Die Bedeutung von George Orwells Homage to Catalonia als Bericht über den Spanischen Bürgerkrieg


Hausarbeit, 2004
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. George Orwell 1903-1936 – die Entwicklung vor Spanien

3. Der Spanische Bürgerkrieg und Großbritannien

4. George Orwell als Freiwilliger im Spanischen Bürgerkrieg

5. Homage to Catalonia: Bericht über den Spanischen Bürgerkrieg
5.1 Zwischen politischer Naivität und antikommunistischer Agitation – wie objektiv ist Homage to Catalonia
5.2 Spanien und seine Bevölkerung in Homage to Catalonia – Orwell als Sympathisant der Unterdrückten

6. Schlussfolgerung

Bibliographie

1. Einleitung

Literatur über den spanischen Bürgerkrieg zu finden, ist nicht weiter schwer, objektive Berichterstattung zu erhalten allerdings schon. Viele ausländische Freiwillige kämpften im spanischen Bürgerkrieg, darunter Intellektuelle, Schriftsteller und Politiker. Doch um den Bericht eines Freiwilligen richtig bewerten und analysieren zu können, muss man immer dessen politischen Hintergrund mit in Betracht ziehen, der oftmals die objektive Sicht auf die Ereignisse trübte. Viele Werke verkamen so zu purer politischer Agitation und Propagandalüge. „The few masterpieces that were produced will survive as monuments for those who died“[1], schrieb der Historiker Hugh Thomas treffend in seiner Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs. In Bezug auf diese Zitat Hughs behauptet Averil Gardner in ihrem Buch „George Orwell“, dass vier Werke dieses Kriterium erfüllen würden: W.H. Auden`s Spain, Stephen Spenders Two Armies, Ernest Hemingways For Whom the Bell Tolls und George Orwells Homage to Catalonia.[2]

Diese Arbeit wird sich mit dem letzteren der vier Bücher auseinandersetzten und versuchen die Bedeutung dieses Werks als Bericht über den Spanischen Bürgerkrieg zu analysieren. Es wurde sich hierfür vor allem mit der politischen Ebene des Buches auseinandergesetzt und darüber hinaus versucht, die Wahrnehmung Spaniens und der spanischen Bevölkerung durch Orwell zu erforschen. In der Beurteilung von Homage to Catalonia wurden zwei Schwerpunktfragen zu Grunde gelegt: Zum einen inwieweit dieses Werk durch die politische Einstellung des Autoren beeinflusst worden ist und somit als historisches Dokument überhaupt von Bedeutung sein kann und des Weiteren wie besondere Umstände und persönliche Einstellungen Orwells seine Perzeption Spaniens und des spanischen Volkes beeinträchtigten.

Der erste Teil der wissenschaftlichen Arbeit wird Hintergründe zum Leben Orwells vor seinem Spanienaufenthalt geben, kurz die Situation Großbritanniens zu Beginn des spanischen Bürgerkriegs beleuchten, um dann einen Überblick über Orwells Aufenthalt in Spanien und die Entstehungsgeschichte von Homage to Catalonia zu geben. Im zweiten Teil folgt dann die analytische Betrachtung der Schwerpunktfragen, wobei auch darauf eingegangen wurde, inwieweit Homage to Catalonia Orwells weiteres Schaffen beeinflusste.

Dieser Arbeit ist die Secker und Warburg Ausgabe von George Orwells Homage to Catalonia als Hauptreferenzpunkt zu Grunde gelegt. Für die deutschen Zitatangaben wurde, soweit nicht anderes angegeben, die Übersetzung von Wolfgang Rieger Mein Katalonien: Bericht über den Spanischen Bürgerkrieg verwandt, die im Diogenes Verlag erschienen ist. Da der Autorin nicht immer die Originalzitate Orwells vorlagen, sondern zum Teil deutsche Übersetzungen in Sekundärliteratur, musste in einigen Fällen auf diese zurückgegriffen werden. Darüber hinaus wurde die Secker und Warburg Gesamtausgabe von Orwells Werk: George Orwell: The Complete Works in Auszügen genutzt. Als Sekundärliteratur wurden hauptsächlich Michael Sheldens George Orwell und Hans-Christoph Schröders George Orwell: Eine intellektuelle Biographie zu Rate gezogen.

2. George Orwell 1903-1936 – die Entwicklung vor Spanien

Eric Arthur Blair, bekannter unter dem Pseudonym George Orwell, wurde 25.Juni 1903 als zweites Kind der Familie eines britischen Kolonialbeamten in Motihari (Indien) geboren. Orwell, Stipendiat in Eton, genoss eine elitäre Ausbildung, die die finanziellen Verhältnisse seiner Eltern ohne eine solche Zuwendung überschritten hätte. Der Autor charakterisierte seine Herkunft selbst als „unteren oberen Mittelstand“[3]. Nach einem mittelmäßigen Schulabschluss trat Orwell 1922 der Indian Imperial Police bei.[4]

