Die verlustreichen Jahre des Börsencrashs von Anfang 2000 bis Anfang 2003 sind bei den meisten Anlegern noch unvergessen. Vor allem private Investoren üben sich an der Börse seitdem in Zurückhaltung und scheuen das Risiko eines erneuten Engagements in Aktien. Durch die Entwicklungen in der jüngsten Vergangenheit wurde das Vertrauen der Aktionäre erneut geschwächt. Da ist auch das Argument, dass es zuvor drei Jahre „nach oben ging“, oft nicht ausreichend, um die Anleger von der allgemeinen Aussage zu überzeugen, dass die Kurse an der Börse langfristig immer steigen.
Um dem verstärkten Sicherheitsbedürfnis gerecht zu werden, haben Banken neue Anlageformen entwickelt, die ein verstärktes Maß an Risikopuffer einbeziehen und dennoch eine Partizipation am Börsenwachstum ermöglichen. Hierbei hat sich eine Vielzahl neuartiger Finanzprodukte herausgebildet, die speziell den Risikoaspekt in unterschiedlich starker Ausprägung, sei es durch Kapitalgarantien oder Bonuschancen, berücksichtigt. In den Fokus des Anlegers sind dabei insbesondere die Zertifikate gerückt, die erstmals im Jahre 1989 in der einfachsten Form, dem Index-Zertifikat, von der Dresdner Bank aufgelegt wurden. Mit wachsendem Bekanntheitsgrad erfreuen sich Zertifikate seitdem zunehmend großer Beliebtheit – und dies vor allem in Deutschland. Für die Fondsindustrie hat sich mit der neuen Anlageform der Zertifikate eine damals noch nicht abzuzeichnende Konkurrenz entwickelt. Verantwortlich für den durchbrechenden Erfolg ist insbesondere die Tatsache, dass mit Zertifikaten ganze Märkte einfach und transparent nachgebildet werden können. Darüber hinaus sind im Gegensatz zu vielen klassischen Anlageformen auch in Zeiten stagnierender Märkte oder sogar bei fallenden Kursen Erträge möglich. So ist der Durchbruch der Zertifikate neben dem ausgeprägten Sicherheitsdenken vieler Anleger nicht zuletzt auch dem Wunsch nach Ausnutzung fallender beziehungsweise seitwärts tendierender Aktienmärkte geschuldet. [...]
Gliederung
1 Einführung
1.1 Zur Wahl des Themas
1.2 Problemstellung und Gang der Untersuchung
2 Grundlagen
2.1 Derivative Finanzanlagen
2.1.1 Optionen
2.1.2 Futures
2.2 Strukturierte Finanzanlagen
2.3 Derivate als Komponenten strukturierter Zertifikate
3 Investieren mit Zertifikaten – eine innovative Geldanlage
3.1 Was versteht man unter Zertifikaten genau?
3.2 Zertifikateformen
3.2.1 Index-Zertifikate
3.2.2 Discount-Zertifikate
3.2.3 Aktienanleihen
3.2.4 Kapitalgarantierte Zertifikate
3.2.5 Strategie-Zertifikate
3.2.6 Express-Zertifikate
3.2.7 Outperformance-Zertifikate
3.2.8 Hebel-Zertifikate
4 Charakteristik von Bonus-Zertifikaten
4.1 Der Markt für Bonus-Zertifikate
4.2 Funktionsweise und mögliche Szenarien des Kursverlaufs
4.3 Ausstattungsmerkmale
4.3.1 Underlying
4.3.2 Bezugsverhältnis
4.3.3 Kursschwelle
4.3.4 Bonuslevel
4.3.5 Laufzeit
4.3.6 Währung
4.3.7 Bonität des Emittenten
4.4 Konstruktion eines Bonus-Zertifikates
4.5 Einflussfaktoren der Bewertung - die Kursentwicklung
4.5.1 Volatilität des Basiswertes
4.5.2 Restlaufzeit
4.5.3 Risikoloser Marktzins
4.5.4 Zukünftige Dividendenzahlungen
4.6 Die Bedeutung von Bonus-Zertifikaten für die Banken
4.6.1 Handel von Bonus-Zertifikaten
4.6.2 Finanztermingeschäftsfähigkeit
4.7 Abwandlungen von Bonus-Zertifikaten
4.8 Chancen und Risiken von Bonus-Zertifikaten im Überblick
4.9 Beispiele für Bonus-Zertifikate aus der Praxis
4.9.1 Bonus-Zertifikat auf die Aktie der Deutschen Telekom
