Wortbildung in der Sprache der Segelflieger


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

47 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wortbildung im Deutschen
2.1. Derivation
2.2. Komposition
2.3. Konversion

3. Die Sprache der Segelflieger als Fachsprache

4. Wörterbuch „Segelflug“
4.1. Technik
4.1.1. Generelles
4.1.2. Bauteile eines Segelflugzeuges
4.2. Flugbetrieb
4.2.1. Generelles
4.2.2. In der Luft
4.2.3. Am Boden
4.3. Meteorologie
4.4. Umgangssprachliches

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang
6.1. Zusatzwörterbuch „Luftfahrt“
6.2. Das Nato-Alphabet
6.3. Abbildungen

1. Einleitung

„Papa Fünf, Papa Drei, komm mal hier 'rüber, ich hab hier 'nen Fünf-Meter-Bart ausgegraben!“ „Hier Papa Fünf, verstanden.“ Eine Weile später: „Ok, lass uns weiterfliegen, dann haben wir den zweiten Schenkel auch fertig.“ Die Antwort: „Ja. Siehst du die Wolkenstraße da hinten? Die können wie für den Endanflug nachher noch mitnehmen.“

Was wollen uns die beiden Sprecher mitteilen? Sind es zwei Archäologen, die einen fünf Meter langen Bart ausgegraben haben, womöglich den eines berühmten griechischen Philosophen? Das ist eher unwahrscheinlich. Anschließend spricht der erste von beiden, augenscheinlich Herr „Papa Drei“, vom Weiterfliegen. Sind es Piloten, denen wir hier lauschen? Es wird ein Schenkel erwähnt. Dieser findet sich in dem Bereich der Mathematik oder Biologie, doch lässt sich das mit den restlichen Aussagen in Einklang bringen? Denn der Papa (Vater?) Fünf redet auch von einer Wolkenstraße, die sie mitnehmen wollen. Spätestens hier fragt man sich, ob es den Sprechern noch gut geht, denn von einer Straße aus Wolken hat man noch nie gehört. Aber es wird auch vom „Endanflug“ gesprochen. Vielleicht handelt es sich doch um Piloten? Aber was sollen dann der Bart und der Schenkel bedeuten?

So oder so ähnlich könnten die Überlegungen aussehen, wenn man zum ersten Mal den Flugfunk zweier Segelflieger auf einem Streckenflug belauscht. Es handelt sich um eine Fachsprache, die man erst erlernen muss, um sie zu verstehen und sich in ihr auszudrücken. Viele der Begriffe scheinen seltsam und bleiben dem Laien meist ein Rätsel, wenn sie ihm nicht erklärt werden, er also in die Sprache der Segelflieger eingeweiht wird. Dies will die vorliegende Arbeit durch die Betrachtung der Wortbildung innerhalb der Sprache der Segelflieger versuchen.

Als erstes wird daher auf den Begriff der Wortbildung eingegangen und es folgt eine genauere Betrachtung der Sprache der Segelflieger. Als Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit schließt sich daran ein kleines Wörterbuch zum Segelfliegen an, in dem auch die verschiedenen Wortbil­dungsmuster noch einmal angeführt werden. Am Ende sollte der Leser einen allgemeinen Ein­druck über die Wortbildung in der Sprache der Segelflieger bekommen haben und es wird ihm auch möglich sein, das eingangs genannte Beispiel zu verstehen.

2. Wortbildung im Deutschen

Die Wortbildung ist Teil der Morphologie und deutlich von der Wortformenbildung (Flexion) zu unterscheiden. Die Wortbildung beschreibt die Entstehung von Wörtern mit mehr oder weniger neuer semantischer Bedeutung, die Flexion dagegen die Abwandlung der Wörter bei der Dekli­nation, Konjugation und Komparation.

