Was zeichnet die Wortschatzarbeit im Englischunterricht der Primarstufe aus?


Hausarbeit, 2006

18 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Was bedeutet es ein Wort zu kennen?
2.1 Was ist der Wortschatz?S.2
2.2 Was ist das mentale LexikonS.3
2.3 Wie sind die Wörter im Gehirn miteinander verknüpft?
2.4 Didaktische Konsequenzen

3. Welche Besonderheiten haben junge Lernende?

3.Abschlussbetrachtung

4.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Warum verwende ich im Titel dieser Arbeit bewusst den Begriff Wortschatzarbeit und nicht Vokabelarbeit?

Zwar meinen beide Termini das Gleiche, nämlich das Erlernen der Wörter einer Fremdsprache. Jedoch unterscheiden sie sich in ihrer Konnotation.

Die bloße Erwähnung des Begriffs “Vokabeln-Lernen“ löst wohl bei den meisten Menschen ein ungutes Gefühl aus. In der Schulzeit haben viele das Vokabel-Lernen als etwas Zusammenhangloses, Ungeordnetes, Unüberschaubares und Ermüdendes erfahren.

Hinter der Bezeichnung “Wortschatz-Lernen“ steckt die Vorstellung, das gezielte Lernen von neuen Worten von Grund auf zu verändern: Es soll als Ganzes, Zusammenhängendes, Geordnetes, bedeutungsvolles Lernen erfahrbar gemacht werden.

Das Wortschatz-Lernen steht so betrachtet für eine besondere Form des Lernens, die den aktuellen Forschungsergebnissen der Sprachpsychologie und Psycholinguistik entspricht.

Ziel meiner Arbeit ist es, herauszubekommen, worin die Besonderheiten des Wortschatzlernens liegen und welche spezifischen Besonderheiten junge Lernende dabei aufweisen.

Auf der Suche nach einer Antwort werde ich mich dabei mit folgenden Fragen auseinander setzen, um so Schlussfolgerungen, bezüglich der Einführung und Übung von Vokabeln im Englischunterricht der Grundschule zu ziehen:

Was bedeutet es ein Wort zu kennen?

Was ist der Wortschatz?

Was ist das mentale Lexikon?

Wie sind die Wörter im Gehirn miteinander verknüpft?

Welche didaktischen Konsequenzen können gezogen werden?

Welche Besonderheiten haben junge Lernende bei der Wortschatzarbeit?

2. Was bedeutet es ein Wort zu kennen?

Der Duden definiert den Begriff der Vokabel, als ein „einzelnes Wort einer Fremdsprache“ verstanden. Das entspricht dem allgemeinen Sprachgebrauch, gibt aber eine falsche Richtung an. Denn eine Vokabel kann aus mehr als einem Wort bestehen.

Ein Beispiel dafür ist die Vokabel „police station“; dieser Begriff besteht aus zwei Worten, die eine Sinn-Einheit bilden.

Auch bei feststehenden Redewendungen ist nicht davon auszugehen, dass die Übersetzung der einzelnen Worte den Sinn des Ausspruchs wiedergeben. Ein Beispiel: „to put the axe in the helve“, heißt wörtlich übersetzt: Die Axt in den Stiel stecken. Der Ausspruch bedeutet aber: Ein Problem lösen. Diese Worte bilden eine Sinneinheit und sind von daher auch als ein Ganzes zu betrachten. Dies ist besonders für die englische Sprache hervorzuheben, da die Verständigung häufig über idioms erfolgt.

Penny Ur (1996: 60) rät von daher: „A useful convention is to cover all such cases by talking about vocabulary ’items’ rather than ‘words’.” Wir sprechen also besser von Lexemen, womit Vokabeln als lexikalische Einheiten benannt werden.

Ziel des Fremdsprachenlernens ist es, sich möglichst viele Lexeme zu eigen zu machen, und so seinen Wortschatz zu erweitern. Denn die Worte, die wir für sprachliche Äußerungen benötigen, müssen wir erst einmal gelernt, das heißt in unseren Wortschatz aufgenommen haben.

2.1 Was ist der Wortschatz?

Als persönlichen Wortschatz bezeichnet man im Allgemeinen die Gesamtheit der Wörter, deren eine Person mächtig ist, sei es in ihrem aktiven oder passiven Wortschatz.

Für die Speicherung des Wortschatzes im Langzeitgedächtnis hat sich in der Psycholinguistik der Begriff ’’mentales Lexikon’’ eingebürgert.

