Familie im Spannungsfeld zwischen Gesellschaft und leichter geistiger Behinderung


Diplomarbeit, 2006

47 Seiten, Note: cum laude


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Motivation
1.2 Persönlicher Bezug
1.3 Zielsetzung
1.4 Hinweise auf das Vorgehen

2. Die Theorie Adler’s in Verbindung mit der durch die leichte geistige Behinderung tendenziell isolierten Familie
2.1 Adlers Menschenbild und wichtigste Konzepte

3. Fokus: Organminderwertigkeit, Minderwertigkeitsgefühl, Kompensation und Gemeinschaftsgefühl
3.1 Organminderwertigkeit
3.1.1 ‚Geistige Behinderung’
3.1.2 Mögliche Auswirkungen auf die Familie
3.2 Minderwertigkeitsgefühl
3.2.1 Innerfamiliäre Belastungsfaktoren
3.2.2 Gesellschafliche Belastungsfaktoren
3.2.3 Auswirkungen auf die Familie
3.3. Kompensation
3.3.1 Kompensatorische Ausformungen in der Familie
3.4. Gemeinschaftsgefühl
3.4.1 Gemeinschaftsgefühl in der Familie
3.4.2 Wege zu mehr Gemeinschaftsgefühl in der Gesellschaft

4. Frankl’s Logotherapie als ergänzender theoretischer Ansatz
4.1 Zusammenfassung einiger ausgewählter Konzepte
4.1.1 Wie kann die Sinnfrage weiterhelfen?

5. Persönliche Sichtweise und Schlüsse
5.1 Bezugnahme zur Zielformulierung
5.2 Grenzen der Arbeit
5.3 Reflexion
5.4 Persönliche Schlüsse

1. Einleitung

1.1 Motivation

Der Arbeitstitel ‚Familie im Spannungsfeld zwischen Gesellschaft und leichter geistiger Behinderung’ wurde von mir aus verschiedenen Gründen gewählt.

Der erste ist in meiner Herkunftsfamilie zu finden. Migration (Grosseltern mütterlicherseits) und psychische Krankheit (Grossmutter väterlicherseits) und die damit teilweise etwas isolierte Familiensituation bildeten den psycho-sozialen Hintergrund meines Aufwachsens.

Ein zweiter Grund liegt in meiner heutigen Lebenssituation. Ich bin Mutter einer 18-jährigen, sich altersentsprechend gesund entwickelnden Tochter und eines mittlerweilen 15-jährigen Sohnes mit leichter geistiger Behinderung.

Trotz Belastungen hat sich die Behinderung mehrheitlich positiv auf die persönliche Entwicklung jedes Familienmitgliedes ausgewirkt. Ähnliches sehe und höre ich auch von andern Familien in vergleichbaren Situationen. Aus diesem (dritten) Grund ist es sicher wichtig, sich vertiefter Gedanken zu dieser Thematik zu machen.

1.2 Persönlicher Bezug

Wir leben als Familie mit einem Kind, das eine ‚geistige Behinderung’ hat, in einer Gesellschaft, die auf Schönheit, Cleverness, und Dynamik ausgerichtet ist. Das Bestreben des ‚behinderten’ Kindes, da mithalten zu können ist gross und kann durchaus auch komische Züge annehmen, die dann in der Öffentlichkeit mit Befremden, Irritation, vielleicht auch einer gewissen Angst wahrgenommen werden. Wir als Familie sind da ganz nah dran, identifizieren uns mit unserm Sohn oder Bruder. Wir als Eltern wollen ihn manchmal schützen; die Schwester will sich klar und deutlich von ihm abgrenzen. Wir spüren dieses Spannungsfeld, wenn immer wir mit ihm unterwegs sind. Unser Umgang mit diesen Gegebenheiten hat sich verändert im Laufe der Zeit. Nach anfänglich viel Scham, Frustration, Wut und Trauer ist jetzt, nach 15 Jahren doch eher die Gelassenheit vorherrschend.

1.3 Zielsetzung

In dieser Arbeit soll die Theorie der Individualpsychologie in Verbindung gebracht werden mit der aufgrund der Behinderung eher isolierten und stigmatisierten Familie. Die Konzepte der Organminderwertigkeit, des Minderwertigkeitsgefühls, der Kompensation und des Gemeinschaftsgefühls erachte ich hierfür als sinnvoll. Ergänzend will ich einen Einblick in die Frankl’sche Logotherapie geben, weil bei ihm die Sinnfrage zentral ist. Ich empfinde sie als eine weiterführende, ausgesprochen hilfreiche Betrachtungsweise.

