Der Hausarbeit liegt der Aufsatz „Silbische Aspekte segmentalen Schreibens – neurolinguistische Evidenz“ von Eisenberg, de Bleser und Domahs zugrunde. Die Autoren möchten mehr über die segmentale Verarbeitung beim Schreiben erfahren, indem sie sich der Neurolinguistik bedienen. Eine Aphasie, die Oberflächendysgraphie, erlaubt es ihnen die segmentale Verarbeitungsroute weitestgehend isoliert zu betrachten, da bei den Patienten die lexikalische und semantische Verarbeitung gestört ist. Die Untersuchungen verfolgen das Ziel, die silbischen Einflüsse in der segmentalen Verarbeitung beim Schreiben zu erfassen.
Ich werde zuerst das Logogen-Modell von Morton (1980) und Patterson (1988) vorstellen. Das ist nötig, weil es das Fundament für die ganze Analyse darstellt.
Im Weiteren folgen die Begriffserklärungen zur Phonem-Graphem-Korrespondenz (PGK), Neurolinguistik und der Oberflächendysgraphie (OFDG).
Im nächsten Abschnitt werde ich den Patienten H.S. vorstellen, der von Eisenberg, de Bleser und Domahs analysiert wurde, um die silbischen Einflüsse der segmentalen Verarbeitung zu untersuchen.
Der letzte Abschnitt beinhaltet den Forschungsstand und die silbischen Analysen der Autoren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlage: Logogen-Modell von Morton (1980) und Patterson (1988)
3. Begriffserklärungen
3.1 Phonem-Graphem-Korrespondenzen (PGK)
3.2 Neurolinguistik
3.3 Oberflächendysgraphie (OFDG)
4. Patient
4.1 Analyse der Schreibleistung im Januar 1987
4.2 Darstellung verbleibender Leistungen
5. Silbische Einflüsse
5.1 Forschungsstand
5.2 Forschungen von Eisenberg, de Bleser und Domahs
5.2.1 „Silbeninitales h“
5.2.2 Dehnungs-h
5.2.3
5.2.4 Realisierung des langen, gespannten /i:/
6. Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Bedeutung silbischer Einflüsse innerhalb der segmentalen Verarbeitungsroute beim Schreiben zu untersuchen, wobei als Grundlage das Logogen-Modell und neurolinguistische Erkenntnisse zur Oberflächendysgraphie herangezogen werden.
- Logogen-Modell nach Morton und Patterson
- Neurolinguistische Grundlagen der Oberflächendysgraphie
- Segmentale Verarbeitungsrouten beim Schreiben
- Silbische Prinzipien und Kontextsensibilität bei der Graphemwahl
- Fallanalyse von Patienten mit Oberflächendysgraphie
Auszug aus dem Buch
5.2.1 „Silbeninitales h“
Der Buchstabe h wird im Deutschen nicht nur zur Kennzeichnung einer Dehnung eingesetzt, sondern auch um Silbengrenzen zwischen zwei Vokalen zu markieren. Dieses „silbeninitale h“ ist stumm (vgl. Duden-Grammatik 1984, S. 75).
Es wird verwendet, wenn auf eine betonte offene Silbe unmittelbar der Kern einer nichtbetonten Silbe folgt (z.B. drohen, sehen).
Davon abweichend kommt es nicht vor,
a) wenn der vordere Vokal als Mehrgraph realisiert wird und die entsprechende Explizitform ein einsilbiges Substantiv ist (Knie, also nicht kniehen; aber: drehen/Dreh)
b) nach Diphthongen in der vorderen Vokalposition (deshalb nicht freuhen und Trauher). Nach dem Schreibdiphthong
H.S. schrieb im Diktat alle 20 Ziele, durch die Anwendungen der silbischen Regeln richtig. Dazu zählt das richtige Einsetzen vom „silbeninitalen h“ (z.B. Truhe, stehen), aber auch das Beachten der Ausnahmeregeln. So schrieb er u.a. „Feuer“ richtig nach der Regel b) und beachtete auch, dass nach
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsabsicht, die Rolle silbischer Einflüsse in der segmentalen Schreibroute anhand neurolinguistischer Evidenz zu erforschen.
2. Grundlage: Logogen-Modell von Morton (1980) und Patterson (1988): Erläuterung des kognitiven Prozessmodells des Lesens und Schreibens als theoretisches Fundament für die weitere Analyse.
3. Begriffserklärungen: Definition zentraler Fachbegriffe wie Phonem-Graphem-Korrespondenz, Neurolinguistik und Oberflächendysgraphie zur Vorbereitung auf die Fallstudie.
4. Patient: Analyse der Schreibleistung des Patienten H.S., um die Störungen in semantischen und lexikalischen Routen bei gleichzeitiger Nutzung der segmentalen Route aufzuzeigen.
5. Silbische Einflüsse: Detaillierte Untersuchung spezifischer silbischer Regeln und graphotaktischer Kontextsensibilität beim Schreiben durch den Patienten H.S.
6. Schlussteil: Zusammenfassung der Ergebnisse, die die neurolinguistische Bestätigung der Theorie zur Schreibsilbe unterstreichen, sowie kritische Diskussion der Methodik.
Schlüsselwörter
Oberflächendysgraphie, Logogen-Modell, Phonem-Graphem-Korrespondenz, segmentale Verarbeitung, Silbe, Dehnungs-h, silbeninitales h, Neurolinguistik, Aphasie, Schreibstörung, Graphem, Phonologie, Kontextsensibilität, Orthografie, Fallstudie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche Rolle silbische Prinzipien bei der segmentalen Verarbeitung während des Schreibprozesses spielen, insbesondere bei Patienten mit einer sogenannten Oberflächendysgraphie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Logogen-Modell der Wortverarbeitung, die Neurolinguistik von Schreibstörungen, phonem-graphemische Korrespondenzen und silbisch basierte graphotaktische Regeln.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass silbische Einflüsse bei der segmentalen Verarbeitung beim Schreiben eine maßgebliche Rolle spielen, indem das Verhalten eines Patienten mit Oberflächendysgraphie analysiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Fallstudienanalyse, bei der die Ergebnisse eines Diktats des Patienten H.S. ausgewertet und mit linguistischen Theorien sowie Befunden der Neurolinguistik abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch das Logogen-Modell, Begriffsklärungen, die Fallvorstellung und die detaillierte Analyse silbischer Phänomene wie Dehnungs-h und silbeninitales h.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Oberflächendysgraphie, Silbenstruktur, Phonem-Graphem-Korrespondenz und kognitive Neuropsychologie.
Warum spielt die Unterscheidung von "deutsch klingenden" Wörtern bei H.S. eine Rolle?
Der Patient orientiert sich bei der Setzung des Dehnungs-h an der Vertrautheit bzw. dem Klangbild von Wörtern, was darauf hindeutet, dass er trotz seiner Störung unbewusste silbische Prinzipien der deutschen Schriftsprache anwendet.
Welche Bedeutung hat das "silbeninitales h" in diesem Kontext?
Es dient als Testfall für die korrekte Anwendung silbischer Markierungsregeln, da der Patient H.S. durch die fehlerfreie Verwendung zeigt, dass er segmentale Schreibregeln beherrscht.
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- Ann-Kathrin Christiansen (Author), 2006, Silbische Einflüsse beim segmentalen Schreiben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67364