John Woo - Revolutionär des Action-Kinos


Hausarbeit, 2000

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

1. Einleitung

Für das Action-Kino der 80er Jahre war die physische Präsenz der Hauptdarsteller charakteristisch. Schauspieler wie Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone oder Dolph Lundgren feierten ihre größten Erfolge (vgl. Bassett S. 93ff.). Das Publikum wurde mit stählernen Körpern und möglichst vielen Explosionen und Toten konfrontiert. Auf schauspielerisches Können, sinnvolle Dramaturgie und ausgefeilte Storys wurde, abgesehen von wenigen Ausnahmen wie zum Beispiel Terminator (USA 1984, Regie: James Cameron), weniger Wert gelegt. Gegen Ende der 80er und zu Beginn der 90er Jahre erlebte das Actionkino dank Filmen wie Die Hard (Stirb Langsam - USA 1987, Regie: John McTiernan) und Speed (USA 1994, Regie: Jan de Bont), die sich durch perfekt inszenierte Spannung, guten Plot (siehe Referat Action-Kammerspiel und Bordwell 1995) und weniger physisch präsente Protagonisten ihren Platz in der Filmgeschichte sichern konnten, eine Revolution. Die Action kommt natürlich in den 90er Jahren nicht zu kurz und ist dank fortgeschrittener Effekte und steigender Budgets noch spektakulärer in Szene gesetzt, als in den 80er Jahren. Allerdings lässt sich feststellen, dass die Actionszenen in den 90er Jahren mehr der Dramaturgie des Films angepasst sind und nicht ohne Ende sinnlos geschossen und getötet wird. Dies trifft höchstens noch auf B-Film-Produktionen, wie sie zum Beispiel von den Produzenten Joseph Mehri und Richard Pepin produziert werden, zu.

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf den aus Hongkong stammenden Regisseur John Woo, der mit seinem eigenwilligen Stil und perfekt choreographierten Actionszenen das Actionkino der 90er Jahre revolutionierte. Woo hat zu Beginn seiner Karriere zahlreiche Filme in den verschiedensten Genres gedreht. Um die inhaltlichen Motive und Stilelemente, die zum Merkmal von Woos Arbeiten wurden, zu verdeutlichen, ist es sinnvoll sich auf die Filme zu beziehen, die nach A Better Tomorrow (Hongkong 1986) entstanden und am charakteristischsten für sein Werk sind. Dabei steht vor allem sein Meisterwerk The Killer (Blast Killer – Hongkong 1989), mit dem er international bekannt wurde, und die Hollywood-Produktion Face Off (Im Körper des Feindes – USA 1997) im Mittelpunkt. Die Ausführungen sind so strukturiert, dass zunächst der Werdegang von John Woo verdeutlichen soll, warum bestimmte Motive in seinen Filmen enthalten sind und woher seine Einflüsse kommen. Bevor diese Einflüsse näher thematisiert werden und auf inhaltliche Motive und Stil eingegangen werden, soll ein kleiner Exkurs bezüglich der unterschiedlichen Produktionsbedingungen in Hongkong und Hollywood dazu beitragen, die Fragestellung beantworten zu können, ob durch Woos Emigration nach Hollywood eine Veränderung in seinen Filmen erkennbar ist und er seinen Autorenstatus, den er in Hongkong besaß, verloren hat oder weiterhin besitzt bzw. besitzen wird. Um dies noch deutlicher zu machen, wäre es sinnvoll, eine umfangreiche Analyse seiner Filme durchzuführen, was allerdings den Umfang dieser Ausarbeitung sprengen würde.

