„Am Anfang war das Wort“ und am Anfang gab es einfach einen guten Redner oder die gute Rednerin. Der erste Rhetoriker kam danach und er beobachtete einfach nur. Warum stimmt man denen einfach zu? Warum setzen sich ihre Meinungen durch? Warum versteht jeder was sie meinen?
Bewusst oder unbewusst, wir alle verwenden in unserer alltäglichen Artikulation Bausteine der rhetorischen Theorie und Praxis. Die wenigsten sind aber in der rhetorischen Beredsamkeit geübt oder geschult. Welche Einteilungsgebiete einer Rede gibt es? Wie gestaltet sich die rhetorische Argumentationslehre? Wie schmücke ich meine Rede aus? Warum ist der, in der Antike formulierte, ethisch-moralische Anspruch der Rhetorik heute immer noch von Bedeutung? Auf diese Fragen soll in der vorliegenden Broschüre eingegangen werden. Ziel ist es einen Grundriss über die wesentlichen Teile der rhetorischen Historie und Systematik zu ziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Rhetorik? – Eine Definition
3. Historische Entwicklung der Rhetorik
3.1 Entstehung und Beginn der Rhetorik in Griechenland
3.2 Das Ideal vom „perfectus orator“ – Rhetorik bei den Römern
3.3 Christliches Mittelalter und die „artes liberales“
3.4 Humanismus und Renaissance – zurück zu Cicero
3.5 Die Rhetorik im Schatten der Aufklärung
3.6 Rhetorik der Gegenwart
4. Allgemeine Rhetorik
4.1 Die klassischen Redegattungen
4.2 Produktstadien einer Rede
4.2.1 Inventio: Das Auffinden der Argumente
4.2.2 Dispositio: Die Gliederung des Vortrags
4.2.3 Elocutio: Der sprachliche Ausdruck
4.2.4 Memoria: Das Einprägen der Rede
4.2.5 Actio: Der Vortrag
4.3 Argumentationslehre
4.3.1 Topik – Das Grundmuster der Argumentation
4.3.2 Syllogismus und Enthymem
4.4 Stilmittel der Rhetorik
4.4.1 Redeschmuck
5. Ein Fazit – Demokratie und freie Rede
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, einen strukturierten Grundriss der historischen Entwicklung und der systematischen Grundlagen der Rhetorik zu vermitteln, um ein Verständnis für die Bedeutung der Beredsamkeit in Theorie und Praxis zu schaffen.
- Historische Evolution der Rhetorik von der Antike bis zur Gegenwart
- Systematik der allgemeinen Rhetorik und ihrer wesentlichen Disziplinen
- Methoden der klassischen Argumentationslehre und Argumentationsanordnung
- Struktur der Produktstadien einer Rede
- Einsatz und Kategorisierung rhetorischer Stilmittel
Auszug aus dem Buch
3.1 Entstehung und Beginn der Rhetorik in Griechenland
Die Ausbildung der Rhetorik fand im antiken Griechenland statt. Im 5. vorchristlichen Jahrhundert setzte sich, nach dem Sturz der Tyrannenherschaft das Modell der attischen Demokratie durch. Politische Auseinandersetzungen wurden jetzt öffentlich und in großen Volksversammlungen ausgetragen. Analog hierzu führte die Neuordnung der Verhältnisse zu Spannungen und Streitigkeiten in der Bevölkerung. Diese Interessensgegensätze wurden in vielen Gerichtsprozessen behandelt. Da es für den Erfolg in einer solchen Verhandlung auf die Wirksamkeit und die Überzeugungskraft der Rede über den eigenen Standpunkt ankam, wurden diese oftmals von einem Fachmann, einem „Logographen“ geschrieben. (Ueding/Steinbrink 2005, S.13)
Hier lässt sich der eigentliche Beginn der Entwicklung rhetorischer Theorie setzen. Es waren die Sizilianer Korax und dessen Schüler Teisias, die anlässlich eines Rechtsstreits eine Argumentationslehre und ein Dispositionsschema der Gerichtsrede einführten. Aus der Schule der beiden Sizilianer ging der Athener Gorgias von Leontini (etwa 480 – 380 v. Chr.), einer der bekanntesten Rhetoren der damaligen Zeit hervor. Für Gorgias stand die Kunstfertigkeit der Rede im Vordergrund, weniger die Frage nach der Wahrheit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Ursprünge der Rhetorik als älteste Kommunikationswissenschaft und definiert die Zielsetzung der Arbeit, einen Grundriss der rhetorischen Historie und Systematik zu geben.
2. Was ist Rhetorik? – Eine Definition: Das Kapitel definiert Rhetorik als zusammenfassendes Prinzip für die Theorie und Praxis menschlicher Beredsamkeit in unterschiedlichen öffentlichen und privaten Kontexten.
3. Historische Entwicklung der Rhetorik: Dieser Teil zeichnet den Weg der Rhetorik von den griechischen Anfängen über römische Ideale, das Mittelalter und die Aufklärung bis hin zur zeitgenössischen Rhetorik nach.
4. Allgemeine Rhetorik: Hier werden die theoretischen Säulen der Rhetorik behandelt, darunter die Redegattungen, die fünf Stadien der Redeproduktion, die Argumentationslehre und die verschiedenen Stilmittel.
5. Ein Fazit – Demokratie und freie Rede: Das Fazit betont die untrennbare Verbindung zwischen Rhetorik und Demokratie und unterstreicht die ethische Verantwortung des Redners.
Schlüsselwörter
Rhetorik, Beredsamkeit, Antike, Argumentationslehre, Redegattungen, Inventio, Dispositio, Elocutio, Memoria, Actio, Topik, Syllogismus, Redeschmuck, Rhetoriktheorie, Demokratie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit liefert eine strukturierte Einführung in die Historie und Systematik der Rhetorik, von ihren antiken Ursprüngen bis zur modernen Anwendung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Kernbereichen gehören die historische Entwicklung der Redekunst, die allgemeine Rhetoriktheorie sowie die praktischen Methoden der Argumentation und der stilistischen Gestaltung.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, dem Leser einen fundierten Überblick über die wesentlichen Bausteine der rhetorischen Theorie zu vermitteln und den Zusammenhang zwischen Rhetorik und freier Rede aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse etablierter rhetorischer Kompendien und Standardwerke, um einen systematischen Grundriss der Disziplin zu erstellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen Epochen der Rhetorik, die klassischen Redegattungen, die fünf Produktstadien einer Rede, die Topik sowie verschiedene rhetorische Stilmittel detailliert erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Beredsamkeit, Rhetoriktheorie, Argumentation, Redestruktur und demokratische Debattenkultur charakterisiert.
Was unterscheidet den Syllogismus vom Enthymem?
Der Syllogismus ist ein logisch vollständig aufgebauter Schluss, während das Enthymem einen verkürzten Syllogismus darstellt, bei dem Prämissen oder Konklusionen weggelassen werden, um die Überzeugungskraft durch Mitdenken des Publikums zu erhöhen.
Welche Bedeutung hat das Ideal des „vir bonus“ für die Rhetorik?
Das Ideal des „vir bonus“ (des guten Menschen) bei Quintilian begründet den ethischen und moralischen Anspruch, den ein Redner erfüllen muss, um rhetorische Glaubwürdigkeit und Verantwortung zu wahren.
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- Thomas Schnabelrauch (Author), 2006, Rhetorik - Eine Einführung in Historie und Systematik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67620