Bomben im Paradies. Bali und der Anschlag


Diplomarbeit, 2005
108 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung:

Eine Botschaft an die Welt
Bali
Der Welt größte Industrie
Die vorliegende Arbeit

Erstes Kapitel: Die Entstehung des Paradieses
Die Konstruktion des Bali –Images
Bali, das Touristenparadies – Imagekonstruktion in der Tourismusbranche
Geschichte einer kulturellen Begegnung und die Interaktion globaler und lokaler Netzwerke
Balis historische Entwicklung zum „Paradies“
Erste Begegnungen
Die Geburt eines Mythos.
Bali, „kulturelle Spitze“ der Nation
„Mutter Bali“
„Schaufenster“ der Republik
„Provinz des Friedens“

Zweites Kapitel: Was es bedeutet, ein Touristenparadies zu sein
Sozio-kulturelle, sozio-ökonomische und ökologische Auswirkungen des Tourismus auf Bali
Das Dilemma des Kulturtourismus und die „Touristifizierung“ der balinesischen Kultur
Globalisierung und Modernisierung
Abhängigkeiten, Rückkopplungseffekte und die Verteilung der Profite
Disparität, Migration und deren soziale Folgen
Wassermangel, Müll und Erosion
Bali - Die perfekte Lösung?

Drittes Kapitel: Die Zerstörung des Paradieses?.
Der Anschlag – Folge globaler Einbindung der Insel?
Fakten, Täter und Motive.
Die Hintergründe: Globalisierung und Radikalisierung
„Kampf der Kulturen“ oder „blockierte Kommunikation“?.
„ Weak Link in the Anti-Terror Chain” – Islamischer Radikalismus in Indonesien
Balis Image nach dem Anschlag
Balinesische Reaktionen auf den Anschlag
Erste Reaktionen – zwischen Fassungslosigkeit und Mitgefühl
Die ökonomische Krise
Der Sicherheitsaspekt
Die Beziehung der Balinesen zu muslimischen Mitbürgern
und zum indonesischen Staat
Die Beziehung der Balinesen zum „Westen“

Selbstdarstellung der Balinesen als Opfer ?

Internationale Reaktionen auf den Anschlag

Erste Reaktionen - zwischen Panik, „Coolness“ und Alptraum

Bali-Werbung danach

Die Rückkehr der Touristen

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang: Bali-Karte106

Anlage: CD der Internet-Literatur

Einleitung

Eine Botschaft an die Welt

Am 12. Oktober 2002 ereigneten sich „die schlimmsten Bombenanschläge in der Geschichte Indonesiens“ (Niesen, 2002): Kurz nach 23 Uhr explodierten drei Bomben auf Bali, bei denen über 200 Menschen ums Leben kamen und über 300 Menschen verletzt wurden. Zu den Opfern zählten vor allem Touristen. Zwei der Bomben explodierten vor bzw. in Diskotheken in Kuta, Balis „Touristenmeile“, die dritte Bombe etwa 100 Meter entfernt vom US-Konsulat in Denpasar.

Der Anschlag ereignete sich genau ein Jahr, einen Monat und einen Tag nach dem Anschlag des elften September 2001 auf das „World Trade Center“ in New York und am Jahrestag des Anschlags auf die „USS Cole“ im Jahr 2000[11]. Somit lassen sich die Bomben auf Bali in eine Chronologie internationaler Terroranschläge einfügen, die allgemein als Angriffe gegen die „westliche Welt“ verstanden werden. Als Täter des Bali-Anschlags wurden Mitglieder der indonesischen islamisch-militanten „Jemaah Islamiyah“ („Islamische Gemeinschaft“) verhaftet und verurteilt. Die Organisation gilt als Arm der „Al-Qaeda“[12] in Südostasien.

Die globale Dimension des Bali-Anschlags ist damit ausreichend geklärt: Die Bomben sind Teil eines Konflikts, der sich leicht in aktuelle Debatten über internationalen Terrorismus, einen „Kampf der Kulturen“ oder Ost-West-Dichotomien, „Kulturalismus“, „kulturellen Imperialismus“ oder „kulturelle Hegemonie“ als Folge der Globalisierung westlicher Lebensstile und des Kapitalismus eingliedern lässt. Der Anschlag auf das „World Trade Center“ hatte bereits die ganze Welt, vor allem aber die Bevölkerung der Vereinigten Staaten in einen Schock versetzt und existierende Weltbilder ins Schwanken gebracht. Der Anschlag auf Bali fiel daher in eine Zeit allgemeiner, internationaler Terrorangst und Verunsicherung bezüglich der bestehenden globalen Systeme und Machtverhältnisse, die in Form von Diskussionen und Medienberichten, politischen Veranstaltungen, Maßnahmen und Gesetzgebungen spür- und sichtbar werden. Auch eine in den internationalen Medien, als Reaktion auf den Anschlag, häufig gestellte Frage drückte die allgemeine Angst und Verunsicherung aus: „Und was wird am dreizehnten November 2003 geschehen?“

Mit Hilfe der Massenmedien hat der Terrorismus damit erneut sein Ziel erreicht, durch Gewalt eine Botschaft an die Welt zu senden und internationale Aufmerksamkeit für sich selbst und für die eigene Sache zu gewinnen. Denn Terror, die Anwendung von Gewalt zur Erreichung politischer Ziele, ist all zu oft die Folge eines Gefühls der Benachteiligung einzelner Gruppen das in bestehenden Ungerechtigkeiten und Missverhältnissen wurzelt. Als ideologische Motivation des Bali-Anschlags gilt die Religion, genauer gesagt der Islam. Den Hintergrund aber bilden globale Ungleichgewichte, die letztendlich vermutlich weniger mit kulturellen, geschweige denn religiösen Unterschieden, als mit politischen und ökonomischen Machtverhältnissen zu tun haben.

Bali

Wenn auch von internationaler Bedeutung und eingebettet in wichtige globale Prozesse, so hatte der Anschlag in erster Linie Folgen für Bali und seine Bewohner selbst. Die Insel, als Teil der Gruppe der Kleinen Sunda-Inseln, liegt im östlichen Indonesien zwischen den Inseln Java und Lombok. Mit etwa 5.561 Quadratkilometern macht sie, als eine der mehr als 13.000 Inseln Gesamtindonesiens, nur etwa 0,29 Prozent der Staatsfläche aus. Die für die Insel große Zahl von knapp drei Millionen Einwohnern entspricht nur etwa zwei Prozent der indonesischen Bevölkerung.[13] Der Süden Balis ist am dichtesten bevölkert. Er ist das traditionelle kulturelle Zentrum der Insel, mit der Hauptstadt Denpasar, in deren Umfeld sich auch der internationale Flughafen und das Haupttouristengebiet bestehend aus Kuta, Legian, Seminyak, Tuban und Sanur befinden. Eine Gebirgskette in Zentralbali trennt die Insel vulkanischen Ursprungs in einen schmalen Küstenstreifen im Norden und eine besonders fruchtbare Region im Süden.

