reichert (Author)

Didactics for the subject German - Pedagogy, Linguistics
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Summary Excerpt Details

Immer wieder wird in der Tradition der Linguistik versucht, den Begriff der
Semantik durch die ihr zugeschriebenen Aufgaben zu definieren. Frege
beispielsweise sieht die Aufgabe einer Semantik darin, die wörtliche Bedeutung
von sprachlichen Ausdrücken so zu definieren, daß sich die wörtliche Bedeutung
eines komplexen Ausdrucks aus den wörtlichen Bedeutungen seiner einzelnen
Teile und deren Anordnung ergibt. Außerdem soll die Semantik mit Hilfe der
Bedeutungen eines Aussagesatzes festlegen, unter welchen Bedingungen dieser
Satz wahr ist. Diese Auflagen sollen zu einer Verständigungstheorie beitragen, zu
deren Hauptaufgabe es gehört zu definieren, was „mit der Äußerung eines
bestimmten Satzes bei einer bestimmten Gelegenheit zum Ausdruck” gebracht
und verstanden wird. Die Gebrauchstheorie der Bedeutung dagegen geht davon
aus, daß die wörtliche Bedeutung eines Satzes „möglichst viel Aufschluß darüber
gibt, welche kommunikative Rolle die Äußerung dieses Satzes in einer
Sprachgemeinschaft spiel[t] [...], in der diese Sprache zum Zwecke der
Verständigung benutzt wird”. Die Gesamtheit dessen, was mit der Äußerung
eines bestimmten Satzes bei einer bestimmten Gelegenheit ausgedrückt und
verstanden wird, bezeichnet den Äußerungsinhalt, also alles, was mit einer
Äußerung inhaltlich übermittelt wird. Der Satzinhalt dagegen bezeichnet die
Wahrheitsbedingungen, die von der wörtlichen Bedeutung einer bestimmten
Äußerung bei einer bestimmten Gelegenheit festgelegt werden - also das, was der
Satz selbst mit Hilfe seiner wörtlichen Bedeutung übermittelt.
Das Problem der gebrauchstheoretischen Richtung ist nun, daß die
„unübersichtliche Mannigfaltigkeit der Äußerungsinhalte ein und desselben
Satzes” kaum in eine kompositionale Bedeutungstheorie gezwängt werden kann,
wie Frege dies von einer Semantik verlangt. Die Frege-Tradition wiederum sieht
sich mit dem Problem konfrontiert, daß der enorme Abstand zwischen dem
enggefaßten Satzinhalt und dem viel weiteren Äußerungsinhalt kaum durch eine
Theorie überbrückt werden kann.
Einen Ansatz zur Lösung des Problems der Frege-Tradition bildet die Theorie der
konversationellen Implikaturen von Paul Grice. Mit Hilfe dieser Theorie ist es
möglich, von einem enggefaßten Satzinhalt auf einen inhaltlich weit entfernten
Äußerungsinhalt zu schließen.
In dieser Arbeit sollen die Grundlagen zu Grices Theorie der konversationellen
Implikaturen sowie auch die Theorie selbst vorgestellt und im weiteren auch
angewendet werden. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen zu Grices Theorie der konversationellen Implikaturen

2.1 Grices Theorie des Meinens

2.2 Sagen und Implikieren in der Griceschen Theorie

3. Grices Theorie der konversationellen Implikaturen

3.1 Die Ausbeutung der Maximen

3.2 Merkmale konversationeller Implikaturen

3.3 Arten von Implikaturen

3.3.1 Konventionelle Implikaturen

3.3.2 Nicht-konventionelle Implikaturen

3.3.2.1 Nicht-konversationelle Implikaturen

3.3.2.2 Konversationelle Implikaturen

3.3.2.2.1 Partikularisierte Implikaturen

3.3.2.2.2 Generalisierte Implikaturen

4. Anwendung der Griceschen Theorie – Das Präsens im Deutschen

5. Bibliographie

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die von Paul Grice entwickelte Theorie der konversationellen Implikaturen darzustellen, theoretisch fundiert zu erläutern und ihre Anwendbarkeit auf sprachwissenschaftliche Phänomene, insbesondere die Verwendung des Präsens im Deutschen, aufzuzeigen.

  • Grundlagen der Griceschen Theorie des Meinens und des Sagens
  • Struktur des Kooperationsprinzips und der Konversationsmaximen
  • Merkmale und Systematik der konversationellen Implikaturen
  • Die Ausbeutung von Maximen zur Erzeugung von Implikaturen
  • Analyse grammatischer Phänomene durch pragmatische Ansätze

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Ausbeutung der Maximen

Wenn ein Sprecher, indem er p sagt, impliziert, daß q, dann kann man unter folgenden Voraussetzungen davon sprechen, daß er konversationell impliziert habe, daß q:

(1) Der Sprecher beachtet die Konversationsmaximen oder zumindest das Kooperationsprinzip.

