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Darstellungen des Antisemitismus und Judentums im Werk von Joseph Roth

Titel: Darstellungen des Antisemitismus und Judentums im Werk von Joseph Roth

Magisterarbeit , 2006 , 94 Seiten , Note: 1,5

Autor:in: Imke Barfknecht (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Antisemitismus hat in Deutschland nicht erst mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten Einzug in das allgemeine Gedankengut gehalten, obwohl das Phänomen heute meist im Kontext der Shoah betrachtet wird. Tatsächlich konnten Adolf Hitler und seine Helfer während der Herrschaft ihres „Dritten Reiches“ auf bereits tief verwurzelte judenfeindliche Ressentiments der Bevölkerung aufbauen. Demnach kann man durchaus von einer gewissen Kontinuität des Judenhasses in Deutschland (aber auch in ganz Europa) sprechen, mit der sich Joseph Roth in seinem Werk wiederholt beschäftigt hat.
Vielfach ist in der Forschung darauf hingewiesen worden, daß er mit geradezu prophetischer Weitsicht die antisemitische Bedrohung durch die Rechtsnationalen bereits zu Anfang seiner journalistischen und schriftstellerischen Arbeit erkannt hat. Dem ist vollends zuzustimmen; jedoch deckt er nicht nur die Strukturen und Wirkungsweisen des Antisemitismus auf, sondern beschäftigt sich auch intensiv mit dem Judentum. Zum einen, um die antisemitischen Stereotypen als falsch zu entlarven, zum anderen, um ihre Auseinandersetzung mit der ihnen entgegengebrachten Feindschaft aufzuzeigen. Zudem macht er auch deutlich, daß der Judenhaß unabhängig von der Propaganda der Nationalsozialisten gedeihen konnte, denn er war auch außerhalb Deutschlands weit verbreitet.
Vor allem im Osten des Kontinents litt die jüdische Minderheit unter immer wieder ausbrechenden Pogromen. Darüber hinaus behandelt Roth auch die internen Probleme des Judentums in der europäischen Diaspora. Dabei unterscheidet er wie seine Zeitgenossen zwischen Ost- und Westjudentum, die stellvertretend für die Diskussion um Festhalten an der jüdischen Tradition (Ost) und Assimilation an die nichtjüdische Umwelt (West) stehen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Spinnennetz (1923)

2.1 Theodor Lohse - Produkt des wilhelminischen Kleinbürgertums

2.2 Theodors Aufstieg – Karriere im Zeichen des Hakenkreuzes

2.3 Theodors Antisemitismus – „Die Juden sind unser Unglück“

2.4 Theodor – Arier oder Semit?

2.5 Trebitsch, Efrussi und Pisk – Des Feindes Handlanger?

2.5.1 Dr. Trebitsch

2.5.2 Efrussi und Pisk

2.6 Benjamin Lenz – Sprengstoff für Europa!

2.7 Fazit

3 Tarabas – Ein Gast auf dieser Erde (1934)

3.1 Nikolaus Tarabas – Auf gottverlassenen Wegen

3.2 Das Pogrom von Koropta

3.2.1 Ramsin

3.2.2 Die Marienerscheinung

3.2.3 Das Pogrom

3.3 Tarabas` Überwindung des Judenhasses – Zurück auf Gottes Wegen

3.4 Tarabas’ Bußweg

3.5 Nathan Kristianpoller – Vermittler zwischen Juden und Christen

3.6 Fazit

4 Die Flucht ohne Ende (1927)

4.1 Judenemanzipation im Westen Europas und Bewahrung der jüdischen Tradition in Osteuropa

4.2 Flucht aus dem Shtetl

4.3 Ein Ostjude im Westen

4.4 Zwei ungleiche Brüder

4.5 Keine Rückkehr ins Shtetl

4.6 Fazit

5 Schlußbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die Darstellung von Antisemitismus, Antijudaismus sowie die Lebenssituation des europäischen Judentums im Werk von Joseph Roth. Ziel ist es, anhand der Romane "Das Spinnennetz", "Tarabas. Ein Gast auf dieser Erde" und "Die Flucht ohne Ende" aufzuzeigen, wie Roth diese Phänomene in den zeitgeschichtlichen Kontext einbettet und das Verhältnis zwischen Ost- und Westjudentum thematisiert.