Wortbildung kann auf verschiedene Arten geschehen, entweder durch Abwandlung bekannter Wörter oder durch Wortneuschöpfung. Letzteres ist heutzutage aber eher selten geworden, da man meistens den vorhandenen Wortschatz zur Wortbildung nutzt oder fremdsprachliche Ausdrücke in die deutsche Sprache übernimmt. Die wichtigsten Wortbildungsmuster sind Kürzung, Derivation, Komposition und Konversion. Im Folgenden wird allerdings nur auf die Wortbildungsmuster und deren Formen eingegangen, die für diese Arbeit relevant sind.

2.1. Derivation

Mit Derivation oder Ableitung bezeichnet man den Vorgang, in dem ein Wort durch Hinzufügen eines Affixes (Suffix, Präfix) gebildet wird. Dabei ändern sich der semantische und der syntakti­sche Gebrauch. So unterscheidet sich Auf-schrift deutlich von Schrift und ab-nehmen deutlich von nehmen. Bei beiden ändert sich der Kontext, in dem das „neue“ Wort gebräuchlich ist, das Verb nehmen erfährt sogar eine Änderung der Valenz. Abgesehen von den Präfixen und Suffixen gibt es auch Halbpräfixe und Halbsuffixe. Halbpräfixe wie z.B. über-, mit- und haupt- können im Gegensatz zu Präfixen auch allein stehen, haben aber als Halbpräfix meist eine abgeänderte Be­deutung. Halbsuffixe dagegen gibt es recht wenige, wie z.B. -fähig oder -tauglich.

Man gibt bei einer Derivation mit Änderung der Wortart auch an, welcher Wortart das ursprüng­liche Wort entstammte: War das Ursprungswort ein Verb, spricht man von deverbaler, war es ein Substantiv, von desubstantivischer Derivation.

2.2. Komposition

Die Komposition lässt sich in zwei Bereiche unterteilen und zwar in die Kopulativkomposition und die Determinativkomposition. Kopulativkomposita bestehen aus zwei gleichwertigen Ele­menten, die in ihrer Reihenfolge innerhalb des Kompositums austauschbar sind, ohne dass die Bedeutung sich (zu sehr) ändert: süß-sauer, Hosenrock. Im Gegensatz dazu stehen die Determinativkomposita, die in ihrer Reihenfolge nicht austauschbar sind. Sie bestehen aus einem Grundwort und einem Bestimmungswort, welches das Grundwort näher bestimmt bzw. determiniert. Dabei ist zu unterscheiden zwischen endozentrischen Determinativkomposita und exozentrischen Determinativkomposita. Bei ersteren besteht ein unmittelbarer Bezug zwischen beiden Bestandteilen (Kaffe-tasse: Tasse für Kaffee), bei letzterem bezieht sich die Zusammensetzung „nicht auf die im Grundwort genannte Größe“[1] (Milch-gesicht: eine Person). Komposita, die aus mehr als zwei Bestandteilen bestehen, lassen sich in mehreren Schritten (oder Ebenen) zerlegen:

Wurfgeschoss

1. Ebene: endozentrische Determinativkomposition: Wurf + Geschoss
2. Ebene: Konversion: werf(en) > Wurf
Konversion: schießen > das Geschoss(ene)

2.3. Konversion

Bei der Konversion handelt es sich um das Phänomen, dass ein Wort in eine andere Wortart überführt wird. So wird aus laufen durch Konversion das Laufen oder der Lauf. Bei diesem Bei­spiel handelt es sich um eine Substantivierung, bei der aus Verben Substantive gewonnen werden. Werden Abstrakta substantiviert ([jemand] liest Märchen wird zu Märchenlesen oder auch Märchenleser), nennt man diese Verbalabstrakta.

Abgesehen von den oben genannten Wortbildungsmustern gibt es auch andere Möglichkeiten, Wörter zu bilden. Dies sind z.B. Anagramme, welche aber durch die Möglichkeit, sämtliche Buchstaben eines Wortes in eine komplett neue Reihenfolge zu bringen, nicht unmittelbar zur klassischen Wortbildung gezählt werden können. Da jedoch im „Wörterbuch ,Segelflug‘“ in Kapitel 4.4 ein solches Anagramm auftaucht (Lepo), sollte auch dieses („anagrammatische Per­mutation“ genannte) Phänomen hier Erwähnung finden.

