Vorwort
In diesem Konzept beschäftigte ich mich mit den musiktherapeutischen
Behandlungsmöglichkeiten bei Drogenabhängigen, im Alter zwischen sechzehn und etwa fünfundzwanzig Jahren. Der Schwerpunkt liegt aufgrund meiner
fachspezifischen Ausbildung im Bereich „Sozialmusiktherapie“ und ihren
vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. Basierend am Schulenübergreifenden
Konzept der Sozialmusiktherapie, welches ich in dieser Arbeit in Kapitel 1 darstelle, nähere ich mich dem Hauptthema dieser Arbeit. Es besteht aufgrund der Aussagen zum Kausalitätsprinzip (nach Schwabe) die Möglichkeit, mit diesem vorliegenden musiktherapeutischen Konzept, sowohl eigenständig und unabhängig musiktherapeutisch zu arbeiten, als auch in weiterer Folge mit meinen zukünftigen Kollegen, ein gemeinsames Konzept im Psychologie bzw. Psychotherapiebereich, zu „entwickeln“.
In Kapitel 2 beleuchte ich kurz die Affinität zwischen Sucht und Musik. Ausgehend
vom Handlungsansatz in Kapitel 3, stelle ich meine Überlegungen für die praktische
Arbeit mit jungen Drogenabhängigen im vierten und letzten Kapitel dieses Konzepts
dar.
Der Hauptschwerpunkt liegt nach meiner Auffassung, in der Arbeit mit den
Ressourcen der Drogenabhängigen. Wie kann mit den vorhandenen Energien die
„Sucht“ bewältigt werden? Mein Grundverständnis in der zukünftigen Arbeit mit jungen Drogenabhängigen baut vorwiegend darauf auf, dass ich mit „jungen“ Menschen arbeiten werde und erst in zweiter Linie mit Drogensüchtigen.
"Nach meiner Erfahrung geschieht Außergewöhnliches, wenn ein von
Glaubwürdigkeit, Achtung und Verstehen geprägtes Klima geschaffen wird. In
einem solchen Klima wird Starrheit zu Beweglichkeit, statisches Beharren zu
Entwicklung, Abhängigkeit zu Autonomie, Vorhersagbarkeit zu spontaner
Kreativität, Abwehrhaltung zu Selbstannahme und Selbstverwirklichung."
Carl R. Rogers [...9
Inhaltsverzeichnis
1 KAPITEL - Grundlagen der Sozialmusiktherapie
1.1 Einführung
1.2 Der therapeutische Charakter der Sozialmusiktherapie
1.3 Die Handlungsmittel
1.4 Die Handlungsformen
1.4.1 Instrumentalmusikimprovisation
1.4.2 Bildgestalten mit Musik.
1.4.3 Regulatives Wahrnehmungstraining mit Musik (mit Elementen aus dem Bereich der Regulativen Musiktherapie)
1.4.4 Bewegungsimprovisation nach Musik
1.4.5 Gruppensingtherapie
1.5 Die Handlungsprinzipien
1.5.1 Wahrnehmungsorientiertes Handlungsprinzip
1.5.2 Sozial- interaktionelles Handlungsprinzip
1.5.3 Individuell-kreatives Handlungsprinzip
1.6 Die psychologischen Handlungsfelder
2 KAPITEL - Beziehung von Sucht und Musik
3 KAPITEL - Handlungsansatz
3.1 Institutionelle Ausgangsbedingungen
3.1.1 Allgemeines
3.1.2 Behandlungsangebot
3.1.3 Behandlungsverlauf
3.1.4 Zielgruppe
3.1.5 Aufnahmekapazitäten
3.2 Psychopathologische und soziale Ausgangsbedingungen bei Drogenabhängigen
3.3 Grundelemente des Therapiekonzeptes von „Walkabout“
3.3.1 Allgemeines
3.3.2 Metatheorie
3.3.3 Therapieziele
3.4 Ressourcen
4 KAPITEL – Musiktherapeutische Behandlungsmöglichkeiten
4.1 Entzugsphase
4.2 Einstiegsphase
4.3 Aktionsphase
4.4 Phase der Außenorientierung
4.5 Behandlungsplan
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit entwickelt ein musiktherapeutisches Konzept für junge Drogenabhängige am Zentrum „Walkabout“. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie durch sozialmusiktherapeutische Ansätze und die Nutzung individueller Ressourcen sowie musikalischer Ausdrucksformen die Suchtproblematik bearbeitet, die Persönlichkeitsstabilität gefördert und ein Leben ohne Drogen ermöglicht werden kann.
- Grundlagen der Sozialmusiktherapie als schulenübergreifender Ansatz.
- Die psychologische Affinität zwischen Suchtmechanismen und Musik.
