Die Baupolitik des Augustus


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Augustus: Monarch einer Republik und Bauherr

2. Selbstdarstellung, Etablierung und Kaiserkult
2.1 Kampf um die Macht im postcaesarischen Rom
2.2 Festigung der Herrschaft. Bauten für das Volk
2.3 Mythische Überhöhung von Staat und Princeps

3. Rom als Schmelztiegel der Baukulturen

4. Die Bauwerke der augustinischen Ära
4.1 Neubauten
4.2 Fertigstellungen und Erneuerungen

5. Eine Bilanz

Literaturverzeichnis

1. Augustus: Monarch einer Republik und Bauherr

Octavian, auch bekannt unter seinem Ehrennamen Augustus, war nicht nur der erste Kaiser der römischen Geschichte, sondern prägte darüber hinaus auch mit seiner Baupolitik das Stadtbild Roms in einem Ausmaß, wie noch niemand zuvor.

Mit dem Tod Julius Caesars im Jahre 44 v. Chr. war in der seit den Gracchen-Krisen immer mehr vom Zerfall gekennzeichneten römischen Republik ein Machtvakuum entstanden, um dessen Füllung sich sowohl Caesar-Erbe Octavian als auch sein Konkurrent M. Antonius bemühten. Während ersterem Vermächtnis und Ansehen der julianischen Familie durchaus entscheidend zuspielten – 42 v. Chr. wurde der vergöttlichte Caesar in den Staatskult aufgenommen -, konnte der von Ägypten aus agierende, dem Luxusleben verfallende Antonius auf keine vergleichbaren Trümpfe zurückgreifen.[1]

Mit der berühmten Seeschlacht von Actium 31 v. Chr. war schließlich die Entscheidung um die Vorherrschaft in Rom zugunsten Octavians gefallen. Auch wenn dieser im Jahre 27 v. Chr. feierlich und in kalkuliertem Selbstverzicht die Republik wiederherstellte, so blieben doch alle wesentlichen Machtinstrumente, insbesondere das des Heeres, durch ein geschicktes System von Veträgen und Vollmachten in seinen Händen. Karl Christ spricht in diesem Bezug sehr treffend von einer „Erneuerung der republikanischen Fassade“[2].

Auch das Volk befürwortete durchaus einen starken Monarchen, der ihnen Frieden und Wohlstand brächte – wie auch der willige Senat, der Augustus keine Steine in den Weg zu legen gedachte und ihm die entscheidenden Machtinstrumente postwendend wieder in die Hand gab. Dieser hatte sein Ziel erreicht: Die formale, verfassungsrechtliche Basis für eine Monarchie war geschaffen.[3]

Augustus enttäuschte seine Römer nicht und schuf ihnen - wie es verbildlichend heißt – aus einer Stadt der Ziegel eine prächtige Stadt aus Marmor, die sich fortan neben den großen Metropolen des Ostens auch nicht mehr vor fortschrittlicheren Provinzstädten wie z.B. Capua oder Praeneste verstecken brauchte.[4] Ebenso blieb ein möglicher Umsturz in den frühen Jahren der augustinischen Herrschaft nur Theorie. Vielleicht nicht zuletzt deswegen, weil Augustus, anders als Sulla und Caesar vor ihm, sein Machtsystem nicht ad hoc installierte und vollkommen offen ausübte, sondern dieses vielmehr einem Entwickelungsprozess glich, in dem vieles zunächst offen blieb und sich Lösungen allmählich von selbst ergaben.[5]

Das Prinzipat des Augustus stellte aber nicht nur einen epochalen Umbruch in der politischen Geschichte Roms dar, es ist ebenso essenziell für einen radikalen Wandel der Kunst sowie der in dieser Arbeit vorrangig zu behandelnden Architektur.[6]

In der Hauptsache gestützt auf die Literatur Paul Zankers und Klaus Bringmanns bzw. Thomas Schäfers werde ich im Folgenden auf die verschiedenen Episoden augustinischer (Bau)-Herrschaft im Bezug auf Rom eingehen und im Anschluss wichtige Bauwerke dieser Zeit vorstellen.

