Die vorliegende Seminararbeit, verfasst von Michael Krause, Student der Internationalen Betriebswirtschaft und Außenwirtschaft an der FH Worms, begleitet von Dr. Germann Jossé, beschreibt die Wirtschaftlichkeitsanalyse des Vorhabens eines Handelsmannes im Mittelalter, ein Handelsschiff auszustatten, Waren einzukaufen und diese möglichst gewinnbringend wiederzuveräußern.
Hierzu wird zunächst eine knappe Übersicht der geschichtlichen Hintergründe im Allgemeinen und der Stellung der Schifffahrt im Mittelalter im Besonderen dargestellt, um dem Leser die damaligen Gegebenheiten nahe zu bringen. Daran anschließend werden die in der heutigen Wirtschaftslandschaft benutzten Analyseinstrumente vorgestellt und anhand eines konkreten geschichtlichen Fallbeispiels auf die damaligen Konstellationen angewandt, um eine Kosten-Nutzen-Analyse mit anschließender Stellungnahme bezüglich des Analyseergebnisses auszuarbeiten.
Abschließend werden die zuvor dargestellten Ergebnisse der Analyse und deren Tragweite für die Entwicklung und Untersuchung von Projekten zunächst auf die Gegenwart, wichtiger jedoch, auf die nahe Zukunft projiziert.
Ziel dieser Arbeit soll deshalb sein, zu zeigen, dass es bereits damals vorteilhaft gewesen wäre (bzw. war), Analysen der Projekte in diesem Umfang durch zu führen um eine tatsächliche (Un-)Wirtschaftlichkeit bereits im Vorhinein untersuchen beziehungsweise gewährleisten zu können.
Dadurch soll der Beweis erbracht werden, dass derartige Analysen sowohl in der heutigen als auch in der zukünftigen, weitaus komplexeren und vernetzteren Unternehmenslandschaft, zunehmend wichtiger sind und sein werden.
Inhaltsverzeichnis
VORWORT
1 EINLEITUNG
1.1 DER ZEITRAUM
1.2 HÄNDLER IM MITTELALTER
1.3 SCHIFFSTYPEN
1.4 WÄHRUNG
2 DIE KOSTEN-NUTZEN-ANALYSE
2.1 BEGRIFFSDEFINITIONEN
2.2 VORSTELLUNG DER KOSTEN-NUTZEN-ANALYSE
2.3 ABGRENZUNG DER KOSTEN-NUTZEN-ANALYSE
2.4 ABLAUFSCHEMA
3 DURCHFÜHRUNG ANHAND EINES FALLBEISPIELS
3.1 DEFINITION DESSEN, WAS UNTERSUCHT WERDEN SOLL
3.2 WELCHES ZIEL HAT MAN? WIE UND WODURCH MÖCHTE MAN DIESES ZIEL ERREICHEN?
3.3 AUFLISTUNG DER RELEVANTEN MAßNAHMEN ZUR ERREICHUNG DER ZIELE
3.4 UMSETZUNG DER MAßNAHMEN IN MONETÄR MESSBARE GRÖßEN
3.4.1 Ein-/Verkaufspreise in Indien bzw. Europa
3.4.2 Umrechnungstabelle
3.4.3 Kosten für die Flotte
3.4.4 Heuer der Besatzung
3.4.5 Verpflegung
3.5 ANALYSE UND FESTLEGUNG DER RAHMENBEDINGUNGEN
3.6 SENSITIVITÄTSANALYSE
3.7 AUFLISTUNG DER ALTERNATIVEN
3.8 KOSTEN-NUTZEN-VERGLEICH
3.9 BESCHREIBUNG DER INTANGIBLES
3.9.1 Ruhm und Ehre
3.9.2 Abenteuer/ neues Wissen
3.9.3 Zukünftige Einnahmen
3.9.4 Risiko
4 GESAMTBEURTEILUNG UND ENTSCHEIDUNG
5 KRITIK
Zielsetzung & Themen
Die Seminararbeit analysiert die Wirtschaftlichkeit einer mittelalterlichen Handelsreise am Beispiel des Seewegs nach Indien, um die Anwendbarkeit strategischer Planungsmethoden, wie der Kosten-Nutzen-Analyse, auf historische und moderne Projekte zu demonstrieren.
- Historische Rahmenbedingungen des mittelalterlichen Handels
- Methodische Anwendung der Kosten-Nutzen-Analyse
- Monetäre Bewertung von Ressourcen und Waren
- Risikoanalyse und strategische Entscheidungsfindung
- Bedeutung der Intangibles (immaterieller Faktoren) für den Projekterfolg
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Ein-/Verkaufspreise in Indien bzw. Europa
„Ein Pfund Safran war im Mittelalter so viel Wert wie ein Pferd. Ein Pfund Ingwer wie ein Schaf, und […] Pfefferkörner [wurden] teilweise in Gold aufgewogen.“15
Da, abgesehen von der nur begrenzt angebotenen Handelsmenge der Inder, zwischen den Kanonen, den Tauen, Segeln und der Besatzung nur begrenzt Platz für die Ladung blieb16, wird hier von ca. 20 000 Pfund (10 000kg) an gehandelten Gewürzen ausgegangen.
