Diese Arbeit zeichnet die im Werk Bourdieus vorgestellten zentralen Konzepte von Habitus und Feld nach. Hierbei wird insbesondere auf die Genese des Habitus eingegangen. Weiterhin wird die Feldtheorie betrachtet und in die Konzepte Kulturelles Kapital, Ökonomisches Kapital, Symbolisches Kapital und soziales Kapital eingeführt. Kann Bourdieu mit seiner Habitus- und Feldtheorie die Spaltung zwischen Objektivismus und Subjektivismus überwinden?
Diese Arbeit ist im ersten Semesters des Studiengangs "Kulturwissenschaften" an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder erstellt worden und von Prof. Dr. Kittsteiner mit der Note 1,3 bewertet worden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Habitustheorie
2.1 Der Habitusbegriff
2.2 Genese des Habitus
2.3 Funktion des habituellen Dispositionssystems
2.4 Klassischer Determinismus?
3. Feldtheorie
3.1 Der Feldbegriff
3.2 Feld, Kapital, Strategie
4. Komplizenschaft von Feld und Habitus
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit gibt einen einleitenden Überblick über die zentralen soziologischen Modelle von Pierre Bourdieu, namentlich die Habitus- und die Feldtheorie, mit dem Ziel, Bourdieus theoretischen Ansatz zur Überwindung des Dualismus zwischen Objektivismus und Subjektivismus in der Sozialforschung aufzuzeigen.
- Grundlagen und Entstehung des Habitusbegriffs
- Funktionsweise des habituellen Dispositionssystems
- Struktur des Feldbegriffs und die Rolle von Ressourcen
- Differenzierung der verschiedenen Kapitalformen
- Dialektik des Zusammenspiels von Habitus und Feld
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Genese des Habitus
Nach Bourdieu ist der Habitus „Produkt und Produzent [...]“ sozialer Praxis zugleich, denn „frühere Erfahrungen kondensieren sich in den Menschenkörpern als Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsschemata und bleiben so aktiv präsent“, generieren neue Habitusformen und beeinflussen alle zukünftigen Handlungen eines Individuums oder einer Gesellschaft. Die Genese findet unbewusst statt, d.h. dass der Moment der Genese durch seine Unbewusstheit nicht festlegbar ist. Bourdieu spricht auch von einer „stillen Pädagogik“. Diese „stille Pädagogik“ vollzieht sich ohne bestimmte erzieherische Absicht und durch versteckte Ermahnungen bezüglich z.B. Betragen, Haltung und Manieren.
Durch Einprägungsarbeit werden zum Beispiel Verhaltensweisen mit der Zeit als etwas Natürliches angesehen und nicht mehr hinterfragt, zementieren sich in den Verhaltensmustern eines jeden Individuums. Bourdieu beschreibt dies als „amor fati“ (=Hingabe zum Schicksal), welche so die generierte Praxis legitimiert, d.h. man gibt sich diesen Handlungsstrukturen hin und nimmt sie als unumstößlich und völlig normal wahr. Bourdieu begreift den Habitus als „die zur zweiten Natur gewordene, in motorische Schemata und körperliche Automatismen verwandelte gesellschaftliche Notwendigkeit.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt Pierre Bourdieu als bedeutenden Sozialforscher vor und legt den Fokus auf sein theoretisches Bestreben, das Soziale als Einheit von Habitus und Feld zu verstehen, um den Dualismus zwischen Objektivismus und Subjektivismus zu überwinden.
2. Habitustheorie: Dieses Kapitel erläutert den Habitusbegriff als Erzeugungsmodus von Praxisformen, untersucht seine unbewusste Genese durch Sozialisation und analysiert die Funktion des habituellen Dispositionssystems sowie die Frage des Determinismus.
3. Feldtheorie: Das Kapitel definiert den Feldbegriff als strukturierten sozialen Raum, in dem Akteure mit unterschiedlichen Kapitalausstattungen in Konkurrenz zueinander stehen, und differenziert die verschiedenen Kapitalformen wie kulturelles, ökonomisches, soziales und symbolisches Kapital.
4. Komplizenschaft von Feld und Habitus: Dieses Kapitel führt die beiden Konzepte zusammen und beschreibt die komplementäre Beziehung zwischen Habitus und Feld als Dialektik, die den Antagonismus zwischen Individuum und Gesellschaft auflöst.
Schlüsselwörter
Pierre Bourdieu, Habitus, Feldtheorie, Sozialer Raum, Soziale Praxis, Kapitalformen, Kulturelles Kapital, Ökonomisches Kapital, Soziales Kapital, Symbolisches Kapital, Determinismus, Objektivismus, Subjektivismus, Sozialisation, Struktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine Einführung in die soziologischen Kernkonzepte von Pierre Bourdieu, insbesondere in die Habitus- und Feldtheorie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Genese des Habitus, die Struktur des sozialen Feldes, die verschiedenen Formen des Kapitals sowie das Wechselspiel dieser Konzepte.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, wie Bourdieu durch die theoretische Verknüpfung von Habitus und Feld den Dualismus zwischen Objektivismus und Subjektivismus überwindet.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse und Auseinandersetzung mit zentralen Werken Bourdieus sowie einführender Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Habitustheorie, der Feldtheorie inklusive der Kapitalformen und deren abschließende Zusammenführung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakteristische Begriffe sind Habitus, Feld, Kapitalformen, soziale Praxis, Struktur und Dialektik.
Was genau versteht Bourdieu unter dem „sens pratique“ im Kontext des Habitus?
Der „sens pratique“ wird als Sinn für die Ausführung situationsadäquater Handlungen definiert, der mit der Sicherheit eines Instinktes automatisch abläuft.
Wie unterscheidet sich das inkorporierte vom institutionalisierten kulturellen Kapital?
Das inkorporierte Kapital umfasst verinnerlichte, personen- und körpergebundene Fertigkeiten, während das institutionalisierte Kapital sich auf formal verliehene Bildungstitel bezieht.
In welchem Verhältnis stehen Habitus und Feld zueinander?
Bourdieu betrachtet sie als komplementäre Einheiten: Der Habitus ist die verinnerlichte Struktur des Handelnden, das Feld ist der äußere Raum der sozialen Praxis, in dem der Habitus wirksam wird.
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- Philipp Appel (Author), 2005, Die Komplizenschaft von Habitus und Feld, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67627