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Die Erziehung der spartanischen Knaben

Title: Die Erziehung der spartanischen Knaben

Seminar Paper , 2004 , 11 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Imke Duis (Author)

World History - Early and Ancient History
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Sparta als Militärstaat, als Ort, an dem Frauen außergewöhnlich große Handlungsspielräume hatten, als Stadt der Künste, des Sports, der Jagd, als praktiziertes Utopia nicht zuletzt auch wegen des Müßiggangs seiner Bürger1 – diese wenigen Stichworte zeigen bereits, dass das Bild Spartas bis heute der Idealisierung und Mythisierung unterliegt, gleichwohl vieles durch moderne Forschungen korrigiert oder relativiert werden konnte. Andererseits stehen den Bewunderern Spartas bereits seit frühester Zeit auch nicht minder leidenschaftliche Kritiker gegenüber, aus deren Sicht Sparta alles andere als ein ‚Utopia’ war.2 Beide Positionen finden sich gerade auch im Hinblick auf die Kindererziehung in Sparta, die bereits bei den griechischen Zeitgenossen Aufmerksamkeit erregte3. Besonders war an ihr nicht nur, dass sie neben der Kindererziehung bei den Kretern die einzige staatlich organisierte war,4 sondern man sagte ihr auch eine ‚besondere’ Qualität nach und so kauften sich Ausländer sogar gelegentlich Ammen aus Sparta.5 Kritische Stimmen sahen und sehen dieses Erziehungssystem hingegen als totalitär an und sprechen von einem ‚Abrichtungsprozess’. Um so wichtiger ist für eine kritische Darstellung des Erziehungssystem hier wie in den anderen Bereichen der Geschichte Spartas ein kritischer Umgang mit den überlieferten Informationen, will man zum ‚historischen Kern’ des Themas vordringen. Das Problem dabei ist, „dass wir kaum eigene spartanische Zeugnisse besitzen, sondern unsere Kenntnisse über weite Strecken auf den Werken athenischer Autoren des 5. oder 4. Jahrhunderts v. Chr. oder späterer Schriftsteller beruhen, die zumeist in vielfältiger Weise von früheren Quellen abhängig sind“6. Die zwei Hauptquellen für das Thema dieser Arbeit sind die Lykurg- Biographie Plutarchs und Xenophons Verfassung der Spartaner – beide werden im folgenden Kapitel zunächst kurz vorgestellt, wobei das Hauptaugenmerk auf ihrer historischen Einordnung und der Frage ihrer Zuverlässigkeit liegen wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Antike Quellen zur Kindererziehung in Sparta

a. Die Lykurg-Biographie Plutarchs

b. Xenophons Verfassung der Spartaner

III. Die Stufen der Agoge

a. Vom Säuglingsalter bis zum 7. Lebensjahr

b. Vom 8.-11. Lebensjahr

c. Vom 13.-20. Lebensjahr

IV. Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das staatlich organisierte Erziehungssystem Spartas, die sogenannte Agoge, kritisch anhand antiker Quellen. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der historischen Zuverlässigkeit der Hauptquellen sowie einer chronologischen Darstellung der Erziehungsphasen, um den „historischen Kern“ der spartanischen Knabenerziehung freizulegen.

  • Kritische Quellenanalyse von Plutarch und Xenophon
  • Staatliche Organisation und Stellenwert der Erziehung in Sparta
  • Chronologische Untersuchung der Lebensphasen der Agoge
  • Soziokulturelle Aspekte: Aussetzung, Abhärtung und militärische Ausbildung
  • Kontextualisierung der Erziehungsmethoden im historischen Umfeld

Auszug aus dem Buch

a. Vom Säuglingsalter bis zum 7. Lebensjahr

Da in Sparta „die Kinder nicht den Vätern eigen, sondern dem Staate gemeinschaftlich gehörten“ (Plutarch, Lykurg, 15, S. 136), wurden sie bereits direkt nach der Geburt diesem zugeführt. Die Väter mussten das Neugeborene zu einem Ort namens Leche bringen, an dem die Ältesten jeder Zunft versammelt waren: „Diese besichtigten es genau, und wenn es stark und wohlgebaut war, hießen sie ihn es aufziehen […]; war es hingegen schwach und missgestaltet, so ließen sie es gleich in die sogenannten Apothetä, ein tiefes Loch am Berge Taygetus, werfen, weil man glaubte, dass ein Mensch, der schon von Mutterleibe an einen schwachen und gebrechlichen Körper hätte, sowohl sich selbst als auch dem Staate zur Last fallen müsse.“ (Plutarch, Lykurg, 15, S. 137)