(2) Der Sprecher ist sich bewußt oder glaubt, daß q (diese Annahme ist nötig, um den Umstand, daß er sagt oder so tut, als sagte er, daß p mit der in (1) erwähnten Annahme in Übereinstimmung zu bringen).

(3) Der Sprecher glaubt (und würde vom Hörer erwarten, daß er glaubt, daß er – der Sprecher - glaubt), daß der Hörer in der Lage ist dahinterzukommen oder intuitiv zu erfassen, daß die in (2) erwähnte Annahme wirklich nötig ist.

Ein Beispiel soll diese Voraussetzungen im Hinblick auf die Ausbeutung einer Maxime verdeutlichen.

Angenommen, A sagt zu B Bei McDonald's bekommt man wirklich leckeres Essen, woraufhin B antwortet Ja genau, und im Frankfurter Hof wird nur Fraß serviert. A’s Gedankengang könnte nun wie folgt aussehen:

(1) B hat offensichtlich gegen die erste Qualitätsmaxime verstoßen; dennoch habe ich keinen Grund anzunehmen, daß er das Kooperationsprinzip außer Kraft gesetzt hat.

(2) Angesichts der Umstände kann ich die Falschheit seines Beitrags nur dann als scheinbar auffassen, wenn er Mc Donald's für ein mieses Restaurant hält.

(3) B weiß, daß ich es schaffen kann, durch Überlegung auf Schritt (2) zu kommen.

Somit impliziert B, daß Mc Donald's ein mieses Restaurant ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung diskutiert das Spannungsfeld zwischen semantischer Bedeutung und Äußerungsinhalt in der Sprachwissenschaft und führt Paul Grices Theorie als Lösungsansatz ein.

2. Grundlagen zu Grices Theorie der konversationellen Implikaturen: Dieses Kapitel erläutert die Grundkonzepte des "Meinens" sowie die Unterscheidung zwischen dem, was ein Sprecher "sagt", und dem, was er "implikiert".

3. Grices Theorie der konversationellen Implikaturen: Hier werden das Kooperationsprinzip, die vier Konversationsmaximen sowie die verschiedenen Arten von Implikaturen und deren Merkmale detailliert beschrieben.

4. Anwendung der Griceschen Theorie – Das Präsens im Deutschen: Das Kapitel demonstriert die praktische Anwendung der Theorie, indem es die irreguläre Verwendung des Präsens als konversationelle Implikatur rekonstruiert.

5. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Handbücher.

Schlüsselwörter

Pragmatik, Paul Grice, konversationelle Implikaturen, Kooperationsprinzip, Konversationsmaximen, Sprechakt, Äußerungsinhalt, Satzbedeutung, Semantik, Kommunikation, Sprachphilosophie, Präsens, Bedeutungstheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der pragmatischen Sprachanalyse, speziell mit der Theorie konversationeller Implikaturen nach Paul Grice und deren Anwendung auf sprachliche Phänomene.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Definition von "Meinen", die Unterscheidung von Sagen und Implizieren, das Kooperationsprinzip sowie die Klassifizierung verschiedener Implikaturarten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Grundlagen von Grices Theorie zu explizieren und zu zeigen, wie durch die Ausbeutung von Konversationsmaximen ein inhaltlich weit entfernter Äußerungsinhalt vom Adressaten verstanden werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die theoretische Rekonstruktion und Analyse linguistischer Handlungsmodelle, die durch praktische Beispiele und logische Gedankengänge verdeutlicht werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die detaillierte Aufschlüsselung der Maximen der Quantität, Qualität, Relation und Modalität sowie die Merkmale wie Annullierbarkeit und Nichtabtrennbarkeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Pragmatik, Kooperationsprinzip, Konversationsmaximen und konversationelle Implikaturen charakterisiert.

Wie wird das Präsens im Kontext der Theorie betrachtet?

Das Präsens wird nicht als bloßes "Untempus" abgetan, sondern als ein funktionaler Ausdruck, dessen kontextuelle Abweichungen als konversationelle Implikaturen interpretiert werden.

Warum ist das Beispiel des "historischen Präsens" für Grice wichtig?

Es verdeutlicht, dass semantische Irregularitäten genutzt werden, um rhetorische Wirkungen zu erzielen, die durch ein pragmatisches Räsonnement des Hörers erst verständlich werden.

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Details

Title
Konversationelle Implikaturen
College
University of Frankfurt (Main)  (Institut für deutsche Sprache und Literatur II)
Course
Seminar: Pragmatik
Grade
1
Author
Julia Reichert (Author)
Publication Year
2001
Pages
25
Catalog Number
V6710
ISBN (eBook)
9783638142175
ISBN (Book)
9783656561002
Language
German
Tags
Konversationelle Implikaturen Seminar Pragmatik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Reichert (Author), 2001, Konversationelle Implikaturen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6710
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