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Elfenbeinturmgelehrsamkeit und Geldsackgesinnung? Gesellschaftskritik in Fontanes "Frau Jenny Treibel"

Title: Elfenbeinturmgelehrsamkeit und Geldsackgesinnung? Gesellschaftskritik in Fontanes "Frau Jenny Treibel"

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 30 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Imke Barfknecht (Author)

German Studies - Modern German Literature
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In seinem 1892 erstmals erschienenen Roman „Frau Jenny Treibel oder ‚Wo sich Herz zum Herzen findt’“1 stellt Fontane die deutsche, im speziellen die Berliner, Gesellschaft vor dem Hintergrund der Veränderungen im Bewußtsein des Bürgertums und seiner Lebensart, als Folge der sozialen und wirtschaftlichen Einflüsse der Gründung des Deutschen Reiches, dar.
Innerhalb des Bürgertums kam es mit der fortschreitenden Industrialisierung zu einer Gewichtsverschiebung der verschiedenen Gruppierungen. War es vorher das Bildungsbürgertum, das das Bild des deutschen Bürgertums geprägt hatte, so waren es nun Wirtschaftbürger, die sowohl zahlenmäßig als auch bezüglich ihrer ökonomischen Macht an Bedeutung zunahmen.
Im Machtgefüge des neu vereinten Staates blieb das Bürgertum allerdings von der Teilnahme an politischen Entscheidungen ausgeschlossen. Während sich das Bildungsbürgertum von der Politik fernhielt2, sehnte sich das Wirtschaftsbürgertum nach politischer Macht und es versuchte dies zu erreichen, indem es sich verstärkt in seinen Denk- und Lebensformen dem Adel anpaßte. Durch diese „Aristokratisierung“ wollte man den neuen Führungsfunktionen, auf die man ja hoffte, gewachsen sein.3
[...]
1 Fontane, Theodor: Frau Jenny Treibel oder „Wo sich Herz zum Herzen findt“, in: ders.: Werke in fünf Bänden, Bd. 3, Berlin und Weimar 1977.
2 „Corinna, wenn ich nicht Professor wäre, so würd ich am Ende Sozialdemokrat.“ (Fontane, S. 342f.) Dieser Ausspruch Schmidts zeigt, daß er sich aufgrund seiner Zugehörigkeit zum Bildungsbürgertum keiner politischen Partei anschließt, ganz so, als könne man nur eines sein: Professor oder Sozialdemokrat.
3 Die Folge diese Anpassung war, daß die Neureichen sich noch stolzer und standesbewußter aufführten als die adligen Familien. (Roch, Herbert: Fontane. Berlin und das 19. Jahrhundert, Düsseldorf 1985 [= Nachdruck der 1. Ausgabe von 1962], S. 256.)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kommerzienrätin Jenny Treibel

2.1 Herkunft und Erziehung

2.2 Frau Kommerzienrätin vs. Jenny Bürstenbinder

2.3 Die sentimentale Herzlose

3. Kommerzienrat Treibel

3.1 Der Dilettant

3.2 Kritische Ironie ohne Konsequenz

4. Professor Willibald Schmidt

4.1 Der selbstironische Professor

4.2 Kategorischer Imperativ ???

4.3 Das Höhere

4.4 Alles Unsinn?

5. Corinna

5.1 Des Vaters Tochter?

5.2 Auf zu „fernen, glücklichen Küsten“

6. Schlußbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Gesellschaftskritik in Theodor Fontanes Roman „Frau Jenny Treibel“ und beleuchtet dabei insbesondere den Gegensatz zwischen Besitz- und Bildungsbürgertum im Deutschen Kaiserreich sowie die Verlogenheit gesellschaftlicher Ideale.

  • Analyse des Spannungsfeldes zwischen ökonomischer Macht und kulturellem Anspruch
  • Untersuchung der Titelfigur Jenny Treibel als Repräsentantin des aufstrebenden Wirtschaftsbürgertums
  • Charakterisierung des Professors Willibald Schmidt als intellektuelles Gegenmodell
  • Betrachtung von Corinna Schmidts Entwicklung und ihrer Ambivalenz gegenüber ihrer Herkunft
  • Reflektion über die Rolle von Sentimentalität und Kunst als Statussymbole

Auszug aus dem Buch

2. Kommerzienrätin Jenny Treibel

Im Zuge der Industrialisierung entstand auch die Vorstellung der Privatsphäre, in der das Leben in der Familie stattfand. Die Ausgestaltung dieses intimen Bereiches wurde natürlich durch die ökonomische Sicherheit erst ermöglicht. Mit dieser Entwicklung ging die Konzentration auf Gefühl und Empfindung Hand in Hand. Fontane kehrt die Verlogenheit dieses sentimentalen Gebarens rücksichtslos an seiner Titelfigur Jenny Treibel ans Licht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Situation des Bürgertums im Deutschen Kaiserreich ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der gesellschaftskritischen Dimension des Romans.

