Das dritte Reich und seine Flüsterwitze


Seminararbeit, 2006

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Struktur des Politischen Witzes

3. Der Flüsterwitz im Nationalsozialismus –
Ernst Hanisch

4.Witze gegen das neue Reich

5. Propaganda und Maulkorb

6. Hitler

7. Die Partei und ihre Bonzen

8. Österreich

9. Das Ende des Dritten Reichs

10. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Als mir vor einigen Jahren Franz Danimann´s Buch „Flüsterwitze und Spottgedichte unterm Hakenkreuz“ in die Hände fiel, stellte ich mir gleichzeitig auch die Frage „ Inwiefern darf man über diese schreckliche Zeit eigentlich Witze machen?“. Ich beschloss, mir dieses Buch anzueignen und zu lesen. In ihm sind neben theoretischen Erklärungen auch gesammelte Witze des Autors, der selbst, wegen dieser lange Zeit im Konzentrationslager saß.

Danimann ging es in seinem Buch aber nie darum, irgendwelche Gräben aufzureißen auch wenn er zum Beispiel oft sehr abfällig von „Piefkes“ schreibt. Dem Autor ging es lediglich darum, erlebtes, gehörtes niederzuschreiben und es nicht zu vergessen.

Für Franz Richard Reiter, dem Herausgeber des Buches, hat dieses leider traurige Aktualität. In vielen Ländern dieser Erde gibt es traurige Tendenzen zu dem, was sich im großdeutschen Reich vor über 60 Jahren abgespielt hat.

Aber noch mal zurück zu meiner Ausgangsfrage. Wenn man sich die damalige Zeit ansieht, muss man erkennen, dass der politische Witz oft die einzige Möglichkeit war kritisch und massentauglich den Wahnsinn des damalige Regimes aufzuzeigen.

Bei der Lektüre dieses und anderer Bücher musste ich auch immer wieder feststellen, dass sich viele von den gedruckten Witzen sich bis heute gehalten haben. Meist wurde lediglich der Name der Akteure geändert. Heute ist es meist nicht mehr Hitler sonder Haider, Schüssel, Gusenbauer oder Van der Bellen, die als Witzfiguren herhalten müssen.

Es wird mir hier leider nicht möglich sein alle Themenbereiche dieses umfassreichen Themas anzusprechen. Vielmehr versuchte ich durch die Auswahl einzelner Gebiete einen kleinen Überblick hierüber zu schaffen.

2. Struktur des Politischen Witzes

Hans Jochen Gnam geht in seinem Buch davon aus, dass Witz und Humor erst mit dem Auftritt des Bürgertums in der europäischen Sozialgeschichte ihre ständigen Ausgangsbedingungen finden [vgl. Gnam, S.184]

Spottlied und Spottgedicht gab es zwar bereits in der Antike, die grundlegenden Verhältnisse wurden dadurch nicht gestört.

Der Witz bzw. der Humor ist eine Art mentale Witterung für das mehr oder minder Zuträgliche in der Gesellschaftsatmosphäre. Mit Witz wurde also die jeweilige Situation einer Gesellschaft kommentiert.

Die Skala reicht hier von mildem Belächeln über milden Spott bis hin zur harschen Anklage und zur Entdeckung tyrannischer Praktiken [vgl. Gnam, S.185]

Bekannte Vertreter in Europa sind Voltaire, Heine, Thomas Moore, Sebastian Brandt und viele andere die in Humor die oft trostlose Lage in Europa anprangerten

Einen Unterschied sieht Gnam aber auch ein Großteil der Sprachwissenschaftler zwischen Witz und Humor. Humor verfügt gegenüber dem Witz über eine gewisse Bodenständigkeit. Am Humor nimmt der Zuhörer länger teil als am Witz. Dieser ist rasch, immer komprimiert, lässt sich aufheben und beruht meist auf einer Pointe, die wie eine Explosion alle mitreißen soll. Das ist auch der Grund, dass Witze so schnell wieder vergessen werde.

Wir wollen uns hier aber dem politischen Witz widmen. Die patriarchalische Verfassung ließ durch die enge Bindung der Individuen zum Landsherrn den politischen Witz nicht aufkommen.

In Deutschland gab es den politischen Witz bis zum ausufernden monarchistischen Patriarchalismus im 19 Jhdt. nicht.

Könige wurden als von Gott gesandt angesehen, die sich ohnehin wie jeder andere vor diesem nach seinem irdischen Leben rechtfertigen müssten. Demütigungen wurden einfach erlitten.

Erst als der Glauben an dieses Gottesgnadentum Risse bekam und sich der Glauben an ein ewiges Leben auflöste, ließ langsam Protest und somit auch die Möglichkeit zum politischen Witz aufkommen. Hier liegt also der Geburtsraum für den politischen Witz.

Durch das totalitäre Regime im 20.Jhdt. gewann der politische Witz noch weiter an Nährboden.

In der stickigen Luft dauernder seelischer Nötigung und ideologischer Erpressung schießt der politische auf; er wächst, und man raunt ihn weiter [siehe Gnam, S.190]

3. Der Flüsterwitz im Nationalsozialismus – Ernst Hanisch

Ernst Hanisch´s Beitrag beginnt mit den Worten: „Dort, wo das Erhabene, Sakrale und Mächtige auftritt, folgt der Witz, um menschliche Proportionen wiederherzustellen.“

Und tatsächlich kann es gerade in Zeiten der Unterdrückung von enormen Vorteil sein, seinen Humor nicht ganz zu verlieren. Für einen kurzen Augenblick hat man das Gefühl, die Oberen wäre unter einem selbst, da man sich über diese lustig machen kann.

Der politische Witz dient aber nicht nur als Instrument gegen die Mächtigen, er kann auch als Mittel des Triumphes gegen den Unterlegenen verwendet werden. (etwa Witze über Minderheiten)

Totale Regime waren grundsätzlich humorlos. Galgenwitze sind dabei wörtlich zu nehmen – denn sie wurden tatsächlich mit dem Galgen bedroht (vgl. Panagl, S.121)

Der schmale Grad zwischen sogenannten „Ventilwitzen“ und für das Regime gefährlichen Witzen wurde meist durch Polizei und Gerichte festgelegt.

Witze erzählen war gefährlich wie dieser „Meta“- Witz zeigt:

Müller: „Was gibt es für neue Witze?“

Schulze: „Sechs Monate KZ!“

Eine regionale Studie über Heimtückefälle ergab, dass Flüsterwitze lediglich 4 bis 5% aller kritischen Äußerungen ausmachten. Das Heimtückegesetz von 1934 sollte diese Äußerungen verhindern.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das dritte Reich und seine Flüsterwitze
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz  (Zeitgeschichte)
Veranstaltung
Kulturgeschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V67281
ISBN (eBook)
9783638602372
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reich, Flüsterwitze, Kulturgeschichte
Arbeit zitieren
Simon Weiß (Autor), 2006, Das dritte Reich und seine Flüsterwitze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67281

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