Die Bewohner sprechen Balinesisch und Indonesisch. Über 90 Prozent der Bevölkerung sind Hindus, der Rest verteilt sich auf Muslime (5,36 Prozent), Christen (0,8 Prozent) und Buddhisten (0,56 Prozent). Der balinesische Hinduismus stellt eine besondere Form der Religion dar, die rituelle und dramatische Elemente gegenüber philosophischen und mystischen Aspekten hervorhebt (Geertz, 1975:9). Neben vielen Gemeinsamkeiten mit dem indischen Hinduismus unterscheidet sie sich vor allem auch durch ihr flexibles Kastensystem von diesem.[14] Der Hinduismus an sich wiederum unterscheidet Bali von den mehrheitlich muslimisch geprägten anderen Regionen, Inseln und Völkern Indonesiens: „Bali is almost as Hindu as Indonesia is Moslem“ (Weltbank, 2002:6): Im Jahre 2000 machten die Muslime etwa 88,4 Prozent Indonesiens Bevölkerung aus.

Den Balinesen gelten die Berge als Sitz der Götter und der heiligen Vorfahren, das Meer gilt als Heimat der Unterwelt-Dämonen.[15] Die Menschen leben in einer „mittleren Welt“. Sie haben die Aufgabe, ein Gleichgewicht zwischen Gut und Böse herzustellen, indem sie das Wohlwollen der Götter erflehen und die Dämonen besänftigen (Radetzki-Stenner, 1989:78).[16] Das religiöse Ziel, eine kosmische Harmonie herzustellen und aufrechtzuerhalten, durchzieht alle Lebensbereiche. Auch die balinesische Sozialstruktur und gesellschaftliche Organisation sind demnach von der Religion bestimmt: Dörfer entsprechen Tempelsystemen und soziale Gruppen organisieren sich um spezifische Tempel herum.[17] Die Beziehungen zwischen diesen Gruppen und die Gruppenzugehörigkeiten werden über religiöse Rituale definiert. Die Gruppen existieren weitgehend unabhängig voneinander, ihre Mitgliedermengen überschneiden einander jedoch häufig (Geertz, 1975:14). Das Hauptprinzip balinesischer Sozialstruktur basiert laut Geertz auf der funktionalen Spezifität der Gruppen (1975:30).

Neben der Religion hebt der Tourismus Bali kulturell und ökonomisch in eine besondere Position innerhalb des indonesischen Nationalstaats. Als touristisches Zentrum der Nation trägt Bali zum nationalen Devisenhaushalt bei und ist im Ausland vor allem aufgrund seiner hinduistischen Kultur bekannter als Indonesien selbst. Der größte Anteil des balinesischen BIP wiederum wird durch den Tourismussektor in den südlichen Distrikten Badung, Gianyar und der Hauptstadtregion Denpasar erwirtschaftet. Während der Anteil armer Menschen in Indonesien für das Jahr 2002 mit 16 Prozent angegeben wird, lag die Armutsrate für Bali – dank der Tourismusindustrie – bei nur vier Prozent (Weltbank, 2003:4).[18]

Der Welt größte Industrie

Der internationale Tourismus mit seinen Menschen- und Finanzströmen, Verbindungen und Beziehungen politischer und sozio-kultureller Elemente steht in gewisser Weise exemplarisch für das Phänomen der „Globalisierung“[19]. Als „weltgrößte Industrie“ ist er Teil eines internationalen kapitalistischen Systems. Hauptproblematik des Tourismus ist die „interkulturelle Begegnung“ zwischen Reisenden und Gastgebern (Radetzki-Stenner, 1989:10). Vor allem seit der Entwicklung internationaler Transportsysteme hat der Tourismus sich von einem Privileg oberer Gesellschaftsschichten hin zu einem wichtigen Freizeitelement auch unterer Gesellschaftsschichten entwickelt. Forciert durch die Globalisierung und den technischen Fortschritt werden immer schneller immer entferntere Gebiete vom Tourismus erobert (Kuschel; Schröder, 2002:7). Steigende Einkommen und sinkende Arbeitszeiten in den Industriestaaten sorgten bisher für eine stetig wachsende Nachfrage nach touristischen Dienstleistungen. Dies führt zu zahlreichen, preisgünstigen Pauschalangeboten der Tourismusbranche, die den Trend wiederum verstärken und die Basis für einen sogenannten Massentourismus schaffen.[20]

Bali ist spätestens seit den 1980er Jahren eine Destination des Massentourismus - mehr als zwei Millionen Touristen pro Jahr fanden zuletzt ihren Weg auf die Insel. Sie kommen dabei in Kontakt mit den politischen, sozialen, ökologischen, technologischen und ökonomischen Systemen Balis, die durch den Tourismus nachhaltig verändert werden und in umgekehrter Weise den Tourismus ebenfalls beeinflussen (Kuschel; Schröder, 2002:8).

Der Tourismus, auch der Massentourismus, wird gerne – vor allem von Seiten der Tourismusindustrie - als Beitrag zur „Völkerverständigung“ dargestellt. Der Anschlag allerdings stellt diesen Anspruch in Frage, scheint er doch Folge gescheiterter Kommunikation zu sein: islamistische Bomben auf hinduistischem Boden, die mehrheitlich westlichen Touristen das Leben kosteten. In der imaginären Welt des Tourismus und der Reisen galt Bali bisher als „Paradies auf Erden“. In erster Linie westliche Freizeit- und Bildungstouristen kamen - in sämtliche touristische Planungen übersteigenden Zahlen - nach Bali, um Sonne, Sand und Meer, Kultur und die grüne Natur zu genießen.

Die vorliegende Arbeit

Was aber ist Balis Image und wie ist es entstanden? Wurde das „Paradies auf Erden“ am 12. Oktober 2002 unwiderruflich zerstört? Was sind die Hintergründe, was die bleibenden Folgen des Anschlags? Um dies zu beantworten, werden in den drei Kapiteln dieser Arbeit folgende Aspekte und Fragestellungen behandelt.

Im ersten Kapitel geht es zunächst darum, wie das Image der Touristeninsel Bali entstand. Ausgehend von der Herausbildung und der Funktion von Images in der Tourismusbranche, wird die historische Entwicklung des Images Balis und seines Tourismussektors beschrieben und diskutiert.

Im zweiten Kapitel werden die generellen sozio-kulturellen, sozio-ökonomischen und ökologischen Auswirkungen des Tourismus auf die Insel und ihre Bewohner dargestellt. Das Dilemma des Kulturtourismus – der spezifischen Tourismusform, der sich Bali seit langem schon verschrieben hat – und kulturelle Veränderungen werden ebenso behandelt, wie ökonomische Abhängigkeiten und Rückkopplungseffekte. Auch die durch den Tourismus verstärkte Problematik von Disparitäten und Migrationsbewegungen, deren Einflüsse auf die Beziehungen der Balinesen untereinander sowie deren Beziehungen zu Nicht-Balinesen, werden thematisiert. Das Kapitel soll ein realistisches Bild der Insel zeichnen, die so unverhofft und auf dramatische Weise durch den „Anschlag auf das Paradies“ in die Schlagzeilen der Weltpresse geriet.

Im dritten Kapitel geht es schließlich darum, was genau am 12. Oktober 2002 geschah, vor allem aber warum es geschah. Die Sichtweisen, ideologischen Motive und Weltverständnisse, die heute die sozio-kulturelle globale Situtation prägen sowie die nationalen Hintergründe – insbesondere die Rolle der indonesischen Regierung und der indonesischen Gesellschaft – werden im Kontext des internationalen Terrors und des islamischen Extremismus behandelt. Dem folgt eine Erläuterung balinesischer und internationaler Reaktionen auf die Bomben sowie, schließlich, deren Auswirkungen auf Balis Image und Tourismusentwicklung. Wurden diese dauerhaft geschädigt? Es ist hierbei natürlich zu berücksichtigen, dass Balis internationales Image auch von den Reaktionen und Einschätzungen anderer als westlicher und balinesischer Kulturkreise und Gesellschaften abhängt. Beispielsweise wären die Reaktionen der indischen Hindu-Gemeinschaft oder die islamischer Gesellschaften äußerst interessant. In dieser Arbeit werden jedoch in erster Linie die Reaktionen der direkt Betroffenen behandelt: Die der Balinesen, da es um deren Insel und ökonomische Zukunft geht und die westlicher Industrienationen, die das eigentliche Ziel islamistischen Terrors darstellen. Auch sind es diese beiden Akteure, die das internationale Image Balis maßgeblich bestimmen: der Westen über die globalen Medien und die internationale Tourismusindustrie, die Balinesen als Gastgeber und jene, die sich vom Tourismus eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse erhoffen.

