Der Begriff der Allgemeinbildung - Unter besonderer Berücksichtigung des Gymnasiums


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff
2.1 Definitionen
2.2. Zwischenzusammenfassung

3. Geschichtlicher Hintergrund
3.1 Entwicklung der Allgemeinbildung
3.2 Historische Modelle
3.2.1 Enkylische Paideia
3.2.2 Instrumentalisierung von Sprachen und Künsten
3.2.3 Lernen aus geschichtlicher Erfahrung
3.2.4 Das Allgemeine und das Ganze
3.2.5 Allgemeine Bildung als Bildung des Menschen
in der funktionaldifferenzierten Gesellschaft
3.2.6 Allgemeine Bildung als formale Bildung
3.2.7 Allg. Bildung als Summe fachlicher Bildungsziele
3.3. Zwischenzusammenfassung

4. Schule und allgemeine Bildung

5. Allgemeinbildung am heutigen Gymnasium

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Narrenpossen sind eure allgemeine Bildung und alle Anstalten dazu. Daß ein Mensch etwas ganz entschieden verstehe, vorzüglich leiste, wie nicht leicht ein anderen in der nächsten Umgebung, darauf kommt es an.“

Johann Wolfgang von Goethe: Wilhelm Meisters Wanderjahre.

2 Buch, 11. Kapitel.[1]

Dieses Zitat aus einem bekannten Werk von J. W. v. Goethe lässt erahnen, dass der Begriff der Allgemeinbildung und die Auseinandersetzung mit demselben auf eine lange Entwicklung zurückblicken kann. Fast schon könnte man von einer Art Schlüsselbegriff unserer Kultur sprechen, denn die Allgemeinbildung, bzw. Bildung überhaupt ist deren Grundlage. Sie erst ermöglichte den heutigen Stand an Technik und Wissenschaft zu erreichen.[2]

Daher ist es kein Wunder, dass auch heute die Thematik dieses Begriffs und die dazugehörige Debatte allgegenwärtig ist. Einer der Hauptpunkte dieser Argumentation, – man muss schon fast von einem Hauptstreitpunkt sprechen – ist die Überzeugung vieler, dass es vor allem der Jugend an Allgemeinbildung fehle. Und in Anbetracht der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Situation, in welcher Bildung als der Schlüssel zum erfolgreichen Leben gehandelt wird, scheint dies mehr als überzeugend. Doch was genau ist Allgemeinbildung? Und woher kommt sie?

Wie schon das einleitende Zitat klar zu erkennen gibt, ist die Thematik keineswegs neu. Warum sollte man dann aber eine neue Debatte darüber erzeugen? Diese Sachlage erkannte schon der Pädagoge Johann Friedrich Herbart, als er zur, in seiner Zeit aufgekommenen Debatte über Bildung, im Jahre 1806 folgendes verlauten ließ:

„Bekanntlich gibt es in den meisten Wissenschaften solche Fragen, die schon jedes Zeitalter sich von neuem Vorlegen muß, wäre es auch nur, um die gegebenen Antwort mit eigener Einsicht zu füllen.“[3]

Auch der Streit über die Allgemeinbildung ist, ebenfalls wie der Begriff, keineswegs neu. Und doch greift man nicht (nur) auf bereits bestehende Erkenntnisse zurück, sondern eröffnet den Diskurs innerhalb von Politik, Wissenschaft und Gesellschaft ein jedes Mal aufs Neue.[4]

Warum aber geschieht dies auf diese Weise? Und warum werden immer wieder die bereits bestehenden Erkenntnisse zwar berücksichtigt, jedoch nicht komplett als Vorlage genommen? Eine mögliche Antwort scheint sich in der Sache selbst zu finden, denn:

Was genau meint Allgemeinbildung und vor allem, wofür steht der Part des „allgemeinen“ ?

Eben dieser Teil des Begriffes scheint unbestimmt, eindeutige Erläuterungen fehlen. Schon aus diesem Grund scheint es den Experten, die wieder und wieder aufs Neue darüber diskutieren, unmöglich zu sein, den Begriff eindeutig fest zulegen. Davon ausgehend ist es dann auch kein Wunder, dass es den Schulen und vor allen den Gymnasien enorme Schwierigkeiten bereitet, die Forderungen nach einer Mehrung der Allgemeinbildung der Jugend zu erfüllen.

