Niebla - Eine Literarisierung der in "Del Sentimiento Tragico de la Vida" vorgestellten Ideen?


Hausarbeit, 2006

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. El hombre de carne y hueso

3. La vida es una nebulosa

4. Liebe als Sinn des Lebens?

5. Enttäuschung und conciencia de sí

6. Realität und die Seinsfrage

7. Schluss

8. Bibliographie

1. Einleitung

Mit Del sentimiento trágico de la vida en los hombres y en los pueblos veröffentlichte der Schriftsteller Miguel de Unamuno y Jugo 1912 sein wohl repräsentativstes und philosophisch bedeutendstes Werk[1]. In mehreren Essays befasst sich Unamuno hier unter alternativer Bejahung des Kontradiktorischen mit der Frage nach der Bestimmung des Lebens, dem Schicksal des Menschen und der hiermit verbundenen Gottes-, Unsterblichkeits- als auch Seinsfrage.

Obgleich zu verschiedenen Gattungen gehörend, stellen Das tragische Lebensgefühl, so der deutsche Titel der Essaysammlung, und die zwei Jahre später erschienene nívola Niebla eine inhaltliche Einheit dar. Ebenso wie das philosophische Werk beschäftigt sich letztere mit den oben genannten Themen, die in der nívola anhand der Geschichte von Augusto Pérez entwickelt werden.

Wie in dieser Arbeit gezeigt werden soll, ist Niebla also nicht nur vor dem Hintergrund der Ideen des […] Sentimiento trágico de la vida en los hombres y en los pueblos zu lesen, sondern kann sogar als Literarisierung eben dieser philosophischen Überlegungen gesehen werden.

Um dies zu zeigen wird, beginnend mit einer Erläuterung des Konzeptes des ‚hombre de carne y hueso’, der zugleich Ausgangspunkt und Gegenstand von Unamunos Philosophie ist, der Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Protagonisten Augusto und den philosophischen Überlegungen und Einsichten Miguel de Unamunos klar herausgestellt. Angesprochen werden hierbei zentrale Themen mit denen sich Augusto Pérez konfrontiert sieht: die vergebliche Suche nach dem Sinn des Lebens, die Erkenntnis und Frage nach der eigenen Existenz, die daraus resultierende Frage nach der eigenen Unsterblichkeit als auch der Existenz Gottes.

2. El hombre de carne y hueso

In seinen philosophischen Überlegungen geht Miguel de Unamuno nicht von einer abstrakten Idee des Menschen, sondern vom „hombre de carne y hueso“[2], dem konkreten Menschen, aus. Dieser „nace, sufre y muere – sobre todo muere“[3]. Nicht also die Wissenschaft, deren Ziel objektiv ist und damit, so Unamuno, außerhalb unserer Selbst liegt, sondern der emotional geleitete Mensch ist als Subjekt und Objekt Zentrum seiner Philosophie.

Eben soll ein Mensch, ein Jedermann unserer Welt[4], ist der junge verwaiste Spanier Augusto Pérez. Unterstrichen wird die Gewöhnlichkeit des Protagonisten durch dessen gängigen Nachnamen Pérez, welcher im Gegensatz zu seinem Vornamen Augusto steht. Dieser suggeriert dem Leser der Protagonist habe möglicherweise „kaiserliche“ Eigenschaften, sei aus betuchtem Hause, erhaben und ehrwürdig. Tatsächlich ist Augusto wohlhabend, jedoch sprechen ihn seine Hausangestellten mit „señorito“ an, wodurch deutlich wird, dass Augusto eben nicht die erhabene Position eines Hausherren einnimmt, sondern in Lebensfragen vielmehr auf den Rat und Beistand seiner Angestellten angewiesen ist. So sind der evidente Gegensatz der mit seinen Namen verknüpften Konnotationen als auch die Rolle, die Augusto gegenüber seinen Bediensteten einnimmt, Symbol dessen innerer Zerrissenheit als auch seiner Hilflosigkeit und Orientierungslosigkeit.

3. La vida es una nebulosa

Unamuno legt in Del Sentimiento trágico de la vida [...] dar, dass im Leben eines jeden Menschen eine gewisse Leere, eine Sinnesleere herrscht:“[…] a todos nos falta algo; sólo que unos lo sienten y otros no.”[5]

Die Erkenntnis dieser Leere als auch das Bewusstwerden über die eigene Existenz und die Zerbrechlichkeit dieser, führen letzen Endes zu dem Gefühl, das Unamuno als Sentimiento trágico de la vida bezeichnet.