Der Schlussteil der Arbeit fasst noch einmal die wichtigsten Erkenntnisse der vorangegangenen Analyse zusammen. Zudem werden - vor dem Hintergrund der veränderten globalen Verhältnisse und Balis Stellung und Ansehen in der Welt - Möglichkeiten und Hindernisse einer künftigen Tourismusentwicklung Balis aufgezeigt.

Die Literatur über Bali ist mehr als vielfältig und umfangreich, so auch jene, auf der diese Arbeit basiert. Zahlreiche Autoren haben sich seit Jahrzehnten vor allem auch mit den Auswirkungen des Tourismus auf die Insel befasst. Zu den grundlegendsten Werken über Balis historische Imageprägung und die kulturellen Auswirkungen des Tourismus zählen Vickers „Bali: Ein Paradies wird erfunden“ (1989) und Picards „Cultural Tourism and Touristic Culture“ (1996). Diese Werke bilden ein wichtiges Fundament des ersten und zweiten Kapitels dieser Arbeit.

Die Literatur, die dem dritten Kapitel zu Grunde liegt, besteht in erster Linie aus Internet- und Zeitungsartikeln. Angesichts des globalen Charakters der Problematik und der Beliebtheit des Medienthemas „Terror“ sind auch diese Quellen sehr vielfältig, aber auch unübersichtlicher. Sie sind journalistischer oder auch persönlicher Art und angesichts ihrer Masse unterlag die Auswahl hier stärker noch dem Zufall. Aus der Masse aber hat sich letztlich ein Bild zusammensetzen lassen, das interessante Schlüsse über die „Bomben im Paradies“ und deren Auswirkungen auf Balis Image zulässt.

Sowohl für die wissentschaftliche Literatur als auch die Artikel als Reaktionen auf den Anschlag, gilt, dass westliche Quellen überwiegen, während die Suche nach balinesischen oder indonesischen Beiträgen sich schwieriger gestaltet.

Erstes Kapitel: Die Entstehung des Paradieses

Die Konstruktion des Bali -Images

Bali, das Touristenparadies – Imagekonstruktion in der Tourismusbranche

Images sind angehaftete, virtuelle, kreierte Bilder, Überblendungen der Wirklichkeit, Gegenstände der Sehnsucht nach dem „real thing“, dem Wunsch des „Live“-Dabeisein, die im Rahmen von Globalisierung und moderner oder gar postmoderner Pop- und Konsumkultur zunehmend an Bedeutung gewinnen. Im Zusammenspiel verschiedener Kräfte, unter starker Beeinflussung der (vor allem westlichen) Medien, werden Images, Vorstellungsbilder, erzeugt bzw. produziert. Produkte werden mit symbolischen, imaginären Werten angereichert, letztlich mit dem Ziel ihrer gesteigerten Vermarktung. Die endlose Reduplikation und Überproduktion von Zeichen, Images und Simultationen durch die Medien, komplettiert durch die Werbung, führt zur Verwischung der Grenzen zwischen Image und Realität. Der Verlust stabiler Bedeutungen und eine Ästhetisierung der Wirklichkeit sind die Folge. (Featherstone, 1985:4ff)

Auch in der Tourismusbranche werden Ländern und Völkern Images angehaftet, mit dem Ziel, deren Attraktivität für die Reisekunden zu steigern und damit ihre Verkaufsfähigkeit als „Produkt“ zu fördern. „Die stark wachsende Erlebnisorientierung begünstigt [dabei] die Nachfrage nach internationalen Reisezielen“ (Kuschel; Schröder, 2002:28). Auch der Insel Bali wurde ein solches Image angehaftet: das Image des „Paradieses auf Erden“, eines „Garten Eden“, einer Insel voll von alle dem, was den Bewohnern westlich-moderner Welten heutzutage bzw. im Laufe von Moderne und Postmoderne fehlt oder abhanden gekommen und darum wichtig geworden ist. Traditionalität, Spiritualität und Mystik, Gemeinschaftlichkeit und Naturverbundenheit gehören hierzu. „[T]he tourist goes not to see things but the images of things, i.e. the sight reduced to a sign or signal” (Dann, 1996:83). Neben Fernweh, im Sinne eines Verlangens nach weit Entferntem, ist „Zeitweh“ im Sinne einer Sehnsucht nach anderen - im Rahmen des Tourismus in Entwicklungsländer meist nach vergangenen - Zeiten häufig die Ursache für Reisen: „Westliche Ferntouristen betrachten die indigene Kultur der Gastländer häufig als Sinnbild der eigenen, längst überwundenen Vergangenheit“ (Euler, 1989, zit. n. Spreitzhofer, 1996:31) – welche, möchte man hinzufügen, in diesem Zusammenhang meist sentimental verklärt sein dürfte. Die ethnischen und kulturellen Besonderheiten, die von den Touristen und durch den Tourismus identifiziert werden, beziehen sich daher häufig auf marginale oder vormoderne Elemente der gastgebenden Kulturen.

Neben dem Gemeinsamen (zwischen der Gegenwart der Gastgeber und der Vergangenheit der Touristen), ist die Wahrnehmung der Reisenden vor allem aber auf das „Andere“, „Neue“ und „Exotische“ fokussiert:

„Ethnic options are exercised to construct the images of otherness marketed to tourists … different constructions of otherness may be presented to different types of tourists. In principle they are as capable of stressing similarity ... as difference” (Wood, 1997:6).

Was man selbst nicht hat, oder nicht haben kann, ist es offensichtlich, was den besonderen Reiz ausmacht. So schreibt Dann:

„Insularity, smallness and isolation, otherwise a trinity of despair for industrialization, foster instead the cultivation of a paradisiacal myth, an image of ‘Eden without apples’ which appeals to tourists from the cold, urbanized and repressed North. (…) It conjures up an enticing image of warmth, exuberance, fantasy and romance” (1996:102).

