Vernunft und Wille in der Geschichtsphilosophie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

24 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. GESCHICHTSPHILOSOPHIE

3. IMMANUEL KANTS GESCHICHTSPHILOSOPHIE
3.1 GESCHICHTSPHILOSOPHISCHE ANSÄTZE IN KANTS WERKEN
3.2 DIE VERNUNFT DER NATUR
3.3 DER ENDZWECK DER GESCHICHTE IN KANTS PHILOSOPHIE

4. ARTHUR SCHOPENHAUERS GESCHICHTSPHILOSOPHIE
4.1 DIE WELT ALS WILLE
4.2 ZIEL UND ZWECK IN SCHOPENHAUERS PHILOSOPHIE

5. ZUSAMMENFASSUNG

6. LITERATURLISTE

1. Einleitung

Mit meiner Hausarbeit „Vernunft und Wille in der Geschichtsphilosophie“ will ich einen allgemeinen Einblick in die Geschichtsphilosophie geben und dabei an Hand von zwei philosophischen Geschichtsdeutungen aufzeigen das gesellschaftliche Auffassungen und Normen bezüglich dem Gottglauben in die Konstruktion einer Geschichtsinterpretation mit einspielen und deren Ausrichtung maßgeblich mitbestimmen können.

Um dieses Ziel zu erreichen werde ich im ersten Abschnitt meiner Arbeit einführend und überblickend erklären worum es sich bei Geschichtsphilosophie handelt. Dabei stelle ich heraus, dass es sich bei Geschichtsphilosophie um kein eindeutig zu definierendes Unterfangen handelt und das viele Einflüsse die Bildung einer solchen Theorie, Hypothese, mitbestimmen. Da, wie eben schon kurz angeführt wurde, viele Faktoren existieren, welche die Geschichtsphilosophie beeinflussen, würde eine ausführliche Behandlung dieser Einflüsse den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Deshalb konzentriere ich mich in der Auseinandersetzung mit den geschichtsphilosophischen Konstruktionen der Philosophen Immanuel Kant und Arthur Schopenhauer lediglich auf eine, für mich bedeutende, Kernfrage der Geschichtsphilosophie, nämlich die nach dem Prinzip, welches hinter einer menschlichen Handlungsgeschichte stehen könnte.

Diese Einschränkung auf einen Teilaspekt in der Geschichtsphilosophie führe ich im zweiten Teil meiner Arbeit, also in der Bearbeitung der Systeme der soeben genannten Philosophen, ebenfalls fort. Indem ich auch hier die für mich aussagekräftigsten Aspekte und Prinzipien derer Lehren gewählt habe um die unterschiedlichen Grundeinstellungen und Auffassungen der Philosophen darzustellen, ohne komplett in deren inhaltliche Tiefe einzutauchen und ohne in alle Winkel ihrer sehr umfangreichen philosophischen Werke vorzustoßen.

Um zu der oben bezeichneten Konklusion zu gelangen, dass beide Philosophen durch ihre mehr oder weniger gesellschaftlich bedingten Grundeinstellungen zu Gott zu ihren geschichtsphilosophischen Auffassungen gelangt sind, werde ich meine Arbeit wie folgt gliedern.

Wie ich oben schon einmal angeführt habe, werde ich mit einer Einführung in die Geschichtsphilosophie beginnen, in der ich mich insbesondere mit den geschichtsphilosophischen Auseinandersetzungen von Emil Angehrn und Johannes Rohbeck beschäftige. Hier werde ich auch den für diese Arbeit wichtigsten Determinanten einer geschichtsphilosophischen Modellbildung ausstellen.

