Der Umgang mit dem Medium Film im Unterricht gewinnt im öffentlichen Diskurs der Deutschdidaktik in letzter Zeit immer größere Bedeutung. Dennoch kann bisher nicht davon gesprochen werden, dass dieses Thema bereits den Stellenwert besitzt, welcher ihm gerecht werden würde. Im Rahmen des Seminars „Das sollte man gesehen haben! Probleme einer Didaktik des Spielfilms für die Sekundarstufen.“ der Universität Bremen haben wir uns im Sommersemester 2006 sehr ausführlich mit Fragen zur Spielfilmdidaktik beschäftigt. Bei einer solchen Beschäftigung kann ein besonderes Augenmerk auf den Aufbau des Spielfilmes mit seinen verschiedenen Elementen gerichtet werden. Dazu gehört unter anderem auch die Maintitle-Sequence.
Diese Arbeit wird sich mit eben diesem speziellen Element des Spielfilmes, der Maintile-Sequence, beschäftigen. Dabei wird in einem ersten Teil der Begriff näher definiert und auch seine historische Entwicklung kurz skizziert werden. Des Weiteren werden typische und wichtige Elemente und Inhalte einer solchen Sequenz beschrieben. Daran anschließend werden im zweiten Teil der Arbeit didaktische Überlegungen im Mittelpunkt stehen, nachdem die momentane Lehrplansituation kurz dargestellt worden ist. Dabei wird zunächst geklärt werden, weshalb eine Spielfilmdidaktik, bzw. das Einbringen solcher Inhalte in den Deutschunterricht überhaupt notwendig ist, um daran anschließend spezieller auf die Maintitle-Sequence und ihre Relevanz sowie ihre Möglichkeiten für eine sinnvolle Deutschdidaktik einzugehen. Dabei werden zudem didaktische Anregungen für die Behandlung solcher Sequenzen im Unterricht gegeben.
Zu erwähnen bleibt, dass die Maintitle-Sequece bisher äußerst wenig Beachtung in der Filmanalyse wie auch in der Filmwissenschaft gefunden hat. Das erst kürzlich erschienene Buch „Das Buch zum Vorspann – The Title is a shot“ muss diesbezüglich als erstes Werk genannt werden, welches sich ausschließlich diesem Element des Filmes widmet. Die Deutschdidaktik greift inzwischen zwar bereits des Öfteren den Spielfilm als Unterrichtsinhalt auf, die spezielle Maintitle-Sequence wird dort jedoch nie zum Unterrichtsgegenstand erhoben. Daher kann diese Arbeit sich stets nur begrenzt auf wissenschaftlich fundierte und anerkannte Literatur stützen und ist somit immer auch als avantgardistischer Versuch zu bewerten, welcher auf didaktischer Ebene absolutes Neuland betritt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Klärung des Terminus „Maintitle-Sequence“
2.1 Definition des Begriffes „Maintitle-Sequence“
2.2 Geschichtlicher Hintergrund der Maintitle-Sequences
2.3 Versuch einer Typologisierung existierender Maintilte-Sequences
3. Die Maintitle-Sequence als didaktische Möglichkeit für den schulischen Deutschunterricht
3.1 Gründe und Ziele einer Spielfilmdidaktik im Deutschunterricht
3.2 Der Spielfilm in der momentanen Lehr- und Rahmenplansituation
3.3 Warum und auf welche Weise eignet sich die Maintitle-Sequence besonders gut für den Schuleinsatz? – mögliche Unterrichtsinhalte und didaktische Anregungen
3.4 Für welche Altersstufe eignet sich die Maintitle-Sequence als schulischer Unterrichtsinhalt?
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial der "Maintitle-Sequence" (Vorspann) als spezifisches Element einer zeitgemäßen Spielfilmdidaktik im Deutschunterricht. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie dieses oft unterschätzte, aber didaktisch wertvolle Kurzformat genutzt werden kann, um filmanalytische Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern zu fördern und den Spielfilm als eigenständiges Kulturgut im Unterricht zu etablieren.
