Das Ausstatten eines Handelsschiffes im Mittelalter - Kosten Nutzen Analyse und strategische Überlegungen


Seminararbeit, 2006
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

Vorwort

1 Einleitung
1.1 Der Zeitraum
1.2 Händler im Mittelalter
1.3 Schiffstypen
1.4 Währung

2 Die Kosten-Nutzen-Analyse
2.1 Begriffsdefinitionen
2.2 Vorstellung der Kosten-Nutzen-Analyse
2.3 Abgrenzung der Kosten-Nutzen-Analyse
2.4 Ablaufschema

3 Durchführung anhand eines Fallbeispiels
3.1 Definition dessen, was untersucht werden soll
3.2 Welches Ziel hat man? Wie und wodurch möchte man dieses Ziel erreichen?
3.3 Auflistung der relevanten Maßnahmen zur Erreichung der Ziele
3.4 Umsetzung der Maßnahmen in monetär messbare Größen
3.4.1 Ein-/Verkaufspreise in Indien bzw. Europa
3.4.2 Umrechnungstabelle
3.4.3 Kosten für die Flotte
3.4.4 Heuer der Besatzung
3.4.5 Verpflegung
3.5 Analyse und Festlegung der Rahmenbedingungen
3.6 Sensitivitätsanalyse
3.7 Auflistung der Alternativen
3.8 Kosten-Nutzen-Vergleich
3.9 Beschreibung der Intangibles
3.9.1 Ruhm und Ehre
3.9.2 Abenteuer/ neues Wissen
3.9.3 Zukünftige Einnahmen
3.9.4 Risiko

4 Gesamtbeurteilung und Entscheidung

5 Kritik

6 Literaturverzeichnis

Vorwort

Die vorliegende Seminararbeit, verfasst von Michael Krause, Student der Internationalen Betriebswirtschaft und Außenwirtschaft an der FH Worms, begleitet von Dr. Germann Jossé, beschreibt die Wirtschaftlichkeitsanalyse des Vorhabens eines Handelsmannes im Mittelalter, ein Handelsschiff auszustatten, Waren einzukaufen und diese möglichst gewinnbringend wiederzuveräußern.

Hierzu wird zunächst eine knappe Übersicht der geschichtlichen Hintergründe im Allgemeinen und der Stellung der Schifffahrt im Mittelalter im Besonderen dargestellt, um dem Leser die damaligen Gegebenheiten nahe zu bringen.

Daran anschließend werden die in der heutigen Wirtschaftslandschaft benutzten Analyseinstrumente vorgestellt und anhand eines konkreten geschichtlichen Fallbeispiels auf die damaligen Konstellationen angewandt, um eine Kosten-Nutzen-Analyse mit anschließender Stellungnahme bezüglich des Analyseergebnisses auszuarbeiten.

Abschließend werden die zuvor dargestellten Ergebnisse der Analyse und deren Tragweite für die Entwicklung und Untersuchung von Projekten zunächst auf die Gegenwart, wichtiger jedoch, auf die nahe Zukunft projiziert.

Ziel dieser Arbeit soll deshalb sein, zu zeigen, dass es bereits damals vorteilhaft gewesen wäre (bzw. war), Analysen der Projekte in diesem Umfang durch zu führen um eine tatsächliche (Un-)Wirtschaftlichkeit bereits im Vorhinein untersuchen beziehungsweise gewährleisten zu können.

Dadurch soll der Beweis erbracht werden, dass derartige Analysen sowohl in der heutigen als auch in der zukünftigen, weitaus komplexeren und vernetzteren Unternehmenslandschaft, zunehmend wichtiger sind und sein werden.

1 Einleitung

Da der geschichtliche Hintergrund nicht maßgeblich für die vorliegende Arbeit sein soll, wird hier nur ein kurzer Abriss dargestellt, um dem Leser einen Einblick in diejenigen Daten und Fakten des Handels im Mittelalter zu geben, welche für das eigentliche Thema benötigt werden.

1.1 Der Zeitraum

Grob kann man das Mittelalter auf den Zeitraum von ca. 500 bis 1500 n. Chr. festlegen. Genauer betrachtet erstreckte sich das Frühmittelalter von 500 bis 1100 n. Chr., das Hochmittelalter von 1100 bis ca. 1250 n. Chr. und das Spätmittelalter schließlich von 1250 bis 1500 n. Chr.

Im Folgenden soll für den kompletten Zeitraum von 500 bis 1500 der Begriff „Mittelalter“ benutzt werden, da eine detailliertere Untergliederung dieser Epoche keine zusätzlichen Lösungsaspekte bzgl. der Aufgabenstellung hervorbringen würde.

Weiterhin beziehen sich die angeführten Beschreibungen und Beispiele hauptsächlich auf den in Europa durchgeführten Handel, da die dort getätigten Handelsgeschäfte am genausten und nachvollziehbarsten dokumentiert sind.