Beim Erarbeiten der Themen soll immer auch die Bereicherung gerade durch die schwierige Lebenssituation zur Sprache kommen. Es sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, Lebenssituationen zu verändern, zu verbessern. Dabei möchte ich die Familien dort abholen, wo sie sind und ihre persönliche Situation weder beschönigen noch dramatisieren.

Ich hoffe, mit dem gewählten Thema Familien anzusprechen, welche die Aufgabe haben, ein Kind mit einer (leichten) geistigen Behinderung zu begleiten und zu fördern. Daneben hoffe ich, dass die vorliegende Arbeit auch für Lehrkräfte, Berater und Therapeutinnen, für medizinsche Fachpersonen in ihrer Arbeit mit Eltern oder Geschwisterkindern von Interesse sein wird.

Eltern werde ich über Elternvereine wie ‚insieme’ oder Beratungsstellen wie ‚Pro Infirmis’ auf meine Arbeit aufmerksam machen. Fachleute hoffe ich zu erreichen, indem ich dem Jahresversand unserer Beratungsstelle BAB einen Flyer beilege.

1.4 Hinweise auf das Vorgehen

Zur Wahl des Themas –

Mit der Mitgründung der Beratungsstelle ‚BAB - Beratung für Angehörige von Menschen mit (geistiger) Behinderung’ und zusätzlich mit der Leitung eines Elterntreffs habe ich die berufliche Herausforderung zur persönlichen Situation geschaffen. Es werden persönliche Erfahrungen, Fachwissen, Erfahrungen aus der Einzelberatung wie auch aus der Eltern- und Familienarbeit in diese Arbeit einfliessen.

Bemerkungen zur Gliederung –

In der vorliegenden Arbeit greife ich Konzepte von Adler und Frankl heraus, die mir im Zusammenhang mit dem Thema sinnvoll erscheinen. Nach einer theoretischen Einführung in das jeweilige Konzept stelle ich die Verbindung mit der besonderen Situation der Angehörigen her. Ich beleuchte einerseits innerfamiliäre, auf der andern Seite in den Kapiteln ‚Minderwertigkeitsgefühl’ und ‚Gemeinschaftsgefühl’ auch gesellschaftliche Aspekte. Aus Frankl’s Theorie fasse ich einige ausgewählte Konzepte zusammen, zu welchen ich anschliessend gesamthaft den Bezug zur Familie herstelle.

Zur Verwendung des Kompensations-Begriffes –

Adler hat speziell bei der Kompensation eine für mich verwirrende Fülle von Begriffen verwendet. Ich bin im Verlauf meiner Arbeit auf die Definition von R. Kausen gestossen, die für mich klar und auch umfassend ist. Er schlägt (1967) vor, Überkompensation für die sozial wertvolle kompensatorische Hochleistung vorzubehalten. Den Begriff Fehlkompensation verwendet er, wenn die Kompensations-Tendenz die seelische Störung manifest macht. In dieser Arbeit übernehme ich die klaren Bezeichnungen von Kausen und verwende Adler’s geglückte Kompensation für Kompensationsmöglichkeiten zwischen der Über- und der Fehlkompensation.

2. Die Theorie Adler’s in Verbindung mit der durch die ‚leichte geistige Behinderung’ tendenziell isolierten Familie

2.1 Adlers Menschenbild und wichtigste Konzepte

Nach Adler ist der Mensch ein In-dividuum, ein unteilbares Ganzes. Sein Denken, Fühlen und Handeln wird von meist unbewussten Zielen bestimmt. Er strebt nach Vervollkommnung, trifft eigene Entscheidungen und verfügt über einen individuellen Lebensstil. Zudem ist er ein soziales Wesen, das nur in der Gemeinschaft überleben bzw. sich entwickeln kann. Ihm angeboren ist die Anlage zum Gemeinschaftsgefühl, welches sich im Laufe des Lebens entwickeln und ständig erweitern sollte. Dies als Voraussetzung zu einer befriedigenden Bewältigung der drei Lebensaufgaben ‚Liebe’ ‚Arbeit’ und ‚Gemeinschaft’. Adler sieht den Menschen begabt mit schöpferischer Kraft, welche den eigentlichen Kern seiner Persönlichkeit darstellt.