2. Kommerzienrätin Jenny Treibel: Hier wird die Titelfigur als Vertreterin des Besitzbürgertums analysiert, wobei ihr Hintergrund, ihre Sprache und ihre instrumentelle Nutzung von Sentimentalität im Vordergrund stehen.

3. Kommerzienrat Treibel: Dieses Kapitel widmet sich dem Ehemann der Titelfigur, seinem Dilettantismus sowie seiner zwiespältigen politischen Haltung und dem Streben nach Anerkennung.

4. Professor Willibald Schmidt: Der Professor wird als intellektuelles und selbstironisches Gegenstück zur Familie Treibel untersucht, wobei seine Ideale und sein Verhältnis zur modernen Gesellschaft beleuchtet werden.

5. Corinna: Dieses Kapitel betrachtet die Tochter des Professors, ihre Ambivalenz gegenüber ihrem Vater und ihr Streben nach einem selbstbestimmten Leben sowie ihr Scheitern an gesellschaftlichen Erwartungen.

6. Schlußbetrachtung: Die Arbeit resümiert, dass Fontane die Gesellschaft in ihrer tatsächlichen Beschaffenheit darstellt und zeigt, dass die Trennung zwischen Besitz- und Bildungsbürgertum in der Praxis ineinanderfließt.

Schlüsselwörter

Theodor Fontane, Frau Jenny Treibel, Gesellschaftskritik, Bürgertum, Besitzbürgertum, Bildungsbürgertum, Industrialisierung, Sentimentalität, Willibald Schmidt, Corinna, Realismus, Berliner Gesellschaft, Privatsphäre, Soziale Wirklichkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Fontanes Gesellschaftskritik am Beispiel des Romans „Frau Jenny Treibel“ vor dem Hintergrund der sozialen Veränderungen im Deutschen Kaiserreich.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zu den zentralen Themen gehören das Spannungsverhältnis zwischen Besitz- und Bildungsbürgertum, die Rolle der Frau, die Funktion von Sentimentalität und die Frage nach echter versus gespielter Bildung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Fontane durch die Figurenkonstellation die Verlogenheit bürgerlicher Ideale sowie den Einfluss des Geldes und der Herkunft auf das menschliche Handeln entlarvt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Romantextes unter Einbeziehung zeitgeschichtlicher und soziologischer Hintergründe sowie fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die vier zentralen Figuren Jenny Treibel, den Kommerzienrat Treibel, Professor Willibald Schmidt und Corinna in ihren jeweiligen sozialen Kontexten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Neben dem Autor und dem Buchtitel sind Begriffe wie Besitz- und Bildungsbürgertum, industrielle Revolution, soziale Schichtung und gesellschaftliche Verlogenheit prägend.

Inwieweit spielt der „Kategorische Imperativ“ im Kapitel über Professor Schmidt eine Rolle?

Die Arbeit zeigt, dass der Begriff im Roman oft nur als leere Floskel oder Schlagwort genutzt wird, das die moralische Leere und das Standesdünkel der Gebildeten kaschieren soll.

Wie bewertet die Autorin die Rolle von Corinna im Roman?

Corinna wird als eine Figur gesehen, die zwar versucht, sich von den Zwängen ihres Milieus zu lösen, letztlich aber an den gesellschaftlichen Realitäten und dem Widerstand ihrer Umgebung scheitert.

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Details

Title
Elfenbeinturmgelehrsamkeit und Geldsackgesinnung? Gesellschaftskritik in Fontanes "Frau Jenny Treibel"
College
Free University of Berlin
Grade
1,0
Author
Imke Barfknecht (Author)
Publication Year
2003
Pages
30
Catalog Number
V67815
ISBN (eBook)
9783638605335
ISBN (Book)
9783656133049
Language
German
Tags
Elfenbeinturmgelehrsamkeit Geldsackgesinnung Gesellschaftskritik Fontanes Frau Jenny Treibel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Imke Barfknecht (Author), 2003, Elfenbeinturmgelehrsamkeit und Geldsackgesinnung? Gesellschaftskritik in Fontanes "Frau Jenny Treibel", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67815
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