1.2 Händler im Mittelalter

„Krieg, Handel und Piraterie, dreieinig sind sie, nicht zu trennen.“[1]

Die meisten Menschen im Mittelalter, ob sie auf dem Land oder in der Stadt lebten, blieben ihr Leben lang zu Hause. Die Händler waren eine Ausnahme. Sie wagten es als einzige, die Handelsstraßen zu befahren.

Hierbei ist zu erwähnen, dass mit „Handelsstraßen“ grundsätzlich 2 verschiedene Transportwege beschrieben wurden: zum einen hatten Kaufleute die Möglichkeit, ihre Waren auf dem Landweg mit Zweiradkarren, Plan- oder Leiterwagen von einem Ort zum anderen zu befördern, oder aber sie entschieden sich für den Seeweg.

Letzterer hatte den Vorteil, auch große Mengen an Waren in vergleichsweise kurzen Zeitspannen ans Ziel befördern zu können.

Die Zeitersparnis durch den Transport via Schiff senkte somit die relativen Transportkosten und machte außerdem den Handel mit konservierten verderblichen Waren über weite Entfernungen überhaupt erst möglich.

Zwar waren bspw. italienische Kaufleute des frühen Mittelalters auf Grund des enormen Wertes von Smaragden, Saphiren und Rubinen durchaus bereit, „[…] die Risiken und Kosten einer Reise auf dem Landweg in Städte wie z.B. Delhi auf sich zu nehmen, um dort Edelsteine einzukaufen.“[2], dennoch wurden wertvolle Gewürze, Pelze oder Perlen auch über den Seeweg transportiert. Denn da diese Güter „[…] so wertvoll waren, lohnten sich [sogar] die hohen Kosten des Transports mit bewaffneten Galeeren statt mit gewöhnlichen „runden“ Schiffen.“[3]

1.3 Schiffstypen

Eines der wohl bekanntesten Schiffe aus dieser Epoche ist die „Santa Maria“, das Flagschiff von Christoph Kolumbus während seiner ersten Expedition 1492.

Zwar wurde das Wrack dieses legendären Segelschiffes nie gefunden, vermutlich handelte es sich aber um eine ca. 25 m lange und 8 m breite so genannte Karacke, welche eine maximale Geschwindigkeit von ca. 9 Knoten erreicht haben dürfte.

Für die weiter unten durchgeführte Analyse ist hauptsächlich die Traglast der benutzten Schiffe von Bedeutung.

Die Karacke als wahrscheinlich größter Schiffstyp des Mittelalters konnte bis zu 500t Gewicht tragen und wurde teilweise als Kriegs-, teilweise aber auch als Handelsschiff verwendet. Andere Schiffsarten, welche hauptsächlich gegen Ende des Mittelalters und in der beginnenden Neuzeit benutzt wurden, waren so genannte Koggen, Karavellen oder Kraweelen mit ähnlichen Daten.[4]

1.4 Währung

Die Menschen im Mittelalter kamen lange Zeit ohne Geld aus. Im ländlichen Raum herrschte fast ausschließlich Naturalhandel in Form von Lebensmittel-, Werkzeug- oder Dienstleisungsaustausch untereinander.

Doch v.a. die sogenannte „Handelsrevolution des 13. Jahrhunderts“[5], welche sich durch den Ausbau der Verkehrswege, schnellere Fortbewegungsmittel und den grenzübergreifenden Handel vollzog, förderte das Bedürfnis nach einem flexiblen, dauerhaften und leicht teilbaren Tauschmittel in Form des Geldes.[6]

Dieses Bedürfnis wurde zunächst durch die breite Akzeptanz von werthaltigen Gegenständen wie Edelsteinen oder Perlen als Gegenwert für Waren befriedigt.

Später dann wurden stabförmige Barren aus Edelmetallen wie Kupfer, Silber oder Gold gehandelt, bevor gegen Ende des Mittelalters Münzen eingeführt wurden.

Dabei bemaß sich der Wert dieser Münzen nach ihrem Gewicht und ihrem Material.

Um die nun folgenden Analysen möglichst verständlich und nachvollziehbar zu gestalten ist es deshalb nötig, die damaligen Wertverhältnisse in die heute geltenden Währungen zu übertragen, um dem Leser eine ungefähre Vorstellung der Kaufkraft bzw. dem Wert der gehandelten Waren allgemein zu geben. Dies soll unter 3.4 erfolgen.

2 Die Kosten-Nutzen-Analyse

Genauso wie Unternehmer heute investierten Händler damals, weil sie sich davon einen wirtschaftlichen Gewinn versprachen.

Um die Wirtschaftlichkeit einer solchen Unternehmung zu untersuchen, soll nun eine Kosten-Nutzen-Analyse eines Handelsprojektes im Mittelalter erfolgen. Grundsätzlich gilt, dass Investitionsentscheidungen nie allein auf Grund der Ergebnisse einer Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt, sondern durch sog. statische, z.B. Kostenvergleichs- oder Gewinnvergleichsrechung und dynamische Methoden wie bspw. Kapitalwert- oder Annuitätenmethode[7], unterstützt werden sollten.

