Heimerziehung im Kontext des KJHG unter besonderer Berücksichtigung der Elternarbeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

9 Seiten


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1. Generelle Zielsetzung des KJHG

2. Heimerziehung im Kinder- und Jugendhilfegesetz
2.1 Was ist Heimerziehung?
2.2 Wer ist zuständig für die Hilfe zur Erziehung in einer Einrichtung über Tag und Nacht?
2.3 Wie wird die Heimerziehung im KJHG geregelt?

3. Elternarbeit in der Heimerziehung
3.1 Notwendigkeit der Elternarbeit
3.2 Ziele der Elternarbeit
3.3 Formen von Elternarbeit

4. Literaturverzeichnis

Einleitung

Im Seminar „Das moderne Jugendamt zwischen Dienstleistungs- und Eingriffsbehörde“ untersuchen wir die unterschiedlichen Aufgabenfelder der Jugendämter. Zu den Aufgabenfeldern gehört auch der Bereich der Heimerziehung. In dieser Studienleistung untersuche ich wie die Heimerziehung gesetzlich geregelt und in wie weit und vor allem warum Eltern betroffener Kinder mit in die Planung und Gestaltung einer Erziehung im Heim mit einbezogen werden (sollten).

1. Generelle Zielsetzung des KJHG

Die Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen scheinen zunehmend schwieriger und belastender zu werden[1]. Es zeigt sich, dass Kinder und Jugendliche, die Erziehungshilfen benötigen, häufig aus familiären Lebensformen entstammen, die verbunden sind mit

- einer Zunahme der Ein-Kind-Familien,
- einer Steigerung der Scheidungsquote,
- einer Steigerung von allein erziehenden Elternteilen,
- der Berufstätigkeit beider Elternteile,
- der Betroffenheit von Langzeitarbeitslosigkeit,
- der Not, eine angemessene Wohnung zu finden und bezahlen zu können,
- Verarmungstendenzen und dem Leben am Existenzminimum.

Im § 1 KJHG werden unter der Überschrift „ Recht auf Erziehung, Elternförderung, Jugendhilfe“ die Grundlagen und Ziele der Jugendhilfe zusammengefasst.

(1) Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

(3) Jugendhilfe soll zur Verwirklichung des Rechts nach Absatz 1 insbesondere

1. junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu betragen, Benachteiligungen zu vermeiden oder abzubauen,

2. Eltern und andere Erziehungsberechtigte bei der Erziehung beraten und unterstützen,

3. Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl schützen,

4. dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie einer kinder- und familienfreundlichen Umwelt zu erhalten oder zu schaffen.

Mit dieser Vorstellung stärkt das KJHG eindeutig die Stellung der Eltern, wodurch der Wert der Familie deutlich wird. Gleichwohl ist sich der Gesetzgeber bewusst, dass vielfach die Erscheinungsformen von Familien und deren Rahmenbedingungen ungünstig sind und sich gefährdend auf das Wohl der Kinder auswirken können. Da die Erziehungsverantwortung im KJHG primär bei den Eltern angesiedelt wurde, galt es, Leistungen zugunsten der familiären Erziehung stark auszuweiten. Das Gesetz gibt nicht allgemeine Erziehungsziele vor, sondern spricht von individueller sozialer Entwicklung. Richard Günder weist darauf hin, dass die Lebensbezüge der Menschen akzeptiert und ernst genommen werden müssen und die Leistungsangebote der Jugendhilfe umwelt- und lebensweltorientiert zu gestalten sind.

2. Heimerziehung im Kinder- und Jugendhilfegesetz

2.1 Was ist Heimerziehung?

Heimerziehung ist eine Hilfe zur Erziehung auf die, nach § 27 KJHG, ein Personensorgeberechtigter Anspruch hat, wenn eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist. Diese Hilfe muss für die Entwicklung des Kindes geeignet und notwendig sein. Hilfen zur Erziehung werden nach §§ 28 bis 35 KJHG[2] gewährt, wobei Art und Umfang der Hilfe im Einzelfall zu prüfen ist.

Im § 34 KJHG wird die Hilfe zur Erziehung in einer Einrichtung über Tag und Nacht geregelt. Der Gesetzgeber spricht von Heimerziehung und sonstigen betreuten Wohnformen und trägt damit dem Tatbestand Rechnung, dass Heimerziehung heute in sehr differenzierten Institutionen stattfindet. Heimerziehung soll Kinder und Jugendliche, entsprechend ihres Alters- und Entwicklungsstands, durch eine Verbindung von Alltagserleben mit pädagogischen und therapeutischen Angeboten in ihrer Entwicklung fördern. Sie zielt in erster Linie eine Rückkehr in die Familie an. Wenn dies nicht möglich ist, soll die Heimerziehung das Kind bzw. den Jugendlichen auf eine Erziehung in einer anderen Familie vorbereiten oder eine auf längere Zeit angelegte Wohnform bieten und somit auf ein selbständiges Leben vorbereiten. Während dieser Zeit sollen die Kinder/Jugendlichen in allen Fragen der Lebensführung, in Fragen der Ausbildung und Beschäftigung beraten und unterstützt werden.

[...]


[1] Siehe 11. Kinder- und Jugendbericht

[2] § 28 Erziehungsberatung

§ 29 Soziale Gruppenarbeit

§ 30 Erziehungsbeistand, Betreuungshilfe

§ 31 Sozialpädagogische Familienhilfe

§ 32 Erziehung in der Tagesgruppe

§ 33 Vollzeitpflege

§ 34 Heimerziehung, sonstige betreute Wohnform

§ 35 Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Heimerziehung im Kontext des KJHG unter besonderer Berücksichtigung der Elternarbeit
Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen
Veranstaltung
Das moderne Jugendamt zwischen Dienstleistungs- und Eingriffsbehörde
Autor
Jahr
2006
Seiten
9
Katalognummer
V67200
ISBN (eBook)
9783638601856
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heimerziehung, Kontext, KJHG, Berücksichtigung, Elternarbeit, Jugendamt, Dienstleistungs-, Eingriffsbehörde
Arbeit zitieren
Markus Kaufhold (Autor), 2006, Heimerziehung im Kontext des KJHG unter besonderer Berücksichtigung der Elternarbeit , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67200

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