4.9.2 Bonus-Zertifikat auf den Deutschen Aktien Index
5 Steuerliche Behandlung von Zertifikaten
5.1 Aktueller Gesetzesstand in Deutschland
5.2 Geplante Gesetzesänderungen ab 2007
6 Zertifikate als Konkurrenz zu Fondsprodukten
6.1 Merkmale von Fonds im Vergleich zu Zertifikaten
6.2 Aktives versus passives Management
6.3 Fonds in der Vergangenheit – ein historischer Rückblick
7 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, ein umfassendes Bild über die Anlageform der Bonus-Zertifikate zu vermitteln. Dabei soll analysiert werden, wie diese Produkte funktionieren, wie sie konstruiert sind und worin ihre Vor- und Nachteile im Vergleich zu anderen Anlageformen wie Aktien oder Fonds bestehen.
- Funktionsweise und Ausstattungsmerkmale von Bonus-Zertifikaten
- Analyse der Einflussfaktoren auf die Bewertung (Volatilität, Restlaufzeit, Zins, Dividenden)
- Bedeutung von Bonus-Zertifikaten für Emittenten und im Vertrieb
- Steuerliche Behandlung von Zertifikaten in Deutschland
- Vergleich von Zertifikaten als Konkurrenzprodukt zu klassischen Investmentfonds
Auszug aus dem Buch
4.2 Funktionsweise und mögliche Szenarien des Kursverlaufs
Aus dem einfachen Index-Zertifikat als Grundform der Zertifikate haben sich bis heute viele abgewandelte Strukturen entwickelt. Neben den beiden Grundrichtungen an der Börse, die ein klassisches Index-Zertifikat abzubilden vermag, ist mit anderen Formen mitunter die Nachbildung weit dezidierterer Marktbeurteilungen möglich. Rechnet der Anleger beispielsweise mit einer eher moderaten Kurssteigerung und nicht mit einer Kursrallye, wären Bonus-Zertifikate dem einfachen Index-Zertifikat klar vorzuziehen. Bonus-Zertifikate sind auf solche seitwärts tendierenden Märkte exakt zugeschnitten und bieten dazu noch einen Risikopuffer für den Fall leicht fallender Kurse. Die einfache und verständliche Funktionsweise, die auf einer Kombination von Bonus und Kapitalschutz beruht, ist ein weiterer Faktor, der zum Erfolg der Bonus-Zertifikate beigetragen hat. Das Prinzip lässt sich einfach beschreiben: Bewegt sich der Kurs des Basiswertes während der Laufzeit in einem vordefinierten Zielkorridor, wird das Zertifikat am Ende der Laufzeit mit einem festen Bonusbetrag zurückgezahlt.
Bei der Emission eines Bonus-Zertifikats wird sowohl eine Kursschwelle als auch ein Bonuslevel definiert. Der Bonuslevel stellt die obere Grenze, die Kursschwelle die untere Grenze des Korridors dar. Kommt es während der Laufzeit des Zertifikats zu einer Berührung oder Durchbrechung der Kursschwelle, verfällt der beschriebene Bonusmechanismus. Die Rückzahlung ist dann direkt vom Stand des Basiswertes am Ende der Laufzeit abhängig. Faktisch wandelt sich das Bonus-Zertifikat somit in ein gewöhnliches Index-Zertifikat um und kann für den Anleger je nach Einstiegskurs sowohl einen Verlust als auch einen Gewinn bedeuten. Bei Kursen oberhalb des Bonuslevels ist der Anleger in jedem Fall, unabhängig davon, ob die Kursschwelle während der Laufzeit durchbrochen wurde oder nicht, in voller Höhe an der Kursentwicklung des Basiswertes beteiligt. In dieser Hinsicht ist er im Vergleich also nie schlechter gestellt als bei einer Direktanlage in den Basiswert selbst.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Der Einstieg beleuchtet die Motivation zur Themenwahl vor dem Hintergrund des Börsencrashs von 2000-2003 und erläutert den Aufbau der Untersuchung.