Im Allgemeinen basiert die Attraktivität des Fremden vor allem also auf dem Wunsch aus dem eigenen Alltag, der eigenen Normalität auszubrechen (Spreitzhofer, 1996:33). Das Interesse am „Anderen“ bleibt dabei jedoch meist oberflächlich und auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt. Teilweise dient die exotische Umgebung als bloße Kulisse für den Urlaubsaufenthalt, teilweise ist sie Objekt eingängigerer Beschäftigung, wobei die Betrachter in der Regel jedoch vorher schon wissen, was sie herausfinden, wem sie begegnen werden und sich auch mit „gespielter Authentizität“ zufrieden geben. Je „neuer“, „exotischer“ und „anders“, desto größer außerdem die Gefahr einer Ablehnung des Fremden wegen Unverständnisses und Angst vor Nichtbewältigung dessen (Spreitzhofer, 1996:34).[21]

Kritiker des Tourismus in Entwicklungsländer sprechen - angesichts gängiger Betrachtungsweisen anderer Kulturen durch die Touristen - von diesem auch als „neokoloniales Werkzeug“ (Spreitzhofer, 1996:34). Westliche Bildungsreisende (Pauschal- sowie Alternativtouristen gleichermaßen), so Spreitzhofer, sind vor allem auch auf der Suche nach dem „Echten“ und „Schlichten“, das sie bei unteren Gesellschaftsschichten der Weltbevölkerung zu finden meinen. Denn zwischen der Ferienkultur der Touristen und der Dienstleistungskultur der Gastgeber besteht ein soziales Gefälle. Neben der Rückständigkeit gastgebender Gesellschaften dient auch dies daher lediglich zur Bestätigung der eigenen kulturellen und sozialen Überlegenheit (Spreitzhofer, 1996:33). Image-bedingte Vorurteile und spezifische Erwartungshaltungen im Tourismus haben in der Regel eine Bestätigung und Festigung von Klischees und Vorurteilen auf beiden Seiten zur Folge, was eine effektive interkulturelle Kommunikation erschwert.

Wie die Tourismusindustrie selbst, ist das von ihr verbreitete Paradies–Image Balis international angelegt: „Balis Image gehört der ganzen Welt“ (Vickers, 1989:13). Je nach Ethnie, nationalem und kulturellem Hintergrund der Touristen aber werden unterschiedliche Elemente des Images betont: Das Bali-Image japanischer Touristen ist weniger exotisch, dafür stärker nostalgisch ausgerichtet als das westlicher Touristen. Angesichts minimaler Naturbestände ihrer Heimat erfreuen sich vor allem Japaner und Singapurianer an der balinesischen Natur und Landschaft. Australische Surfer und nordeuropäische Sonnenbader ziehen bevorzugt in Strandbungalows, da es zu Hause an sicheren Surfstränden[12] bzw. Bademöglichkeiten mangelt. Daneben beeinflussen Alter, Reisemotivation und Dauer des Aufenthaltes die Betrachtungsweise der Urlauber: Ältere Touristen schätzen vor allem die balinesische Szenerie; Strand und Meer sind von Interesse insbesondere für die Jüngeren. Die Hauptziele der Bali-Reisenden als Mitglieder einer postmodernen Konsumgesellschaft, sind Spaß und Erholung. „In Abhängigkeit von den subjektiven Bedürfnissen und Vorstellungen der Touristen“ also werden balinesische Religion, Kultur und Umwelt erst „mit den Begriffen Schönheit und Harmonie assoziiert“ (Radetzki-Stenner, 1989:87).

Entsprechend hat das Vorstellungsbild von Bali, das bereits zu einer „globalen Ware“ geworden ist, nicht viel mit balinesischen Realitäten zu tun. Die Äußerung eines Buginesen in Bezug auf die Tourismuswirtschaft auf Sulawesi belegt die Nicht-Relevanz realer „Authentizität“ für den Tourismus und den Prozess, in dem eine lokale Kultur zur touristischen Ware und - losgelöst von der Realität - zum Konsumgut für die Weltgesellschaft wird. Er behauptet, die Torajas, deren Kultur als die touristische Hauptattraktion der Insel gilt, seien keine guten Touristenführer. Da sie ihre Kultur nicht studiert hätten mangele es ihnen an „Professionalität“ und Kenntnis bezüglich touristischer Bedürfnisse (Adams, 1997:165). Was den Touristen vermittelt werden soll (und wird) ist also eine kreierte Kultur, die vor allem an touristischen Erwartungen orientiert ist. Ein weiteres Beispiel für die Unabhängigkeit des Images von der Realität beweist die zunehmende Übertragung von Balis Image auf dessen Nachbarinsel Lombok. Diese unterscheidet sich nämlich sowohl durch ihre hauptsächlich islamische Bevölkerung als auch durch ihre Landschaft und Natur[13] von zwei wesentlichen Attraktionen Balis: dem Hinduismus als Grundlage für Künstlertum und Spiritualität und seiner Natur, welche die Bezeichnungen Balis als „Garten Eden“[14], „Insel der Götter“ und „Land der tausend Tempel“ legitimieren.

Nicht nur aber existieren Vorstellungsbilder von Bali losgelöst von der Insel, auch wird ihr Name unabhängig als Markenzeichen und Werbekraft für andere Produkte genutzt. Restaurants wie auch Autos werden nach Bali benannt, in der Hoffnung, der Konsument verbinde daraufhin spezifische Bali-typische, jedenfalls aber positive Assoziationen mit dem Produkt. Der Begriff “Bali” dient in diesem Zusammenhang als Symbol für Exotik, Freizeit, Romantik, Utopie, Luxus und Glamour, für tropisch, sinnlich, unterhaltsam, mysteriös, angenehm und bezaubernd (Hitchcock, 2000:63).[15]

Balis Image entspricht damit gewissermaßen einer Kombination aus den Images der romantischen Südsee und des mysteriösen Orient: Die Südsee, schreibt Vickers, wurde den Touristen zu teuer und verwestlicht und kann nicht mit schmackvoller Küche dienen, Indien wiederum ist zu groß und überwältigend (1989:9). – Da bietet Bali sich geradezu an als optimale Variante: Sonne, Sand und Meer vor dem Hintergrund einer traditionellen Bevölkerung, überschaubar klein und dennoch hinduistisch. Das Ergebnis lautet in etwa: „[A]lle anderen tropischen Eilande übertreffend, ist Bali zu dem exotischsten aller exotischen Aufenthalte geworden“ (Vickers, 1989:10).

Die balinesische Religion, mit ihrer Betonung ritueller Aspekte und ihrem öffentlichen, sozialen und bürgerlichen Charakter (Geertz, 1975:9), ist in erster Linie eine Angelegenheit sichtbarer, dramatischer Aktivitäten und damit eine herausragende touristische Attraktion.[16] Neben Natur und Religion ist die hohe „Kunstfertigkeit“ der Bevölkerung eines der häufigsten Verkaufsargumente des Reiseziels „Bali“ (Radetzki-Stenner, 1987:86).[17] Die balinesische Kunst ist im Grunde eine Folge der Religiosität balinesischen Lebens, denn Zeremonien und Rituale bedürfen der Tänze und Gamelanmusik zur Ehrung der Götter. Die rituelle Achtung der vielen Tempel Balis ist laut Ehepaar Geertz der Grund für die Vitalität des balinesischen Tanzes, der Musik und der Schnitzerei. „[O]ne can have a great deal of pleasure at the god’s festivals. The atmosphere at a temple ceremony is neither fearful nor solemn, but happily busy, matter-of-fact , and, for the uninitiated Westerner, bewilderingly without focus” (Geertz; Geertz, 1975:11).

Wenn auch geprägt von Images, die in erster Linie westliche Sehnsüchte und Wünsche wiederspiegeln, so ist Bali jedoch als lebendes, sich entwickelndes „Produkt“ selbst auch an seiner Prägung beteiligt – und sei es nur in der Form, in der die Insel, seine Bewohner und die Indonesische Republik auf das westliche Image und dessen Imagekreation reagieren, diese für sich annehmen oder zu beeinflussen suchen.

