Selbstsozialisation


Referat (Ausarbeitung), 2004

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Erläutern Sie, was mit „Selbstsozialisation“ und „peer- Sozialisation“ gemeint ist

3.Stellen Sie die Belege, Indizien, Forschungsbefunde dar, die das Phänomen der Selbstsozialisation untermauern sollen

4. Schildern sie das Gesetz der „ungewollten Nebenwirkungen in der Erziehung“ und erläutern Sie die Sprangersche Argumentation, die dahinter steht

5.Erläutern Sie am Beispiel der Mediennutzung von Kindern, was hier Selbstsozialisation bedeutet

6. Schildern Sie die problematischen Folgen der Selbstsozialisation nach Dollase und setzen Sie sich kritisch damit auseinander

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Referat mit dem Thema „Selbstsozialisation“ wurde von uns im Rahmen des Seminars „Varianten von Pädagogisierungskritik“ gehalten. Innerhalb dieses Seminars haben wir uns mit kritischen Aspekten in der Pädagogik als wissenschaftliche Disziplin beschäftigt. Zum einen mit der überzogenen Hoffnung die in die Pädagogik gesetzt wird, in Bezug auf mögliche Verbesserungen innerhalb der Gesellschaft, zum anderen mit der Kindheit als „Schonraum“ und dessen Inszenierung. Außerdem setzten wir uns auch mit den Denkansätzen einer „Antipädagogik“ auseinander, die jede Art von pädagogischem Eingriff in die Entwicklung eines Kindes, bzw. eines Jugendlichen ablehnt. In unseren Diskussionen wurde schließlich deutlich, dass die Pädagogik ihre Grenzen hat und dass die Faktoren, die die Entwicklung eines Menschen mitbestimmen vielfältig sind. Einige davon sind durch Erziehung beeinflussbar, andere entziehen sich wiederum dem Rahmen indem Eltern, Erzieher oder Lehrer die Richtung mitbestimmen können.

Wir kamen zu der Erkenntnis, dass Erziehung Versuchshandeln ist, bei dem man keine Garantie darauf hat mit entsprechendem Handeln zu einem gewünschten Ziel zu kommen. Es ist ebenfalls nicht zu beweisen, ob ein Ziel wirklich aufgrund eines bestimmten Handelns erreicht wurde, oder ob es gar trotz dieses Verhaltens aufgetreten ist. In Anlehnung an diese These beschäftigten wir uns in unserem Referat mit der Selbstsozialisation, der Annahme, dass sich Kinder und Jugendliche selbst, auch ohne Eingriff der älteren Generation, auf ihre Art und Weise entwickeln, quasi unter ihresgleichen sozialisiert werden.

Diese Ausarbeitung soll wiedergeben, was wir uns zu den gegebenen Fragestellungen erarbeitet haben. Ich halte mich dabei an den Aufbau nach dem wir den Vortrag im Seminar gestaltet haben und werde demnach zu Beginn den Begriff „Selbstsozialisation“ sowie „peer-Sozialisation“ erläutern und Belege aus der Forschung zu diesem Thema anbringen. Anschließend komme ich zu den Nebenwirkungen in der Erziehung wie sie von Eduard Spranger in seinem Buch beschrieben wurden.

Ich werde erläutern wie Selbstsozialisation in Bezug auf Mediennutzung von Kindern zu verstehen ist und im letzten Teil meiner Ausarbeitung geht es dann um Folgen der Selbstsozialisation, mit deren Problematik ich mich kritisch auseinandersetzen werde.

2.Erläutern Sie, was mit „Selbstsozialisation“ und
„peer- Sozialisation“ gemeint ist.

Vorab einmal ist zu klären was Sozialisation im Allgemeinen bedeutet. Sozialisation ist ein Prozess indem sich der Mensch mit seinen psychologischen und biologischen Dispositionen und der sozialen und physikalischen Umwelt auseinandersetzt.

