Schon seit einigen Jahren kündigte sich die Ablösung des bisherigen mechanischen oder analogen Tachographen, eher bekannt als Fahrtenschreiber oder EG-Kontrollgerät, durch den Digitalen Tachographen (DTCO) an. Seit dem 01. Mai 2006 ist der digitale Tachograph nun für neu zugelassene Fahrzeuge Pflicht. Die Unternehmen sind nun gezwungen, sich mit diesem Themenfeld ausführlich zu beschäftigen, um die eventuelle finanzielle Belastungen, aber auch die Vorteile durch die digitale Datenerhebung, die der digitale Tachograph bietet, besser abschätzen zu können.
Dabei betrifft der digitale Tachograph einen großen Bereich des Unternehmens: Dies fängt beim Fahrer an, geht über den Fuhrparkmanager, den Disponenten, das Archiv, das Controlling bis hin zu den eigentlichen Entscheidern im Management. Sie alle müssen sich mit dem digitalen Tachographen befassen, um den bestmöglichen Weg und die Chancen für ihr Unternehmen zu finden. Dies wird vor allem daher wichtig, da er als digitales Pendant zum analogen Fahrtenschreiber neben der eigentlichen Funktion, der Aufzeichnung von Fahrtdauer und -strecke, noch eine Reihe von Zusatzfunktionen leistet. Gerade diese Zusatzfunktionen gilt es für das Unternehmen zu erkennen und zu nutzen.
Auf Basis eines dargestellten fiktiven Fallbeispieles zur Einführung von DTCO in Unternehmen wird mittels des Analytischen Hierarchieprozesses (AHP) eine Nutzenbewertung verschiedener Einführungsszenarien durchgeführt. Der ermittelte Nutzen wird mit den zu erwartenden Kosten ins Verhältnis gesetzt und als Ergebnis wird eine Handlungsempfehlung und -unterstützung gegeben.
Die vorliegende Arbeit soll einen zusammenfassenden Überblick über das Thema bieten, deshalb liegt der Fokus hier weniger auf einer umfangreichen und exakten Darstellung aller technischen Einzelheiten und der verwendeten Verfahren, sondern vielmehr darauf, ein Gesamtverständnis des Lesenden zu erzielen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Problemstellung und Zielsetzung
3. Theoretische Grundlagen
3.1 Historische Entwicklung von Tachographen
3.2 Zugrunde liegende Gesetzgebungen
3.3 Regelung der Lenk- und Ruhezeiten
3.3.1 Lenkzeiten und Lenkzeitunterbrechungen
3.3.2 Ruhezeiten
3.4 Das digitale Kontrollgerät
3.4.1 Die Technik des digitalen Tachographen
3.4.2 Das Kartenkonzept
3.5 Regelungen zur Archivierung der Daten
3.6 Weiterverarbeitung der Daten im Unternehmen
3.7 Vorstellung des Analytic Hierarchy Process (AHP)
3.7.1 Der Analytic Hierarchy Process (AHP)
3.7.2 Abgrenzung zur Nutzwertanalyse (NWA)
3.7.3 Praktischer Ablauf
3.8 Mathematischer Hintergrund des Analytic Hierarchy Process (AHP)
3.8.1 Bestimmung der Prioritätenreihung mittels Eigenwertmethode
3.8.2 Berechnung der Konsistenz einer Matrix
4. Darstellung verschiedener Einführungsszenarien des digitalen Tachographen
4.1 Vorstellung des Unternehmens
4.2 Szenario 1: Schrittweise Einführung
4.3 Szenario 2: Komplettumrüstung mit reiner Tachographenfunktion
4.4 Szenario 3: Komplettumrüstung mit vollem Funktionsumfang
5. Nutzenbewertung mittels Analytic Hierarchy Process (AHP)
5.1 Formulierung des Ziels
5.2 Finden der Kriterien
5.3 Benennung der Alternativen
5.4 Vergleich der Kriterien
5.5 Inkonsistenz der Matrix ermitteln
5.6 Bestimmung des Eigenvektors der Matrix
5.6.1 Erste Iteration
5.6.2 Zweite Iteration
5.6.3 Dritte Iteration
5.7 Vergleich der Alternativen
5.7.1 Aufstellen der Paarvergleichsmatrizen
5.7.2 Berechnung der Reihenfolge
5.8 Beantwortung der Frage/ Lösungsfindung
6. Kostenbewertung im Verhältnis zum erwarteten Nutzen
6.1 Kosten Szenario 1
6.1.1 Szenario 1
6.1.2 Szenario 2
6.1.3 Szenario 3
6.2 Ermittlung des Kosten/Nutzen-Verhältnisses
6.3 Bewertung auf Basis von Kosten und Nutzen
7. Kritische Betrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht als Entscheidungshilfe, welche Taktik zur Einführung des digitalen Tachographen für ein mittelständisches Transportunternehmen am sinnvollsten ist. Dabei liegt der Fokus auf der Nutzenbewertung verschiedener Einführungsszenarien mittels des Analytic Hierarchy Process (AHP) sowie einer anschließenden Kosten-Nutzen-Analyse.
- Grundlagen der Gesetzgebung zu Lenk- und Ruhezeiten
- Funktionsweise und Technik des digitalen Kontrollgeräts
- Methodik des Analytic Hierarchy Process (AHP)
- Vergleich von drei Einführungsszenarien
- Kostenbewertung im Verhältnis zum erwarteten Nutzen
Auszug aus dem Buch
3.7 Vorstellung des Analytic Hierarchy Process (AHP)
Der Analytic Hierarchy Process, kurz AHP, ist eine mathematische Methode, welche zur Entscheidungsfindung dienen kann. Diese relativ neue Methode, welche seit Beginn der neunziger Jahre angewandt wird, ist recht ähnlich zu der in Deutschland gebräuchlichen Nutzwertanalyse. Ein methodischer Vergleich mit dieser wird im nächsten Kapitel vorgenommen.