3. Die Sprache der Segelflieger als Fachsprache

Bei der Sprache der Segelflieger handelt es sich um eine Fachsprache, wie in der Einleitung schon deutlich wurde. Eine Fachsprache bedingt immer einen Produzenten und einen Rezipien­ten, die beide über eigene fachsprachliche Zeichensysteme verfügen bzw. weitgehend sich deckende Weltkenntnisse haben.[2] Sie müssen sich also ohne Schwierigkeiten verständigen kön­nen und dabei eine Sprache benutzen, die dem Fach angebracht und angepasst ist.

Gerade in der Luftfahrt ist eine Kommunikation, in der sämtliche Missverständnisse ausgeschlos­sen werden, besonders wichtig. In Stress- oder Gefahrensituationen müssen beide Gesprächspart­ner, sei es direkt oder über Funk mit möglichst wenig Worten genau das übermitteln können, was für z.B. die Abwendung einer Gefahr oder für den reibungslosen Ablauf des Flugbetriebes nötig ist. So gibt es beispielsweise für die Kommunikation per Funk festgelegte Phrasen und Fachwör­ter, auf die aber in dieser Arbeit nicht weiter eingegangen wird. Allgemein lässt sich sagen, dass die Fachsprache der Luftfahrt auf verschiedene Art und Weise die Kommunikation vereinfacht; so ist der Ausdruck „Fliegen sie ein in den Gegenanflug zur Landebahn Zwo Sechs.“ für jeden Piloten verständlich und wesentlich kürzer als dieses Extrembeispiel: „Steuern sie ihr fliegendes Gerät so, dass es parallel zur der für die Landung vorgesehene Strecke mit der Ausrichtung Westsüdwest fliegt und dabei die dafür vorgeschriebene Höhe einhält.“ (Für den Gegenanflug sind an kleineren Flugplätzen meistens Flughöhen im Bereich von 1000-2000 ft über dem Boden festgelegt.)

Ein anderes Beispiel ist auch folgendes: Im Flugzeugfunk kommt es immer wieder zu Störungen und dem bekannten Rauschen. Um hier eine fehlerlose Kommunikation gewährleisten zu können, wird beim Buchstabieren von Abkürzungen oder Flugzeugkennzeichen auf das Nato-Alphabet zurückgegriffen, welches im Anhang unter Kapitel 6.2 aufgelistet ist. Ein Segelflug­zeug mit dem Wettbewerbskennzeichen P5 wird daher im Funk Papa Fünf genannt, eines mit dem Kennzeichen IL analog dazu India Lima. Auf diese Weise werden Verwechslungen zwi­schen ähnlich klingenden Buchstaben (z.B. b, d, g, w) zuverlässig vermieden (Bravo, Delta, Golf, Whiskey).