2. John Woo – Von Hongkong nach Hollywood

John Woo, mit bürgerlichem Namen Wu Su-Yum, wurde am 22.9.1948 in der chinesischen Provinzstadt Guanghou geboren. Die Familie emigrierte 1950 nach Hongkong, wo Woo unter schwierigen Bedingungen in einem Armenviertel aufwuchs. Bereits früh wurde er durch sein soziales Umfeld mit Gewalt und Kriminalität konfrontiert. Sein Vater erkrankte an Tuberkulose, und die Mutter war gezwungen, in einer Baufirma Steine zu schleifen. Seine Schulausbildung wurde von der lutherischen Kirche finanziert, und eine amerikanische Familie sponserte die Ausbildung. Immer wieder suchte Woo Ruhe und Frieden in der Kirche. In seiner Freizeit ging er zusammen mit seinem jüngeren Bruder so oft wie nur möglich ins Kino und schaute sich heimische, europäische und amerikanische Produktionen an. Aus Dankbarkeit für die finanzielle Unterstützung beschloss Woo zunächst, Pfarrer zu werden. Nachdem er nicht im Priesterseminar aufgenommen wurde, widmete er sich seiner zweiten Leidenschaft: dem Kino und dem Theater. Mitte der 60er Jahre wurde er Mitglied bei der Theatergruppe „Chinese Student Weekly Magazine“. Mit dem späteren Filmkritiker Sek Kei und anderen Kinointeressierten realisierte er seine ersten Kurzfilme im 8 und 16mm Format. Etwa zur gleichen Zeit arbeitete Woo für einen Hungerlohn als Aushilfe und Regieassistent beim Cathay Studio. 1971 wechselte er zum bekannten Shaw Studio und wurde Regieassistent von Eastern-Regisseur Chang Cheh. Ein Jahr später gab Woo mit dem Eastern The Young Dragons (Hongkong 1975) sein Debüt. Der Film kam allerdings wegen Problemen mit den örtlichen Zensurbehörden erst 1975 in die Hongkonger Kinos. Der bekannte Produzent Raymond Chow wurde auf Woo aufmerksam und nahm ihn unter Vertrag. Damit wurde Woo mit 26 Jahren zum jüngsten Regisseur der Kronkolonie. Für Chows Studio Golden Harvest drehte er in den 70er Jahren erfolgreiche Eastern wie Hand of Death (Dragon Forever – Hongkong 1976), in dem der damals noch unbekannte Jackie Chan debütierte, und Last Hurrah for Chilvary (Hongkong 1979). Woo versuchte sich in den verschiedensten Genres und drehte mit Princess Chang Ping (Hongkong 1976) einen historischen Kostümfilm, der von der Kritik positiv beurteilt wurde, von Woo selber allerdings als misslungen bezeichnet wird. Anfang der 80er Jahre drehte Woo mit Komödien wie From Riches to Rags (Hongkong 1980) und Laughing Times (Hongkong 1980) äußerst erfolgreiche Filme. Trotz des großen beruflichen Erfolges war er mit sich und seinen Filmen nicht zufrieden. Er wollte endlich die Filme machen, die er als Junge mit seinem Bruder im Kino gesehen hatte: Filme von epischer Breite wie Lawrence of Arabia (Lawrence von Arabien – GB 1962, Regie: David Lean) oder Wild Bunch (USA 1969, Regie: Sam Peckinpah). Kein Produzent war jedoch bereit, ihm ein solches Projekt anzuvertrauen, da zu dieser Zeit in Hongkong Komödien angesagt waren. In der Hoffnung bei einem anderen Studio seine Traumprojekte durchzuführen zu können, wechselte er nach Ablauf seines Vertrages mit Golden Harvest zu Cinema City. Doch auch hier sollte er weiterhin Komödien inszenieren. Um zumindest keine „Klamaukfilme“ mehr zu drehen, versuchte sich Woo mit Tragikomödien wie The Time You Need a Friend (Hongkong 1984), die allerdings an den Kinokassen weniger erfolgreich waren. 1984 traf Woo auf den Produzenten Tsui Hark (gesprochen: Choi Hok), der mit Film Workshop seine eigene Produktionsfirma gegründet hatte. Tsui Hark bot Woo die Regie für ein Remake des Gangsterfilms Story of a Discharged Prisoner (Hongkong 1967, Regie: Long Gang) an. Woo war von der Idee begeistert und begann mit der Ausarbeitung eines Drehbuchs. Er veränderte die ursprüngliche Story und gab ihr mehr Dramatik. Im Winter 1985/86 begannen die 60tägigen Dreharbeiten zu A Better Tomorrow, der in Hongkong und Asien alle Kassenrekorde brach. Bei Produktionskosten von 5 Millionen HK-Dollar spielte der Film 34 Millionen ein und zählt damit zu den erfolgreichsten Hongkong-Filmen aller Zeiten. Gleichzeitig begründete der Film eine Wende im Hongkong Kino. Die bis dahin so populären Komödien wurden durch Gangsterfilme abgelöst. Mit A Better Tomorrow wurde gleichzeitig ein neues Subgenre des Gangsterfilms geschaffen: Heroic-Bloodshed (heldenhaftes Blutvergießen). Dieses Subgenre zeichnet sich dadurch aus, dass „ein hermetisches Universum aus Freundschaft, Schuld und Sühne, das mit rasant inszenierten Schauwerten und melodramatischen Rührszenen, die gesamte Gefühlspalette des Zuschauers zu beanspruchen trachtet“, geschaffen wird (vgl. Stiglegger 1999).

