Diese Arbeit beschäftigt sich mit einer zentralen Frage: Wie können KMUs (kleine und mittlere Unternehmen) eine möglichst kostengünstige, stabile und ausfallsichere Server-Infrastruktur betreiben?
Kernpunkte sind dabei die Analyse, Konzeption und Implementierung der Server-Infrastruktur für KMUs. Die Herausforderung besteht vor allem darin, das üblicherweise knappe Budget der KMUs möglichst effizient einzusetzen, um ein Maximum an Stabilität, Verfügbarkeit und Performance zu erzielen. Natürlich immer im Hinblick auf das Erreichen der jeweiligen Geschäftsziele. Hier empfiehlt es sich, auf bewährte Standards zu setzen. In diesem Zusammenhang werde ich ITIL (IT Infrastructure Library) vorstellen. ITIL orientiert sich an Prozessen und Verfahren aus der Praxis für die Praxis. Das bedeutet, dass sich diese Prozesse an anderer Stelle schon bewährt haben, also praxisorientiert sind.
Nach einer Einleitung werde ich ITIL zuerst ganzheitlich für ein Unternehmen vorstellen und die Basics, theoretische Grundlagen sowie wichtige Begriffe erläutern, die das Verständnis dieser Arbeit erleichtern. Dann werde ich mich auf das ITIL-Modul „ICT Infrastructure Management“ konzentrieren. Hier geht es um die typischen Prozesse einer IT-Server-Infrastruktur: Design, Planning, Deployment, Operations und Technical Support Process.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt beim ITIL-Modul „Availability-Management“, also verfügbarkeitssteigernde Maßnahmen für die IT-Infrastruktur einzusetzen. In Anbetracht des knappen Budgets vieler KMUs ist aber immer ein sinnvolles Kosten/Nutzen-Verhältnis zu wahren. Dabei werde ich zunächst die wichtigsten Grundlagen von „Hochverfügbarkeit“ erläutern, den Availability-Management-Prozess sowie die Berechnung der Verfügbarkeit zeigen und anschließend eine Kosten/Nutzen-Analyse durchführen. Zu guter Letzt folgen konkrete Maßnahmen und Umsetzungsbeispiele für KMUs und ein abschließendes Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
1.1.Ziele und Vorgehen der Arbeit
1.2.Das Problem
1.3.Arbeitshypothese
2.Basiselemente und Grundstruktur von ITIL
2.1.Kurzer Überblick und kleine Einführung in ITIL
a)Service Delivery
b)Service Support
c)CMDB (Configuration-Management-Database)
2.2.Theoretische Grundlagen und wichtige Begriffe
a)Was ist ein Prozess?
b)Was sind Key Performance Indicators (KPIs)?
c)Was ist ein Service?
d)Was sind Rollen?
e)Was sind „Best practices“?
2.3.Vor- und Nachteile von ITIL
3.ITIL: ICT Infrastructure Management (ICTIM)
3.1.Ziel und Definition von ICTIM
3.2.Outsourcing oder Insourcing?
3.3.ICT-Design and Planning Process
3.4.ICT-Deployment Process
3.5.ICT-Operations Process
3.6.ICT-Technical Support Process
3.7.Operative Funktionen
3.8.Integration Layer
3.9.Beispielszenario
3.10.ITIL / ICTIM: Die Lösung für KMUs?
4.ITIL: Availability Management
4.1.Grundlagen der Hochverfügbarkeit
a)Verfügbarkeit und Hochverfügbarkeit
b)Fehlertoleranz und Vermeidung von SPOFs
c)Redundante Komponenten
4.2.Availability Management Process
4.3.Berechnung der Verfügbarkeit (mit MTBF und MTTR)
4.4.Sinnvolles Verhältnis zwischen Verfügbarkeit und TCO für KMUs
4.5.Verfügbarkeitssteigernde Maßnahmen für KMUs
4.6.Failover für KMUs am Beispiel: Heartbeat und DRBD
4.7.Monitoring für KMUs am Beispiel: Nagios
5.Ausblick: Virtualisierte Server-Infrastruktur
6.Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) trotz begrenzter Budgets eine stabile und ausfallsichere IT-Server-Infrastruktur realisieren können, indem sie bewährte ITIL-Prozesse und wirtschaftlich sinnvolle Verfügbarkeitsmaßnahmen implementieren.
- Analyse und Anwendung von ITIL-Prozessen (ICTIM, Availability Management) in KMUs
- Kosten-Nutzen-Analyse und Definition von Verfügbarkeitsklassen
- Strategien zur Fehlervermeidung und Einführung redundanter Systeme
- Einsatz von Open-Source-Tools (z.B. Heartbeat, DRBD, Nagios)
- Trend zur Server-Virtualisierung als Weg zur Kostenoptimierung
Auszug aus dem Buch
3.9. Beispielszenario
Am besten verdeutlichen sich die Zusammenhänge zwischen IT-Service-Management und ICT-Infrastructure-Management anhand eines kleinen Beispielszenarios, indem es um die Erkennung und Behebung einer Störung geht.