2.2 Was ist das mentale Lexikon?

Wörter sind „in unserem Kopf nicht einfach kunterbunt aufeinandergehäuft wie Laub für ein Herbstfeuer“ (Aitchsion 1994: 5), sondern sie sind systematisch strukturiert. Aitchison stellt diesbezüglich zwei Thesen auf. Die erste besagt, dass nur so die unglaublich vielen Wörter, die ein Muttersprachler kennt verarbeitet werden können und ferner, dass diese auch noch in Bruchteilen von Sekunden abrufbar sein müssen, das durch die Geschwindigkeit von der gesprochenen Sprache belegt wird. Dies deutet darauf hin, dass Menschen in ihrem Gehirn eine perfekt organisiertes Wortspeichersystem angelegt haben, das in der Literatur als mentales Lexikon bezeichnet wird

Das mentale Lexikon stellt gewissermaßen das Bindeglied zwischen, einerseits den Mustern von Sinneseindrücken bei der Sprachrezeption (was wir hören), oder andererseits den motorischen Mustern bei der Sprachproduktion (was wir sprechen) dar.

Die Forschungsergebnisse zum mentalen Lexikon können von den Fremdsprachendidaktikern genutzt werden, um daraus methodisch-didaktische Erkenntnisse für die Wortschatzarbeit in der Schule abzuleiten und optimale Lernbedingungen zu schaffen.

Die Forschung darüber, wie der Mensch Wissensstrukturen in seinem Gedächtnis repräsentiert, ist zwar noch lange nicht abgeschlossen, jedoch gibt es hierzu bereits verschiedene allgemein anerkannte Erklärungsmodelle.

Marslen-Wilson und Tyler (1980) haben Experimente zur Worterkennung durchgeführt. Diese zeigten, dass ein Mensch ein Wort sehr schnell erkennt - schneller als er es aussprechen kann - nämlich in nur 0,2 Sekunden.

Aufgrund dieser hohen Geschwindigkeit, in der wir auf die große Zahl von lexikalischen Einheiten in unserem Kopf zugreifen können, ist davon auszugehen, dass der Wortschatz perfekt strukturiert ist. Dabei liegt nach Aitchison (1994) die Annahme einer qualitativen Gliederung nahe, d.h. eine Gliederung entsprechend der den Worten innewohnenden Beschaffenheiten. Das mentale Lexikon erfasst „systematisch die Lexeme einer Sprache sowie die Regeln und Prinzipien ihrer Bildung – und damit: ihres Verstehens, ihrer Gedächtnisfixierung sowie ihrer Produktion und Verwendung“ (Scherfer 1995: 165). Es setzt sich aus mehreren Teilkomponenten zusammen, die sowohl phonologische und graphematische als auch morphologische, syntaktisch-lexikalische sowie semantische Informationen enthalten.

Damit wird die konkretistische Vorstellung vom mentalen Lexikon, das alphabetisch und streng linear aufgebaut ist, ganz so wie ein Wörterbuch, überwunden.

Bernd-Dietrich Müller (1994: 13) hebt ebenfalls hervor, dass mit Experimenten der Sprachforschung bewiesen sei, „wie vielfältig und „engmaschig“ Wörter im Gehirn miteinander verknüpft sind.“

So hat sich gezeigt, dass innerhalb des Wortschatzes systemische Beziehungen bestehen: so die paradigmatischen Strukturen z.B. thematischer Gruppen, Beziehungen der Subordination, der Identität und Äquivalenz, der Gegensätzlichkeit, sowie feldhafte Beziehungen und syntagmatische Strukturen, etwa der Kompatibilität, d.h. der semantischen Valenz (vgl. Eggert 1991: 93).

2.3 Wie sind die Wörter im Gehirn miteinander verknüpft?

Sobald der Lernende ein neues Wort kennen gelernt und verstanden hat, beginnt der Lernprozess, im Sinne der Aneignung des Wortes und der Integration in das bereits Gewusste.

Das Wort befindet sich jetzt im Kurzzeitgedächtnis und nur, wenn der Lernende es mit anderen Lexemen in seinem Gedächtnis verbinden kann, kann er sich auch nach längerer Zeit noch daran erinnern, anders gesagt, dann befindet es sich in seinem Langzeitgedächtnis.

Bis das geschehen ist muss ein Wort fünf bis sechs Mal behandelt worden sein (Nation:1990). Die Wiederholung spielt folglich bei der Wortschatzarbeit eine äußerst wichtige Rolle. Betrachten wir uns nun aber die Art und Weise, wie Wörter im Gehirn verknüpft sind, so sehen wir, welche Faktoren dabei nicht außer acht gelassen werden dürfen.

Die „riesige Informationszentrale Gedächtnis“ (Rohrer 1984: 13) verfügt laut Ergebnissen der Gedächtnispsychologie über verschiedene Arten von Verbindungen zwischen den Einzelelementen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Was zeichnet die Wortschatzarbeit im Englischunterricht der Primarstufe aus?
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Anglistik)
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V67377
ISBN (eBook)
9783638603553
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wortschatzarbeit, Englischunterricht, Primarstufe
Arbeit zitieren
Della Khanaga (Autor), 2006, Was zeichnet die Wortschatzarbeit im Englischunterricht der Primarstufe aus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67377

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