- Historische Entwicklung und Definition des Begriffs Maintitle-Sequence
- Typologisierung verschiedener Vorspannformen
- Analyse des Spielfilms in aktuellen Lehr- und Rahmenplänen
- Didaktische Konzepte zur Einbindung von Filmanalysen
- Handlungsorientierte Möglichkeiten der Eigenproduktion im Unterricht
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition des Begriffes „Maintitle-Sequence“
Der Begriff „Maintitle-Sequence“ ist aus dem Englischen übernommen. Es gibt jedoch verschiedenste, andere Bezeichnungen, welche jedoch immer das gleiche Filmelement beschreiben. „Credit“, „credit lines“, „title sequence“ oder die deutschsprachigen Termini „Vorspann“ und „Titel-Sequenz“ sind letztlich doch alles nur unterschiedliche Bezeichnung für dieselbe Sache. Auch Alexander Böhnke et. al. nennen dies bereits im Vorwort des bereits erwähnten Werkes:
„Vorspann/Abspann, titles, main title, closing titles, title sequence, credit, generique: den verschiedenen Bezeichnungen entsprechen unterschiedliche Hinsichten auf den Gegenstand.“
Der Gegenstand bleibt laut Böhnke et. al. also gleich, lediglich die Akzentuierung des Augenmerks auf bestimmte Aspekte dieses Gegenstandes führt zu verschiedenen Begrifflichkeiten. Im weiteren Verlauf der Arbeit werde ich den von mir schon bislang benutzten Terminus „Maintitle-Sequence“ sowie den Terminus „Vorspann“ verwenden.
Doch was genau ist eine solche Maintitle-Sequence? Die Maintitle-Sequence nennt „die Liste der Produktionsdaten und Namen der Techniker und Mitwirkenden, die als Vorspann den Film begleiten. Die Reihenfolge, selbst die typografische Gestaltung, ist oft vertraglich genau ausgehandelt.“ heißt es etwa bei James Monaco. Zudem nennt er „den Titel und meist auch Regisseur und Hauptdarsteller des Films. Außerdem stimmt er die Zuschauer auf das ein, was kommt... Denn oft greift der Vorspann bereits Thema und Atmosphäre des Films auf.“
Die Maintitle-Sequence kann also als der Abschnitt des Filmes definiert werden, welcher in aller Regel mit dem Einblenden des Namens der Verleihfirma beginnt und mit dem Einblenden des Namens des Regisseurs endet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema Spielfilmdidaktik und zur Relevanz der Untersuchung des spezifischen Elements Maintitle-Sequence.
2. Klärung des Terminus „Maintitle-Sequence“: Definition des Begriffs, Skizzierung der historischen Entwicklung und ein systematischer Typologisierungsversuch verschiedener Vorspann-Formen.
3. Die Maintitle-Sequence als didaktische Möglichkeit für den schulischen Deutschunterricht: Untersuchung der Gründe für eine Spielfilmdidaktik, Analyse der aktuellen Lehrplan-Situation sowie konkrete didaktische Anregungen und Altersstufen-Empfehlungen für den Einsatz von Vorspannen.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Notwendigkeit einer Spielfilmdidaktik und Einordnung des Vorspanns als vorteilhaftes Element im Unterricht.
Schlüsselwörter
Maintitle-Sequence, Vorspann, Spielfilmdidaktik, Filmanalyse, Deutschunterricht, Medienkompetenz, Filmgeschichte, Typologisierung, Filmproduktion, Handlungsorientierung, Lehrplan, Unterrichtsplanung, Filmbildung, Filmästhetik, Schulkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Maintitle-Sequence (den Vorspann) als didaktisches Instrument, um den Spielfilm als Kulturgut und Unterrichtsgegenstand in den Deutschunterricht zu integrieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die Definition und Typologie des Vorspanns, die aktuelle Situation von Filmen in Lehrplänen sowie didaktische Methoden zur Analyse und Produktion von Filmvorspannen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Vorspann als überschaubares, aber komplexes filmisches Element zu identifizieren, das sich besonders für den Einstieg in die Filmanalyse und produktionsorientierte Projekte eignet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse der bestehenden Filmwissenschaft und Didaktik sowie auf eigene Unterrichtssimulationen und den Vergleich mit offiziellen Bremer Lehrplänen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, eine historische Einordnung, eine Auseinandersetzung mit der Lehrplansituation und praktische didaktische Handlungsanweisungen für verschiedene Altersstufen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Maintitle-Sequence, Spielfilmdidaktik, Filmanalyse, Medienkompetenz und handlungsorientierter Unterricht.
Welche Rolle spielt der Lehrplan in dieser Untersuchung?
Der Autor zeigt auf, dass der Spielfilm in den untersuchten Lehrplänen bisher nur eine untergeordnete Rolle als "Mittel zum Zweck" spielt, statt als eigenständiger, literarisch vergleichbarer Gegenstand behandelt zu werden.
Wie kann die Produktion eines Vorspanns im Unterricht realisiert werden?
Der Autor schlägt Projektformen vor, bei denen Schülerinnen und Schüler mit Hilfe von Software wie "Studio Plus" oder sogar einfacheren Mitteln eigene Vorspanne gestalten, um filmische Wirkung und formale Analyse zu verbinden.
- Quote paper
- Ingo Schultz (Author), 2006, Die Maintitle-Sequence als Teilaspekt einer umfassenden Spielfilmdidaktik für den Deutschunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67681