Horaz "Satire 1,4" - Eine literarische Verteidigung

Analyse des satirischen Umgangs mit Kritik an seinem Werk


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
27 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung: Horaz und die römische Gattung der Satire

1. Verse 1- 8: Tradition des Genres

2. Verse 9-25: Stil der Satire

3. Verse 26 - 38: Das Problem des Satirikers

4. Verse 39 - 63: „sermo“ und „poema“

5. Verse 64 – 143: Konkrete Verteidigung
5. 1 Verse 64 - 78: Unschuldige müssen nichts fürchten
5.2 Verse 78 - 103: Wende im Zentrum der Satire
5. 3 Verse 103 – 143: Vorteile der Satire

6. Die Rede im Gedicht

7. Resümee: Satire 1,4 als Brücke zwischen Moral und Literatur

8. Literaturverzeichnis

0. Einleitung: Horaz und die römische Gattung der Satire

Quintus Horatius Flaccus (65 v. Chr. – 8 n. Chr.) veröffentlichte etwa im Jahre 35 vor Christus das erste seiner zwei Satirenbücher „Sermones“, das aus zehn Satiren besteht. Ungefähr fünf Jahre später folgte das zweite Buch mit acht Satiren. Der aus Venusia stammende Dichter wurde 38 vor Christus von Vergil in den Maecenas - Kreis eingeführt. 32 vor Christus schenkte ihm der einflussreiche Förderer junger Dichter ein Landgut, so dass sich Horaz fortan ganz seiner Dichtung widmen konnte. Vor den „Sermones“ schrieb Horaz „Epoden“ nach dem Vorbild des Archilochos. Zu seinem Hauptwerk zählen die vier Bücher der „Oden“, die in der Form des aiolischen Liedes von Sappho und Alkaios verfasst sind. Weiterhin ist er Verfasser der Lehrgedichte „Epistulae“, von denen der Brief „Ars poetica“ am bekanntesten ist. Zu seinem Werk zählt auch der Gesang zur Säkularfeier aus dem Jahre 17 vor Christus, das „Carmen saeculare“. Vor seiner Karriere als Dichter konnte Horaz aufgrund der Unterstützung durch seinen Vater eine gute Ausbildung genießen, die ihn nicht nur nach Rom, sondern auch nach Athen zum Studium der Philosophie führte. Dort stellte er sich während des Bürgerkrieges auf die Seite des Brutus, der ihn sogar zum Militärtribun machte. Die Niederlage bei Phillipi stellt den entscheidenden Wendepunkt im Leben des Horaz dar, der zwar Gnade erlangte und sich in das Amt des quästorischen Schreibers einkaufen konnte[1], aber durch die Erlebnisse dieser Umbruchzeit für sein Leben geprägt war.

Es ist gerade die Sicht von unten, von sich selbst her, die R. A. Schröder bei Horaz im Gegensatz zu Vergil hervorhebt. In der Gattung der Satire tritt die persönliche Sichtweise besonders in den Vordergrund „als kritische Stellungnahme zur Welt aus der Perspektive eines Ichs und seinem persönlichen Aussprechen“[2]. Etymologisch wird der Gattungsbegriff „Satire“ in erster Linie auf das altlateinische Wort „satura“ zurückgeführt, das wahrscheinlich eine mit verschiedenen Früchten angefüllte Schüssel bezeichnet (vgl. Diomedes 485, 30ff.) oder „ein Gesetz (Verordnung), das mehrere Dinge in sich begreift und verordnet.“[3] Neben diesen Bedeutungsvarianten schwingt auch das Adjektiv „satur“, also „satt“, im Verständnis des Gattungsbegriffs „satira“ mit. Damit werden allgemein Gedichte „über vermischte Gegenstände ethischen oder historischen Inhaltes“[4] bezeichnet, die dem Leser ridentem dicere verum (vgl. sat. 1,1,24), lachend die Wahrheit sagen wollen. Obwohl das Sujet der römischen Satire auch Element altgriechischer Literatur war, hat Quintilian insofern Recht, wenn er in seiner „Institutio oratoria“ schreibt „ satura tota nostra est “, als dass es in der Tat römische Autoren waren, die das Verspotten von Menschen und gesellschaftlichen Zuständen in poetischer Form, literarisch etabliert und verfeinert haben. Dabei gilt Lucilius, der das Versmaß des Hexameters festlegte, als inventor der Gattung.

