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Maria Stuart: Geschichtsdrama zwischen Metaphysik und Politik

Title: Maria Stuart: Geschichtsdrama zwischen Metaphysik und Politik

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 21 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Anna-Katharina Seemann (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Wahrheit, die Schiller in diesem Stück vermittelt, besteht aus seiner Philosophie von der „Freiheit“, die im Durchbruch des Erhabenen erlangt wird.
Für dieses Werk der Weimarer Klassik muss man Schillers ästhetische Schriften für die Interpretation heranziehen. Ausgangspunkt seiner Gedanken ist die Enttäuschung über den Umschlag der französischen Revolution in die Schreckensherrschaft. Damit stellt sich für Schiller die Frage, was der Anlass für diesen Umschlag war und wie ein vernünftiger bürgerlicher Staat den dekadenten Feudalstaat ablösen könne, ohne dass Europa „in Barberei und Knechtschaft zurückgeschleudert“ werden würde.
Bei der Frage nach dem Anlass geht er von einer Zerissenheit in Sinn und Geist aus, die zu einem Verlust der Totalität führe, während hingegen bei den Griechen noch Harmonie herrsche, da Einheit von Geist und Sinn noch gegeben.Doch in der Zeit der Moderne sei diese Einheit zerstört und auch der Staat könne dies nicht wieder herstellen, da er gerade auf diese Individualität baut. In der Folge gibt es nur eine Instanz für die Besserung der Menschheit durch die Wiedergewinnung der Harmonie- die Kunst. Als Beweis führt Schiller an, dass die meisten Menschen reiner Vernunft nicht zugänglich sind, da sie „durch Empfindungen zum Handeln bestimmt“ sind. Deshalb müsse „der Weg zum Kopf […] durch das Herz geöffnet werden“.
Durch die Freiheit, die der Mensch in der Kunst erführe, könne er sich grundlegend verändern. Diese Erfahrung der Freiheit ist auf zwei Darstellungsweisen möglich: zum einen durch die Darstellung des Schönen, in der Geist und Sinnlichkeit in der Natur miteinander harmonieren, zum anderen durch die Darstellung des Erhabenen, in welchem der Geist über die Sinnlichkeit „triumphiert“ und sich somit von allen äußerlichen Zwängen und Gewalt frei macht. Auf diese Weise erführe das Individuum, dass Freiheit möglich sei, erlebe selbst für einen Augenblick Freiheit in seinem Sein. Dies könne zur Veränderung in ihm führen.
In "Maria Stuart" führt er genau diese Entwicklung zur Freiheit dem Zuschauer vor Augen.
Maria als authentischer Mensch, findet zu einem selbst bestimmten Leben, nachdem sie alle Fesseln bis hin zur Todesangst abgeworfen hat. Sie gelangt zur Erhabenheit, kann ihre Moralität und Totalität aber nur durch Rückzug in die Innerlichkeit bewahren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Friedrich Schiller im Kontext seiner Zeit

3.) Schillers Humanitätsideal - seine Philosophie der Freiheit

A) Schillers Auffassung von der Natur des Menschen

B) Schillers Lehre vom Schönen

C) Schillers Lehre vom Erhabenen

D) Darstellung des Übersinnlichen als Aufgabe der Kunst

4.) Anwendung von Schillers Philosophie auf „Maria Stuart“

A) Marias Entwicklung zum erhabenen Charakter

B) Elisabeth als Beispiel ex negativo des modernen Menschen

5.) A) Schillers Geschichtsbild: poetische Wahrheit und historische Wahrheit, S.16-17

B) Poetische Wahrheit in „Maria Stuart“

6.) Konklusion

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Geschichtsdrama „Maria Stuart“ vor dem Hintergrund der schillerschen Philosophie und analysiert, wie der Autor durch die Anwendung seiner Theorien über Freiheit, Ethik und das Erhabene eine Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen seiner Zeit formuliert. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie Schiller historische Stoffe instrumentalisiert, um ein Modell menschlicher Autonomie und moralischer Authentizität zu entwickeln, das den Individuen einen Ausweg aus der Entfremdung der Moderne bietet.

  • Der zeitgenössische Kontext von Schillers Werk und der Einfluss der Französischen Revolution.
  • Die Analyse des schillerschen Humanitätsideals und der Differenzierung zwischen dem „Schönen“ und dem „Erhabenen“.
  • Die praktische Umsetzung dieser philosophischen Konzepte in der Charakterentwicklung von Maria Stuart und Elisabeth I.
  • Das Verhältnis von poetischer Wahrheit zu historischer Tatsächlichkeit bei der Dramengestaltung.

Auszug aus dem Buch

3. D) Darstellung des Übersinnlichen als Aufgabe der Kunst

In “Über das Pathethische” schreibt Schiller: “Der letzte Zweck der Kunst ist die Darstellung des Übersinnlichen und die tragische Kunst insbesondere bewerkstelligt dies dadurch, dass sie uns die moralische Independenz von Naturgesetzen im Zustand des Affekts versinnlicht.”

Der letzte Zweck der Kunst ist also die Darstellung des Übersinnlichen, damit der Rezipient zur ästhetischen Freiheitserfahrung gelangt, denn im Kunstwerk besetzt der Rezipient eine autonome Sphäre, die von gesellschaftlichen und sozialen Zwängen der Gegenwart nicht betroffen ist. Eine zeitweilige Freiheitserfahrung wird möglich, indem die Entfremdung der wirklichen Welt distanziert angeschaut werden kann.