Diese Arbeit soll sich jedoch nicht nur dem zentralen Begriff widmen, sondern auch dessen Bedeutung für das moderne Gymnasium. Galt es früher als Schule für die höhere Bildung[5], so hat sich dies heute stark geändert. Das Gymnasium soll, und hier besteht die Verknüpfung zum vorher eröffneten Problem, den Schülern eine breite Allgemeinbildung vermitteln und auf die möglicherweise folgende Hochschulbildung vorbereiten. Welche Funktion die Schule aber genau hat, wenn jener Begriff (noch) nicht exakt bestimmt ist, kann erst später dargelegt werden.[6] Auch daher muss geklärt werden, was genau unter „Allgemeinbildung“ zu verstehen ist und wie sich dieser Begriff entwickelt hat. So kann dann erläutert werden, welche Rolle die Schulen dabei spielten bzw. wie sie im Verlauf der Entwicklung tangiert wurden und welche Aufgaben sie heute übernehmen müssen. Daraus sollte dann ableitbar sein, in wie weit Allgemeinbildung heute nötig ist und in wie weit Schulen in der Lage sind, diese geforderten Leistungen zu erfüllen.

2. Der Begriff

Nicht nur wegen der Ungenauigkeit des Begriffes „allgemein“, sondern auch für eine umfassende Untersuchung ist es nötig, diesen zentralen Aspekt näher zu betrachten. Es sollte möglich sein, schon durch die Begriffsdefinition Anhaltspunkte dafür zu finden, warum die Debatte über die Allgemeinbildung sich ständig wiederholt. Daran anknüpfend ließe sich dies dann um die Aufgaben der Schule erweitern.

Bei genauerer Betrachtung des zentralen Begriffes ergibt sich schon aus diesem selbst eine Besonderheit: Es ergeben sich zwei Möglichkeiten einer Begriffsbestimmung, die untersucht werden:

1. die Allgemeinbildung und 2. die allgemeine Bildung herauszulesen.[7]

2.1 Definitionen

- allgemein: 1. (fast) alle od. alles betreffend; Ggs. besonders, speziell[8] 2. überall verbreitet, bekannt 3. für alle bestimmt[9]

- allgemein bildend: 1. eine allgemeine Bildung 2. Grundwissen ver-mittelnd (Schule)[10]

- Bildung: geistige und innere Formung, Vervollkommnung, geistiges und inneres Geformtsein des Menschen, vielseitige Kenntnisse, verbunden mit Geschmack, Urteil, Sinn für Wert; sich ~ aneignen; jemanden ~ beibringen; das zu wissen gehört zur allgemeinen ~[11]

- Allgemeinbildung: 1. Über Fachwissen hinausgehende, umfassende Bildung[12]. 2. Grundwissen/ gleiches Wissen für alle[13]

"Allgemeinbildung ist jener Teil der Bildung, der allen zukommt oder zukommen sollte, um jedem eine selbstständige und mitverantwortliche Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Ziel ist die umfassende Förderung der im Menschen liegenden praktischen, emotionalen und geistigen Fähigkeiten."[14]

2.2. Zwischenzusammenfassung

Der Begriff des „Allgemeinen“ scheint unmittelbar mit der Gesellschaft, bzw. mit der Verbindung des Individuums mit derselben verknüpft zu sein. Der Begriff ist also nicht ausschließlich durch seinen Inhalt gekennzeichnet. Dies ist ein wichtiger Punkt für die Rolle der Schule innerhalb dieses Bereiches. Aus den geschilderten Definitionen lassen sich folgende, klar bestimmte Charakteristika der Allgemeinbildung darstellen:

1. Allgemeinbildung ist ein individueller Zustand. Sie ist Bildung für alle und steht jeder Person zu. Dies führt zur eigenen, freien und vernünftigen Selbstbestimmung des Menschen, der als solches Wesen verstanden werden muss.[15]
2. Außer Selbstbestimmung beinhaltet die Allgemeinbildung auch die Mit-bestimmungs- und Solidaritätsfähigkeit.[16]
3. Allgemeinbildung meint die Fähigkeit des Einzelnen, sich in der Gesellschaft zurecht zu finden, an ihr verantwortungsbewusst teilzu- nehmen und seinen eigenen Beitrag zu leisten.
4. Allgemeinbildung zielt nicht auf spezielle Inhalte ab, sondern auf eine gleiche Grundbildung für alle.[17]
5. Es muss Institutionen geben, die das allgemeine Wissen, also das Grundwissen, vermitteln.
6. Individuelle Bildung ist nur möglich durch das Medium des Allgemeinen, das entspricht einer Art Grundstruktur für jeden.