Vickers spricht beispielsweise von einer typischen Widersprüchlichkeit des Bali-Images (1989:197). Diese drückt sich in den Gegenüberstellungen „Hexe[18] versus Tänzerin“ oder „Museumswert“ der Insel versus „entwicklungsfähige Kultur“ aus. Vielleicht ist gerade diese Widersprüchlichkeit das „Markenzeichen“ Balis, mit dem es das Image seiner selbst geprägt hat. Auch Geertz Studien über die balinesische Kultur bezeugen eine gewisse Unregelmäßigkeit und Widersprüchlichkeit balinesischer Organisations- und Sozialstrukturen (Geertz; Geertz 1975:3), und die Gegenüberstellung kontroverser Elemente ist ein grundlegendes Element balinesischer Weltsicht. „Ruwa Bhineda“ („Balance zwischen Gut und Böse“) lautet das Konzept, nach welchem sich das gesamte Leben in gegensätzliche Kategorien gliedert, wie Tag und Nacht, hell und dunkel oder gut und schlecht (Vorlaufer, 1999:33).

Der balinesische Schriftsteller Putu Wijaya erzählt in seiner Kurzgeschichte „Bob“ von dem US-Amerikaner Bob, der nach Bali reiste, um sich eigenhändig – also „live“ - davon zu überzeugen, dass diese Insel tatsächlich ein – bzw. eben kein - Paradies sei. Das Bob vorab durch Medien vermittelte Balibild, welches seine selektive Wahrnehmung während des Aufenthaltes bestimmen sollte, war zum einen das des idealisierten Paradieses: Von Harmonie, Religiosität und allgemeinem Künstlertum war hier die Rede, von äußerst sozialen gesellschaftlichen Organisationsformen und einer wunderbaren Verschmelzung von Moderne und Tradition. Doch Bob hatten auch die kritischen Medien erreicht, die davon berichteten, dass dieses Paradies ein verschwindendes sei und die Realität auf Bali von zunehmende Kommerzialisierung und Materialisierung, schwindender funktionaler und wachsender zeremonieller Bedeutung religiöser Rituale sowie Drogenhandel als Folge einer Beherrschung der Insel durch die Touristen, geprägt sei. Bob reiste also nach Bali zum einen mit diesem phantastischen Bild eines Paradieses voller Kultur und Kunst, in Erwartung auf Gamelanmusik, Hahnenkämpfe, Fahrten mit „Becak“ (Rikscha) und „Dokar“ (Pferdekarren), idyllische Natur, Museumsbesuche und den Kontakt mit den ästhetischen Einheimischen. Zum anderen auf der Suche nach einer Bestätigung der vorausgesagten, gefürchteten und kritisierten Zerstörung dieses Paradieses. Auf Bali angekommen, erfährt Bob eine Ernüchterung bezüglich seiner paradiesischen Erwartungen und eine Bestätigung der Version des zerstörten Paradieses: die Menschen erscheinen ihm eher als Händler denn als Künstler, die Tradition spielt keine große Rolle mehr, jeder strebt nach der Moderne. Wijaya lässt Bob zu dem Schluss kommen, dass „alles, was Menschen über Bali bisher geschrieben haben, eher einer Romantisierung ihrer eigenen Gedanken gleich kommt“, als der balinesischen Realität.[19]

Je länger Bob nach seiner Rückkehr jedoch über die Erfahrungen auf Bali nachdenkt, desto mehr kommt er zu dem Schluss, dass Bali dennoch ein Paradies sei. Zunächst ironisch bestätigt er seiner Freundin, die paradiesischen, irrealen Vorstellungen von der Insel, die ihm aber in der Konfrontation mit der amerikanischen Realität, aus der Entfernung und in der Vorstellungswelt seiner eigenen Erinnerung zunehmend als wahr erscheinen. Wijaya weist mit seiner Geschichte somit auch darauf hin, dass die Romantisierung Balis, die Darstellung der Insel als Paradies auf Erden in erster Linie eine Angelegenheit „des Westens“ bzw. der Balibesucher ist und vielleicht gar mehr über diese aussagt, als über „den Osten“, geschweige denn Bali und seine Bewohner im Spezifischen. Er lässt Bob auch zu der Erkenntnis kommen, dass die US-Amerikaner in Wirklichkeit nichts über den Rest der Welt wüssten (Wijaya, 1996:177) – eine Anspielung auf einen gewissen Ethnozentrismus, der auch als grundlegende Eigenschaft vieler (westlicher) Touristen bezeichnet werden kann.

Geschichte einer kulturellen Begegnung und die Interaktion globaler und lokaler Netzwerke

Wijaya würde Urry wahrscheinlich zustimmen, der schreibt:

„[T]he emergence of modern and postmodern tourism is linked to the development of socially specific regimes of ‘signs’ and ‘signposts’, which, in their turn, shape what have become the typical modalities of perceiving, consuming, absorbing, and even seeking out certain scenes as a tourist. ... unique and ‘out of the ordinary’ cultural characteristics come to be seen as such by tourists not through some kind of natural unstructured process simply reflecting preexisting situations out there in the real world, but through particular kinds of socially organized and systemized practices, constructions, and collections of Images.” (zit. n. Kahn, 1997:123).

In erster Linie die Werke westlicher Künstler und Anthropologen die vor allem seit den 1930er Jahren entstanden, bilden die Grundlage eines „gesellschaftlich vermittelten Wahrnehmungsrasters“ solcher Art, das es erst ermöglicht, „Bali als Reiseziel mit paradiesähnlichem Charakter anzubieten“ (Radetzki-Stenner, 1989:87). Vickers beschreibt Balis Image-Kollektion in seinem Buch „Bali – Ein Paradies wird erfunden, Geschichte einer kulturellen Begegnung“. Auch für ihn ist das Image Balis ein Konstrukt, eine Erfindung, aber auch das Ergebnis des Zusammentreffens zwischen Balinesen und Nicht-Balinesen. Im Laufe dieses historischen Prozesses haben balinesische und westliche Balibilder sich mal widersprochen, mal gegenseitig gestützt.[20] Mit zunehmender Ausbreitung europäisch-westlicher Mächte und deren Wirtschaftssystem hat der Einfluss balinesischer Balibilder, der zu Beginn der Begegnung mit dem Westen noch ausschlaggebend war, immer mehr abgenommen. Die westliche Imagekonstruktion hat letztlich die prägendere Rolle eingenommen: „Über drei Jahrhunderte hin hat der Westen ein komplexes und blendendes Vorstellungsbild von dieser Insel konstruiert, das endlich selbst das balinesische Denken in Besitz genommen hat“ (Vickers, 1989:10). Es bleibt zu untersuchen, so Hitchcock, inwieweit Bali aus der Sicht der Balinesen selbst ein kreiertes Paradies ist (2000:72). Ida Ayu Agung Mas jedenfalls möchte „das Wort ‚Paradies’ als Beschreibung für ihre Heimat nicht mehr hören. Es sei … wahrscheinlich schon immer eine große Frage gewesen: ‚Ob es das Paradies auf Bali jemals gab?’“ (Kath, 1997:80).