Gefolgt von der Abgrenzung der geschichtsphilosophischen Fragestellung im Bezug auf die ausgewählten Philosophen werde ich mit dem System Immanuel Kants beginnen. Zunächst werde ich einige Werke Kants aufzeigen die geschichtsphilosophische Gedanken beinhalten, um aus ihnen den für meine Argumentation ausschlaggebenden Aspekt der Vernunft Gottes zu isolieren, ohne dabei auf weitere Aspekte, die für ihn eine Interpretation der menschlichen Handlungsgeschichte ermöglichen würden, einzugehen und ohne eine vollständige Erklärung seines geschichtsphilosophischen Modells zu geben. Dies mag problematisch für eine absolut ausführliche Behandlung des Themas sein aber für meine Argumentation ist diese beschränkte Sicht auf Kant’s Philosophie annehmbar. Im weiteren Verlauf der Arbeit werde ich das isolierte Prinzip der Vernunft Gottes in der Natur, dass ich in dieser Arbeit besonders herausstellen werde, im Bezug auf Kants Philosophie einführend behandeln und darstellen. Mit Kants Vorstellungen von Gott und der Vernunft im Hinterkopf werde ich im Anschluss darauf den Endzweck in der Geschichte aus Kants Perspektive zeigen um mit seinen positiven gesellschafts- bejahenden Schlussfolgerungen über eine Geschichte zu schließen.

Arthur Schopenhauers Prinzip des Willen wird von mir nach dem System Kant’s behandelt werden um den Unterschied zwischen dem ersteren, gesellschaftskonformen, und dem zweiten, gesellschaftsfremden, System erkennbar zu machen. Dazu werde ich mit Schopenhauers Willen seine negative Grundmotivation zur Welt darstellen, welche im Abschnitt über einen Welt - Zweck zu einem, für die Heilsphilosophie, katastrophalen Schluss kommen wird. Der konstitutive Unterschied zwischen Fortschrittsglaube und Resignation gegenüber dem Willen wird nach diesem Teil der Arbeit sehr offen daliegen und die grundsätzliche, argumentative Gegensätzlichkeit der Interpretationssysteme aufdecken.

In der Zusammenfassung werde ich abschließend noch einmal die wichtigsten Punkte der philosophischen Konzepte Revue passieren lassen um den ausgearbeiteten Unterschied zwischen Glauben und Nichtglauben in der geschichtsphilosophischen Systementwicklung deutlich zu machen.

2. Geschichtsphilosophie

Dieser Abschnitt meiner Arbeit hat die oben schon angekündigte Funktion, einen Einblick in die Geschichtsphilosophie zu geben. Das Thema der Geschichtsphilosophie nach Johannes Rohbeck „… ist die Geschichte als sich in der Zeit veränderter Handlungszusammenhang von Individuen unter politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen“.1 Daraus ergibt sich für ihn die Tatsache, dass Geschichtsphilosophie ein „interdisziplinäres Projekt“2 am Rande der praktischen Philosophie ist. Geschichtsphilosophie versucht einen Sinn bzw. Werdegang in der menschlichen Geschichte zu ermitteln und „… bezieht sich dabei auf die Darstellung und den Gegenstand der Geschichte“.3 Nach Emil Angehrn ist sie eine philosophische Theorie zum Verlauf der Geschichte die das Bildungsgut vergangener Zeiten, als Ausdruck des Vertrauens in die Geschichte, widerspiegelt.4 Den Begriff der Geschichtsphilosophie begründete der französische Schriftsteller und Philosoph Voltaire im Zuge der Aufklärung.5 Mit der Emanzipierung und Selbstbehauptung des Subjektes vollzog sich damals ebenfalls eine Neuorientierung des Weltbildes. Ihren Höhepunkt erreichte die Geschichtsphilosophie mit der Fortschrittsphilosophie Hegels und fand gerade ein Jahrhundert nach ihrer Geburt mit dem Schweizer Historiker Burckhardt ein jähes Ende.6