Fachsprachen lassen sich horizontal und vertikal gliedern. Die horizontale Gliederung ist dabei an der „Gliederung der verschiedenen Fächer und Fachbereiche selbst ausgerichtet“[3] und die ver­tikale Gliederung unterscheidet die verschiedenen Ebenen der fachsprachlichen Kommunikation. So lässt sich die „Sprache der Segelflieger“ der „Sprache der allgemeinen Luftfahrt“ unterord­nen, wo sie gleichberechtigt mit den Fachsprachen der Motorflieger, Fallschirmspringer, Gleitschirmflieger und Ballonfahrer existiert. Diese sind horizontal gegliederte Fachsprachen aus dem Bereich der Luftfahrt. In Anlehnung daran wird in dieser Arbeit auch die Fachsprache der Segelflieger in Kapitel 4 behandelt, während ein zusätzliches, allgemeines Wörterbuch zur Luft­fahrt der Vollständigkeit halber im Anhang aufgenommen wurde. Eine vertikale Gliederung innerhalb der „Sprache der Segelflieger“ sieht folgendermaßen aus: Auf der „obersten“ Ebene stehen betriebliche Verordnungen bzw. gesetzliche Bestimmungen wie die „Segelflugsport-Be­triebs-Ordnung (S.B.O)“ oder die „Startwindenfahrer-Bestimmungen“. Als nächstes folgt die Sprache der auf den Segelflug bezogenen Technik. Diese vollständig von der allgemeinen Tech­nikersprache abzugrenzen, ist nicht möglich, da Fachsprachen sich generell gegenseitig beein­flussen können und je nach Gebrauch auf unterschiedlichen Ebenen anzusiedeln sind. So kann die Technikersprache Überbegriff für Fachsprachen sein (Handwerk, Fertigungstechnik, Elektro­technik, usw.) oder, wie in diesem Falle, einer anderen Fachsprache untergeordnet sein. Als „unterste“ Ebene der „Sprache der Segelflieger“ lässt sich die Umgangssprache einordnen. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass Wörter aus den anderen genannten Ebenen durch Abkürzungen oder Ersetzungen vereinfacht werden. So wird aus der Startwinde die Winde, aus dem Startwin­denseil das Endwort Seil oder anstelle von Seilrückholfahrzeug wird der Begriff Lepo verwandt.

Wie für die meisten Fachsprachen typisch, werden in der Segelfliegersprache hauptsächlich Sub­stantive gebildet. Die Motivation für die Wortbildung besteht dabei zumeist darin, dass es sich um Gegenstände oder Verfahren handelt, die für den Menschen (relativ) neu sind und daher eine Bezeichnung benötigen, die sie so genau und zutreffend wie möglich beschreiben. Daraus leiten sich dann z.T. Verben ab, selten Adjektive und Adverbien. In dem in Kapitel 4 vorgestellten Wörterbuch finden sich hauptsächlich Substantive, die meist entweder durch Determinativkom­position oder (in zwei Fällen) durch Konversion entstanden sind. Der Anteil der Verben ist we­sentlich geringer, es finden sich außerdem einige wenige Adjektive und gerade einmal zwei Adverbien.

Die Segelfliegersprache weist außerdem „sehr umgangssprachliche“ bzw. derbe Ausdrücke auf, von denen im nachfolgenden Wörterbuch auch einige aufgelistet sind. Nach Roelckes Einteilung[4] ließen sich diese in der vertikalen Gliederung etwa in der untersten Ebene ansiedeln. Meist sind dies abfällige (aber nie böswillig gemeinte) Ausdrücke oder milde Beleidigungen, mit denen man sich gegenseitig aufzieht. Die meisten Menschen kennen den Begriff Warmduscher als Synonym für Weichei, also eine Person, die sich nichts traut. In der Sprache der Segelflieger lässt die Wort­bildung der deutschen Sprache auch solche Begriffe wie z.B. den Flachkurbler zu. Dieser Begriff ist tatsächlich nur innerhalb der Fachsprache des Segelflugs verständlich.

Im folgenden Kapitel findet eine genaue Betrachtung der verschiedenen Wörter aus der Segelflie­gersprache statt. Dort wird auch zu jedem Begriff, wenn möglich, die Art der Wortbildung ange­geben. Eine Zerlegung der Bestandteile findet aber in den meisten Fällen nur auf der ersten Ebene statt, damit möglichst viele Begriffe erklärt werden können.

4. Wörterbuch „Segelflug“

Das folgende Wörterbuch ist in vier Bereiche eingeteilt. Als erstes sollen all die Wörter genannt werden, die dem Bereich „Technik“ entstammen. Darauf folgen Wörter aus den Gebieten „Flug­betrieb“ und „Meteorologie“. Zum Schluss sollen noch einige „umgangssprachliche“ Ausdrücke betrachtet werden.

