2.3 Zwischenfazit: Brachflächen als Katalysatoren für Stadtentwicklung
Das Thema der Um- bzw. Wiedernutzung dieser Gebiete ist in Zukunft eine der größten planerischen Herausforderungen. Längst geht es nicht mehr darum, für ein gegebenes Programm einen Raum zu entwerfen, sondern gegebene Räume sinnvoll zu programmieren (vgl. Oswalt 2000: 57f). Flächen, die aus dem herkömmlichen Nutzungsstereotyp her-ausgefallen sind, sind nicht grundsätzlich überflüssig. Sie bieten einerseits ausreichend Raum für gegenwärtige Entwicklungen (siehe Abschnitt 2.2.1.), so dass eine weitere Flächeninanspruchnahme in unbebauten Bereichen reduziert werden kann. Andererseits bieten sie die Option, Räume für zukünftige Entwicklungen freizuhalten (vgl. Oswalt 2000: 59). Innerstädtische Brachflächen stellen für eine vorausschauende und nachhaltige Ent-wicklung demzufolge Reserveflächen dar, dürfen aber nicht nur als solche betrachtet werden. Zusätzlich müssen sie als „Katalysatoren zur Neuorientierung der Stadtentwicklung“ (Feldtkeller 2001: 39) gesehen werden. Denn Brachen eröffnen die Chance Innenentwicklung zu betreiben und die segmentierte Stadt, wie sie nun einmal entstanden ist, durch Verbesserung der Angebote in den Quartieren hin zu einer kompakten Stadt zu entwickeln (vgl. ebd.).
Aber nicht alle Flächen lassen sich auf diese Weise entwickeln. Mittel- bis langfristig nicht wiedergenutzte Areale bleiben über, weil sich keine Folgenutzung findet, da die Nachfrager fehlen. Die demografische sowie die wirtschaftliche Entwicklung lassen auch keinen neuen Bedarf erwarten (vgl. DSSW 1998: 2). Für diese Flächen mit niedrigem Verwertungsdruck müssen kreative Ideen gefunden werden. Philipp Oswalt bezeichnet solche Flächen als Leerräume, die Raum für Ideen schaffen: „Es sind die Stätten, wo der Mensch seiner Sehnsucht nach Entdeckung, nach dem Heraustreten aus der alltäglichen Welt nachkommen kann. Die Leere ist ambivalent. Sie ist ein Raum der Erinnerung und zugleich ein Ort des Zukünftigen. Die Leere ist instabil und temporär, ein Zustand des Nicht-mehr und Noch-nicht. Sie ist das Gegenstück zur Dauerhaftigkeit und Abgeschlossenheit des gebauten Raums. In ihrer Unvollständigkeit ist sie offen, ein Möglichkeitsraum ohne Struktur, Form und Richtung. Wo nichts ist, ist alles vorstellbar" (Oswalt 2000: 62). In diesen Leerräumen können sich die Bewohner den Stadtraum durch temporäre Nutzungen aneignen und neue, alternative Lebensentwürfe ausprobieren. Dadurch können Brachflächen...
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Forschungsfragen und Zielsetzung
1.3 Thesen und Aufbau der Arbeit
2 Städtische Brachflächen in der Stadtentwicklung
2.1 Der Zyklus städtischer Brachen
2.1.1 Begriffsklärung Brache
2.1.2 Entstehungsbedingungen für Brachen
2.2 Brachen als Übergänge zu neuen Nutzungen
2.2.1 Chancen für eine nachhaltige Stadtentwicklung
2.2.2 Neunutzungshindernisse
2.3 Zwischenfazit: Brachflächen als Katalysatoren für Stadtentwicklung
3 Zwischennutzung von Brachen - Neue Perspektiven für die schrumpfende Stadt
3.1 Was sind Zwischennutzungen?
3.1.1 Inhaltliche Unterscheidung
3.1.2 Organisatorische Unterscheidung
3.1.3 Zeitliche Einordnung
3.2 Welche Voraussetzungen stellen Zwischennutzungen?
3.2.1 Anforderung an Orte
3.2.2 Beteiligte Akteure
3.3 Was können Zwischennutzungen für die Stadtentwicklung leisten?
3.3.1 Potenziale von Zwischennutzungen
3.3.2 Gefahren von Zwischennutzungen
3.4 Zwischenfazit: Zwischennutzungen – Potenziale für eine nachhaltige Stadtentwicklung
4 Handlungsempfehlungen an die Akteure: Zwischennutzungen gezielt fördern
4.1 Handlungsempfehlungen an die Kommunen
4.2 Handlungsempfehlungen an die Eigentümer
4.3 Handlungsempfehlungen an die Zwischennutzer
4.4 Handlungsempfehlungen an die Planungspolitik
5 Schlussbetrachtung: Zwischennutzungen – Das (bisher) ungenutzte Instrument
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial temporärer Nutzungen als innovatives Instrument der Stadtentwicklung in schrumpfenden Städten. Ziel ist es, den Begriff der Zwischennutzung zu definieren, Potenziale und Gefahren zu analysieren und Handlungsempfehlungen für Akteure in Politik, Verwaltung und Gesellschaft abzuleiten, um brachliegende Flächen produktiv in den städtischen Entwicklungsprozess zu integrieren.
- Analyse der Entstehungsbedingungen und Potenziale städtischer Brachflächen.
- Strukturierung und Definition verschiedener Arten der Zwischennutzung.
- Untersuchung der Akteursrollen und Voraussetzungen für erfolgreiche Zwischennutzungsprojekte.