Von Bedeutung für literaturtheoretische Fragen zur Gattung der Satire ist nicht zuletzt auch Horaz’ Satire 1,4, die im Folgenden in Hinblick auf Form und Inhalt untersucht werden soll. Sie bildet den Anfang der zweiten Triade des ersten Buches, die nach dem üblichen Schema A-B-A aufgebaut ist, aus dem die Satire 1,5, in der die Reise nach Brundisium beschrieben wird, thematisch hervorsticht. Die vierte Satire gilt als Programmgedicht in Korrespondenz zur Satire 1,10 und weist starke Bezüge zur ersten Satire des zweiten Buches auf, in der Horaz sein literarisches Programm ebenfalls darlegt und die Satire als literarisches Mittel rechtfertigt. Während es in den ersten drei Diatribensatiren um Themen wie menschliche Unzufriedenheit, Ehebruch und das richtige Verhalten im Freundeskreis ging, reflektiert der Dichter in der vierten Satire zum ersten Mal explizit neben moralischen Aspekten auch literarische. Die Verteidigung seiner Satiren gegen den Vorwurf der Böswilligkeit verbindet Horaz mit Ausführungen zu seiner Vorstellung über den richten Stil für dieses Genre. Die folgenden Darstellungen sollen die kunstvolle Beziehung des literarisch-ästhetischen und moralischen Gehalts der Satire hervorheben und folgen dabei der groben Strukturierung durch Michael P. Brown[5].

1. Verse 1- 8: Tradition des Genres

Horaz beginnt seine vierte Satire mit einem aufgrund drei griechischer Namen metrisch auffälligem, da nur aus fünf reinen Daktylen bestehenden Vers. Er nennt darin nämlich die bekanntesten Dichter der Alten Komödie: Eupolis atque Cratinus Aristophanesque poetae. Dieser Einstieg ist vor dem Hintergrund des kulturhistorischen Abriss am Ende der dritten Satire interessant. Darin heißt es unter anderem:

Cum prorepserunt primis animalia terris,

mutum et turpe pecus, glandem atque cubilia propter

unguibus et pugnis, dein fustibus atque ita porro

pugnabant armis quae post fabricaverat usus;

donec verba, quibus voces sensusque notarent;

nominaque invenere; dehinc absistere bello,

oppida coeperunt munire, et ponere leges,

ne quis fur esset neu latro neu quis adulter,

[...]

Entscheidend ist die Erklärung zur Funktion von Sprache. Die Menschen haben eine Entwicklung von animlia primis terris zu kultivierten Wesen mit Gesetzen durchlaufen, in deren Zentrum die Sprache steht. Denn anders als durch unguibus et pugnis wurde durch die Sprache ein Kultivierungsprozess in Gang gesetzt. Nach dieser Darstellung diente Sprache von Anfang an dazu, fehlerhaftes Verhalten zu bezeichnen und somit zu bändigen. An dieser Stelle in der dritten Satire sind es also die leges, durch welche die Sprache wirkt. In der anschließenden Satire wird diese Funktion durch die Alte Komödie übernommen. Denn sobald jemand dignus describi (vgl. sat. 1,4,3) war, wurde dies von den genannten Dichtern mit großem Freimut dargestellt, wobei das Verb notare ( vgl. sat. 1,4,5) „nicht nur eine Anspielung an die förmliche Rüge (nota) der römischen Zensoren“ ist, sondern „auch an die Funktion der menschlichen Sprache“[6] erinnern soll. Die identische Wortwahl (notare in 1,3,103 und notabant in 1,4,5 sowie fur in 1,3,106 und 1,4,3) verbindet die beiden Stellen und verdeutlicht kunstvoll die Funktion der Sprache, die Horaz ihr zuschreibt.

Dieser Vergleich macht nicht nur die Gemeinsamkeit der vierten Satire mit ihrer Vorgängersatire deutlich, sondern auch einen wesentlichen Unterschied. Denn während es in den vorangegangenen Satiren vor allem um moralische Maßstäbe ging, zeigt der Einstieg über die griechischen Komödiendichter in der vierten Satire die Erweiterung auf die literarische Ebene. Dabei führt Horaz mit den Namen Eupolis, Cratinus und Aristophanes die Hauptvertreter dieser Gattung auf, die später auch bei Quintilian genannt werden.[7] Cratinus (520 - 423 v. Chr.) gilt als Begründer der Alten Komödie aufgrund seiner kunstvollen Form. Eupolis (446 - 405 v. Chr.) und Aristophanes (~ 445 - 385 v. Chr.) waren sogar eine Zeitlang miteinander befreundet und arbeiteten zusammen an den „Rittern“. Aristophanes gilt als der bekannteste Komödiendichter und war für seine klaren Anspielungen auf reale Personen berühmt. Wenn Horaz also in Vers 5 betont, dass die alten Komödiendichter bei ihrem literarischen Werk magna cum libertate vorgingen, spielt er damit direkt auf die sittenrichterliche Funktion dieser Literatur an. Die Namen dieser Dichter sind unmittelbar mit dem ονομαστι κομοδειν, dem beim Namen nennenden Verspotten, verbunden, deren Opfer nicht nur Euripides im Stück „Die Frösche“ wurde, sondern auch Sokrates in den „Wolken“. Man kann sicherlich davon ausgehen, dass diese Stücke den Römern bekannt waren, da sie selbst innerhalb dieses Genres tätig wurden[8].