Aus Platzgründen werden hier nur Begriffe angeführt, die ausschließlich für den Segelflug rele­vant sind. Allerdings lassen sich viele davon nur erklären und verstehen, wenn auch andere Begriffe aus der allgemeinen Luftfahrt bekannt sind. Daher ist eine Auswahl dieser Wörter im Anhang aufgelistet. Bei Gebrauch des Wörterbuchs ist weiterhin zu beachten, dass in der Erklä­rung eines Begriffes auf ein Wort aus einem anderen Kapitel verwiesen werden kann. Solche Verweise werden durch z.B. (4.3) gekennzeichnet. Wörter, auf die unter Verwendung von (A) hingewiesen wird, sind im Anhang aufgelistet. Dort befinden sich auch die Abbildungen, wie z.B. (Abb. 1).

4.1. Technik

4.1.1. Generelles

Segelflugzeug, das;

Subst., endozentrische Determinativkomposition, Subst.+Subst. (subst. Verb)+Subst.: Segel-Flug-Zeug. Das Substantiv Segel im Sinne von „abgeschnittenes Tuchstück“[5] bezeichnet in der Schifffahrt das Hilfsmittel, mit dem Segelschiffe den Wind als Antriebskraft nutzen. Für den Piloten eines S. hingegen ist Wind, außer für den →Hangflug (4.3) und den →Wellenflug (4.3), nicht zwingend notwendig. Hier hat eine Entlehnung stattgefunden: Der motorlose Flug wurde mit dem Fahren eines Schiffes ohne Motor assoziiert. Das Substantiv Zeug ist ein anderes Wort für Gerät und hat sich aus ziehen über Mittel zum Ziehen (Pflug) zu Mittel, Gerät entwickelt.[6] Ein S. hat immer ein gewisses Eigensinken, da es nur im Gleitflug seine Geschwin­digkeit halten kann und ist daher für den Höhengewinn u.a. auf →Thermik (4.3) an­gewiesen. Verschiedene S. sind im Anhang (Kapitel 7.3) abgebildet.

4.1.2. Bauteile eines Segelflugzeuges

Bugkupplung, die;

Subst., endozentrische Determinativkomposition, Subst.+Subst. (subst. Verb): Bug-Kupplung. Mit Bug wird in Anlehnung an die Schifffahrt der vordere Teil des →Se­gelflugzeugs (4.1.1) bezeichnet. Das durch Derivation aus kuppeln (verbinden) ent­standene Grundwort Kupplung bezeichnet das Bauteil, an dem beim Segelflugzeug das Schleppseil eingeklinkt wird (vgl. →ausklinken (4.2.2)). Die B. wird für den Start hinter einer →Schleppmaschine (4.2.2) verwandt und befindet sich an der vordersten Spitze des Flugzeugrumpfes.

Schwerpunktkupplung, die;

Subst., endozentrische Determinativkomposition, Adj.+Subst.+Subst. (subst. Verb): schwer-Punkt-Kupplung. Die im Schwerpunkt des →Segelflugzeuges (4.1.1), nahe dem →Fahrwerk (A) angebrachte Kupplung bezeichnet das Bauteil, an dem das →Startwindenseil (4.2.3) eingeklinkt wird (vgl. →ausklinken (4.2.2)). Die S. wird für den Start an der →Startwinde (4.2.3) verwandt. Das Seil löst sich dabei entweder unter einem bestimmten Winkel von selbst oder der Pilot muss es über einen Hebel selbst →ausklinken (4.2.2).

4.2. Flugbetrieb

Die Begriffe aus dem Bereich des Flugbetriebs lassen sich etwas schwieriger in Gruppen unter­teilen. Als Vereinfachung sollen daher zuerst generelle Begriffe betrachtet werden und dann jene, die etwas mit der Bewegung in der Luft bzw. am Boden zu tun haben.

4.2.1. Generelles

Alpenflug, der;

Subst., endozentrische Determinativkomposition, Subst.+Subst. (subst. Verb): Alpen-Flug. Mit A. wird das Fliegen in den Alpen bezeichnet, was für viele Piloten eine He­rausforderung darstellt, da hier sowohl das Fliegen in der →Thermik (4.3), als auch der →Hangflug und der →Wellenflug möglich sind.