Das Mittel zur Darstellung des Übersinnlichen ist dabei die Darstellung des Leidens. In „Über das Pathetische„ schreibt Schiller dementsprechend: “Das Sinnenwesen muss tief und heftig leiden. Pahtos muss dasein, damit das Vernunftswesen seine Unabhängigkeit kundtun und sich handelnd darstellen könne (…)“

Die Dialektik von Leid und Überwindung des Leids ermöglicht die Erfahrung der Freiheit des Menschen, die in der Realität nicht, oder nur bedingt möglich erscheint.

Zusammenfassung der Kapitel

1.) Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Aufbau der Hausarbeit, die sich der Untersuchung von Schillers "Maria Stuart" als Antwort auf zeitgenössische Herausforderungen widmet.

2.) Friedrich Schiller im Kontext seiner Zeit: Das Kapitel beleuchtet den Einfluss der Französischen Revolution und die persönliche Lebenssituation Schillers auf die Entstehung seines Werkes und seine philosophische Neuorientierung.

3.) Schillers Humanitätsideal - seine Philosophie der Freiheit: Hier werden die philosophischen Grundlagen Schillers, insbesondere seine Lehre vom Schönen und Erhabenen sowie die Aufgabe der Kunst, eingehend analysiert.

4.) Anwendung von Schillers Philosophie auf „Maria Stuart“: In diesem Teil wird praktisch nachgewiesen, wie Schiller die Konzepte der Erhabenheit am Beispiel der Entwicklung Marias und der negativen Charakterisierung Elisabeths im Drama umsetzt.

5.) A) Schillers Geschichtsbild: poetische Wahrheit und historische Wahrheit, S.16-17: Dieser Abschnitt erläutert Schillers Überordnung der "poetischen Wahrheit" gegenüber historischen Fakten als Instrument für philosophische Erkenntnis.

B) Poetische Wahrheit in „Maria Stuart“: Dieses Unterkapitel analysiert konkrete Abweichungen Schillers von historischen Gegebenheiten, um seine philosophische Absicht gezielt zu vermitteln.

6.) Konklusion: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der These, dass Schillers Drama als Utopiemodell zur Wiedererlangung menschlicher Totalität durch den Durchbruch zum Erhabenen zu verstehen ist.

Schlüsselwörter

Friedrich Schiller, Maria Stuart, Humanitätsideal, Philosophie der Freiheit, das Erhabene, das Schöne, poetische Wahrheit, Geschichtsdrama, Französische Revolution, Ethik, Autonomie, Entfremdung, Staatsräson, Charakterentwicklung, Ästhetik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Schillers Drama „Maria Stuart“ als philosophisches Projekt, in dem der Autor seine Theorien zur menschlichen Freiheit und Moral in ein künstlerisches Werk überführt.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen Schillers Philosophie, die Abgrenzung von privater und öffentlicher Sphäre, die Rolle des Individuums gegenüber dem Staat sowie die Funktion der Kunst als Instrument der gesellschaftlichen Besserung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schiller durch die dramatische Gestaltung historische Ereignisse so umformt, dass sie als Ausdruck seiner philosophischen Utopie eines "Vernunftstaates" dienen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Die Arbeit nutzt eine textnahe Interpretation des Dramas im Rückgriff auf Schillers ästhetische Schriften sowie eine Analyse der historischen und philosophischen Kontexte.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die philosophische Grundlegung des Humanitätsideals, dessen praktische Anwendung auf die Protagonistinnen sowie die Untersuchung von Schillers spezifischem Geschichtsbild.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Freiheit, Erhabenheit, poetische Wahrheit, Autonomie, Entfremdung und die Kritik an der Zweckrationalität der Moderne.

Warum spielt Elisabeth in Schillers Werk die Rolle des "Beispiels ex negativo"?

Elisabeth verkörpert den modernen Menschen, der sich durch die Unterdrückung der eigenen Natur und das Leben im Schein deformiert, um den Anforderungen der Macht gerecht zu werden, und damit seine Authentizität verliert.

Inwiefern erreicht Maria Stuart am Ende des Stückes die Erhabenheit?

Maria erreicht die Erhabenheit durch die Akzeptanz ihres Todes als freien Willensakt, wodurch sie sich von irdischen Zwängen und Intrigen löst und eine moralische Unabhängigkeit erlangt.

Warum wertet Schiller die "poetische Wahrheit" höher als historische Fakten?

Für Schiller ist Geschichte nur ein "Magazin für die Phantasie"; die poetische Wahrheit erlaubt es dem Dichter, allgemeingültige moralische und philosophische Prinzipien darzustellen, die über die bloße Dokumentation von Fakten hinausgehen.

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Details

Title
Maria Stuart: Geschichtsdrama zwischen Metaphysik und Politik
College
Université Paris-Sorbonne (Paris IV)
Course
Friedrich Schiller: Maria Stuart
Grade
sehr gut
Author
Anna-Katharina Seemann (Author)
Publication Year
2006
Pages
21
Catalog Number
V67331
ISBN (eBook)
9783638603294
ISBN (Book)
9783638810456
Language
German
Tags
Maria Stuart Geschichtsdrama Metaphysik Politik Friedrich Schiller Maria Stuart
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anna-Katharina Seemann (Author), 2006, Maria Stuart: Geschichtsdrama zwischen Metaphysik und Politik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67331
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