2.1 Begriffsdefinitionen

- Kosten: "Kosten sind in Geld ausgedrückter, betriebsgewöhnlicher Verzehr von Gütern und Diensten zur Erstellung von betrieblichen Leistungen."[8]
- Nutzen: Einnahmen und Erlöse, hier außerdem nicht messbare, relative Bedeutung eines Guts im Hinblick auf die Bedürfnisbefriedigung/Ziele

2.2 Vorstellung der Kosten-Nutzen-Analyse

Bei der Planung betriebswirtschaftlicher Investitionsvorhaben stellt sich allgemein die Frage, welche Vor- und Nachteile mit ihrer Durchführung verbunden sind. Für jedermann einsichtig dürfte sein, dass Projekte, deren Nachteile die Vorteile überwiegen, nicht sinnvoll sein können.

Falls zusätzlich nicht nur eine Maßnahme, sondern mehrere Projektalternativen zur Auswahl stehen, kommt es zwangsläufig zur Frage, welches Projekt aus ökonomischer Sicht das Beste ist.

Die Notwendigkeit dieser ökonomischen Überlegungen ergibt sich aus dem Problem knapper Ressourcen. Mittel, welche für einen bestimmten Zweck eingesetzt werden, stehen nicht mehr für andere Zwecke zur Verfügung.

Eine Entscheidung für ein Projekt A bedeutet somit zugleich eine Entscheidung gegen Projekt B (soweit beide nicht parallel durchgeführt werden können und einen gleichermaßen hohen Kosten-Nutzen-Quotienten aufweisen).

Um diese so genannten Opportunitätskosten berechnen oder zumindest einschätzen zu können, ist es nötig, die jeweils beeinflussenden Faktoren zu analysieren und auf ihre Auswirkung hin zu klassifizieren.

Die Kosten-Nutzen-Analyse bietet hierzu eine Möglichkeit zur Erfassung sowohl monetärer als auch, im Gegensatz zu herkömmlichen statischen und dynamischen Verfahren der Investitionsrechnung, nicht monetärer Faktoren im Rahmen der anstehenden Investitionsentscheidung und versucht, vielfältige Informationen über Ursache- und Wirkungszusammenhänge darzustellen.[9]

[...]


[1] GOETHE, JOHANN WOLFGANG, Faust. Der Tragödie Zweiter Teil, 5. Akt, 2. Aufzug, Stuttgart 2000.

[2] SPUFFORD, PETER, Handel, Macht und Reichtum. Kaufleute im Mittelalter, Darmstadt 2004, S.239.

[3] SPUFFORD, PETER, Handel, Macht und Reichtum. Kaufleute im Mittelalter, Darmstadt 2004, S.231.

[4] Vgl.: CLAUDE, DIETRICH, Untersuchungen zu Handel und Verkehr der vor- und frühgeschichtlichen Zeit in Mittel- und Nordeuropa – Teil II, Göttingen 1985, S.31-70.

[5] SPUFFORD, PETER, Handel, Macht und Reichtum. Kaufleute im Mittelalter, Darmstadt 2004, S.14.

[6] Vgl.: SPUFFORD, PETER, Handel, Macht und Reichtum. Kaufleute im Mittelalter, Darmstadt 2004, S.14ff.

[7] Vgl.: OLFERT, KLAUS, REICHEL, CHRISTOPHER, Finanzierung, Leipzig 2003, S.81-96.

[8] SCHMIDT, Jürgen, Wirtschaftlichkeit in der öffentlichen Verwaltung: Grundsatz der Wirtschaftlichkeit, Zielsetzung, Planung, Vollzug, Kontrolle, Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen, Kosten- und Leistungsrechnung, Berlin 1996, S. 262.

[9] Vgl.: MÜHLENKAMP, HOLGER, Kosten-Nutzen-Analyse, München 1994, S. 3-5.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Das Ausstatten eines Handelsschiffes im Mittelalter - Kosten Nutzen Analyse und strategische Überlegungen
Hochschule
Fachhochschule Worms  (Fachhochschule)
Veranstaltung
Führungslehre/Management
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V67418
ISBN (eBook)
9783638603768
Dateigröße
730 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit, geschrieben im Hauptstudium, beschäftigt sich mit der Kosten-Nutzen Analyse einer Handelsschifffahrt im Mittelalter. Durch die relativ unübliche Themenstellung musste umso genauer auf die einzelnen Punkte einer KN-Analyse eingegangen werden um diese individuell zu erörtern.
Schlagworte
Ausstatten, Handelsschiffes, Mittelalter, Kosten, Nutzen, Analyse, Führungslehre/Management
Arbeit zitieren
Michael Krause (Autor), 2006, Das Ausstatten eines Handelsschiffes im Mittelalter - Kosten Nutzen Analyse und strategische Überlegungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67418

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