1927 kehrte Orwell dem Kolonialdienst den Rücken, vor allem, weil er „[…]auf keinen Fall länger einem Imperialismus dienen konnte, den [er] inzwischen als einen ziemlich großen Volksbetrug durchschaut hatte.“[5] Im indischen Dschungel hatte sich, neben einer antiimperialistischen Grundhaltung, Orwells Entschluss gefestigt, Schriftsteller zu werden. Er ließ sich in London nieder und entschloss sich zu einer Sozialstudie, einem Leben unter Armen und Obdachlosen sowohl in der britischen Hauptstadt als auch in Paris. Genaue Informationen gibt es kaum über diese Zeit, ausgenommen dem, was Orwell in seinem Debütwerk Down and Out in Paris and London literarisch überspitzt selbst darlegte. Dennoch kann gesagt werden, dass diese Erfahrungen Orwell weiter für soziale Ungerechtigkeiten sensibilisierten und ihn kritisch auf seine eigene Herkunft blicken ließen. Das Buch brachte ihm erste Anerkennung als Schriftsteller. Nach seiner Rückkehr aus Paris arbeitete Orwell als Lehrer und veröffentlichte 1934 Burmese Days, eine Anklage an den britischen Imperialismus und danach weitere Bücher, denen aber kein kommerzieller Erfolg beschienen war.[6]

Das Jahr 1936 kann als der Wendepunkt in der politischen und damit auch literarischen Entwicklung George Orwells gesehen werden. Auf Anraten seine Verlegers Victor Gollancz begab sich Orwell ins nordenglische Wigan, um sich mit den Auswirkungen der wirtschaftlichen Depression in der Bergbauregion auseinanderzusetzen. In The Road to Wigan Pier schreibt er: „Der Besuch in Wigan war für mich als Teil meiner Annährung an den Sozialismus notwendig, denn bevor man sicher sein kann, ob man wirklich für den Sozialismus ist, muss man entscheiden, ob die gegenwärtigen Zustände erträglich oder unerträglich sind[…].“[7]

In Wigan manifestiert sich die Bewunderung eines Schriftstellers aus bürgerlichen Verhältnissen für die Arbeiterklasse. Orwell verwendet um ihren Umgang miteinander zu beschreiben den Begriff decency – Anständigkeit – dessen er sich auch für die Bewertung der spanischen Arbeiterklasse in Homage to Catalonia bedienen wird.[8]

3. Der Spanische Bürgerkrieg und Großbritannien

Der Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs am 18. Juli 1936 bedeutet eine weitere Verschärfung im bereits bis zum Bersten angespannten Verhältnis der europäischen Großmächte. An einer Ausweitung des spanischen Konflikts zu einem europäischen Krieg, war das durch innenpolitische Probleme gebeutelte, mit seinem wackelnden Großreich schon genug belastete Großbritannien nicht interessiert. Offiziell blieb die Regierung neutral. Dennoch lagen die Sympathien der britischen Führung eher auf Seiten der Aufständischen, war man doch an einem Wirtschaftspartner Spanien, aber vor allem an einem antikommunistischen Regime im Mittelmeerraum interessiert. Bei der britischen Bevölkerung kann dahingegen nicht von einer relativ einheitlichen Tendenz der Sympathien gesprochen werden. Die Aristokratie, die Großbourgeoisie und der Großteil der anglikanischen Kirche standen auf Seiten Francos; wohingegen Labour Party, Liberale, Kommunisten, Gewerkschaften und viele Intellektuelle offen die Republik unterstützten.[9]

[...]


[1] Die wenigen Meisterwerke, die geschaffen wurden, werden als Denkmäler für die, die ihr Leben ließen, bestehen. (Übersetzung: Die Verfasserin). In: Thomas: Hugh, The Spanish Civil War. Reprinted Edition. Harmondsworth: Pelican Books, 1961. 772, vgl. Gardner, Averil / Roby, Kinley E. (Hg.): George Orwell. Boston: Twayne Publishers, 1987

(=Reihe Twayne`s English Author Series) 79

[2] Gardner: George Orwell. 79

[3] Orwell, George: Der Weg nach Wigan Pier. Aus dem Englischen von Manfred Papst. Zürich: Diogenes, 1982. 123; vgl. Howald, Stefan: George Orwell. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, 1997. 13

[4] Howald: George Orwell. 9-21

[5] Orwell, George: Autobiographisches. In: Orwell, George: Rache ist sauer. Essays. Aus dem Englischen von Felix Gasbarra. Zürich: Diogenes, 1982. 7; vgl. Howald: George Orwell. 29

[6] Howald: George Orwell. 43-58

[7] Orwell: Der Weg nach Wigan Pier. 119; vgl. Howald: George Orwell. 66

[8] Schröder, Hans-Christoph: George Orwell. Eine intellektuelle Biographie. 72

[9] Bernecker, Walther L.: Krieg in Spanien 1936-1939. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1991. 80-84

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von George Orwells Homage to Catalonia als Bericht über den Spanischen Bürgerkrieg
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Anarchismus in Spanien und Lateinamerika
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V67184
ISBN (eBook)
9783638601733
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit analysiert das Buch "Homage to Catalonia" von George Orwell und untersucht seine Bedeutung als Dokument über den Spanischen Bürgerkrieg. Alle Zitate sind der englischen Orginalausgabe des Buches entnommen.
Schlagworte
Bedeutung, George, Orwells, Homage, Catalonia, Bericht, Spanischen, Bürgerkrieg, Anarchismus, Spanien, Lateinamerika
Arbeit zitieren
Janine Schildt (Autor), 2004, Die Bedeutung von George Orwells Homage to Catalonia als Bericht über den Spanischen Bürgerkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67184

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