Das Thema der Geschichtsphilosophie beinhaltet die Menschheitsgeschichte und nicht die Naturgeschichte im Allgemeinen. Nach Angehrn ist Geschichte nur dort präsent, wo Geschichtsbewusstsein existiert, also eine subjektive kulturell geprägte Vergegenwärtigung der bewussten menschlichen Handlungen stattfindet. Als eine demnach kulturelle Schöpfung, ist die Geschichte daher beeinflussenden Faktoren unterworfen, die sich im Laufe der Zeit mit den kulturell zivilisatorischen Bedingungen in denen sie eingebettet sind, veränderten.7 Für die Geschichtsphilosophie gilt natürlich das gleiche, da sie, wie die Geschichtsschreibung und Geschichtsauffassung zu gleich, den gleichen Faktoren des gesellschaftlichen Wandels unterworfen war und ist. So wundert es auch nicht, dass keine allgemein akzeptierte Definition von Geschichtsphilosophie existiert.8

Dennoch bestehen bestimmte Fragen die im Zusammenhang mit Geschichtsphilosophie regelmäßig auftreten. Darunter lassen sich Fragen nach der Hauptrolle im historischen Prozess, über die Gestallt der Menschheitsgeschichte, was die Geschichte in jene oder welche Richtung treibt, ob ein Ziel in der Geschichte existiert, oder, ob es nur Fortschritt oder auch Rückschritte gibt, ob der Gang der Geschichte ethisch beurteilt werden kann, oder über eventuelle Gesetzmäßigkeiten in der Geschichte selber, stellen.9 Andererseits lassen sich nach Rohbeck auch Fragen über die Art und Weise wie Geschichte aufgezeichnet und übermittelt werden stellen, oder ob es überhaupt so was wie eine Geschichte gibt.10

Die zeitliche Periode in der die Geschichtsphilosophie eine Rolle spielte grenzen Angehrn und Rohbeck von der Mitte des 18.Jahrhunderts bis zum Anfang des 19.Jahrhunderts ab.11 In dieser Zeit versuchten die Aufklärer die sich mit der Geschichte und den philosophischen Dimensionen dieser beschäftigten ein eigenes von der katholischen Kirche verschiedenes Weltbild zu konstruieren.12 Dabei spielt für Rohbeck besonders der Begriff der Säkularisierung eine wichtige Rolle, denn er spiegelt die verweltlichenden Ideale der Aufklärung wieder und zugleich die Motivation der Konstruktion eines solchen eigenständigen Weltbildes.13 Dieses Weltbild grenzte sich insofern von den vorherigen, durch überirdische Heilsgeschichten geprägten, Bildern ab indem es sich auf reale gesellschaftliche Zustände und Ereignisse konzentrierte und damit den Menschen zur Bestimmung seiner eigenen Geschichte befähigte.14 Des Weiteren unterstreicht Rohbeck den Begriff der Vernunft im Zusammenhang mit der Geschichte, denn viele Aufklärer die sich mit dem Geschichtsverlauf beschäftigten sahen immer eine Verwandtschaft zwischen Fortlaufen der Geschichte und dem Fortschritt der menschlichen Vernunft.15

Im nun folgenden Teil meiner Arbeit werde ich zwei konkurrierende Systeme bezüglich einer philosophischen Deutung des Weltverlaufes vorstellen, nämlich die des Immanuel Kant und des Arthur Schopenhauers. Beide Systeme streben, in gewissem Sinne, nach einer Interpretation der Menschheitsgeschichte und befassen sich dabei, mit unterschiedlicher Ausprägung, mit den oben gezeigten Fragen der Geschichtsphilosophie. Da Beide Philosophen ein sehr umfangreiches Werk hinterlassen haben begrenze ich das Spektrum der zu erläuternden Fragestellungen auf eine einzige: Die Frage nach dem Sinn, oder Prinzip, welcher sich hinter der Geschichte des Menschen möglicherweise befindet. Dazu werde ich jeweils den für mich wichtigsten Kerngedanken der beiden hier einbezogenen Philosophen dazu verwenden, die Frage nach dem Sinn hinter der Welt zu beantworten. Beginnen werde ich mit dem traditionsbewussten und vernunftträchtigen Geschichtssystem des Immanuel Kant.