Die weiteren drei Verse machen deutlich, dass Horaz die römische Satire in ihrer moralischen Funktion in der Tradition der zuvor beschriebenen attischen Komödie sieht. Denn von den drei großen Namen und den alii [9] hängt Lucilius ab, den Horaz als inventor der Satire betrachtet (vgl. sat. 1,10). Dieser sei den griechischen Vorgängern gefolgt, wobei sein besonderer Beitrag zum Genre der veränderte Versfuß (vgl. sat. 1,4,7) und sein Witz[10] sind. Lucilius (180 –102 v. Chr.) war zwar nicht der Erfinder der Gattung, aber führte die Form der Satire nach Ennius und dessen Neffen Pacuvius weiter. Nachdem er zunächst auch im jambischen und trochäischem Metrum schrieb, legte er sich schließlich auf den Hexameter fest. Die Tatsache, dass auch Horaz seine Satiren im Hexameter verfasst, unterstützt daher die These, dass er sich selbst in eine lange Tradition einreihen will ohne Lucilius zu diskreditieren. Die Formulierung, dass Lucilius ganz von seinen Vorgängern abhing, hat in der Forschung für Diskussion gesorgt. Es gibt den Standpunkt, dass sich Horaz des typischen römischen Charakters von Lucilius nicht bewusst war, was aufgrund von Vers 7 unwahrscheinlich ist, oder Horaz hier auf Varro zurückgreift, der wohl solche Theorien hatte[11]. Die nachfolgende Kritik am Stil des Lucilius mag solche Gedanken rechtfertigen. Die erste kritische Anmerkung erscheint in Vers 8 mit durus componere, während zuvor allerdings Gemeinsamkeiten von Lucilius und Dichtern wie Aristophanes deutlich werden, nämlich ihr Witz und ihr Ziel, als poetae Fehler aufzudecken. Die Kritik an Lucilius sollte daher nicht im Zusammenhang der einleitenden Verse betrachtet werden, da sich Horaz mit diesen Versen in erster Linie in eine lange literarische Tradition stellen will. Nicht nur er allein, sondern seine berühmten griechischen und römischen Vorgänger widmeten sich der Verspottung von Menschen und gesellschaftlichen Zuständen, also der Satire. Dabei nutzen er und seine Vorgänger nur die natürliche Funktion der Sprache mit dem Ziel, Unrecht zu vermeiden (vgl. sat. 1,3,111).

Ohne explizit das Thema der Satire zu nennen, machen die ersten acht Verse den der gesamten Satire zugrundeliegenden Tenor deutlich, nämlich die Beschäftigung mit Literatur und Moral zugleich. Sprachlich sind diese Bereiche durch die entsprechenden Wortfelder erkennbar. Den literarischen Teil bezeichnen Wörter wie Eupolis, Cratinus, Aristophanesque, poetae (V. 1); comoedia prisca (V.2); multa cum libertate notabant (V. 5); Lucilius (V. 6); pedibus numerisque, facetus (V. 7); conponere versus (V. 8). Dagegen steht das Wortfeld, das sich für die Darstellung moralischer Inhalte eignet: dignus describi; malus; fur (V. 3); moechus; sicarius (V. 4). Wie die Auflistung zeigt, steht der literarische Aspekt im Vordergrund, wobei Horaz diesen in der Überleitung implizit durch die Kritik an Lucilius mit dem moralischen Gegenstand verbindet.

2. Verse 9-25: Stil der Satire

Die Verbindung des Moralischen mit dem Literarischen bildet das vitiosus in Vers 9, das zum einen der Bezeichnung eines Fehlers des Dichters Lucilius dienen soll, zum anderen aber allgemein zur Bezeichnung von auch moralischen Fehlern benutzt werden kann. Nach der einleitenden Rechtfertigung folgt in den nächsten Versen eine indirekte Hervorhebung der dichterischen Vorzüge des Horaz über die Kritik an anderen Dichtern. Dazu zählt der stilistische Vorzug der Kürze und die Unabhängigkeit von einem großen Publikum. Vor diesem Hintergrund ist nicht nur die Kritik an unbedeutenderen Dichtern wie Crispinus, der schon in der ersten Satire auftrat und Fannius, zu sehen, sondern vor allem die scheinbar zerschmetternde Kritik an Lucilius.

