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Einfluss globaler Prozesse auf lokale Handlungszusammenhänge bei Gesellschaften in Entwicklungsländern. Der Pipelinebau in dem Dorf Mindo, Ecuador

Title: Einfluss globaler Prozesse auf lokale Handlungszusammenhänge bei Gesellschaften in Entwicklungsländern. Der Pipelinebau in dem Dorf Mindo, Ecuador

Research Paper (undergraduate) , 2005 , 54 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Torsten Fritz (Author)

Politics - Topic: International Organisations
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Am 12.02.2000 unterschrieb die Regierung Ecuadors einen Vertrag mit dem Konsortium OCP (Oleoducto de Crudos Pesados, Pipeline für Schweröl) in dem der Bau einer Ölpipeline von den Ölfeldern des ecuadorianischen Amazonasgebietes bis zu den Verladestationen an der Pazifikküste im Nordwesten des Landes geregelt wurde. Schon vor der Unterzeichnung des Vertrages entbrannte ein starker Protest insbesondere gegen den geplanten Routenverlauf. Dieser Protest sorgte sehr schnell für globales Aufsehen, da eine Vielzahl internationaler Akteure sowohl am Betrieb und Bau der Pipeline, als auch am Protest beteiligt waren. Ein Brennpunkt der Proteste war das kleine Dorf Mindo, ca. zwei Busstunden nordwestlich der Hauptstadt Quito in einem Tal am Fuße des Vulkanes Pinchincha gelegen, welches direkt von dem Pipelinebau betroffen werden sollte. Im Laufe des Protestes gründeten die Einwohner Mindos eine Organisation, um die Aktionen vor Ort zu koordinieren - die Acción por la Vida (Aktion für das Leben, ApV). Im Rahmen dieser Arbeit werde ich den Protest der Einwohner Mindos gegen den Bau der Pipeline durch ein Naturschutzgebiet nachzeichnen. Dabei werde ich anhand einer Fallstudie der Frage nachgehen, inwieweit globale Prozesse und Entwicklungen einen Einfluss auf den lokalen Protest in einem Entwicklungsland zeitigten. Um einen möglichst umfassenden Eindruck der Situation rund um den Bau der OCP-Ölpipeline zu schildern, werde ich zunächst die für die Beschreibung notwendigen Hintergründe theoretisch beleuchten. Dabei erscheinen mir die Faktoren Nichtregierungsorganisationen (Non Governmental Organisations, NGOs), Glokalisierung und Öffentlichkeit aus folgenden Gründen zur Erläuterung geeignet: Im Laufe des Protestes gründeten die Einwohner des Dorfes Mindo eine NGO. Diese stand sehr bald in Kontakt mit anderen, international tätigen NGOs. Der Umstand des Handelns im NGO-Umfeld bewirkt einige Besonderheiten in der Analyse, welche ich zunächst theoretisch anführen werde, um danach anhand des konkreten Beispiels ApV näher darauf einzugehen. Mit dem Begriff Glokalisierung werden spezifische Eigenschaften des Globalisierungsprozesses angesprochen. Grundlage des Phänomens der Glokalisierung ist die Behauptung einer kulturellen Globalisierung, die sich neben ökonomischer und politischer Globalisierung vollzieht. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nichtregierungsorganisationen