Der Einsatz von AHP ist immer dann in Erwägung zu ziehen, wenn eine Vielzahl von Einflussfaktoren berücksichtigt werden sollen. Der wesentliche Vorteil bei der Nutzung AHP liegt in der Reduktion der Komplexität bei einer Vielzahl von Einflussfaktoren und möglichen Alternativen. Durch eine starke Strukturierung der einzelnen Bewertungsschritte werden selbst typisch subjektive „Bauchentscheidungen“ zu einem einfach zu rationalisierenden Aspekt. Durch die Zerlegung der Gesamtentscheidung in viele kleine Teilentscheidungen wird die Gefahr der falschen Bewertung eines wichtigen Faktors minimiert. Neben den subjektiven können mit dem AHP allerdings auch objektive Faktoren verglichen werden, was von einer großen Flexibilität zeugt. Im späteren Bewertungsprozess wird jede vorhandene Alternative mit allen anderen verglichen. Dieses Vorgehen wird je nach Anzahl der Alternativen schnell relativ umfangreich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel motiviert das Thema durch die gesetzliche Einführungspflicht des digitalen Tachographen und skizziert die Problematik für Unternehmen.
2. Problemstellung und Zielsetzung: Hier wird das Ziel der Arbeit definiert, als Entscheidungshilfe für Unternehmen bei der Einführung des digitalen Tachographen zu dienen.
3. Theoretische Grundlagen: Das Kapitel erläutert die Historie, die relevanten Gesetzgebungen zu Lenk- und Ruhezeiten, die Technik des Geräts sowie die mathematischen Grundlagen des AHP.
4. Darstellung verschiedener Einführungsszenarien des digitalen Tachographen: Es werden drei spezifische Szenarien für das fiktive Unternehmen „Müller Transporte“ zur Umstellung auf die digitale Technik vorgestellt.
5. Nutzenbewertung mittels Analytic Hierarchy Process (AHP): In diesem Kapitel wird der AHP konkret angewendet, um die drei Szenarien basierend auf definierten Kriterien zu bewerten und zu gewichten.
6. Kostenbewertung im Verhältnis zum erwarteten Nutzen: Hier erfolgt eine betriebswirtschaftliche Analyse der Kosten der drei Szenarien, um diese ins Verhältnis zum in Kapitel 5 ermittelten Nutzen zu setzen.
7. Kritische Betrachtung: Abschließend werden die Manipulationssicherheit sowie die technologische Konzeption des digitalen Tachographen kritisch hinterfragt.
Schlüsselwörter
Digitaler Tachograph, Analytic Hierarchy Process, AHP, Transportunternehmen, Nutzwertanalyse, Lenkzeiten, Ruhezeiten, Fuhrparkmanagement, Kosten-Nutzen-Analyse, Einführungsszenarien, Entscheidungsfindung, Manipulationssicherheit, Fahrerkarte, Archivierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entscheidungssituation von Transportunternehmen, die durch die gesetzliche Pflicht zur Einführung des digitalen Tachographen vor der Herausforderung stehen, die effizienteste Einführungstaktik für ihren Fuhrpark zu wählen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Themen sind die gesetzlichen Grundlagen zur digitalen Tachographie, die mathematische Methodik des Analytic Hierarchy Process (AHP) sowie die praktische Bewertung von Umrüstungsszenarien unter Einbeziehung von Kosten-Nutzen-Aspekten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, als Entscheidungshilfe zu dienen und die Frage zu beantworten, welche Taktik zur Einführung des digitalen Kontrollgeräts für ein Unternehmen unter Berücksichtigung verschiedener Nutzenkriterien und Kosten am sinnvollsten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Zur Nutzenbewertung der verschiedenen Szenarien wird der "Analytic Hierarchy Process" (AHP) angewendet. Diese mathematische Methode erlaubt es, komplexe Entscheidungsstrukturen durch paarweise Vergleiche und Gewichtungen systematisch zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in das AHP-Verfahren, die Definition dreier konkreter Einführungsszenarien, die Anwendung des AHP zur Nutzenbewertung sowie eine detaillierte Gegenüberstellung dieser Nutzenwerte mit den entstehenden Kosten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch die Begriffe Digitaler Tachograph, Analytic Hierarchy Process, Fuhrparkmanagement, Kosten-Nutzen-Analyse und Einführungsszenarien charakterisieren.
Warum wird der Analytic Hierarchy Process (AHP) der Nutzwertanalyse vorgezogen?
Der AHP bietet laut Autor eine genauere Bewertung der Einzelkriterien durch paarweise Vergleiche. Zudem erlaubt er durch den sogenannten Inkonsistenzfaktor eine Überprüfung der Logik und Qualität der getroffenen Bewertungen, was zu einer fundierteren Entscheidung führt.
Welches der drei untersuchten Szenarien ist nach der Analyse am empfehlenswertesten?
Nach der reinen Nutzenbewertung mittels AHP erreicht "Szenario 3: Komplettumrüstung mit vollem Funktionsumfang" die höchste Gewichtung. Betrachtet man jedoch das Kosten-Nutzen-Verhältnis, erweist sich die "schrittweise Einführung nach Szenario 1" als die günstigste Lösung.
- Quote paper
- Dipl. Kaufmann (FH) Denis Gurkasch (Author), 2006, Der digitale Tachograph. Bewertung von Einführungsszenarien unter Einsatz des Analytic Hierarchy Process (AHP), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67287