2 Grundlagen: Es werden grundlegende Begriffe zu Derivaten wie Optionen und Futures sowie zu strukturierten Finanzanlagen definiert, um das notwendige Verständnis für die späteren Kapitel zu schaffen.
3 Investieren mit Zertifikaten – eine innovative Geldanlage: Dieses Kapitel ordnet Zertifikate als Anlageklasse ein und beschreibt verschiedene Formen wie Index-, Discount- und Garantie-Zertifikate im Überblick.
4 Charakteristik von Bonus-Zertifikaten: Dies ist das Hauptkapitel, das detailliert die Funktionsweise, Konstruktion, Bewertung und Vertriebspraxis von Bonus-Zertifikaten analysiert sowie verschiedene Abwandlungen vorstellt.
5 Steuerliche Behandlung von Zertifikaten: Hier wird der aktuelle Stand der Besteuerung von Zertifikaten bei privaten Anlegern erläutert und ein Ausblick auf geplante Änderungen gegeben.
6 Zertifikate als Konkurrenz zu Fondsprodukten: Das Kapitel vergleicht die Anlageklassen Zertifikate und Fonds hinsichtlich Management, Transparenz und Kosten.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Die wesentlichen Ergebnisse werden zusammengeführt und eine Einschätzung zur Zukunft der Branche gegeben.
Schlüsselwörter
Bonus-Zertifikate, Derivate, Finanzanlagen, Börse, Kursentwicklung, Risikopuffer, Kursschwelle, Bonuslevel, Investmentfonds, Zertifikate, Besteuerung, Kapitalmarkt, Emittenten, Anlagestrategie, Finanzinnovation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Darstellung, Analyse und Bewertung von Bonus-Zertifikaten als innovative Anlageform auf dem Kapitalmarkt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Funktionsweise und Konstruktion von Bonus-Zertifikaten, deren steuerliche Behandlung, die Bedeutung für Banken im Vertrieb sowie ein Vergleich mit klassischen Investmentfonds.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein umfassendes Bild über Bonus-Zertifikate zu vermitteln und ihre Vor- und Nachteile sowie das Chancen-Risiko-Profil für Privatanleger und die Sichtweise der Banken praxisnah zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Fundierung durch Literaturanalyse und ergänzt diese durch eine praxisbezogene Analyse von Kursverläufen, Kennzahlen und Marktstatistiken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil (Kapitel 4) widmet sich ausführlich der Charakteristik der Bonus-Zertifikate, einschließlich der Analyse von Ausstattungsmerkmalen, Bewertungsparametern und der Konstruktion mittels derivativer Komponenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bonus-Zertifikate, Derivate, Kursschwelle, Bonuslevel, Risikopuffer, steuerliche Behandlung, Anlagevolumen und der Vergleich zu Fondsprodukten.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Kurs- und Performanceindices für Bonus-Zertifikate wichtig?
Da die Bonusstruktur häufig über Dividenden finanziert wird, sind Performanceindices (die Dividenden einrechnen) als Basiswerte besser geeignet als reine Kursindices, da letztere keine Dividendenzahlungen im Kursverlauf abbilden.
Welchen Einfluss haben Volatilität und Restlaufzeit auf den Preis eines Bonus-Zertifikats während der Laufzeit?
Der Einfluss ist komplex und nicht einheitlich. Insbesondere die Gefahr des Durchbrechens der Kursschwelle bei hoher Volatilität führt bei der Down-and-out-Put-Option im Zertifikat zu einer Preisbeeinflussung, die vom Szenario der aktuellen Kursnotierung abhängt.
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- Kristian Rohmich (Author), 2006, Darstellung, Analyse und Bewertung von Bonus-Zertifikaten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67529