2.1. Ursprünge der NGOs – Zwei Entwicklungsstränge

2.2. Handlungsfelder

2.3. Räumliche Dimension

2.4. Nord-Süd Verhältnis

2.5. Erscheinungsformen von NGOs

2.5.1. NGOs als Experten

2.5.2. NGOs als Lobbyisten

2.5.3. NGOs als Moralisten

2.5.4. NGOs als Glokalisten

2.6. Was also sind NGOs?

3. Glokalisierung

3.1. Kulturelle Globalisierung

3.2. Glokalisierung

4. Öffentlichkeit

4.1. Ausbildung einer transnationalen Medienöffentlichkeit

4.2. Herstellung einer transnationalen Öffentlichkeit

4.2.1. Vorbemerkungen

4.2.2. Faktoren zur Erreichung einer transnationalen Öffentlichkeit

5. Fallstudie

5.1. Vorbemerkungen

5.2. Die Situation um den Bau der OCP Pipeline in Ecuador

5.3. Der Konflikt um OCP

5.3.1. In Ecuador

5.3.2. Der Weltweite Protest

5.4. Mindo

5.4.1. Auswirkungen der OCP auf Mindo

5.4.2. Der Protest in Mindo – Gründung der Acción por la Vida

5.5. Die Einflussebenen auf ApV

5.5.1. Acción por la Vida als NGO

5.5.2. Acción por la Vida und Glokalisierung

5.5.3. Acción por la Vida und Öffentlichkeit

6. Fazit

Zielsetzung & Forschungsschwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer Fallstudie zum Protest gegen den Bau der OCP-Ölpipeline im ecuadorianischen Dorf Mindo, inwieweit globale Prozesse und Entwicklungen einen Einfluss auf lokales Handeln in einem Entwicklungsland ausüben. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf das Zusammenspiel von NGOs, Globalisierung und Öffentlichkeit bei der Formierung von lokalem Widerstand.

  • Theoretische Einordnung von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und deren Rolle im Nord-Süd-Verhältnis.
  • Analyse des Glokalisierungskonzeptes als Handlungsprinzip zur Verbindung lokaler und globaler Ebenen.
  • Untersuchung der Bedeutung transnationaler Medienöffentlichkeit für den Erfolg von Protestbewegungen.
  • Empirische Fallstudie zum Widerstand der Organisation "Acción por la Vida" (ApV) in Mindo.
  • Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen lokaler Akteure in globalisierten politischen Kontexten.

Auszug aus dem Buch

5.4.1. Auswirkungen der OCP auf Mindo

Mit der Entscheidung für die nördliche Umgehung Quitos wurde auch das kleine Dorf Mindo in den Protest gegen die Pipeline involviert. Dieses Dorf war so etwas wie ein Brennpunkt der weltweiten Proteste gegen die OCP Pipeline. Dort befindet sich das "Mindo-Nambillo Schutzgebiet", ein national und international anerkanntes Naturreservat. Dieses Gebiet umfasst 19.200 Hektar, die mit den unterschiedlichsten Ökosystemen (u.A. Nebelwäldern) besiedelt sind. (vgl. Regenwald Report 02/2001, S. 12) Mit geschätzten 450 dort beheimateten Vogelarten – viele davon endemisch – wurde Mindo im Jahre 1997 von der internationalen Organisation "Bird Life International" zum ersten "Important Bird Area" (IBA) Lateinamerikas ernannt. (vgl. Graf, 2004, S. 11, Anmerkung 3; Goodland, 2002, S.14f) Die herausragende Bedeutung des Mindo-Nambillo Schutzgebietes wird weltweit anerkannt (vgl. Goodland, 2002, S.14f), so dass der Gutachter Dr. Goodland zu der Einschätzung gelangte, das Reservat „[…] is clearly the WBG´s [World Bank Group, der Verfasser] highest category of “Critical Natural Habitat“ (OP 4.04, Para 4)“ (Goodland, 2002, S.15, Hervorhebungen im Original), weshalb der Bau einer Pipeline durch dieses Gebiet nur unter sehr hohen Auflagen möglich sei. (vgl. ebda).

Neben dem Lebensraum für Flora und Fauna bildet das Mindo-Nambillo-Reservat die Lebensgrundlage eines Großteils der lokalen Bevölkerung. Das Dorf Mindo ist ein Zentrum für den Ökotourismus Ecuadors. Über 80% der lokalen Bevölkerung leben direkt oder indirekt von dieser Einnahmequelle. (eigene Information) Durch den Bau der Pipeline sahen viele Menschen ihre Erwerbsgrundlagen gefährdet. Somit stellte der Bau der OCP Pipeline durch das Mindo-Nambillo Gebiet eine Gefahr sowohl für die Natur als auch für die dort lebenden Menschen dar.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der Problematik um den Bau der OCP-Pipeline und Begründung des gewählten theoretischen Rahmens aus NGOs, Glokalisierung und Öffentlichkeit.