- Methoden der Musiktherapie (Improvisation, Wahrnehmungstraining, Bandarbeit) in verschiedenen Behandlungsphasen.
- Die Rolle der Gruppe und gruppendynamischer Identitätsbildungsprozesse.
- Ressourcenorientierte Behandlung bei jungen Drogenabhängigen.
Auszug aus dem Buch
3.3 Grundelemente des Therapiekonzeptes von Walkabout
Das Fundament des gesamten therapeutischen Ansatzes bei Walkabout bildet die Integrative Gestalttherapie. Der gemeinsame Nenner ist das Menschenbild und persönlichkeits- sowie- entwicklungstheoretische Annahmen, aus denen Vorgaben für die Wege der Heilung und Entwicklung abgeleitet werden können. Die grundlegenden konzeptionellen Ausgangsbedingungen folgen einem ganzheitlichen Ansatz für den zur Gewährleistung folgende Grundelemente wesentlich sind:
a) die Therapeutische Gemeinschaft,
b) die Therapeutische Grundhaltung,
c) der interdisziplinäre methodenintegrative Ansatz im Sinne einer individualisierten Behandlung,
d) Vernetzung
ad a) Therapeutische Gemeinschaft
In diesem Modell stehen alle Mitglieder des therapeutischen Teams und der Patienten mit ihrer Persönlichkeit und Lebenserfahrung zur Verfügung. Die Sprache dafür ist die Sprache des Alltags mit weitgehender Offenheit. Das Prinzip der Therapeutischen Gemeinschaft leitet sich aus der Psychiatrie her und kommt dabei dem Kibbuzgedanken der Gestalttherapie sehr nahe.
Zusammenfassung der Kapitel
1 KAPITEL - Grundlagen der Sozialmusiktherapie: Dieses Kapitel definiert die Sozialmusiktherapie als schulenübergreifende Methode und erläutert deren therapeutische Handlungsmittel, -formen und -prinzipien.
2 KAPITEL - Beziehung von Sucht und Musik: Hier wird die psychologische Nähe zwischen Suchtbedürfnissen und musikalischem Erleben analysiert sowie die Bedeutung von Regression und Identitätsbildung hervorgehoben.
3 KAPITEL - Handlungsansatz: Das Kapitel beschreibt die institutionellen Rahmenbedingungen der Einrichtung „Walkabout“ sowie die psychopathologischen Grundlagen der Zielgruppe.
4 KAPITEL – Musiktherapeutische Behandlungsmöglichkeiten: Dieser Teil konkretisiert den praktischen therapeutischen Prozess, unterteilt in Phasen vom Entzug bis zur Außenorientierung.
Schlüsselwörter
Sozialmusiktherapie, Drogenabhängigkeit, Walkabout, Musiktherapie, Suchttherapie, Gruppenpsychotherapie, Ressourcenorientierung, Instrumentalmusikimprovisation, Identitätsbildung, Entspannungstraining, Jugendliche, Lebensbewältigung, Gestalttherapie, Selbsterfahrung, Interdisziplinarität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit entwirft ein musiktherapeutisches Behandlungskonzept für junge Drogenabhängige in einem stationären Kurzzeittherapie-Zentrum.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Anwendung der Sozialmusiktherapie, die Analyse suchtspezifischer psychologischer Prozesse und die Erstellung eines phasengerechten Therapieplans.
Welches ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Stabilisierung der Persönlichkeit der Klienten durch Musiktherapie, um eine Suchtmittelabstinenz und eine erfolgreiche soziale Reintegration zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird auf die Konzepte der Sozialmusiktherapie nach Schwabe sowie die Integrative Gestalttherapie als methodische Basis zurückgegriffen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Musiktherapie, die Suchtproblematik, den institutionellen Rahmen und die praktische Umsetzung in den verschiedenen Therapiephasen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Sozialmusiktherapie, Drogenabhängigkeit, Ressourcenorientierung, stationäre Therapie und Gruppenprozesse sind die prägenden Begriffe.
Warum wird speziell Bandarbeit als Methode empfohlen?
Bandarbeit bietet Jugendlichen einen Zugang über ihre eigene kulturelle Identität, fördert Teamfähigkeit und bietet eine gesunde Form der Affektabreaktion.
Welche Rolle spielt das verbale Feedback?
Das Feedback dient der Bewusstwerdung des Handlungsprozesses und der Wahrnehmungsdifferenzierung, anstatt in pathologisierende Deutungen abzugleiten.
Wie unterscheidet sich die Vorgehensweise in der Entzugs- und der Aktionsphase?
In der Entzugsphase stehen Entspannung und Mutmachen im Vordergrund, während die Aktionsphase auf die Stärkung der Ich-Funktionen und die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie zielt.
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- Erich Neuwirther (Author), 2004, Musiktherapeutisches Konzept für die Arbeit mit Drogenabhängigen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67272