3. Immanuel Kants Geschichtsphilosophie

Immanuel Kant, einer der bedeutendsten Philosophen der Aufklärung, beschäftigte sich Zeit seines Lebens mit den Umständen des menschlichen Verstandes. Aber auch die Möglichkeit eines sinnvollen, fortschreitenden und zielgerichteten Verlaufes der menschlichen Geschichte beschäftigte diesen großen Denker und veranlasste ihn 1784 dazu eine Arbeit mit dem Namen „Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht“ (Idee) zu verfassen, die sich eben mit diesem Thema auseinander setzte. Das seine geschichtsphilosophische Konstruktion durch seine religiösen Wurzeln und dem damit verbundenem Weltbild geprägt wurde, soll im folgendem, mit Hilfe der Darstellung seiner systematischen Ausarbeitung eines dominierenden Vernunftprinzips, welches allumfassend und bestimmend in seiner Geschichtsauffassung ist, ausgearbeitet werden.

3.1 Geschichtsphilosophische Ansätze in Kants Werken

Kants Überlegungen bezüglich der Geschichtsphilosophie und dem was er aus seiner Vernunftsauffassung heraus dahinter verborgen sah ist aber nicht zentral in der „Idee“ verfasst worden, sondern zieht sich durch mehrere seiner Werke16, wenn auch in verschieden ausgeprägtem Maße. Die wichtigsten darunter sind: „Die Kritik der reinen Vernunft“ 1781 (K.I); die eben genannte „Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht“ 1784; „Die Kritik der praktischen Vernunft“ 1788 (K.II); „Die Kritik der Urteilskraft“ 1790 (K.III); „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ 1793 (Religion) und „Zum Ewigen Frieden“ 1795 (ZeF). Im Folgenden will ich vier von den eben genannten Werken Kants kurz aufzeigen die das Eine gemeinsam haben, nämlich die Annahme Kants dass die mögliche Systematisierbarkeit der Natur und der Geschichte auf der Existenz einer vernünftigen höheren Instanz aufgebaut sein könnte. Für Kant ist das allumfassende Prinzip welches die Vernunft, die Vorsehung und die Zweckmäßigkeit der Natur und der Entwicklung der Menschheit stiftet, Gott, und dies zeigt er immer wieder auf.

(K.I): In der ersten seiner drei Kritiken geht Kant im Anhang des Werkes, in der so genannten „Transzendentalen Dialektik“ auf die Natureinheit und die Teleologie ein.17 Wichtig für das geschichtsphilosophische Verständnis ist dieser Anhang insofern, da Kant

[...]


1 Rohbeck, S.19.

2 Rohbeck, S.19.

3 Rohbeck, S. 17.

4 Angehrn, S.9.

5 Angehrn, S. 9, und Rohbeck, S.24.

6 Ebd, S.10.

7 Ebd, S.11.

8 Ebd, S.12.

9 Rohbeck, S. 17.

10 Rohbeck, S. 18.

11 Angehrn, S. 9, und Rohbeck, S. 23.

12 Rohbeck, S. 25.

13 Ebd, S. 25.

14 Rohbeck, S. 25-26.

15 Rohbeck, S. 28.

16 Kleingeld, S. 110 ff., und Thom, S. 63.

17 Kleingeld, S. 111.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Vernunft und Wille in der Geschichtsphilosophie
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Philosophie)
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V67359
ISBN (eBook)
9783638603423
ISBN (Buch)
9783638671965
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
...ist ein Vergleich der geschichtsphilosophischen Auffassung von Kant(Vernunftprinzip) mit Schopenhauer(Wille)
Schlagworte
Vernunft, Wille, Geschichtsphilosophie
Arbeit zitieren
Oliver Gust (Autor), 2005, Vernunft und Wille in der Geschichtsphilosophie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67359

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