2. Selbstdarstellung, Etablierung und Kaiserkult

2.1 Kampf um die Macht im postcaesarischen Rom

Die erste Phase augustinischer Baupolitik nach dem Tode Caesars ist entscheidend geprägt vom Aspekt der Selbstdarstellung. Seit den Zeiten Sullas wurde es mehr und mehr zum Charakteristikum der halbwegs vermögenden römischen Gesellschaft, sich ohne Hemmungen und bisweilen geradezu grotesk unverhältnismäßig im Stadtbild Roms – insbesondere durch prunkvolle Grabmähler - in Szene zu setzen. Ein geradezu krampfhaftes Geltungsbedürfnis den anderen zu überbieten entstand und kennzeichnete zugleich den immer weiter fortschreitenden gesellschaftlichen Auflösungsprozess – insbesondere auch der Leistungsideale des Adels - jener Zeit. Unzählige Grabbauten, beispielhaft Großbäckern geweiht, verstopften so geradezu die Ränder der Ausfallstraßen Roms und selbst ägyptische Pyramiden wurden im Profilierungswahn imitiert.[7]

Auch die Etablierungsphase des jungen Octavian war von dieser exzessiver Selbstinszenierung maßgeblich geprägt, galt es doch, die Herrschaft der julianischen Familie zu erhalten und konkret den härtesten Konkurrenten Antonius auszustechen, der die Geschicke des Ostens des Reiches führte und skandalöserweise sich im ägyptischen Alexandria zu bestatten gedachte. Für Octavian bot sich auf diese Weise die einmalige Gelegenheit, sich im Gegensatz zu Antonius als Vertreter Roms zu profilieren.[8] Ein gigantisches Mausoleum auf dem Marsfeld war das Ergebnis, das neben dem Apollo-Tempel als das entscheidende Bauwerk jener mit dem Sieg über Antonius endenden Epoche der Selbstdarstellung anzusehen ist.

Typischerweise sind auch diese Selbstinszenierungsbauten des Octavian vom bereits beschriebenen Größenwahn der Zeit bestimmt. Allein die kolossalen architektonischen Ausmaße des Mausoleums machen dies deutlich. Ebenso ist diese Phase augustinischer Baupolitik auch noch von der verwirrenden Stilvielfalt vor allem hellenistischer Kunsteinflüsse geprägt, welche aus heutiger Sicht auch bei den augustinischen Bauten eine gewisse Planlosigkeit im Gesamterscheinungsbild zu Tage treten lässt.[9] Ihren Zweck der Zur-Schau-Stellung des dynastischen Anspruchs des jungen Octavians erfüllten die Bauwerke jedoch bestens - ganz so, wie es Pompeius und Caesar bereits zuvor verstanden hatten.

2.2 Festigung der Herrschaft. Bauten für das Volk

Mit dem überwältigenden Triumph von Actium im Jahr 31 und den folgenden glanzvollen Ehrungen des Siegers waren weitere Bauwerke der reinen Selbstinszenierung im Zeichen der Kunst des affektbetonten Hellenismus überflüssig geworden. Auch um sich vom luxus- und lasterorientierten Antonius abzuheben änderte sich die Baupolitik Octavians.[10] Fortan galt es, sich den Zuspruch im Volke zu sichern und den Götterkult der julianischen Sippe, also letztlich auch seiner eigenen Person, voranzutreiben. Die finanzielle Grundlage für das nun beginnende, gewaltige Bauprogramm stammte aus der im Jahre 30. v. Chr. in Alexandria gemachten Kriegsbeute. Neben der Fertigstellung und Restauration bestehender Bauprojekte – Augustus selbst gibt an, allein im Jahre 28 v. Chr. insgesamt 82 Heiligtümer wiederhergestellt zu haben - trieb das neue Staatsoberhaupt auch die dringend gebotene Erneuerung des maroden römischen Stadtbildes sowie den Straßenbau voran.[11] Ein maßgeblicher Anteil an der Durchführung dieser Projekte ist M. Vipsanius Agrippa zuzuschreiben, der sich als zweiter Mann des augustinischen Regimes mit hohem Einsatz dem Wohl des Volkes widmete. Das Volk sollte sehen, dass bessere Zeiten kommen.[12]

Eine wesentliche Steigerung der Wohnqualität der Stadt – die Maßnahmen wurden teilweise schon vor dem Actium-Sieg 33 v. Chr. durch Agrippa eingeleitet - konnte unter anderem durch eine Sanierung der Cloaca Maxima und wirkungsvolle Verbesserungen beim Brandschutz erzielt werden. Enge Gassen und brand- wie einsturzgefährdete Mietshäuser hatten bisher beinahe täglich zu Katastrophen geführt. Weiteren Rückhalt im Volk vermochte sich Augustus durch die Beibehaltung von Getreideverteilungen in Notzeiten an die Bevölkerung zu sichern, indem er zu diesem Zwecke ebenso eine eigene Wohlfahrt organisierte (diese Cura Annonae gab es schon früher), wie auch unter anderem für die Straßen- und Wasserleitungsinstandhaltung.[13]