Da während des Mittelalters noch viele Transaktionen durch Tauschhandel durchgeführt wurden, sind jedoch nur wenige verlässliche Angaben bzgl. der tatsächlichen Kaufkraft von Währungen bzw. Einkommen überliefert.
Deshalb soll die Umrechnung der damals, wenn überhaupt schon vorhandenen, Währungseinheiten in Euro anhand eines Wertevergleichs zweier vergleichbarer Güter durchgeführt werden:
Der Wert eines ausgewachsenen, kräftigen, gesunden Pferdes zur damaligen Zeit dürfte ungefähr vergleichbar sein mit dem Wert einer Mercedes S-Klasse heute.
Begründung:
• Der Besitz eines Pferdes trug in vergleichbarem Maße zum Komfort, zur Arbeitserleichterung und zur Mobilität bei, wie es eine S-Klasse heute tut.
• Die Anschaffungskosten für beide Güter im Verhältnis zum Einkommen eines durchschnittlichen Arbeiters (bspw. eines Handwerkers) sind sehr hoch.
• Die Unterhaltskosten würden bei beiden einen großen Teil des Einkommens aufbrauchen.
• Der Besitz ist nicht überlebensnotwendig, böte aber einen hohen Luxus.
Zusammenfassung der Kapitel
VORWORT: Die Arbeit beschreibt die Wirtschaftlichkeitsanalyse eines mittelalterlichen Handelsprojekts und projiziert die Ergebnisse auf die Relevanz moderner Projektplanung.
1 EINLEITUNG: Es wird ein kurzer Abriss über die Rahmenbedingungen des Handels, Schifffahrtstypen und Währungen im Mittelalter gegeben.
2 DIE KOSTEN-NUTZEN-ANALYSE: Dieses Kapitel definiert und erläutert die theoretischen Grundlagen der Kosten-Nutzen-Analyse und deren methodisches Ablaufschema.
3 DURCHFÜHRUNG ANHAND EINES FALLBEISPIELS: Hier erfolgt die praktische Anwendung der Analyse auf die Gewürzroute von Vasco da Gama, inklusive Kostenkalkulation und Risikoabschätzung.
4 GESAMTBEURTEILUNG UND ENTSCHEIDUNG: Die Ergebnisse der Kosten-Nutzen-Analyse werden zusammengeführt, um eine fundierte Empfehlung für das Handelsvorhaben auszusprechen.
5 KRITIK: Abschließend wird die Anwendbarkeit des gewählten methodischen Systems auf mittelalterliche Verhältnisse kritisch reflektiert und in den modernen Kontext gesetzt.
Schlüsselwörter
Kosten-Nutzen-Analyse, Mittelalter, Handelsschiff, Gewürzroute, Investitionsentscheidung, Vasco da Gama, Wirtschaftlichkeitsanalyse, Risikomanagement, monetäre Indikatoren, Intangibles, Handelsstrategie, Projektplanung, Kaufkraftvergleich, Unternehmertum, Warenwirtschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die ökonomische Sinnhaftigkeit einer mittelalterlichen Handelsreise, indem sie moderne Managementinstrumente wie die Kosten-Nutzen-Analyse auf historische Gegebenheiten anwendet.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten zählen die historische Einordnung des Handels im Mittelalter, die Durchführung einer Kosten-Nutzen-Analyse sowie die Bewertung von Risiken und immateriellen Erfolgsfaktoren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass eine projektbezogene Wirtschaftlichkeitsanalyse auch für Unternehmungen des Mittelalters vorteilhaft war und deren Bedeutung für komplexe moderne Unternehmensstrukturen unterstreicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt als zentrale Methode die Kosten-Nutzen-Analyse, ergänzt durch eine Sensitivitätsanalyse und eine Impact Matrix zur Risiko- und Rahmenbedingungsbewertung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem konkreten Fallbeispiel der „Gewürzroute“ von Vasco da Gama, unterteilt in die Definition der Ziele, die monetäre Übersetzung von Maßnahmen und den Vergleich der Ergebnisse unter Berücksichtigung von „Intangibles“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kosten-Nutzen-Analyse, Handelsstrategie, Investitionsentscheidung und Risikomanagement im historischen Kontext charakterisiert.
Warum wurde das Beispiel von Vasco da Gama gewählt?
Vasco da Gama dient als Paradebeispiel, da sein Vorhaben als Entdecker des Seewegs nach Indien die Komplexität und die hohen ökonomischen Potenziale sowie Risiken einer mittelalterlichen Handelsexpedition ideal widerspiegelt.
Wie werden mittelalterliche Währungswerte in den Euro übertragen?
Um die Kaufkraft greifbar zu machen, nutzt der Autor einen Wertevergleich: Der Wert eines gesunden Pferdes im Mittelalter wird äquivalent zum heutigen Wert einer Mercedes S-Klasse gesetzt.
Welche Rolle spielen die sogenannten „Intangibles“?
Die Intangibles, wie Ruhm, Ehre oder neues Wissen, sind Faktoren, die nicht direkt monetär messbar sind, aber dennoch einen entscheidenden Einfluss auf die strategische Entscheidung für ein solches Wagnis hatten.
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- Michael Krause (Author), 2006, Das Ausstatten eines Handelsschiffes im Mittelalter - Kosten Nutzen Analyse und strategische Überlegungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67418