Vickers schildert die Imagekreation entlang wichtiger Persönlichkeiten und deren Werken - westlichen wie balinesischen, wissenschaftlichen wie künstlerischen – sowie der Einflüsse bedeutender historischer Ereignisse und der (Unterhaltungs-) Medien[21]. In diesem Prozess wurden all die Balibilder erzeugt, die auch Bob in Wijayas Kurzgeschichte vermittelt bekam. Angekommen auf Bali und von diesem enttäuscht fragt er:„Wie können nur so viele Menschen gleichzeitig all ihre Träumereien aufschreiben und einer einzigen kleinen Insel in diesem tropischen Land aufbürden?“ (Wijaya, 1996:173-174) – Ein Vorwurf an all die Autoren, die über Bali geschrieben haben: niemals objektiv, immer voreingenommen von verbreiteten Vorstellung und daher selektiv in ihrer Wahrnehmung. „Unmittelbare Erfahrungen“, schreibt Vickers, „müssen sich den Erwartungen von dem einfügen, was und wie Bali sein muss“ (1989:16). Auch wissenschaftliche Beiträge sind daher „an der Wahrheit vorbei“ geschrieben bzw. haben wichtige Aspekte der balinesischen Kultur übersehen, vergessen oder wissentlich nicht behandelt, schreibt Robinson: „The intense scholarly preoccupation with the ‘exotic’ aspects of one small island has produced an inward looking gaze that has blinded [academic] observers to broad critical and comparative perspectives” (1995:306).

Trotz – oder gerade wegen? - seiner Entfernung von der Realität und aufgrund seiner Einbettung in postmoderne Symbol- und Zeichensysteme und gesellschaftliche Struktur und Ordnungsmuster scheint das geschaffene Image extrem solide und überzeugend. Die “Jahrzehnte der Tourismuswerbung, der Reiseberichte und der wissenschaftlichen Beiträge“ schreibt Vickers, „überwältigten schließlich die Insel und haben das Vorstellungsbild fast unwiderleglich werden lassen“ (Vickers, 1989:14). – Nicht einmal widerlegbar durch Wijayas imaginären Bob, der die Insel mit anderen Augen zu betrachten suchte. „[T]ourists narrate what everyone knows. The world they discover is a reproduction, which comes back to them like a poor copy. They merely confirm the discourse which persuaded them to take the trip“ (Dann, 1996:65). Die Balinesen aber haben „überwältigt“ die Bürde der Paradies-Träumereien bezüglich ihrer Heimat (darin eingeschlossen das Image ihrer selbst als äußerst (gast-) freundlich und hilfsbereit) angenommen und übernommen. Wenn sie auch in ihrer eigenen Sprache kein Wort für „Paradies“ haben (Jahn, 2005), so heißt die Insel in Indonesien traditionell doch „Pulau Dewata“, „Insel der Götter“.

Das heutige Image der Insel, als Teil der weltweiten „Pop-Kultur“, ist auch das Ergebnis einer Interaktion zwischen globalen und lokalen Netzwerken wie dem internationalen Tourismus und globalen Medien oder dem indonesischen Staat (Hitchcock, 2000:72). Zur Kreation des Paradies-Images werden die rein positiven Informationen über die Insel selektiert, nicht passende Informationen werden verdrängt.

Dieser Prozess wird von der internationalen Tourismusindustrie dominiert: „The Image has been given an added boost by a multimillion-dollar tourist industry that has found in Balinese “tradition” a highly profitable scheme”(Robinson, 1995:304). Die internationale Tourismusindustrie kanalisiert und bestimmt, laut Dann, Nachfrage und Angebot touristischer Erfahrungen und beeinflusst den persönlichen Freizeit-Konsum maßgeblich: „[I]nternational tourism becomes a monolithic system with its own set of formalities to which the individual is subjected and all but disappears” (Dann, 1996:75). In den globalen Medien aber, die Balis Paradies-Image transportieren, sind zunehmend auch kritische Stimmen zu hören. Wie Bob erreichen immer mehr Touristen Berichte über die „Zerstörung des Paradieses“ als negative Folge des Tourismus.

Auch der indonesische Staat fördert die Betonung Balis Einzigartigkeit. Sein Interesse ist dabei sowohl politisch als auch ökonomisch: Es geht um die Entwicklung von Nationalgefühl und um „Einheit in der Vielfalt“[22], aber auch um Einnahmen für die nationale Wirtschaftsentwicklung. Ein positives Image soll den internationalen Tourismus fördern und ausländische Devisen einbringen. Es soll aber auch der Demonstration der indonesischen Nation – nach innen und nach außen – dienen, Selbstbewusstsein und Zusammenhalt sowie die nationale Identität des kulturell so vielfältigen Staates stärken. Die Tourismuspolitik der Regierung, die einen Tourismus fördert, der auf dem Interesse an der fremden Kultur basiert, kann aber auch ungewollte Nebeneffekte haben: „The already complex task of reconciling ethnic and national identities has often been further complicated by the development of tourism”, schreibt beispielsweise Picard (1997:ix). Die Stärkung regionaler Identitäten bindet ethnische Gruppen und Regionalkulturen nicht zwangsläufig stärker an die nationale Politik und Wirtschaft. Im Gegenteil liefert sie auch Ressourcen, die zum Widerstand gegen die nationale Integration genutzt werden können. Je stärker die kulturelle Identität und das Selbstbewusstsein einer Region, desto größer die Gefahr - zumal im Zusammenhang mit hohen regionalen Einnahmen und einer zentralistischen Staatsführung - einer Forderung nach mehr Unabhängigkeit.

Die Unterstützung kultureller Images der über 300 regionalen Kulturen Indonesiens soll auch das gegenseitige Interesse der Kulturen aneinander fördern. Vom domestischen Tourismus wird eine Stärkung „nationaler Bruderschaft“ erhofft. Wie im Rahmen des internationalen Tourismus werden jedoch auch hierbei meist beiderseitige Vorurteile und Erwartungen bestätigt und gefestigt, so dass sein Beitrag zum nationalen Zusammenhalt und zur interethnischen Kommunikation gering bleibt (Adams, 1997:173). Hinzu kommt die unausgewogene Förderung der Regionen als touristische Zentren. Dies kann Missgunst und Neid, Rivalität und Wettbewerb zwischen den Regionalbevölkerungen hervorrufen. Während die sieben Vorzüge („sapta pesona“)[23] der Indonesier beispielsweise, die im Rahmen einer nationalen Tourismus-Bewusstseins-Kampagne propagiert wurden, „Nation Building“ vorantreiben sollten, indem sie die Indonesier an ihre Gemeinsamkeiten gegenüber Ausländern erinnerten und eine imaginäre indonesische Gemeinschaft schufen, beschwerten sich Aloresen[24], dass sie diesen Vorzügen viel eher entsprächen, als die Balinesen.[25] Die ungleichmäßige Förderung touristischer Images der verschiedenen Ethnien kann auch zur Verstärkung bestehender inner-regionaler Konflikte beitragen, wie es etwa im Falle Sulawesis geschehen ist. Die Toraja wurden hier als eine von vier Ethnien Sulawesis staatlich forciert touristisch hervorgehoben, was den traditionellen Konflikt mit den Bugi angeschürt hat.[26] Solche Verstärkung regionaler Konflikte, so Adams, kann andererseits für den indonesischen Staat auch von Vorteil sein: Regionale Konflikte auf Basis ethnischer Differenzen verdecken überregionale Ungleichgewichte - wie etwa die politische bzw. ökonomische Dominanz der Javaner bzw. Chinesen - sowie außerethnische, soziale gesellschaftliche Unterschiede (1997:175) Touristische, auf kulturelle Einzigartigkeit abzielende Images, unterstützen außerdem den indonesischen Staat dabei ein Konzept zu verbreiten, das Ethnizität auf künstlerische Elemente reduziert[27] und regionalen und religiösen Identitäten unterordnet.[28] Diese „Kulturalisierung“ und Regionalisierung ethnischer Identität, soll, laut Picard, vermutlich auch das Potential politischer und ökonomischer Differenzen als interethnische Konfliktursache entschärfen (1997:197-198).