Große Neubauten gab es in dieser frühen Zeit der Defacto-Alleinherrschaft zunächst nur wenige. Der Schwerpunkt des baulichen Schaffens lag klar auf Fertigstellung und Erneuerung bestehender Projekte, so z.B. dem 31 v. Chr. bei einem Brand beschädigten Circus Maximus sowie der Fertigstellung des augustinischen Mausoleums und Caesar-verehrender Bauten. Größte Wichtigkeit genoss zudem die Restauration der römischen Tempel, getreu dem neuen Leitmotiv der ‚Rückkehr zu den Göttern’ – wenn auch durchaus mit unterschiedlicher, der persönlichen augustinischen Gottesverwandtschaft entsprechender Priorität. Auf diese Weise wurden dem Volk zugleich die nun wichtigsten Gottheiten vermittelt.[14]

Einzig der Tempel des Juppiter Tonans sticht in dieser Zeit als monumentaler Neubau hervor. Augustus hatte ihn gelobt, nachdem 26 v. Chr. unmittelbar neben ihm während eines Feldzuges ein Blitz einschlagen war. Prächtig ausgestaltet und mit Kunstwerken reich geschmückt wurde er im Jahre 22 eingeweiht.[15] Weiß leuchtende Tempelfassaden, deren Marmor aus Steinbrüchen bei Luni gewonnen wurde, wurden im Einklang mit prächtig vergoldetem Dekor zum Wahrzeichen der neuen Zeit. Vorbei sollten (allerdings letztlich in der Regel nicht für die Tempel der alten Götter, die meist nur schnell repariert wurden) die Zeiten von Tuff- und Holzdach-Bauweise sein. Die schönsten und wirkungsvollsten Formen der griechischen Tempel galt es zu imitieren, diese aber zugleich mit traditionellen Elementen der italisch-römischen Baukunst zu verbinden. So strömten die besten Architekten des Ostens geradezu nach Rom, wo sie sehr konkrete Lenkung erfuhren und genau das zu erschaffen hatten, was dem Princeps und seinem neuen Selbstbild entsprach.[16]

Anstelle selbstverherrlichender Baumonumente wie dem Mausoleum war das zu inszenierende Herrscherlob nun in die Hände anderer gelegt: „Der Princeps bestimmt natürlich Thema und Ausrichtung [...] Die ‚geretteten Bürger’ antworten darauf einzeln oder durch ihre Repräsentanten und Körperschaften mit Ehrungen [...]“[17]. Augustus selbst übte sich seinem neuen, konservativ-klassizistischen Stil nach in kalkulierter Zurückhaltung. „Größter Aufwand für die Götter“ lautete die neue Parole.[18] Die Jahre nach Actium sind gekennzeichnet als eine Zeit der „kulturellen Erneuerung“. Die zentralen Leitmotive hierbei waren Religion, Sitten, Virtus und Würde des römischen Volkes. Nie zuvor in der Geschichte war die Errichtung einer Herrschaft mit einem solch umfassenden kulturpolitischen Programm und einer derart suggestiven Visualisierung der tragenden Werte begleitet worden.[19] Neben der Münzprägung betrifft dies natürlich vor allem die Baukunst, die wie nie zuvor zum Spiegel politisch-repräsentativer Programme wurde.[20]

[...]


[1] vgl. Zanker, Augustus und die Macht der Bilder, S.42,45.

[2] vgl. Christ, Krise und Untergang der römischen Republik, S. 464.

[3] vgl. Heuss , Römische Geschichte, S. 273.

[4] vgl. Wilkinson, Rom und die Römer, S.171.

[5] vgl. Christ, Krise und Untergang der römischen Republik, S.463.

[6] vgl. Zanker, Augustus und die Macht der Bilder, S.329.

[7] end., S.25f.

[8] vgl. Bringmann , Augustus und die Begründung des Kaisertums, S.175.

[9] vgl. Zanker, Augustus und die Macht der Bilder, S.83.

[10] ebd., S.72.

[11] vgl. Bringmann, Augustus und die Begründung des Kaisertums, S.78.

[12] vgl. Zanker, Augustus und die Macht der Bilder, S.78f.

[13] vgl. Heuss, Römische Geschichte, S. 297.

[14] vgl. Zanker, Augustus und die Macht der Bilder, S.110.

[15] vgl. Bringmann, Augustus und die Begründung des Kaisertums, S.80.

[16] vgl. Zanker, Augustus und die Macht der Bilder, S.110f.

[17] ebd., S.105.

[18] ebd., S.98f.

[19] ebd., S.107.

[20] vgl. Zanker, Forum Augustum, S.5.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Baupolitik des Augustus
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Althistorisches Seminar)
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V67410
ISBN (eBook)
9783638603706
ISBN (Buch)
9783638671996
Dateigröße
1740 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Baupolitik, Augustus
Arbeit zitieren
Bernhard Wetzstein (Autor), 2006, Die Baupolitik des Augustus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67410

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