Durch diesen Prozess wird der Mensch zum gesellschaftlich handlungsfähigen Subjekt und entwickelt Fähigkeiten und Fertigkeiten des kompetenten Handelns, die er modifiziert und weiterentwickelt.[1] Die Sozialisationsforschung machte in den 60er Jahren vermehrt auf sich aufmerksam, da man erkannt hatte, dass Sozialisation auch dort stattfindet, wo das bewusste, planmäßige pädagogische und didaktische Handeln nicht wirksam ist.

Nachdem geklärt wurde was Sozialisation bedeutet, sprechen wir bei der Selbstsozialisation von einer Sozialisation bei der wir pädagogisches Handeln unberücksichtigt lassen, dar dieses einen Fremdeinfluss darstellt.

Selbstsozialisation findet auch ohne diesen fremdsozialisatorischen Einfluss statt, quasi in eigener Regie des Kindes oder des Jugendlichen.

Laut Klaus Hurrelmann schreiben Kinder und Jugendliche, unabhängig von der Fremdsozialisation durch Eltern, Erzieher und Lehrer, sozialen und kulturellen Ereignissen in ihrer Umwelt eine eigene Bedeutung zu. Sie entwickeln eine spezielle Handlungslogik für den Umgang mit der sozialen Umwelt und formulieren hierbei selbständig eigene Ziele für ihr Handeln.[2]

Jürgen Zinnecker unterteilt die Selbstsozialisation in drei aufeinander folgende Schritte. Seine Vorstellung von Selbstsozialisation basiert auf der Definition von Klaus Hurrelmann.

Der erste Schritt besagt, dass Kinder den Dingen und sich selbst eine eigene Bedeutung zuschreiben. Der zweite Schritt ist dann, dass Kinder für sich selbst eine eigene Handlungslogik entwerfen und der dritte Schritt ist der, dass die Kinder eigene Ziele für ihr Handeln formulieren.[3] Selbstsozialisation ist allerdings nicht nur eine

Einzelaktivität. Auch innerhalb einer Gruppe wird man sozialisiert. Die so genannte „peer- Sozialisation“ bezeichnet den Vorgang bei dem Kinder und Jugendliche sich gegenseitig sozialisieren, auch ohne Einwirkung einer älteren Generation.[4] Als „Peers“ bezeichnet werden demnach Freunde und Gleichaltrige des Kindes bzw. des Jugendlichen. In vielen aktuellen Untersuchungen spiegelt sich die Tatsache wieder, dass die entscheidenden Impulse zur Sozialisation heute von den peers und nicht mehr von den Sozialisationsinstanzen der älteren Generation herrühren. In den USA wird sogar über die „Entthronung“ der Eltern als Sozialisationsinstanz und die „Inthronisierung“ der peers diskutiert.[5]

Der nordamerikanische Kindheitsforscher und Kindheitsethnograph William Corsaro definiert Sozialisation als die interpretative Reproduktion von Kultur mittels kultureller Netzwerke von peers, die unseren Lebensweg lebenslang begleiten.[6]

Er setzt damit schon den Gedanken der „peer- Sozialisation“ als gegeben voraus.

Nach dieser Definition wird die Welt durch jede neue Generation neu interpretiert und verändert.

[...]


[1] vgl. Hurrelmann, Klaus: „Selbstsozialisation oder Selbstorganisation? Ein sympathisierender, aber kritischer Kommentar“ in: „ Zeitschrift für Erziehungssoziologie und Sozialisationsforschung 22“ (2002), S.155

[2] vgl. ebd. S. 157/158

[3] vgl. Zinnecker, Jürgen: „Selbstsozialisation – Essay über ein aktuelles Konzept“ in: „ Zeitschrift für Erziehungssoziologie und Sozialisationsforschung 20“ (2000), S. 275

[4] vgl. ebd. S.283

[5] vgl. ebd. S.284

[6] vgl. ebd. S.282

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Selbstsozialisation
Hochschule
Universität Lüneburg  (Bildungs-,Kultur- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Varianten von Pädagogisierungskritik
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V67571
ISBN (eBook)
9783638603928
ISBN (Buch)
9783656771753
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbstsozialisation, Varianten, Pädagogisierungskritik
Arbeit zitieren
Sandra Schmechel (Autor:in), 2004, Selbstsozialisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67571

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