2. Nichtregierungsorganisationen: Systematische Einordnung der Akteure sowie Analyse der verschiedenen NGO-Formen, ihrer Ursprünge und ihrer Rolle im globalen Kontext.

3. Glokalisierung: Theoretische Auseinandersetzung mit der kulturellen Globalisierung und Erläuterung des Glokalisierungsbegriffs als Handlungsprinzip.

4. Öffentlichkeit: Untersuchung der Funktionsweise transnationaler Medienöffentlichkeit und Identifikation der Faktoren, die über die Aufmerksamkeit für ein lokales Ereignis entscheiden.

5. Fallstudie: Konkrete Anwendung der theoretischen Konzepte auf den Widerstand der Organisation "Acción por la Vida" gegen den Pipelinebau in Mindo.

6. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Bestätigung der Hypothese, dass lokale Proteste in der heutigen Zeit ohne Bezugnahme auf globale Faktoren kaum Erfolg haben.

Schlüsselwörter

Globalisierung, Glokalisierung, Mindo, OCP-Pipeline, NGO, Acción por la Vida, transnationale Öffentlichkeit, Nord-Süd-Verhältnis, Umweltzerstörung, Zivilgesellschaft, Medienereignis, Ecuador, Protestbewegung, Partizipation, Entwicklungshilfe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht den Einfluss globaler Prozesse auf lokale Handlungskontexte am Beispiel des Widerstands gegen den Bau einer Ölpipeline in Ecuador.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen sind die Rolle von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), das Konzept der Glokalisierung und die Bedeutung transnationaler Öffentlichkeiten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie ein lokaler Protest gegen ein Infrastrukturprojekt durch die Verknüpfung mit globalen Akteuren und Medienöffentlichkeit an Wirksamkeit gewinnen kann.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Der Autor nutzt eine Fallstudie, ergänzt durch teilnehmende Beobachtung vor Ort und eine theoretische Aufarbeitung soziologischer Globalisierungskonzepte.

Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe NGO, Glokalisierung und Öffentlichkeit sowie in die detaillierte empirische Analyse des "Falls Mindo".

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Globalisierung, Glokalisierung, Ecuador, NGO-Aktivismus und der Kampf um den Erhalt ökologisch sensibler Lebensräume.

Welche spezifische Rolle spielt die Organisation "Acción por la Vida"?

Die ApV agierte als lokaler Akteur, der durch Vernetzung mit internationalen NGOs den Widerstand gegen den Pipelinebau professionell organisierte und global sichtbar machte.

Warum ist der Fall Mindo für die Globalisierungsdebatte relevant?

Er illustriert die Paradoxie, dass eine entlegene Region durch die Einbindung in globale Interessenkonflikte zugleich in den Fokus weltweiter Aufmerksamkeit gerät und mit den Folgen globaler ökonomischer Entscheidungen konfrontiert wird.

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Details

Title
Einfluss globaler Prozesse auf lokale Handlungszusammenhänge bei Gesellschaften in Entwicklungsländern. Der Pipelinebau in dem Dorf Mindo, Ecuador
College
Justus-Liebig-University Giessen  (Institut für Politikwissenschaft)
Grade
1,0
Author
Torsten Fritz (Author)
Publication Year
2005
Pages
54
Catalog Number
V67560
ISBN (eBook)
9783638586450
ISBN (Book)
9783656770312
Language
German
Tags
Globalisierung Beeinflussen Prozesse Handlungszusammenhänge Gesellschaften Entwicklungsländern Eine Untersuchung Fallstudie Protestes Pipelinebau Dorf Mindo Ecuador
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Torsten Fritz (Author), 2005, Einfluss globaler Prozesse auf lokale Handlungszusammenhänge bei Gesellschaften in Entwicklungsländern. Der Pipelinebau in dem Dorf Mindo, Ecuador, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67560
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