Vorbereitet wird diese negative Kritik schon am Ende von Vers 8 mit durus conponere versus. Horaz begründet diese Feststellung nun, indem er sagt, das Dichten von 200 Versen in einer Stunde stans pede in uno (vgl. sat. 1,4,10) resultiere in einem schlammigen Stil (lutulentus in Vers 11). Zwar drückt das Stehen auf einem Bein die lässige Haltung des Lucilius beim Dichten aus. Das pede erinnert jedoch zugleich an die literaturtheoretische Bedeutung für den Versfuß der Dichtung, dessen Festlegung zugleich Lucilius größtes Verdienst in Bezug auf die Gattung Satire darstellt. Das Bild eines schlammigen Stroms findet sich schon im Apollonhymnus bei Kallimachos (vgl. v.107f.), wo Apollon Phthonos antwortet: „Mächtig wälzt sich Assyriens Strom, doch führt er zum größten Teile nur Unrat mit sich und massenhaft Kehricht und Abfall.“[12] Dieser Bezug ist eine erste explizite Anspielung auf den Stil von Horaz, der für Kürze im Sinne des kallimacheischen Stils steht. Das Bild des überladenen Flusses überträgt Horaz auf die Dichtung des Lucilius, wenn er sagt, dass es Dinge gab, die man streichen wollte, und den Dichter darüber hinaus als garrulus atque piger scribendi (vgl. sat. 1,4,12) bezeichnet. Die Kunst des scribendi recte erfüllt Lucilius also nach der Meinung des Autors nicht. Doch wie geht man nun mit den literarischen Charakteristika des Lucilius um? Einerseits stellt ihn Horaz als witzig dar[13] und übernimmt das von ihm eingeführte Versmaß des Hexameters. Andererseits sieht er ihn als faulen, schwatzhaften Vielschreiber. Horaz’ Darstellung erschiene inkonsistent, wenn er den Dichter diskreditiert, an dessen Vermaß er sich anschließt und den er in der Tradition der griechischen Komödiendichter sieht, deren Sujet und offenlegenden Stil er selbst übernimmt. Kompositorisch fällt die Einrahmung des Dichternamens Lucilius zwischen den die Satire einleitenden Namen großer griechischer Komödiendichter und den durch Horaz lächerlich gemachten Vielschreibern Crispinus und Fannius auf. Luclius steht im Zentrum und hat damit zugleich Anteil am inhaltlichen Bezug zur attischen Komödie und der Stilkritik, die Horaz an den beiden unbekannten Dichtern übt. Insgesamt dient diese Darstellung Horaz’ eigener Werbung und entspricht darüber hinaus den in der dritten Satire geäußerten Forderungen, Vorzüge und Mängel abzuwägen und auch eigene Fehler einzugestehen[14]. Die intendierte Hervorhebung der Kürze als dichterischen Vorzug steigert Horaz in der folgenden Begegnung mit dem Vielschreiber Crispinus, die er mit einer ironischen Selbstkritik in den Versen 17f. beendet: „ di bene fecerunt, inopis me quodque pusilli / fixerunt animi, raro et perpauca loquentis.“[15] Diese Verse gehen über den üblichen Bescheidenheitstopos hinaus. Mit diesem understatement rundet Horaz seinen Punkt ab. Er verlangt im Sinne des Kallimachos geistvolle Gedanken kurz und knapp, aber kunstvoll darzustellen. Indem er sagt, dass die Götter ihm nur einen dürftigen und winzigen Geist gaben, betont er im Sinne des understatement gerade sein Talent und seinen einfallsreichen Geist. Gleichzeitig mag dies auch eine Abgrenzung zum Genre des Epos sein, vom dem sich die römische Satire zwar nicht metrisch, aber inhaltlich abgrenzt[16].