Nun war das Aussetzen von Kindern in der Antike kein auf Sparta beschränkter Einzelfall und doch weist diese Schilderung einige Besonderheiten auf, vor allem was die Begründung der Aussetzung betrifft. Clauss geht davon aus, dass Plutarchs Begründung „die eigene rationale, aber falsche Erklärung“ ist und die Tötung vielmehr aus Angst geschah, weil man in diesen Kindern Zeichen des Zorns der Götter sah, sie als verflucht bertrachtete und deshalb tötete, „um sich vor dem zu schützen, was das Anomale verkündete“. Link weist zudem daraufhin, dass Plutarchs Begründung streng genommen gar nicht erklärt, weshalb die Kinder ausgesetzt wurden, „sondern, weshalb sie sie von Staats wegen aussetzten, weshalb sie die Entscheidung darüber nicht den Vätern überließen“. Die körperlich schwachen Säuglinge hätten ohnehin die Agoge aller Wahrscheinlichkeit nach nicht überstanden und damit das volle Bürgerrecht nie erreicht, so dass man nicht befürchten musste, ein Vater würde einen kranken Sohn zum (Voll-)Bürger aufziehen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Ambivalenz des spartanischen Mythos zwischen Idealismus und totalitärer Kritik und führt in die quellenkritische Problematik ein.

II. Antike Quellen zur Kindererziehung in Sparta: Dieses Kapitel stellt die Hauptautoren Plutarch und Xenophon vor und erörtert die Problematik der Interpretation athenischer Schriften über das spartanische System.

III. Die Stufen der Agoge: Hier werden die verschiedenen Lebensphasen des spartanischen Knaben, von der Geburt bis zur Mündigkeit, und die damit verbundenen Erziehungspraktiken detailliert analysiert.

IV. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für eine historisch angemessene Kontextualisierung statt einer moralischen Bewertung des Erziehungssystems.

Schlüsselwörter

Sparta, Agoge, Knabenerziehung, Plutarch, Xenophon, Antike, Erziehungssystem, Historische Quellen, Lykurg, Kindererziehung, Militärstaat, Historische Kontextualisierung, Päderastie, Krypteia, Artemis Orthia

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der staatlich organisierten Erziehung der Knaben in Sparta, bekannt als Agoge, und hinterfragt die überlieferten antiken Quellen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Rolle der athenischen Quellen, die staatliche Kontrolle über das Individuum, die verschiedenen Stufen der Erziehung und die historische Einordnung ritueller Praktiken.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, durch eine quellenkritische Analyse der Schriften von Plutarch und Xenophon den historischen Kern des spartanischen Erziehungssystems freizulegen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine historisch-kritische Methode angewandt, die primär auf der Auswertung und Kontextualisierung antiker literarischer Quellen basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Quellenkritik sowie eine chronologische Untersuchung der Lebensphasen der spartanischen Knaben von der Geburt bis zum Erwachsenenalter.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind unter anderem Agoge, Sparta, Quellenkritik, Erziehung, Plutarch und Xenophon.

Wie gehen die Spartaner mit körperlich schwachen Neugeborenen um?

Gemäß den Quellen wurden Neugeborene durch die Ältesten geprüft und bei Schwäche oder Missgestaltung ausgesetzt, um den Staat vor Lasten zu bewahren.

Welche Bedeutung kommt der Krypteia im Erziehungsprozess zu?

Die Krypteia diente als Ritus zur Vorbereitung auf den militärischen Einsatz und zur Institutionalisierung der Unterdrückung der Heloten.

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Details

Title
Die Erziehung der spartanischen Knaben
College
University of Münster
Grade
1,0
Author
Imke Duis (Author)
Publication Year
2004
Pages
11
Catalog Number
V67372
ISBN (eBook)
9783638603522
ISBN (Book)
9783638793568
Language
German
Tags
Erziehung Knaben
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Imke Duis (Author), 2004, Die Erziehung der spartanischen Knaben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67372
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