„Grundsätzlich gehört die Fähigkeit zur ironischen Verwendung von Sprache zu den Möglichkeiten jedes Sprechers. Ebenso ist grundsätzlich jeder fähig, Ironie zu erkennen.“ (Gießmann 1977:420)
Wie das Zitat richtig zeigt, hat jeder Sprecher die Möglichkeit sich ironisch zu äußern. Sprecher benutzen und Hörer verstehen Ironie meist intuitiv, welche komplexen Strukturen jedoch dahinter stecken, ist weder leicht zu durchschauen noch einfach zu erklären. Es drängen sich einige Fragen auf:
Was genau ist Ironie? Wie wird Ironie überhaupt verbalisiert und wie wird sie verstanden? Warum setzt sich ein Sprecher der Gefahr aus, missverstanden zu werden, denn das kommt durchaus vor? Warum sagt man etwas indirekt, wenn es auch direkt geht, dies entspricht nicht der Sprachökonomie? In welchen Fällen bzw. Situationen kommt Ironie zum Ausdruck? Diese Fragen sollen hier geklärt werden.
Zunächst wird kurz der Bereich der Rhetorik dargestellt. Schon früh befasste sich z.B. Aristoteles mit dem Phänomen der Ironie und mit dem was sich dahinter verbirgt. Sie wurde als Stilmittel in öffentlichen Auseinandersetzungen bzw. Reden eingesetzt, um den Gegner bloßzustellen oder um die eigene Aussage zu pointieren.
Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt jedoch auf den linguistischen Ironietheorien. Sie sollen klären, was Ironie ist, wie sie demnach erklärt werden kann. Die hier erwähnten Autoren versuchen sich an einer Rahmentheorie, die, wie man sehen wird, nicht einfach zu fassen ist. Des Weiteren soll es darum gehen, wie Hörer ironische Äußerungen verstehen, denn es gilt eine Unterscheidung zwischen Gesagtem und Gemeintem zu machen. Wie kommen Hörer dazu, das Gemeinte als das Eigentliche zu verstehen?
In Kapitel 4 werde ich zudem einige Verwendungsmotivationen für ironische Äußerungen vorstellen, die, wie ich finde, als Hauptgründe gelten können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Hintergrund
2.1 Rhetorik
3. Ironietheorien
3.1 Implikaturtheorie
3.1.1 Konversationsmaximen von Grice
3.1.2 Generelle und partikuläre Implikaturen
3.1.3 Ironie als konversationelle partikuläre Implikatur
3.2 Ironie als Echo und Zitat
3.3 Sprechakttheoretische Modelle
3.3.1 Ironie als Sprechakt
3.3.2 Ironie als indirekter Sprechakt
3.3.3 Ironie als uneigentlicher Sprechakt
3.4 Fazit
4. Die Verwendungsmotivationen von Ironie
4.1 (Un-)Höflichkeit
4.2 Bewertung
4.3 Ästhetischer Humor
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Phänomen der Ironie aus linguistischer Sicht mit dem primären Ziel, sowohl die theoretischen Grundlagen zur Definition und Entstehung von Ironie zu analysieren als auch die zugrunde liegenden Verwendungsmotivationen für Sprecher zu identifizieren.
- Historische Einordnung der Ironie in der Rhetorik
- Analyse linguistischer Ironietheorien (Implikaturtheorie, Echo-Theorie, Sprechakttheorie)
- Untersuchung der sozialen und kommunikativen Verwendungsmotivationen
- Beleuchtung der Aspekte von Höflichkeit, Bewertung und ästhetischem Humor
Auszug aus dem Buch
3.1 Implikaturtheorie
Die Implikaturtheorie nach H. Paul Grice ist eine der wichtigsten Theorien der Pragmatik. Die Implikatur bezeichnet eine durch Schlussfolgerung ermittelte (Zusatz-) Bedeutung einer Äußerung, die über den wörtlichen Gehalt einer Äußerung hinausgeht (vgl. Auer 1999:94).