Schöpferische Kraft und Lebensstil

Wir bezeichnen die Individualpsychologie auch als Gebrauchspsychologie: Wie braucht der Mensch das, was er vorfindet an genetischem Erbe, an familiären, sozialen, kulturellen Einflüssen? Aus dem Zusammenwirken der äusseren Einflüsse, deren subjektiven Einschätzung und der unendlichen Erfindungsgabe der schöpferischen Kraft bildet das Kind innerhalb der ersten sieben Lebensjahre seinen Lebensstil und damit eng verbunden auch sein persönliches Wahrnehmungsschema. Gemäss diesem sucht sich der Mensch seinen Weg zur Gemeinschaft, nach Zugehörigkeit und Anerkennung.

Finalität

In der Individualpsychologie liegen die menschlichen Urbedürfnisse nach Zugehörigkeit und Vervollkommnung dem Konzept der Finalität zugrunde. Strebt doch der Mensch immer in erster Linie (wenn auch oft sehr verdeckt oder auf Irrwegen) nach Anerkennung und Geborgenheit. Gleichermassen beinhaltet die Finalität die Entelechie; das Streben, der Mensch zu werden, als den man gedacht ist - analog zum Pflanzensamen, in welchem die ganze Pflanze schon angelegt ist. Adler nennt dies Vollkommenheitsstreben. Spätere Autoren sprechen vom Streben nach Vervollkommnung.

Minderwertigkeitsgefühl / Kompensation / Gemeinschaftsgefühl

Im Streben nach Vervollkommnung ist auch dasjenige nach ‚Überlegenheit’ enthalten. ‚Überlegenheit’ als steter Versuch, Unzulänglichkeiten – seien dies persönliche, kulturelle, technische oder soziale – zu überwinden; ein nicht zu unterschätzender Antrieb für persönliche und gesellschaftliche Entwicklungen.

„.. Überlegenheit (soll nicht) ohne die anderen, nicht auf Kosten der anderen, nicht gegen die anderen und vor allem nicht über die anderen gesucht werden, sondern gemeinsam mit ihnen über die Misslichkeiten, Schwierigkeiten, Beschwerden, Unbilden, Gefahren des Lebens und der Welt.“ (Adler 1973, Vorwort W. Metzger, S. 12)

Der gesunde Mensch will also eigentlich, gemäss Adler an, in und mit der Gemeinschaft seine Talente entwickeln und einsetzen können für die Gemeinschaft. Es sind zwei elementare Kräfte wirksam: auf der einen Seite das Streben nach Autonomie, nach dem Selbst; auf der andern das nach der Gemeinschaft. Auf der Suche nach seinem einmaligen, Wert-vollen Platz in der Gemeinschaft vergleicht sich das Individuum dauernd mit andern; es wertet, entwirft seine ganz persönliche Werteskala. Daraus können Minderwertigkeitsgefühle (oder aber auch ich- statt sachbezogene Überlegenheitsgefühle) entstehen.

Adler sieht im Willen zur Überwindung der Minderwertigkeitsgefühle unsern eigentlicher Lebensantrieb. Der individuelle Grad an Aktivität zur Überwindung von Schwächen; Mut und Kooperation sind dabei zentral und geben zusammen mit dem Grad an Gemeinschaftsgefühl einen Massstab für psychische Gesundheit.

3. Fokus: Organminderwertigkeit, Minderwertigkeitsgefühl, Kompensation und Gemeinschaftsgefühl

Die Kombination der nachfolgenden Konzepte kann hilfreich sein für das (Selbst-)Verständnis der durch (geistige) Behinderung möglicherweise isolierten und stigmatisierten Familie. Sie werden hier einzeln betrachtet, sind aber immer in gegenseitigem Zusammenhang wie auch in Verbindung mit den eben kurz dargestellten übrigen Ideen der ‚Finalität’, den verschiedenen Strebungen, der ‚schöpferischen Kraft’, den Lebensaufgaben und des Lebensstils mit seinen Mustern und Fiktionen zu denken.

