Mit Del sentimiento trágico de la vida en los hombres y en los pueblos veröffentlichte der Schriftsteller Miguel de Unamuno y Jugo 1912 sein wohl repräsentativstes und philosophisch bedeutendstes Werk . In mehreren Essays befasst sich Unamuno hier unter alternativer Bejahung des Kontradiktorischen mit der Frage nach der Bestimmung des Lebens, dem Schicksal des Menschen und der hiermit verbundenen
Gottes-, Unsterblichkeits- als auch Seinsfrage.
Obgleich zu verschiedenen Gattungen gehörend, stellen Das tragische Lebensgefühl, so der deutsche Titel der Essaysammlung, und die zwei Jahre später erschienene nívola Niebla eine inhaltliche Einheit dar. Ebenso wie das philosophische Werk beschäftigt sich letztere mit den oben genannten Themen, die in der nívola anhand der Geschichte von Augusto Pérez entwickelt werden.
Wie in dieser Arbeit gezeigt werden soll, ist Niebla also nicht nur vor dem Hintergrund der Ideen des […] Sentimiento trágico de la vida en los hombres y en los pueblos zu lesen, sondern kann sogar als Literarisierung eben dieser philosophischen Überlegungen gesehen werden.
Um dies zu zeigen wird, beginnend mit einer Erläuterung des Konzeptes des ‚hombre de carne y hueso’, der zugleich Ausgangspunkt und Gegenstand von Unamunos Philosophie ist, der Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Protagonisten Augusto und den philosophischen Überlegungen und Einsichten Miguel de Unamunos klar herausgestellt. Angesprochen werden hierbei zentrale Themen mit denen sich Augusto Pérez konfrontiert sieht: die vergebliche Suche nach dem Sinn des Lebens, die Erkenntnis und Frage nach der eigenen Existenz, die daraus resultierende Frage nach der eigenen Unsterblichkeit als auch der Existenz Gottes.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. El hombre de carne y hueso
3. La vida es una nebulosa
4. Liebe als Sinn des Lebens?
5. Enttäuschung und conciencia de sí
6. Realität und die Seinsfrage
7. Schluss
8. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Miguel de Unamunos Roman Niebla als eine Literarisierung der philosophischen Ideen verstanden werden kann, die er in seinem Essaywerk Del sentimiento trágico de la vida entwickelte. Dabei wird analysiert, wie die Entwicklung des Protagonisten Augusto Pérez die zentralen existentialistischen Fragestellungen des Autors widerspiegelt.
- Die philosophische Bedeutung des Konzepts "hombre de carne y hueso".
- Die Sinnsuche und die Erfahrung der existenziellen Leere ("nebulosa").
- Die Rolle der Liebe als vermeintlicher Sinnstifter und Garant der Existenz.
- Die Auseinandersetzung zwischen Schöpfer und Geschöpf als metafiktionales Element.
- Die Unsterblichkeitsthematik und das Spannungsfeld zwischen Glaube und Vernunft.
Auszug aus dem Buch
6. Realität und die Seinsfrage
Im metafiktionalen Kapitel XXXI von Niebla, in dem die Existenzfrage und das Verhältnis Schöpfer – Geschöpf diskutiert werden, treffen nun Autor Miguel de Unamuno und Romanfigur Augusto Pérez aufeinander. Für Augusto scheint alles Lüge, er stellt seine eigene Existenz in Frage: „No sé si estoy despierto o soñando…“ Er äußert sein Vorhaben sich umzubringen, doch sein Schöpfer, Unamuno, sagt ihm: “[…] no puedes matarte porque no estás vivo, ni tampoco muerto, porque no existes…” Der Schöpfer erklärt weiterhin, dass Augusto nur als Geschöpf seiner Einbildungskraft existiere. Doch allein gegeben durch das Zusammentreffen von Autor und Romanfigur, von Realität und Fiktion, stellt sich die Frage, was Realität überhaupt ist. Existiert nicht möglicherweise auch der Schöpfer nur durch sein Geschöpf? Hier wird wie auch im Sentimiento trágico de la vida [...] Unamunos Gottesbegriff verdeutlicht: ein Gott, der die Realität träumt, aber zugleich von den Geschöpfen geträumt wird.“ So existiert dieser Gott durch seine Geschöpfe, d.h. Gott und der Mensch schaffen sich gegenseitig. Gott erzeugt oder offenbart sich den Menschen und der Mensch bildet sich in Gott.
Augusto ist aufgebracht durch die Aussage er sei „nicht-existent“, laut Unamuno seien Don Quijote und Sancho ebenso real, oder sogar noch realer als ihr Autor Cervantes.
