Zur Thematik von „Haben“ und „Sein“ bei Erich Fromm


Seminararbeit, 2006
11 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

1. Zum Leben Erich Fromms

2. Einleitung

3. Zwei Existenzweisen- „Haben“ und „Sein“
3.1. Die Existenzweise des „Haben“
3.1.1. eBay als Bespiel für „Haben“ - „3, 2, 1…meins!“
3.2. Die Existenzweise des „Sein“

4. „Haben“ und „Sein“ anhand von Beispielen des alltäglichen Lebens
4.1. Lernen
4.2. Erinnern
4.3. Miteinander sprechen
4.4. Lesen
4.5. Autorität ausüben
4.6. Wissen
4.7. Glauben
4.8. Lieben

5. Ein „neuer Mensch“ für Fromm
5.1. Kurze Kritik zu diesen Vorstellungen

6. Schlusswort

Bibliographie

1. Zum Leben Erich Fromms

Erich Pinchas Fromm wird am 23. März 1900 als einziges Kind des orthodox-jüdischen Weinkaufmanns Naphtali Fromm und seiner Frau Rosa in Frankfurt am Main geboren.

1922 promoviert Fromm zum Dr. Phil. bei Alfred Weber über „Das jüdische Gesetz.

1929 wird er Mitbegründer des Süddeutschen Instituts für Psychoanalyse in Frankfurt. Ab 1930 dann auch Mitglied des Instituts für Sozialforschung. Erich Fromm schließt seine Ausbildung in Berlin ab und eröffnet seine eigene Praxis.

Durch die immer größer werdende Macht der NSDAP und der zunehmen Judenverfolgung in Deutschland emigriert Fromm 1934 in die Vereinigten Staaten von Amerika. Dort arbeitet er bis 1939 am Institut für Sozialforschung.

1975 beginnt seine Arbeit an „Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft.“ bei Marx und Eckhardt, welches dann im Jahr 1976 erscheint.

Erich Pinchas Fromm stirbt am 18. März 1980 an seinen vierten Herzinfarkt in Locarno/Schweiz.

2. Einleitung

In einer Gesellschaft in der gilt „Frauen gehen gerne shoppen und Männer brauchen ein Haus und einen schicken Flitzer“ ist das Gefühl des „Nichts-Habens“ eine der größten Ängste der Menschen. Materielle Güter machen glücklich. Das impliziert die Werbung, die Gesellschaft, der Nachbar- man selbst!

In diesem Referat soll geklärt werden, was „Haben“ und „Sein“ nach Erich Fromm bedeuten, wie damit im Leben umgegangen wird und schließlich, was Fromm sich wünscht, wie der Mensch sich verhalten sollte.

„Hast du nichts- bist du Nichts!“. Ein solcher Slogan ist charakteristisch für unsere heutige Gesellschaft. Hinzu kommt die ständige Angst vor Arbeitslosigkeit, welche mit dem eigenen Existenzverlust gleichgesetzt wird. Ohne Arbeit ist man nutzlos, ein nicht funktionierender Teil der Gesellschaft. Ist man überhaupt noch Teil der Gesellschaft?

Macht, Status, Ansehen und natürlich Geld werden immer wichtiger. Ohne all dies ist das Leben nicht lebenswert und kleine Freuden gibt es nicht mehr. Sie sind abgeschafft.

Es reicht nicht mehr nur, eine liebevolle Beziehung zu führen und gut erzogene Kinder zu haben. Nein- das ist nur der Zusatz. Vielmehr soll man eine hohe Position erreichen und eine tolle Ehe führen. Frau und Kinder müssen vorzeigbar sein.

Auch darf die Frau nicht mehr nur Hausfrau und Mutter sein, sie muss Karriere machen. Und der perfekte Mann hilft im Haushalt. Und beide machen Unmengen an Geld, Urlaub in der Karibik, bauen ein Haus und haben mindestens 2 Autos. Die Kinder haben natürlich einen Notendurchschnitt von 1,0 und spielen Geige, nehmen Ballet- oder Golfunterricht.

Was sich zunächst wie eine sehr überspitzte Wunschvorstellung der Gesellschaft anhört, gilt doch als erstrebenswertes Ziel. Hartz IV? Solche Leute können doch nicht existieren und glücklich sind sie schon gar nicht. Vielleicht engagieren sie sich Ehrenamtlich, helfen Bedürftigen, aber da sie nichts spenden können, ist das alles nicht viel Wert.