Um Implikaturen in einem Gespräch erkennen zu können, muss davon ausgegangen werden, dass sich die Sprecher in einem Gespräch stets kooperativ, zielgerichtet und rational verhalten. Nach Grice kann ein Gespräch als kooperatives Handeln bezeichnet werden, bei dem alle Beteiligten das gleiche Ziel verfolgen: Zu verstehen und verstanden zu werden (vgl. Rolf 1994:215). Um dies zu gewährleisten, muss es Regeln geben, nach denen sich die Teilnehmer richten. Grice entwickelte das Kooperationsprinzip sowie vier Konversationsmaximen, die nicht als moralische Norm bzw. Vorschrift, sondern als Verhaltensregeln gelten sollen. „Das Kooperationsprinzip und die Konversationsmaximen stellen einen Gesprächshintergrund dar, einen Hintergrund, der von den Gesprächsteilnehmern, zumindest implizit, als ’operativ’ angesehen wird“ (Rolf 1994:106).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema Ironie als Fähigkeit jedes Sprechers und Darlegung der zentralen Fragestellung sowie des methodischen Schwerpunkts auf linguistischen Theorien.
2. Historischer Hintergrund: Kurzer Abriss über die etymologischen und rhetorischen Wurzeln der Ironie von der Antike bis hin zum Verständnis als Stilmittel.
3. Ironietheorien: Umfassende Gegenüberstellung verschiedener linguistischer Erklärungsansätze für Ironie, inklusive der Implikaturtheorie, der Echo-Theorie sowie sprechakttheoretischer Modelle.
4. Die Verwendungsmotivationen von Ironie: Analyse der Gründe für den Einsatz von Ironie in der Kommunikation, insbesondere im Hinblick auf Höflichkeitsstrategien, soziale Wertungen und den ästhetischen Humor.
6. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, wonach keine der untersuchten Theorien Ironie allumfassend erklären kann und für eine vollständige Analyse die Einbeziehung von Kontext sowie authentischen Daten unerlässlich ist.
Schlüsselwörter
Ironie, Pragmatik, Implikaturtheorie, Grice, Konversationsmaximen, Sprechakte, indirekter Sprechakt, Echo-Theorie, Sperber und Wilson, Höflichkeit, Gesichtswahrung, Verwendungsmotivation, Bewertung, Ästhetischer Humor, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die linguistische Untersuchung der Ironie, wobei sie Theorien zu deren Verständnis sowie Motive für deren Verwendung in der alltäglichen Kommunikation analysiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Ironie durch verschiedene linguistische Theorien sowie die Untersuchung der sozialen und psychologischen Funktionen ironischer Äußerungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, was Ironie linguistisch gesehen ist, wie sie verstanden wird und welche Hauptgründe Sprecher dazu motivieren, ironische Äußerungen zu verwenden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine literaturbasierte Analyse, bei der sie bestehende linguistische Theorien und Modelle (z.B. von Grice, Sperber/Wilson, Searle) gegenüberstellt und anhand konstruierter Beispiele kritisch diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Ansätze zur Ironie (Implikatur-, Echo- und Sprechakttheorie) erörtert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Verwendungsmotivationen wie Höflichkeit, Bewertung und ästhetischer Humor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Ironie, Pragmatik, Konversationsmaximen, Sprechakte, Höflichkeit und Kontextabhängigkeit.
Warum kann laut der Autorin keine der vorgestellten Theorien Ironie vollständig erklären?
Die Autorin argumentiert, dass Ironie hochgradig kontextabhängig ist und sich mit jedem Sprechakt realisieren lässt, weshalb eine rein regelbasierte oder formale linguistische Analyse allein nicht ausreicht, um die volle Komplexität und Funktion zu erfassen.
Welche Rolle spielt der Kontext bei der Interpretation von Ironie?
Der Kontext ist laut der Arbeit unerlässlich, da Ironie oft auf einem Widerspruch zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten basiert, der nur durch das Wissen um die Situation, die Teilnehmer und ihre Hintergründe sowie kulturelle Normen für den Hörer erschließbar ist.
- Quote paper
- Ellen Becker (Author), 2005, Theorien der Ironie und ihre Verwendungsmotivationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67436