In seiner Wut droht Augusto Pérez den Autor umzubringen, welcher seinerseits den Tod der Romanfigur beschließt. Bedroht durch die Nicht-Existenz und durch den Tod entwickelt Augusto nun eine „ansia de inmortalidad“, oder wie im Sentimiento trágico [...] bezeichnet einen „hambre de inmortalidad“. Er will an seinem Leben festhalten: „No quiere usted dejarme ser yo, salir de la niebla, vivir, vivir, vivir, vivir, verme, oírme, tocarme, sentirme, dolerme, serme.“ Hier erscheint nochmals die unamunistische Schöpfung serse, welche sich wie folgt definieren läßt: “Serse c’est à la fois être soi, à soi et pour soi, être-soi-pour-soi et par rapport à soi, et donc concient d’être soi.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Werk Unamunos ein und stellt die These auf, dass der Roman Niebla die philosophischen Konzepte aus Del sentimiento trágico de la vida literarisch umsetzt.
2. El hombre de carne y hueso: Das Kapitel erläutert Unamunos Ideal des konkreten, leidenden Menschen als Zentrum seiner Philosophie, verkörpert durch den Protagonisten Augusto Pérez.
3. La vida es una nebulosa: Hier wird die existenzielle Leere ("nebulosa") thematisiert, die Augusto nach dem Tod seiner Mutter erfährt und die ihn passiv durchs Leben treiben lässt.
4. Liebe als Sinn des Lebens?: Dieses Kapitel untersucht die Liebe zu Eugenia als gescheiterten Versuch Augustos, seinem Dasein einen Sinn zu verleihen und die Sehnsucht nach Unsterblichkeit zu stillen.
5. Enttäuschung und conciencia de sí: Nach seiner Zurückweisung durch Eugenia erlangt Augusto durch Schmerz und Reflexion das Bewusstsein über sein eigenes Ich und seine Endlichkeit.
6. Realität und die Seinsfrage: Dieses Kapitel analysiert das metafiktionale Treffen von Unamuno und seiner Romanfigur, das die Grenze zwischen Fiktion, Realität und der Existenz Gottes hinterfragt.
7. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, wie Augusto Pérez an der Unlösbarkeit des existenziellen Widerspruchs scheitert, und betont den bleibenden Denkanstoß für den Leser.
8. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Miguel de Unamuno, Niebla, Del sentimiento trágico de la vida, Existentialismus, Metafiktion, hombre de carne y hueso, Augusto Pérez, Sinnsuche, Unsterblichkeit, Seinsfrage, Widerspruch, Schöpfer-Geschöpf-Beziehung, conciencia de sí, Literaturtheorie, Spanische Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Miguel de Unamunos philosophischem Hauptwerk Del sentimiento trágico de la vida und seinem Roman Niebla, um aufzuzeigen, wie philosophische Konzepte in literarischer Form verarbeitet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die menschliche Existenz, die Suche nach dem Sinn des Lebens, die Angst vor dem Tod, der Glaube an Unsterblichkeit und das komplexe Verhältnis zwischen Autor und Romanfigur.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass der Protagonist Augusto Pérez als direkte Verkörperung von Unamunos philosophischen Einsichten dient und sein Schicksal die zentralen Thesen des Autors illustriert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext mit dem philosophischen Essaywerk des Autors vergleicht und durch Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich entlang der existenziellen Entwicklung Augustos: von seiner Passivität über die gescheiterte Liebe bis hin zur schmerzhaften Selbstfindung und dem finalen Zusammenstoß mit seinem Autor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Existentialismus, Metafiktion, Widerspruch, Endlichkeit, Unsterblichkeit und das Konzept des "hombre de carne y hueso".
Warum ist das metafiktionale Gespräch im Kapitel XXXI so wichtig?
Dieses Gespräch sprengt die Grenzen des Romans, da es den Autor selbst als Figur auftreten lässt und somit grundlegende Fragen nach der Realität von Fiktion und der Abhängigkeit von Schöpfer und Geschöpf aufwirft.
Was bedeutet der Begriff "niebla" in diesem Kontext?
Der Begriff steht metaphorisch für die Ungewissheit, den Mangel an Sinn und die Orientierungslosigkeit im menschlichen Dasein, aus der der Protagonist versucht auszubrechen.
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- Kathrin Herz (Author), 2006, Niebla - Eine Literarisierung der in "Del Sentimiento Tragico de la Vida" vorgestellten Ideen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67389