- Erarbeitung praxisorientierter Handlungsempfehlungen für Kommunen, Eigentümer, Nutzer und die Planungspolitik.
Auszug aus dem Buch
3.1 Was sind Zwischennutzungen?
Wörtlich ist die Zwischennutzung der temporäre Gebrauch eines Raumes. Eingebettet zwischen einer vorherigen und einer nachfolgenden Nutzung findet sie auf brachgefallenen Flächen oder in leerstehenden Gebäuden statt und kann so lange durchgeführt werden, bis eine für das Entwicklungskonzept wichtigere Nutzung auf die Brache strebt. Sie erfolgt informell und durch andere Akteure als die Besitzer der Immobilie. Temporäre Nutzungen entsprechen nicht den Erwartungen der Eigentümer, weil sie nicht vorrangig kommerzielle respektive gewinnbringende Interessen verfolgen und keine bzw. keine relevante Entlohnung für die Nutzung der Brache bieten. Sie basieren nicht auf die herkömmliche Verwendung der Fläche und sind nicht auf die geplante Dauernutzung ausgerichtet, auch wenn zeitliche und thematische Beziehungen zur späteren Dauernutzung gegeben sein können.
Temporäre Nutzer eignen sich die aus dem Zyklus der städtischen Ökonomie herausgefallenen Orte an und recyceln die vorgefundenen Materialien. Statt alles neu zu beschaffen, versuchen sie Bestehendes zu verwerten. Aufgrund des Fehlens finanzieller Mittel bilden sie gemeinsam mit anderen Akteuren soziale Netzwerke aus und werden durch non-monetäre Tauschverhältnisse aktionsfähig. So haben sie die Chance, ohne große Investitionen im Voraus innovative Ideen zu entwickeln und eine Stadtplanung von unten, nach dem sogenannten bottom-up-Ansatz zu verwirklichen. Dabei verfolgen die Akteure nicht langfristige Zielsetzungen der (Master)Planung, sondern reagieren auf den aktuellen Zustand und versuchen gegenwärtige Missstände auszugleichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die postindustriellen Veränderungen in Städten und führt in das Thema der Zwischennutzung als Instrument für die Entwicklung in ökonomisch schwachen Regionen ein.
2 Städtische Brachflächen in der Stadtentwicklung: Dieses Kapitel definiert Brachflächen, erläutert deren Entstehung und diskutiert sie als Chancen für eine nachhaltige Innenentwicklung sowie als Ausgangspunkte für alternative Raumkonzepte.
3 Zwischennutzung von Brachen - Neue Perspektiven für die schrumpfende Stadt: Hier wird der Begriff der Zwischennutzung inhaltlich, organisatorisch und zeitlich eingeordnet, Voraussetzungen analysiert und das Leistungspotenzial für die Stadtentwicklung abgewogen.
4 Handlungsempfehlungen an die Akteure: Zwischennutzungen gezielt fördern: Dieses Kapitel liefert konkrete Strategien für Kommunen, Eigentümer, Zwischennutzer und die Planungspolitik, um temporäre Nutzungen als wirkungsvolles Instrument zu etablieren.
5 Schlussbetrachtung: Zwischennutzungen – Das (bisher) ungenutzte Instrument: Die Schlussbetrachtung fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und verifiziert die aufgestellten Thesen zur Rolle von Zwischennutzungen als Katalysator für stadtökonomische Innovationen.
Schlüsselwörter
Zwischennutzung, Brachflächen, Stadtentwicklung, Schrumpfende Stadt, Flächenkreislaufwirtschaft, Temporäre Nutzung, Stadtplanung, bottom-up-Ansatz, Standortaufwertung, Nachhaltige Siedlungsentwicklung, Raumaneignung, Gentrifizierung, Soziale Netzwerke, Stadtbrachen, Leerstand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Nutzung von städtischen Brachflächen durch temporäre, oft informelle Aktivitäten, um diese ungenutzten Räume in der schrumpfenden Stadt zu revitalisieren.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Die zentralen Felder umfassen Stadtentwicklung, den Umgang mit Brachen, die Definition temporärer Nutzungen, Akteurskooperationen und neue Planungsinstrumente.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Nutzen von Zwischennutzungen für die Stadtentwicklung aufzuzeigen und Strategien zu entwickeln, wie diese gezielt gefördert werden können.
Welche methodischen Ansätze werden verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Einordnung, eine differenzierte Kategorisierung der Nutzungstypen sowie eine praxisnahe Ableitung von Handlungsempfehlungen für die beteiligten Akteure.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Brachen, die Typologie von Zwischennutzungen, die Voraussetzungen für deren Gelingen sowie deren Potenziale und Gefahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument am besten?
Wichtige Begriffe sind Zwischennutzung, Brachflächen, Schrumpfende Stadt, Stadtentwicklung und bottom-up-Ansatz.
Warum sind Eigentümer oft zögerlich bei Zwischennutzungen?
Eigentümer fürchten oft fehlende Rentabilität, Altlastenhaftung, Vandalismus oder langfristige Bindungen, die eine spätere gewinnbringende Nutzung erschweren könnten.
Welche Rolle spielen "Schlüsselagenten"?
Schlüsselagenten fungieren als Vermittler, bringen Erfahrungen ein und unterstützen beim Aufbau von Netzwerken zwischen Zwischennutzern, Eigentümern und der Stadtverwaltung.
- Quote paper
- Dipl.-Ing. Nenad Rosic (Author), 2006, Zwischennutzung von Brachen - Neue Perspektiven für die schrumpfende Stadt. Handlungsempfehlungen an die Akteure: Zwischennutzungen gezielt Fördern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67686