Das zentrale Element der Allgemeinbildung ist also die Gesellschaft. Ein friedliches und erfolgreiches Zusammenleben in derselben setzt einen gewissen, für alle Teilnehmer gleichen, Grad an Allgemeinbildung voraus. Es geht bei der Debatte um die Allgemeinbildung also nicht in erster Linie um einen fachspezifischen Inhalt, sondern vielmehr um ein Bündel von Regeln innerhalb der Gesellschaft um deren Überleben zu gewährleisten. Da sich nun jede Gesellschaft in einem stetigen Wandel befindet, um sich der Umwelt anzupassen, muss sich logischer Weise auch die Allgemeinbildung und deren detaillierter Inhalt verändern. Dies erklärt, warum die o.g. Debatte immer wieder von Neuem geführt werden muss. Bei jeder Veränderung einer Gesellschaft, müssen sich auch die Inhalte der Allgemeinbildung verändern, um den Individuen eine Anpassung zu ermöglichen. Daher ist es auch nur logisch, dass sich die gesellschaftlichen Institutionen, die für die Vermittlung der Allgemeinbildung verantwortlich sind ebenfalls verändern.[18]

Die genauen Aufgaben und die Aktualität des Gutes der Allgemeinbildung sind damit hinreichend erläutert, nicht aber der genaue Inhalt.

Um die gesuchten Inhalte nun detailliert aufzuzeigen, sollte man sich auch an der historischen Entwicklung orientieren. Dadurch soll gezeigt werden, was genau die Inhalte der Allgemeinbildung darstellen und in wie weit diesen das heutige Gymnasium nachkommt.

[...]


[1] Vgl.: Tenorth, Heinz-Elmar (Hrsg.): Allgemeine Bildung. Analysen zu ihrer Wirklichkeit, Versuche über ihre Zukunft. Weinheim und München: Juventa, 1986.

[2] Ebd. S. 7f.

[3] Vgl.: Herbart 1806, S. 89 in: Neuner, Gerhart: Ressource Allgemeinbildung? Neue Aktualität eines alten Themas. Weinheim: Deutscher Studien Verlag, 1999.

[4] Vgl.: Ebd. S. 7f.

[5] Vgl.: Klafki, Wolfgang: Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik: Zeitgemäße Allgemein-bildung und kritisch-konstruktive Didaktik. Weinheim und Basel: Beltz, 1991. S. 49ff.

[6] Vgl.: Punkt 5. Allgemeinbildung am heutigen Gymnasium.

[7] Ebd. S. 59.

[8] Vgl.: Duden. Band 8. Die sinn- und sachverwandten Wörter. Hrsg. vom Dudenverlag. 3. Aufl. Mannheim: Dudenverlag, 1997. S. 35.

[9] Vgl.: Wahrig-Burfeind, Renate (Hrsg.): Kompaktwörterbuch der deutschen Sprache. 3., leicht aktualisierte Ausgabe. Gütersloh/ München: Wissen Media Verlag GmbH, 2002. S. 62f.

[10] Ebd.

[11] Ebd. S. 182.

[12] Vgl.: Der neue Brockhaus. Lexikon und Wörterbuch in fünf Bänden und einem Atlas. 6. völlig neu bearbeitet Ausgabe. Erster Band A-EK. Wiesbaden: F.A. Brockhaus, 1979. S. 63.

[13] Vgl.: Duden. Band 8, 1997. S. 132.

[14] Vgl.: Der neue Brockhaus, 1979. S. 63.

[15] Vgl.: Klafki, Wolfgang: Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. 1991. S. 19ff.

[16] Ebd. S. 40.

[17] Ebd. S. 53f und S. 159ff.

[18] Vgl.: Tenorth, Heinz-Elmar (Hrsg.): Allgemeine Bildung. Analysen zu ihrer Wirklichkeit, Versuche über ihre Zukunft. Weinheim und München: Juventa, 1986. S. 184f.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Begriff der Allgemeinbildung - Unter besonderer Berücksichtigung des Gymnasiums
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Pädagogik und Psychologie)
Veranstaltung
Schule als Institution unter besonderer Berücksichtigung des Gymnasiums
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V67251
ISBN (eBook)
9783638602297
ISBN (Buch)
9783640160242
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Haupseminararbeit aus dem Bereich des pädagogischen Begleitstudiums für Lehramtsstudenten. Überblick über die Schule als Institution und über den begriff der Allgemeinbildung unter besonder Berücksichtigung des Gymnasiums. Ausblick auf die Rolle der Allgemeinbildung im Unterricht an Gymnasien.
Schlagworte
Begriff, Allgemeinbildung, Unter, Berücksichtigung, Gymnasiums, Schule, Institution
Arbeit zitieren
Florian Huber (Autor), 2006, Der Begriff der Allgemeinbildung - Unter besonderer Berücksichtigung des Gymnasiums, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67251

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