Selbst wenn also letztlich der Westen das Image Balis bestimmt, ist es doch primär das Ergebnis einer historischen, interkulturellen Interaktion. Bali inspiriert die westliche Imagination seit mehr als vier Jahrhunderten. Im Laufe dieses langen Prozesses hat sich das heutige Image der Insel herausgebildet: „This image has a history: it is the result of series of conceptual constructions elaborated in the West and eventually embraced by the Balinese“ (Picard, 1996:16).

Balis historische Entwicklung zum Touristenparadies

Erste Begegnungen

Erste westliche Balibilder entstanden zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert, vor der endgültigen Kolonialisierung der Insel. Vickers überschreibt diese Phase mit dem Image des „wilden Bali“. Der Einfluss des balinesischen Selbstbildes auf westliche Vorstellungen und Betrachtungsweisen der Insel war noch recht groß. Bis ins 17. Jahrhundert verstanden die Balinesen sich als großes, göttliches Reich, regiert von ihrem König, dem „Weltenherrscher“.[29] Bali-Beschreibungen des holländischen Kapitäns Cornelius de Houtman von 1597 stellen Exotik und Erotik in den Vordergrund. Im Angesicht barbusiger balinesischer Frauen, berichtet er, sprangen holländische Seemänner von Bord. Vor dem Hintergrund der Religionskriege in Europa waren erste Bilder außerdem von einer Faszination gegenüber dem balinesischen Hinduismus geprägt (Vickers, 1989:23). Dieser war bereits aus Indien bekannt, so dass auch hier vorgeformte Vorstellungsbilder die Wahrnehmung Balis – trotz der deutlichen Unterschiede zwischen den Religionsformen - beeinflussten. In Konfrontation mit dem Islam schien Bali den christlichen Europäern als willkommener Vorposten inmitten muslimischer Gebiete und man erhoffte sich sogar ein Bündnis. Entsprechend war das erste ausgeprägtere westliche Image Balis ein positives, von einer exotischen Insel, geprägt von „östlicher Großzügigkeit“ und einer merkwürdigen, hinduistischen Zivilisation. De Houtman beschrieb den balinesischen Weltenherrscher als „freundlichen Heidenkönig“, der über ein Reich von militärischer Stärke, Reichtum und Luxus regierte. Typische Symbole waren der goldene „Keris“[30] und die exotischen und natürlichen Reichtümer der Insel. Die Wildheit, die man in den rituellen und kriegerischen Traditionen der Insel wahrnahm, wurde zunächst eher bestaunt, als mit Abneigung betrachtet.[31] (Vickers, 1989:23-27)

Dies aber änderte sich im Laufe der Zeit - vielleicht auch wegen der politischen Frustration der Holländer, die aus dem Scheitern ihrer Bündnisabsicht mit den Balinesen gegen die Muslime resultierte (Vickers, 1989:28). Jedenfalls wurde das westliche Balibild im 17. Jahrhundert zunehmend negativ. Die wild-kriegerischen Elemente wurden nicht mehr mit Faszination, sondern mit Misstrauen betrachtet. Brutalität, Unberechenbarkeit und Faulheit galten als typisch balinesische Eigenschaften, wobei die Unberechenbarkeit, das sogenannte „Amok“, als allgemein malaiischer Charakterzug bekannt war, die Faulheit für mehr oder weniger alle Eingeborenen europäischer Kolonien stand und der kriegerische Charakter vielleicht eine Rechtfertigung für die bisher nicht etablierte holländische (Handels-)Macht auf Bali darstellte und vor dem Hintergrund innerbalinesischer Machtkämpfe zwischen Fürsten eines zerfallenen großen Königreichs betrachtet werden muss. Die holländische Handelskompanie „Vereenigte Ostindische Compagnie“ hatte sich auf Java niedergelassen und Bali war vor allem als Sklavenlieferant in ihren Handel miteinbezogen. Diese Bedeutung Balis wiederum unterstützte das holländische Bild von den balinesischen Fürsten als despotische, brutale Herrscher, die ihre Untertanen verkauften um ihren herrschaftlichen Lebensstil aufrechterhalten zu können. Ehemals bewunderte Elemente der balinesischen Kultur wie militärische Stärke, das Luxusleben der Herrscher und die Witwenverbrennung wandelten sich im 18. Jahrhundert zu Zeichen despotischer Dekadenz. (Vickers, 1989:35-37) Bali galt als kriegerisch und gefährlich, männliche balinesische Sklaven waren bekannt dafür, besonders unbeugsam und stur zu sein und zu „Amok“-Verhalten zu neigen (Vickers, 1989:32).[32]

[...]


[1] Am 12. Oktober 2000 wurde ein Anschlag auf den amerikanischen Zerstörer „USS Cole“ im Hafen von Aden, Jemen verübt. Es gab 17 Tote und 39 Verletzte. Der Anschlag wird heute der „Al Qaeda“ angerechnet.

[2] Die „Al-Qaeda“ („Dschihad-Basis“) gilt seit dem Anschlag auf das „World Trade Center“ als die Basis eines weltweiten, islamistisch-terroristischen Netzwerks, welches das Ziel verfolgt, ein globales Kaliphat aller islamischen Nationen zu errichten. Die Organisation, so heisst es, unterstützt die Radikalisierung islamistischer Gruppen weltweit, in Form von Ausbildungsangeboten für islamistische Kämpfer und finanzieller Unterstützung. „Al Qaeda“, bestehend seit den 1980er Jahren, soll an vielfältigen Terroranschlägen in der ganzen Welt beteiligt gewesen sein. Diese richteten sich vor allem gegen US-Amerikaner, Juden und sogenannte Verschwörer. Als Anführer der Organisation wird Osama bin Laden genannt. Seit der Ablösung der Taliban in Afghanistan soll die Führung auf südasiatische und südostasiatische Länder sowie den Mittleren Osten verteilt sein. Angesichts der unklaren Strukturen wird die Existenz der „Al Qaeda“ von kritischen Stimmen angezweifelt. Sie sei eine bloße „Phantomorganisation“, die den machtpolitischen Interessen der US-amerikanischen Regierung diene.

[3] Die Balinesen sind damit die siebtgrößte ethnische Gruppe Indonesiens (Picard, 1996:13).

[4] Heute gehört der größte Bevölkerungsteil der untersten Kaste der „Sudra“ an. Die oberen Kasten sind die der „Kesatria“ (ehemalige Adelskaste), „Wesia“ (ehemalige Kriegerkaste) und der Brahmanen (Priester). Die Titel sind nicht zwingend mit Berufen verbunden (außer bei den Brahmanen) und der Umgang mit ihnen ist sehr individuell. Es gibt kaum allgemein anerkannte Einstufungen der Titel (Geertz, 1975:21).

[5] Diese kosmische Orientierung richtet sich nach dem Fluss des Wassers: reines Wasser kommt aus den Bergen und fließt ins Meer, wo es die Unreinheiten entlässt, die es auf seinem Weg angesammelt hat (Picard, 1996:13).

[6] „Tri Hita Karana“ („Drei Ursachen der Harmonie“) lautet das Konzept, der drei Beziehungen der Balinesen zu ihrer Umwelt, in denen es gilt, Harmonie zu bewahren: Die Beziehung der Menschen zu Gott, die Beziehung der Menschen zu ihrer sozialen Umwelt und die Beziehung der Menschen zu ihrer physischen Umwelt.