Hangflug, der; (Abb. 10)

Subst., endozentrische Determinativkomposition, Subst.+Subst. (subst. Verb): Hang-Flug. Der Hang ist dabei das Kurzwort zu Berghang. Beim H. fliegt man parallel zum Berghang und nutzt dabei den durch ihn nach oben abgeleiteten Wind. Dieser „Auf­wind“ oder →Hangwind (4.3) „trägt“ das →Segelflugzeug (4.1.1), so dass man mehrere Stunden ohne signifikanten Höhenverlust fliegen kann.

Schenkel, der;

Subst. Hier hat eine Entlehnung aus dem Sprachgebrauch der Mathematik stattgefun­den, in der eine Seite eines Dreiecks als S. bezeichnet wird. Im Segelflug werden Streckenflüge meist als Dreieck konzipiert, damit am Ende des Fluges der Pilot mit seinem →Segelflugzeug (4.1.1) wieder am Heimatflugplatz angelangt.

Streckenflugtag, der;

Subst., endozentrische Determinativkomposition, Subst.+n-Fuge+Subst. (subst. Verb)+Subst.: Strecke-n-Flug-Tag. Ein S. ist ein Tag, der durch eine gute Wetterlage lange Streckenflüge zulässt. Für den Segelflug bedeutet dies gute bis starke →Thermik (4.3), die am besten am frühen Vormittag einsetzt und bis abends anhält, oder das Vorhandensein einer →Welle (4.3.), so dass er Strecken von mehreren hundert bis tausend Kilometern zurücklegen kann.

Wellenflug, der;

Subst., endozentrische Determinativkomposition, Subst.+n-Fuge+Subst. (subst. Verb): Welle-n-Flug. Das Fliegen in der →Welle (4.3) ist nur bei besonderen Wetter­lagen möglich und lässt z.T. ein Erreichen von Flughöhen von 8000m und mehr zu.

Windenstart, der; (Abb. 9)

Subst., endozentrische Determinativkomposition, Subst.+n-Fuge+Subst.: Winde-n-Start. Die Winde ist das Kurzwort zur →Startwinde (4.2.3), welche mit dem →Start­windenseil (4.2.3) das →Segelflugzeug (4.1.1) beschleunigt und es bis in eine bestimmte Höhe zieht. Der W. bedarf Übung, damit der Pilot das Flugzeug sicher steuert und z.B. auch entsprechend →vorhält (A). Im Segelflug ist der W. neben dem Flugzeugstart hinter einer →Schleppmaschine (4.2.2) die gängigste Startart.

[...]


[1] Dudenredaktion (Hrsg.): Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. 6. Auflage, Dudenverlag, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, 1998, S. 483.

[2] Vgl. Thorsten Roel>

[3] Roel>

[4] Vgl. Roel>

[5] Dudenredaktion (Hrsg.): Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. 3. Auflage, Dudenverlag, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, 2001, S. 750.

[6] Vgl. ebenda, S. 946.

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Wortbildung in der Sprache der Segelflieger
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Seminar für Deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Wortbildung
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
47
Katalognummer
V67262
ISBN (eBook)
9783638602327
ISBN (Buch)
9783638711470
Dateigröße
1999 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit stellt ein linguistisches Lexikon über die Fachsprache des Segelflugs dar. Nach einem Theorieteil über Wortbildung und Fachsprache werden diverse Begriffe aus dem Segelflugsport kategorisiert und unter Anfügung einer Erklärung des Wortbildungsmusters erläutert. Im Anhang finden sich dann einige Abbildungen mit Erklärungen
Schlagworte
Wortbildung, Sprache, Segelflieger, Wortbildung
Arbeit zitieren
Matthias Gebhardt (Autor), 2005, Wortbildung in der Sprache der Segelflieger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67262

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