„Im Anfang war Adenauer – so lässt sich der Beginn der Bundesrepublik kurz kennzeichnen.“ Mit diesen Worten beginnt Arnulf Baring seine Habilitationsschrift, die sich mit der Außenpolitik Adenauers beschäftigt.
Im Anfang war Adenauer – das klingt nach einem großen Gestalter, der, beginnend mit der ‚Stunde Null‘, Eckpfeiler einrammte und der Welt – oder zumindest Deutschland – seinen Stempel aufdrückte. Es klingt nach einer großen Persönlichkeit. Die war Adenauer auch zweifellos. Doch war er deswegen im Anfang?
Über die Bedeutung Adenauers besteht kein Zweifel. Dennoch soll in dieser Arbeit, ausgehend von Barings Ausspruch, untersucht werden, wie Adenauer zu diesem Gestalter wurde und ob er wirklich so omnipräsent dieser Zeit seinen Stempel aufdrückte oder ob noch andere Faktoren ihn zu seiner Bedeutung brachten und seine Politik beeinflussten. Seine Leistung und Bedeutung soll und kann dabei nicht in Frage gestellt werden. Dennoch handelt kein Politiker in einem luftleeren Raum, sondern in einer Sinfonie aus persönlichen Anlagen, Überzeugungen und weltgeschichtlicher Entwicklung. In einem besetzten Land wie Deutschland zudem unter den Gegebenheiten, die die Besatzungsmächte vorgeben. Am Anfang war Adenauer – aber war da nicht noch mehr?
Es wird sich zeigen, dass Adenauer im Vergleich zu seinem direkten Konkurenten, Kurt Schumacher, derjenige mit dem realistischeren Programm war. Innerparteilich hatte Adenauer solchen Erfolg, weil er mit eisernem Machtwillen und fragwürdiger Moral Konkurrenten ausgeschaltet oder weggelobt hat. Er war der zielstrebigste der CDU-Politiker und gleichzeitig wieder der, mit den realistischsten Ideen. Dies wird besonders in der Außenpolitik deutlich, wo nichts gegen den Willen der Siegermächte möglich war. Auf diesem Gebiet war die Wiedererlangung der Souveränität Deutschlands Adenauers größte Leistung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Fragestellung
2. „Im Anfang war Adenauer“?
2.1 Adenauer statt Schumacher – warum es zu ihm keine Alternative (mehr) gab
2.2 Kurzer Weg zur Macht
2.3 „Kanzler der Alliierten“?
3. Ergebnis und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss von Konrad Adenauer auf die Anfänge der Bundesrepublik Deutschland und hinterfragt, inwieweit der Ausspruch „Im Anfang war Adenauer“ historisch zutreffend ist. Ziel ist es, Adenauers Wirken im Kontext der gegebenen Rahmenbedingungen sowie in Abgrenzung zu seinem politischen Gegenspieler Kurt Schumacher zu analysieren.
- Politische Biografie und Führungsstil von Konrad Adenauer
- Gegenüberstellung der Ansätze von Adenauer und Kurt Schumacher
- Machtpolitische Durchsetzung innerhalb der CDU
- Außenpolitische Strategien und die Rolle der Westbindung
Auszug aus dem Buch
2.2 Kurzer Weg zur Macht
„Am Anfang [...] stand ein Rausschmiß.“ Die zweite politische Karriere Konrad Adenauers begann mit seiner Entlassung als Kölner Oberbürgermeister. Auf Bitten der Amerikaner hin hatte er den Posten übernommen, bis ihn die Briten – denn Köln lag in der britischen Besatzungszone – wegen mangelnder Pflichterfüllung am 6. Oktober 1945 wieder entließen und gleich jede politische Betätigung verboten. Beides sollte für Adenauer zum Glücksfall werden. Die Entlassung befreite ihn von der immensen Arbeitslast und den schier erdrückenden Sorgen beim Wiederaufbau Kölns, das Betätigungsverbot verschaffte ihm die Möglichkeit, zunächst in aller Ruhe und aus der Distanz die Entwicklungen im besetzten Deutschland, und vor allem bei den Bemühungen um die Gründung einer christlich orientierten Partei im Raum Kölns, zu beobachten. Ob er damals schon Kanzler werden wollte, kann nur vermutet werden, seine rücksichtslos erkämpfe Parteikarriere nach 1945 lassen aber den Schluss zu, dass er keinesfalls vorhatte, sich aus der Politik zurückzuziehen.
Entgegen seinen eigenen Darstellungen war er kein Mitbegründer der CDU, obwohl er mehrfach um sein Engagement gebeten wurde. Als er sich dann aber einmal für die CDU entschieden hatte, war es zweifellos Adenauer, der sie zu der Partei machte, die 20 Jahre lang die Regierungsgeschäfte nicht aus der Hand gab. Sein energischer Einsatz und seine unermüdliche Arbeit für die CDU „stellt eine der größten Leistungen seines politischen Lebens dar.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in die historische Bedeutung Konrad Adenauers ein und definiert die Forschungsfrage, ob Adenauer allein als gestaltende Kraft der frühen Bundesrepublik betrachtet werden kann.
2. „Im Anfang war Adenauer“?: Dieser Hauptteil analysiert die Konkurrenz zu Kurt Schumacher, Adenauers machtpolitischen Aufstieg innerhalb der CDU und seine außenpolitischen Konzepte sowie die Rolle als „Kanzler der Alliierten“.
3. Ergebnis und Ausblick: Das Kapitel fasst zusammen, dass Adenauer zwar eine prägende Persönlichkeit war, sein Erfolg jedoch maßgeblich durch die gegebenen politischen Rahmenbedingungen und den Ost-West-Konflikt begünstigt wurde.
Schlüsselwörter
Konrad Adenauer, Kurt Schumacher, Bundesrepublik Deutschland, Westintegration, Nachkriegszeit, CDU, Parlamentarischer Rat, Außenpolitik, Alliierten, Souveränität, Kanzlerdemokratie, Deutschlandpolitik, Parteikarriere, Besatzungsmächte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Anfänge der Bundesrepublik Deutschland und analysiert den prägenden Einfluss Konrad Adenauers auf diese Gründungsphase.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen Adenauers machtpolitische Etablierung, sein Duell mit Kurt Schumacher, seine Außenpolitik sowie die Rolle der Westbindung.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob der bekannte Ausspruch „Im Anfang war Adenauer“ eine korrekte historische Einordnung darstellt oder ob andere Faktoren sein Wirken stärker beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Untersuchung verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse unter Einbeziehung relevanter Fachliteratur, Biografien und zeitgenössischer Dokumente.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Auseinandersetzung zwischen Adenauer und Schumacher, den internen Aufstieg Adenauers in der CDU und eine tiefgehende Betrachtung seiner Außenpolitik gegenüber den Alliierten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren den Inhalt?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Westintegration, Souveränität, Kanzlerdemokratie und die biographische Konkurrenz zu Schumacher charakterisiert.
Wie bewertet der Autor die Rolle Adenauers als „Kanzler der Alliierten“?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass diese Bezeichnung nur teilweise zutreffend ist; Adenauer agierte zwar im Einklang mit den Alliierten, vertrat dabei aber zäh und erfolgreich deutsche Interessen.
Warum spielt die Person Kurt Schumacher eine so große Rolle in der Untersuchung?
Schumacher fungiert als notwendiges Gegenstück, um Adenauers Arbeitsweise und politischen Stil deutlicher hervorzuheben und die Alternativlosigkeit seines Erfolgs zu kontextualisieren.
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- Michael Draeger (Author), 2006, Im Anfang war Adenauer?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67301