Im Vers 18 spielt Horaz mit raro auf den zweiten Vorzug seiner Art zu dichten an. Der Umstand, dass er nur selten spricht, wird durch das folgende Beispiel des Fannius, der einen selbstverliebten Dichter symbolisiert, erklärt. Horaz stilisiert sich zum Gegensatz des Fannius, der seine Gedichte öffentlich vorträgt und sogar dafür wirbt (vgl. sat. 1,4,22: delatis capsis et imagine), während Horaz davor zurückschreckt, seine Werke einem missbilligendem Publikum vorzutragen: [...] volgo recitare timentis ob hanc rem, quod sunt quos genus hoc minime iuvat [...]“ (vgl. sat. 1,4,23f.). Mit der Hervorhebung, dass er ängstlich sei, führt Horaz das understatement fort und betont damit auch seine Nähe zum ausgewählten Dichterkreis um Maecenas. In Wirklichkeit fürchtet er sich nicht, seine Dichtung einem großen Publikum zugänglich zu machen. Die Ergänzung, er fürchte sich, weil die Menschen diese Gattung missbilligen, bildet die Ausgangsbasis für die Verfassung der die Gattung verteidigenden Satire und leitet geschickt zum Hauptproblem des Gedichtes über.

Zu Beginn der Satire legt Horaz somit die Prämissen für sein Schreiben fest. Dazu gehört die inhaltliche Orientierung an seinen Vorgängern, den griechischen Komödiendichtern und Lucilius, die stilistische Kürze im Sinne des Kallimachos und die Adressatenspezifik seiner Dichtung. Darüber hinaus macht er in den ersten 25 Versen an zwei Stellen deutlich, dass es ihm immer um dignus describi (vgl. sat. 1,4,3) und plures culpari dignos (vgl. sat. 1,4,24f.) geht. Diese Ausführungen zum richtigen Stil für das Genre werden im Rahmen der Verteidigung der Satiren in den Versen 39 – 63 weitergeführt. Zunächst kommt der Autor aber am Ende des ersten Teils der Satire auf den zentralen Gegenstand seines Schreibens zu sprechen.

[...]


[1] Sueton berichtet in der Vita Horati: „[...] victisque partibus venia impetrata scriptum quaetorium comparavit.“

[2] Horaz: Sermones. Satiren, Lateinisch/ Deutsch (Hrsg. Karl Büchner ), Stuttgart 1972, 220.

[3] Georges LDHW Bd. 2, 2503.

[4] Georges LDHW Bd. 2, 2499

[5] Brown, Michael P.: Horace Satires I, Warminster 1993, 127 – 138.

[6] Knorr, Ortwin: Verborgene Kunst. Argumentationsstruktur und Buchaufbau in den Satiren des Horaz. Hildesheim/ Zürich/ New York 2004. In: Beiträge zur Altertumswissenschaft. Hrsg. v. M. Bergmann, C.J. Classen, G.A. Lehmann u.a., Bd. 15, S. 120. (= Knorr, 120)

[7] vgl. Institutio oratoria 10,1,66: „[...] plures eius auctores: Aristophanes tamen et Eupolis Cratinusque praecipui [...]“

[8] Terenz verfasste beispielsweise Komödien in Anlehnung an seine griechischen Vorgänger.

[9] Damit sind Dichter wie Epicharmos, Krates oder Platon gemeint.

[10] Das Adjektiv facetus bezeichnet eindeutig den Witz des Lucilius (vgl. ThlL, VI, c. 42,40). Der Genitivus qualitatis emunctae naris ist zweideutig. Die geputzte beziehungsweise zuvor verstopfte Nase gilt als Zeichen geistiger Stumpfheit. Die Bedeutung homo emunctae naris (=ein gewitzter Kopf) ist an dieser Stelle aber vorzuziehen, da sich die Bedeutung besser an das vorangegangene facetus fügt.

[11] Rudd, Niall: The Satires of Horace. London/ Wiltshire 1994, 89 (= Rudd, 89)

[12] Kallimachos: Werke. Griechisch und Deutsch. (Hrsg. und übersetzt von Markus Asper), Darmstadt 2004, 394ff.

[13] Rudd verweist auch auf Satire 1,10,3-4: „[...] at idem, quod sale multo / urbem defricuit, charta laudatur eadem.“ Dieser positive Aspekt wird also in einer späteren Satire wiederholt.

[14] Knorr, 121.

[15] Korrespondierend dazu vgl. sat. 1,6,56.

[16] Albrecht, Michael von: Horaz; In: Adamietz, Joachim (Hrsg.): Die römische Satire, Darmstadt 1986, 154. (=Albrecht, 154)

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Horaz "Satire 1,4" - Eine literarische Verteidigung
Untertitel
Analyse des satirischen Umgangs mit Kritik an seinem Werk
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
27
Katalognummer
V67499
ISBN (eBook)
9783638586092
ISBN (Buch)
9783638672078
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Horaz, Satire, Eine, Verteidigung
Arbeit zitieren
Johanna Wünsche (Autor), 2005, Horaz "Satire 1,4" - Eine literarische Verteidigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67499

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