Die Folge war eine Welle von Gangster- und Kriminalfilmen, die Hongkong bis heute überschwemmt. Mit dem Erfolg des Films verschaffte John Woo dem Hauptdarsteller Ti Lung, einer Ikone aus den Eastern der 70er Jahre, ein Comeback. Doch ein Darsteller fand beim Publikum besondere Anerkennung: Der aus der Fernsehserie The Bunt (Hongkong 1983, Regie: Chun Keung Chiu) bekannte Schauspieler Chow Yun Fat wurde mit A Better Tomorrow zum Superstar Asiens. Plötzlich wollten viele Einwohner Hongkongs so sein wie der von Chow in A Better Tomorrow verkörperte Charakter Mark. Seine coole Performance im Film sorgte dafür, dass Sonnenbrillen und lange Mäntel in Hongkong zum Verkaufsschlager wurden. Außerdem wurde Chow Yun Fat mit A Better Tomorrow zum bevorzugten Schauspieler von Woo. Er drehte mit ihm in den Folgejahren seine erfolgreichsten und bekanntesten Filme. 1987 wurde Woo von seinem alten Freund, dem Komiker Dean Shek, zu einer Fortsetzung von A Better Tomorrow überredet. Woo, der es eigentlich verabscheut Fortsetzungen zu inszenieren, erfüllte seinem Freund den Gefallen und drehte eine Fortsetzung, die ebenfalls ein beachtlicher Erfolg wurde, mit der Woo selber allerdings nicht zufrieden ist. Knapp zwei Jahre später setzte Woo seinem Erfolg die Krone auf. Er drehte mit Chow Yun Fat, Danny Lee und der Sängerin Sally Yeh den Film The Killer. Der Film erzählt die Geschichte vom edlen Gesetzesbrecher, vom romantischen Berufsmörder, der sein schmutziges Gewerbe mit reiner Seele betreibt. Der um seinen Lohn betrogene Killer rächt sich an seinem Auftraggeber; jedoch nicht aus Geldgier, sondern weil der Ehrenkodex es verlangt, da er bei der Ausführung seines Auftrages die unschuldige Sängerin Jenny (Sally Yeh) mit dem Mündungsfeuer seiner Waffe geblendet hat. Er füllt sich ihr gegenüber schuldig und will mit seinem ausbleibenden Lohn die Augenoperation bezahlen.

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Details

Titel
John Woo - Revolutionär des Action-Kinos
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Seminar für Filmwissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
18
Katalognummer
V677
ISBN (eBook)
9783638104449
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
John, Revolutionär, Action-Kinos
Arbeit zitieren
Andrej Balzer (Autor), 2000, John Woo - Revolutionär des Action-Kinos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/677

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