3.1. Organminderwertigkeit

Ursprünglich hat sich Adler als Arzt um 1907 in seiner „Studie über Minderwertigkeit von Organen“ ganz auf der körperlichen Ebene der Organminderwertigkeit und deren Kompensation zugewandt. Dabei geht er auf der einen Seite von einer mangelhaften Ausbildung bzw. Missbildung einzelner Organe oder ganzer Organsysteme aus. Auf der andern Seite spricht er von der „funktionellen Minderwertigkeit“, was bedeutet dass die Funktion eines Organs nicht der Norm entspricht oder den äusseren Anforderungen nicht genügt. Die minderwertigen Organe ermüden oder erlahmen nicht einfach, sondern fordern ausgleichende Unterstützung. Dieser Ausgleich – oder Kompensation – kann auf verschiedene Weise erfolgen: das zweite Organ (z.B. Niere) kann einspringen; bei einem blinden Menschen sind oft Tastsinn und Gehör besonders gut entwickelt. Es kann aber auch vorkommen, dass durch besonderes Training erstaunliche, überdurchschnittliche Leistungen des geschwächten, zu wenig entwickelten Organs erreicht werden. Im letzteren Fall spricht Adler von Überkompensation.

Dazu ein Beispiel:

Ein junger Erwachsener, auf einem Auge beinahe blind und mit leichter geistiger Behinderung, kommt im Anschluss an die Schule ins Blindenheim. Für ihn ist dies eine Zumutung; er empfindet sich weder als ‚geistig behindert’ noch als ‚blind’. Er tritt aus dem Blindenheim aus, sucht sich eine Wohnung, wo er selbständig leben kann, bestreitet auch seinen Lebensunterhalt selber – und beginnt in seiner Freizeit zu fotografieren. Durch seine lebenslange (autistisch geprägte) Begeisterung für alles, was mit Zügen und vor allem Bergbahnen zu tun hat, entwickelt er sich zu einem Spezialisten für spektakuläre Aufnahmen von Bergbahnen. Er kennt keine Angst, klettert auf höchste Masten für eine ungewöhnliche Aufnahme.

Bei einer ‚geistigen Behinderung’ ist das Gehirn das ‚minderwertige’ oder nur beschränkt funktionstüchtige Organ. In einer Dissertation von Ivonne Schmid aus dem Jahr 2003 findet sich Wissenswertes über die Schwierigkeiten einer Definition von ‚geistiger Behinderung’.

3.1.1 ‚Geistige Behinderung’

In den 50 er Jahren des letzten Jahrhunderts sind noch Bezeichnungen wie ‚Schwachsinn’, ‚Blödsinn’, ‚Idiotie’ üblich. 1958 wird von der Elternvereinigung Lebenshilfe in Anlehnung an den amerikanischen Ausdruck ‚mental handicap’ die Bezeichnung ‚geistige Behinderung’ gewählt. Im Sinne eines solidarischeren Menschenbildes wird im Laufe der Zeit der Mensch in den Vordergrund, die Behinderung in den Hintergrund gerückt. Man beginnt von ‚Menschen mit einer geistigen Behinderung’ zu sprechen.

Die Bezeichnung ‚geistige Behinderung’ ist in zweierlei Hinsicht unbefriedigend. ‚Geistig’ legt den Schluss auf eine rein intellektuelle Schädigung nah und lässt die vielfältige Beeinträchtigung der ganzen Persönlichkeit kaum erkennen. Der Ausdruck ‚Behinderung’ kann ebenfalls als schwammig empfunden werden, denn er ist nur im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Normen und Werten denkbar. Deshalb setzen sich einige Fachleute dafür ein, ganz auf ein Label zu verzichten. Dieses ‚Nicht Nennen’ führt zu weiteren Verständigungsproblemen und ist ausserdem in den Augen von Schmid ein gesellschaftliches Armutszeugnis. (Vgl. Schmid 2003, S.17 ff)

Sie schlägt vor

„Die Diskussion (über einen treffenderen Begriff) auf internationaler Ebene und unter Einbezug der Subjektperspektive zu führen.“ (Schmidt 2003, S. 18)

Das grösste Problem bei der Definition der geistigen Behinderung besteht tatsächlich darin, dass sich die Betroffenen selbst nicht umfassend darstellen können.

(Vgl. Schmid 2003, S. 17 ff).

Diese Definitionsunsicherheit gibt paradoxerweise den genauesten Aufschluss über die Situation von Menschen mit geistiger Behinderung, deren Angehörigen und den gesellschaftlichen Umgang mit der Problematik. Es macht Sinn, zu diesem Suchen zu stehen und sich gleichzeitig zugunsten der Verständigung auf ein ‚Label’ (!) einigen. ‚Geistige Behinderung’ ist ein unbefriedigender Begriff, doch wesentlich besser als gar keine Bezeichnung.