Die Störung eines Systems, z.B. der Ausfall eines Systemdienstes, wird vom Monitoring durch einen Agenten (z.B. Nagios) erkannt und eine Nachricht (Event) über den Event-Manager an das Incident-Management weitergeleitet. Dort erscheint die Störung als Incident-Eintrag in der Service-Desk-Software. Der Bearbeiter stellt nun fest, dass die Störung bereits mehrfach aufgetreten ist und gibt den Incident als Problem weiter an das Problem-Management. Dieses recherchiert zur Diagnose im Management-Data-Warehouse und in der CMDB über das betroffene System. Um das Problem nachhaltig zu lösen entscheidet das Problem-Management einen Change-Request auf allen Systemen gleichen Typs vorzunehmen. In diesem Fall geht es darum, einen Patch für das Betriebssystem einzuspielen.
Das Change-Management prüft die Änderung auf ihre Machbarkeit hin. Aus den Daten der CMDB lässt sich feststellen, dass bereits einige Systeme mit dem Patch versorgt wurden. Zudem wird erkannt, dass es auf einem System eine Unverträglichkeit einer Anwendung mit dem geplanten Patch gibt, dieses System aber bislang nicht von dem Problem betroffen war. Der Change wird nun nur für die restlichen kompatiblen Systeme durch einen Eintrag der geplanten Änderung in der CMDB veranlasst. Nachdem das Deployment die Änderung vorgenommen hat, wird die neue Systemkonfiguration vom Discovery gescannt und in der CMDB abgespeichert. Das Configuration-Management verifiziert den Soll- und Ist-Stand und meldet dem Change-Management den Vollzug der Änderung. Der Change wird geschlossen und damit kann auch der Incident geschlossen werden. Die Störung bzw. das Problem ist damit behoben.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Diese Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage dar, wie KMUs mit ITIL eine kostengünstige und stabile Server-Infrastruktur aufbauen können, und umreißt die methodische Vorgehensweise.
2.Basiselemente und Grundstruktur von ITIL: Dieses Kapitel führt in die ITIL-Grundlagen, wichtige Fachbegriffe, den Aufbau von Prozessen und die Vor- sowie Nachteile der ITIL-Methodik ein.
3.ITIL: ICT Infrastructure Management (ICTIM): Hier werden die Prozesse zur Planung, Bereitstellung und Unterstützung der IT-Infrastruktur sowie das Zusammenspiel zwischen administrativen und operativen Funktionen detailliert erläutert.
4.ITIL: Availability Management: Dieses Kapitel fokussiert auf Strategien zur Hochverfügbarkeit, die Berechnung von Ausfallkosten und konkrete technische Implementierungen wie Failover-Lösungen und Monitoring.
5.Ausblick: Virtualisierte Server-Infrastruktur: Ein Ausblick auf den Trend der Virtualisierung und Server-Konsolidierung zur Effizienzsteigerung.
6.Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass ITIL und gezielte Verfügbarkeitsmaßnahmen auch KMUs signifikante Kostenvorteile und eine höhere Stabilität ermöglichen.
Schlüsselwörter
ITIL, ICTIM, Availability Management, KMU, Server-Infrastruktur, Hochverfügbarkeit, Prozessmanagement, Redundanz, TCO, CMDB, Virtualisierung, Monitoring, Nagios, IT-Service-Management, Ausfallzeiten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Optimierung von Server-Infrastrukturen in kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) durch den Einsatz standardisierter ITIL-Prozesse und technischer Verfügbarkeitsmaßnahmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem IT-Service-Management (ITSM), der Konzeption einer stabilen Infrastruktur, Verfügbarkeitsmanagement sowie der Kosten-Nutzen-Abwägung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, KMUs einen Leitfaden zu bieten, um trotz begrenzter Budgets eine möglichst ausfallsichere und effiziente IT-Umgebung zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Analyse und Einführung in ITIL, kombiniert mit einer Kosten-Nutzen-Analyse und der Vorstellung technischer Umsetzungsbeispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert ITIL-Module wie das ICT Infrastructure Management und Availability Management sowie praktische Maßnahmen zur Redundanz und Systemüberwachung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind ITIL, Verfügbarkeit, KMU, Infrastruktur, Redundanz, TCO und Virtualisierung.
Wie berechnet der Autor das Verhältnis zwischen Kosten und Verfügbarkeit?
Der Autor nutzt die Kennzahlen MTBF und MTTR sowie eine Break-Even-Analyse, um zu bestimmen, welcher Grad an Verfügbarkeit für ein KMU wirtschaftlich sinnvoll ist.
Warum ist eine CMDB für KMUs laut dem Autor wichtig?
Die CMDB dient als zentrale Datenbank für Konfigurationsdaten, die essenziell für die Zusammenarbeit von Change-, Configuration- und Release-Management sowie für eine schnelle Ursachenanalyse bei Störungen ist.
- Quote paper
- Martin Rüdrich (Author), 2006, IT-Servicemanagement mit ITIL®: Analyse, Konzeption und Implementierung einer kostengünstigen Server-Infrastruktur für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67405