Wie für viele Menschen ist auch für Augusto, der Hauptfigur der nívola Niebla, das Leben „una nebulosa“[6]. Seit dem Tod seiner Eltern, im Besonderen dem der Mutter, scheint das Leben keinen Sinn, keine Bestimmung mehr zu haben, denn die Mutter offenbarte Augusto: „Tengo que vivir para ti, para ti solo […]“[7] - und gleichsam war sie Inhalt und Sinn des Lebens ihres Sohnes. Mit ihrem Tod wird die Sinnesleere offenbar, das Leben ist rätselhaft und ohne Grundbestand oder feste Zielsetzung.[8] Augusto fühlt sich „ausgesetzt“, und folgert wie auch in Del sentimiento trágico de la vida […] postuliert: “Todos somos expósitos“[9]. Zu diesem Zeitpunkt empfindet Augusto jedoch den sentimiento trágico noch nicht, denn er ist sich seiner eigenen Existenz noch nicht bewusst ist, kann daher noch nicht aus sich heraustreten und bewusst reflektieren und die Tragik des Lebens erkennen.

Augusto Pérez agiert nur passiv[10] und lässt sich in seinen Entscheidungen vom Zufall leiten: „Y ahora ¿hacia dónde voy? […] Esperaré a que pase un perro […] y tomaré la dirección inicial que él tome.“[11] Er sucht der „niebla espiritual“[12] zu entkommen, doch ist hierzu nicht fähig, da er noch nie eine Entscheidung selbst getroffen hat[13]. Nicht nur bezüglich seines Handelns scheint Augusto unbestimmt und von außen gelenkt, auch seine Gedankengänge, seine inneren Monologe sind zunächst durch Gegebenheiten der Umwelt motiviert und scheinen zu Beginn des Buches unsystematisch vor sich herzutreiben:

Pero aquel chiquillo […] ¿qué hará allí, tirado de bruces en el suelo? ¡Contempler a alguna hormiga, de seguro! ¡La hormiga, ¡bah! Uno de los animales más hipócritas! Apenas hace sino pasearse y hacernos creer que trabaja. […] Es un vago, un vago como…¡No, yo no soy vago! […] ese mamarracho de chocolatero […] ese exhibicionista del trabajo, ¿qué es sino un vago? […] ¡El trabajo! ¡Hipocresía! […]Pero ¿y qué sé yo? ¡perdone, hermano! […]¿Hermano? ¿Hermano en que? ¡En parálisis! Dicen que todos somos hijos de Adnan.[14]

[...]


[1] R. Garcá Mateo; Dialektik als Polemik, Frankfurt/M.: Lang 1978, 28.

[2] Miguel de Unamuno: Obras Completas, Bd.7 (Meditaciones y Ensayos espirituales),
Madrid 1966, 109.

[3] Unamuno, Obras Completas, 110.

[4] J.F, Tull: Alienation, psychological and metaphysical in Three Nivolas of Unamuno. TCLC. Vol. 9. Detroit: Gale Research co. 1983. 57 vols. 518.

[5] Unamuno, Obras Completas, 119.

[6] Miguel de Unamuno: Niebla, Madrid: Catédra 2002, 115.

[7] Unamuno, Niebla, 131.

[8] Mateo, Dialektik als Polemik, 31.

[9] Unamuno, Niebla,134.

[10] Mario J. Valdés: Death in the Literature of Unamuno, Urbana: University of Illinois
Press, 1964, 88.

[11] Unamuno, Niebla, 109/110.

[12] ebd., 117.

[13] Valdés, Death in the Literature of Unamuno, 89.

[14] Unamuno, Niebla,110.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Niebla - Eine Literarisierung der in "Del Sentimiento Tragico de la Vida" vorgestellten Ideen?
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
La generación del 98
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V67389
ISBN (eBook)
9783638603607
ISBN (Buch)
9783638873093
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Wie in dieser Arbeit gezeigt werden soll, ist Niebla also nicht nur vor dem Hintergrund der Ideen des […] Sentimiento trágico de la vida en los hombres y en los pueblos zu lesen, sondern kann sogar als Literarisierung eben dieser philosophischen Überlegungen gesehen werden. Um dies zu zeigen wird, beginnend mit einer Erläuterung des Konzeptes des 'hombre de carne y hueso', der zugleich Ausgangspunkt und Gegenstand von Unamunos Philosophie ist, der Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Prot
Schlagworte
Niebla, Eine, Literarisierung, Sentimiento, Tragico, Vida, Ideen
Arbeit zitieren
Kathrin Herz (Autor), 2006, Niebla - Eine Literarisierung der in "Del Sentimiento Tragico de la Vida" vorgestellten Ideen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67389

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