Im Zusammenhang mit dem Titel ‚Familie im Spannungsfeld zwischen Gesellschaft und Behinderung’ scheint die Definition der ‚Amerikanischen Vereinigung für Menschen mit geistiger Behinderung’ von 1992 sinnvoll:

„Geistige Behinderung ist ein spezieller Zustand der Funktionsfähigkeit, der in der Kindheit beginnt und durch eine Begrenzung der Intelligenzfunktionen und der Fähigkeit zur Anpassung an die Umgebung gekennzeichnet ist. Geistige Behinderung spiegelt deshalb das „Passungsverhältnis“ zwischen den Möglichkeiten des Individuums und der Struktur und den Erwartungen seiner Umgebung wider.“ (Lindmeier 1993, S.1)

Leichte ‚geistige Behinderung’ ist insofern speziell, dass sie oft kaum und vor allem nicht auf den ersten Blick erkennbar ist und daher am meisten irritiert. Es entsteht hier eine ganz besondere Schnittstelle zwischen Behinderung und gesellschaftlichen Normen, die mit viel Verunsicherung bei allen Beteiligten verbunden ist. Menschen mit leichter geistiger Behinderung können über ein relativ grosses Mass an Selbständigkeit verfügen, wenn gute Rahmenbedingungen vorhanden sind. Da sie sich praktisch wie alle andern in der Gesellschaft bewegen, in kritischen Situationen aber hin und wieder sehr hilflos sein können, erleben sie oft frustrierende Situationen. Sie realisieren sehr wohl, dass sie anders sind, dass ihnen weniger gelingt als andern, dass sie ungeschickter sind. Darum sind sie auf gute soziale Begleitung im Hintergrund angewiesen. Konstante, verlässliche und empathische Bezugspersonen, mehr oder weniger gleichbleibende Tages- und Wochenabläufe und Ermutigung bei Misserfolgserlebnissen bilden die Basis für eine grösstmögliche Selbständigkeit.

Ursachen für die ‚Begrenzungen’sind zu finden in minimalen genetischen Defekten, Krankheit der Mutter während der Schwangerschaft, Medikamenten- oder Suchtmittelmissbrauch der Eltern. Fühgeburt, Geburtstraumata, Hirnhautentzündung, Tumore oder Impfschäden können ebenso Auslöser für Hirnschädigungen sein. Daraus resultiert eine spezielle hirnorganische Situation, die sich unter anderem äussern kann in:

- verminderter Intelligenz
- Wahrnehmungsstörungen
- verzögerter Entwicklung
- Motorischen Störungen
- Anfallstendenzen (Epilepsie)
- Fixierungen; unflexiblem, repetitivem Verhalten
- Eingeschränkten, starren Kommunikationsmustern
- nicht adäquatem emotionalen Verhalten
- Verstärkter oder gehemmter Freude, Herzlichkeit, aber auch Aggression
- Erschwertem Umgang mit Nähe und Distanz

[...]

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Familie im Spannungsfeld zwischen Gesellschaft und leichter geistiger Behinderung
Hochschule
Alfred Adler Institut Zürich
Veranstaltung
Abschluss Alfred Adler Institut, Zürich
Note
cum laude
Autor
Jahr
2006
Seiten
47
Katalognummer
V67698
ISBN (eBook)
9783638587426
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Bewusstsein für die Problematik einer leichten Behinderung von Kindern kann für eine Familie immer mehr zur Belastung werden, wenn der Sinn dieser Herausforderung nicht erkannt wird. Die Arbeit setzt sich mit der Sinnfindung in der Beratung von Familien mit Kindern leichter Geistiger Behinderung auseinander und zeigt Wege, wie durch solche Kinder innerfamiliäre und gesellschaftliche Entwicklungen in Gang kommen können, wenn man sich den Herausforderungen bewusst stellt.
Schlagworte
Familie, Spannungsfeld, Gesellschaft, Behinderung, Abschluss, Alfred, Adler, Institut, Zürich
Arbeit zitieren
Margrit Frey - Rissi (Autor), 2006, Familie im Spannungsfeld zwischen Gesellschaft und leichter geistiger Behinderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67698

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