Lieber wird Menschlichkeit im Hinblick auf Erfolg verdrängt. Der kleine Mann von der Straße- nicht viel Wert. Der Reiche hat kein Verständnis für den Armen und der Arme zieht über den Reichen her.

Kann man so wirklich glücklich werden? Beide Wege scheinen Aussichtslos.

Trotzdem ist man gezwungen an dem Streben nach materiellen Gütern teilzunehmen, da man sonst auf der Straße landet. Wenn nicht gleich, dann im Alter.

Erich Fromm beschäftigt sich in seinem Buch „Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft“ mit eben diesem Thema.

Das „Haben“ stellt hierbei das Patriarchalische dar. Im „Haben“ geht es um haben. Materielle Güter und Statussymbole zu besitzen- einfach viele Privateigentümer zu „haben“.

Der Gegensatz vom „Haben“ ist das „Sein“. Das „Sein“ kann man, nach Fromm, nur dann erreichen, wenn man bereit ist Egozentrik und Selbstsucht aufzugeben, wenn man sich frei macht von diesen Vorstellungen. Er nennt als Vorraussetzungen für das „Sein“ Unabhängigkeit, Freiheit und kritische Vernunft.

3. Zwei Existenzweisen- „Haben“ und „Sein“

3.1. Die Existenzweise des „Haben“

Fromm kritisiert sehr, dass unsere heutige Gesellschaft hauptsächlich auf das „Haben“ ausgerichtet ist. Menschen wollen nur noch besitzen. Selbst wenn sie materiell arm sind, horten sie die Dinge die sie bekommen, auch wenn der Wert noch so gering ist. Es geht nur darum zu besitzen.

Auch jemand der „nur“ eine Familie hat, besitzt doch etwas und kann über die, ihm unterlegenen, bestimmen und sie zu Dingen zwingen.

Es geht nur noch darum sich anhand dessen, was man besitzt zu definieren. Menschen, die Träume haben, die frei leben wollen, werden als Spinner abgetan. Das birgt Risiken, die der materiell orientierte Mensch nicht überblicken kann und die ihm angst machen, da es zum einem Misserfolg führen kann. Denn Erfolg ist alles wonach man sich sehnt.

Auch in der Art sich zu verhalten, zu kleiden und zu leben soll man nach Außen hin erkennen, dass dieser Mensch etwas „hat“. Doch er „ist“ nicht, er „hat“. Und darin besteht für Fromm ein großes Problem. Dieser Mensch denkt nicht weiter nach. Natürlich überlegt er, wie er Erfolg haben kann und was er dafür tun muss, aber er denkt nicht weiter.

Auch vereinnahmt dieser Mensch andere, in dem er von ihnen als persönlichen Besitz spricht. Der Chef hat unter sich „seine“ Sekretärin und diese hat unter sich „ihre“ Kinder. Jeder „gehört“ jemandem.[1]

Dieses Verhalten schränkt jedoch ein. Man ist von Habgier gelenkt. Diese Menschen denken, sie sind frei, wenn sie Geld haben, um sich alles, was sie möchten zu kaufen, wenn sie an alle Orte der Welt fahren können, die sie sehen wollen. Doch das bedeutet keine Freiheit. Diese Menschen „sind“ nicht. Wenn man sich viel oder alles erlauben kann, heißt das nicht, dass man glücklich ist. Auch wenn man nicht viel hat, aber mehr „haben“ möchte denkt man in der Weise des „Habens“.

Da Besitz jedoch nicht frei macht, stehen solche Menschen immer wieder unter dem Druck sich selbst zu beweisen. Ihnen selbst und anderen. Man muss immer mehr leisten, weil man der Ansicht ist, nur dann etwas zu „sein“, aber das ändert nichts daran, dass man nur „hat“.

Die Existenzweise des „Habens“ stellt für Fromm also dieses Konsumorientierte Verhalten, der Menschen der heutigen Gesellschaft, für die Ansehen, Macht und Erfolg mehr zählen, als Menschlichkeit.

[...]


[1] Aus „Fromm, Erich, 1979, Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. , München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG“ , S. 73 ff.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Zur Thematik von „Haben“ und „Sein“ bei Erich Fromm
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Einführung in die Kritik der Humanistischen Psychologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
11
Katalognummer
V67764
ISBN (eBook)
9783638605069
ISBN (Buch)
9783638775939
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Haben, Sein, Erich, Fromm, Einführung, Kritik, Humanistischen, Psychologie
Arbeit zitieren
Anna-Cathrin Esser (Autor), 2006, Zur Thematik von „Haben“ und „Sein“ bei Erich Fromm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67764

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