[7] Geertz spricht vom balinesischen Tempelsystem als „soziale Matrix“ (1975:12). Gruppen, die sich um Tempel herum organisieren sind beispielsweise die „subak“, Bewässerungsgemeinschaften, oder die „banjar“, die die lokalen Moral- und Verhaltensregeln erstellen und bewachen sowie für die lokale Wohlfahrt zuständig sind. Beide Gruppen sind Teil des „desa adat“, einer Dorfgemeinschaft aus kooperierenden Tempelgruppen. Das „desa adat“ ist im Grunde ein Stück heiliges Land, das Gemeinschaftlichkeit symbolisiert und definiert (Geertz, 1975:16). Jedes „desa adat“ besteht aus drei großen Tempeln, den „khayangan tiga“. Die heiligen lokalen Verhaltensweisen und Moralvorstellungen, die durch die „banjar“ institutionalisiert werden, unterscheiden die „desa adat“ voneinander und definieren so deren jeweiliges Gemeinschaftsgefühl.

[8] Die zugrundeliegende Weltbank-Definition von „Armut“ orientiert sich an < 1 US$ pro Tag.

[9] „Globalisierung meint eine spezielle Variante der Internationalisierung. Dabei wird auf die zunehmende Angleichung von Strukturen und Aktivitäten im weltweiten Zusammenhang hingewiesen (Homogenisierung und Standardisierung). Grundsätzlich bezeichnet Globalisierung die verschiedenen Erscheinungsformen eines sich weltweit angleichenden Handelns und der damit zusammenhängenden Prozesse. Globalisierung zeigt sich in unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft, insbesondere bei kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Akteuren und Strukturen“ (Freyer, 2002:2).

[10] Nach Radetzki-Stenner bedeutet Massentourismus die räumliche und zeitliche Konzentration von Touristen auf touristische Zentren und Hotels internationaler Klasse. Er ist eine wachstumsorientierte und teilweise unkontrollierte Form des Tourismus (1989:1).

[11] Die Sehnsucht nach Vergangenheit und Fremde enthält außerdem auch eine Sehnsucht nach der eigenen Kindheit. Denn abgesehen von der Zeit-Perspektive, findet sich der erwachsene Urlauber in der Fremde wie ein Kind in einer Welt wieder, die für ihn neu ist und voller Entdeckungen steckt. Urlaubs-Desitinationen werden daher angeboten „as retreats to a childlike world in which the sun always shines and we can grafity all our desires” (Dann, 1996:104), “travel books (…) frequently dramatise a return to the innocence and paradise of childhood” (Dies., 1996:106) und “recreational tourism is essentially a play at reality” (Dies., 1996:117).

[12] Viele Strände in Australien sind wegen Haifischbeständen der Küstengewässer nicht zum Surfen geeignet.

[13] Zwischen Bali und Lombok verläuft die sogenannte Wallace-Linie, eine geographische Trennlinie zwischen den sehr fruchtbaren westlich gelegenen Inseln und den weniger fruchtbaren östlichen, die eine völlig andere Flora und Fauna aufweisen .

[14] Idyllische Landschaftsschilderungen malen die grünen Reisterrassen umgeben von Kokospalmhainen vor dem Hintergrund vulkanischer Gebirgsketten mit klaren Bergseen.

[15] Bezüglich der Unabhängigkeit von Images und Macht der Symbolik in der postmodernen Konsumkultur siehe z.B. Featherstone, 1985.

[16] Zu den religiösen Riten und Praktiken zählen Tempelfeste, dramatische Trance Rituale, Brahmanen Priester, Dämonen-Vertreibungs-Rituale, persönliche Lebenszyklus-Rituale, Verbrennungszeremonien, Heilen und Zauberkraft, Medien usw.

[17] Durch Spezialisierung einiger Dörfer (beispielsweise auf Holzschnittkunst, Silberverarbeitung, Malerei) und durch die Situation eines Wettbewerbs zwischen vielen kleinen Reichen vor der endgültigen Kolonialisierung der Insel wurden Kunst und Kunstfertigkeit der Bevölkerung immer weiter ausgefeilt.

[18] Hier ist i.d.R. die Rede von „Rangda“, der verwitweten Hexe, die über die „bösen“ Mächte herrscht. Sie ist in der Dunkelheit zu Hause und beherrscht die schwarze Magie. Rangda ist das Gegenstück zu Barong, der mystischen Kreatur, die für „das Gute“ steht. Die dämonische Rangda-Maske gilt als Schutz vor Epidemien und bösen Geistern.

[19]“Apa yang pernah ditulisi orang tentang Bali, lebih merupakan romantisasi pikiran orang itu sendiri“ (Wijaya, 1996:173).

[20] In den 1920er Jahren beispielsweise war das westliche Bild Balis bereits von Harmonie und Künstlertum geprägt, während die Balinesen es als Insel in der Krise wahrnahmen (Vickers, 1989:18).

[21] Hierbei handelt es sich vor allem um Filme, wie die Hollywood-Produktionen „South Pacific“ (1958) und „The Road to Bali“ (1952), Romane, wie etwa Vicky Baums „Liebe und Tod auf Bali“ und um Photographien mit den typischen Motiven junger Tänzerinnen und barbusiger Frauen, wie etwa denen von Karl Weissenborn.

[22] „Bhinekka tunggal ika“ ist das Nationalmotto der Republik.

[23] Diese waren Sicherheit, Ordnung, Freundlichkeit, Schönheit, Komfort, Sauberkeit und „schöne Erinnerungen“

[24] Alor ist die vorletzte der Kleinen Sunda Insel im östlichen Indonesien. Sie liegt zwischen Flores und Wetar, nördlich der Insel Timor.

[25] Sie bezogen sich dabei vor allem auf den Drogenmissbrauch in Kuta (Adams, 1997:158).

[26] Die Toraja sind ein christianisiertes Bergvolk, das im Landesinneren der Insel lebt. Die muslimischen Buginesen und Makassaresen hingegen leben an der Küste im Süden der Insel, von wo aus sie die Region lange dominierten. Sie überfielen die Toraja raubten ihnen Kaffee, versklavten sie und schlossen sie von der Außenwelt ab. (Adams, 1997:159)

[27] Siehe hierzu auch S. 22: folkloristische Sichtweise der Kultur.

[28] Bei Bevölkerungszählungen in Indonesien wird die Religionszugehörigkeit, nicht aber Ethnizität berücksichtigt, (Kipp, 1993:109).

[29] Das balinesische Zentralkönigtum erstreckte sich von Ostjava bis Sumbawa. Sein Zentrum war Gelgel in Südbali.

[30] Der Keris ist ein traditioneller balinesischer Dolch.

[31] Hierzu zählt beispielsweise die Sitte der Witwenverbrennung.

[32] Balinesische Sklavinnen hingegen waren beliebt, da sie Schweinefleischgerichte zubereiten konnten. Außerdem haftete ihnen weiterhin das erotische Image erster Begegnungen an.

Ende der Leseprobe aus 108 Seiten

Details

Titel
Bomben im Paradies. Bali und der Anschlag
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Seminar für Orientalische Sprachen)
Note
1,2
Autor
Jahr
2005
Seiten
108
Katalognummer
V67711
ISBN (eBook)
9783638587433
Dateigröße
1219 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bomben, Paradies, Bali, Anschlag
Arbeit zitieren
Verena Christmann (Autor), 2005, Bomben im Paradies. Bali und der Anschlag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67711

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