  • Literarische Verarbeitung des Antisemitismus und seiner Strukturen
  • Konfrontation jüdischer Identität mit extremer Judenfeindschaft
  • Konfliktlinien zwischen Ostjudentum und assimiliertem Westjudentum
  • Die Rolle religiöser Motive und Aberglaubens bei der Feindbildkonstruktion
  • Möglichkeiten und Grenzen der Assimilation in der Diaspora

Auszug aus dem Buch

2.1 Theodor Lohse - Produkt des wilhelminischen Kleinbürgertums

Theodor Lohse stammt aus einer typisch kleinbürgerlichen Familie der Kaiserzeit. Der Vater war Bahnzollrevisor, eine Stellung die zu zumeist von Personen ausgeführt wurde, die bereits in der Armee gedient hatten. Diese Leute werden heute als das „Korsett“ des deutschen Obrigkeitsstaates angesehen. Folglich war des Vaters größter Wunsch eine Karriere Theodors in der Armee, die der Sohn auch selbst anstrebte. Doch der „große Krieg“ (S 5) ging verloren und er muß nun zu Beginn der Erzählung in der neuen Republik seinen Lebensunterhalt, neben seinem Jurastudium, als Hauslehrer beim jüdischen Juwelier Efrussi verdienen. Nicht nur Theodor ist enttäuscht vom Ausgang des Krieges und von seiner jetzigen Situation, auch seine Mutter und seine Schwestern „konnten es [ihm] nicht verzeihen, daß er nicht seine Pflicht [...] zu fallen, erfüllt hatte.“, denn „[e]in toter Sohn wäre immer der Stolz der Familie geblieben. Ein abgerüsteter Leutnant und ein Opfer der Revolution war [...] lästig.“ (S 6). Damit beschreibt Roth das Empfinden vieler aus dem Krieg heimgekehrter Soldaten, deren Familien die repressive wilhelminische Gesellschaft repräsentierten und die sich plötzlich in einer neuen Umwelt wiederfanden, die sie als ihnen feindlich erlebten.

Anfang der 1920er Jahre litten viele Deutsche nicht nur immer noch unter der Niederlage des Ersten Weltkrieges, sondern empfanden vor allem den Versailler Vertrag als zusätzliche nationale Demütigung. Zudem führte die katastrophale Wirtschaftslage zu großem sozialem Elend, das einen idealen Nährboden für extremistische Gruppierungen darstellte. So bildete sich eine unüberschaubare Parteienlandschaft heraus, die geprägt war von heftigen Kämpfen um die zukünftige Gestaltung Deutschlands. Folglich war das Land politisch zutiefst zerrissen und radikalisierte sich zunehmend. Außerdem hatten die Klassengegensätze der Monarchie den Krieg überlebt und manifestierten sich in den ideologischen Gegensätzen der Parteien und Vereinigungen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Roths Weitsicht bezüglich des Antisemitismus und skizziert das Ziel der Arbeit, seine Auseinandersetzung mit der Judenfeindschaft und der Lage des europäischen Judentums zu untersuchen.

2 Das Spinnennetz (1923): Das Kapitel analysiert den Aufstieg des Antisemiten Theodor Lohse und die Darstellung verschiedener jüdischer Figuren im Kontext der Weimarer Republik.

3 Tarabas – Ein Gast auf dieser Erde (1934): Im Fokus steht die Läuterung des Sünders Nikolaus Tarabas sowie die kollektive Auswirkung von Antijudaismus am Beispiel eines Pogroms.

4 Die Flucht ohne Ende (1927): Das Kapitel behandelt die Konflikte zwischen Ost- und Westjuden sowie die Heimatlosigkeit am Beispiel der Brüder Franz und Georg Tunda.

5 Schlußbetrachtung: Die Zusammenfassung unterstreicht Roths fortwährenden literarischen und journalistischen Widerstand gegen Antisemitismus und die Notwendigkeit der moralischen Stellungnahme gegen die nationalsozialistische Bedrohung.

Schlüsselwörter

Joseph Roth, Antisemitismus, Antijudaismus, Ostjudentum, Westjudentum, Assimilation, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Fremdenfeindlichkeit, Identitätskrise, Diaspora, Pogrom, Religion, Aberglaube

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit Joseph Roths literarischer Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Antijudaismus und der komplexen Lebenssituation des europäischen Judentums in der Zwischenkriegszeit.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Themenfelder umfassen die Rolle des Antisemitismus in der Weimarer Republik, die Assimilationsbestrebungen der Westjuden, die Traditionen der Ostjuden sowie die religiösen Wurzeln des Juden- und Christenkonflikts.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie Roth das Phänomen des Judenhasses darstellt, ob er Überwindungsstrategien aufzeigt und welche Spannungen zwischen Ost- und Westjuden im jeweiligen historischen Kontext bestehen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär auf der Charakterisierung von Protagonisten und der Interpretation handlungstragender Ereignisse in ihrem historischen Kontext basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden drei zentrale Romane analysiert: "Das Spinnennetz" (Karriere eines Antisemiten), "Tarabas" (individuelle Läuterung eines Antijudaisten) und "Die Flucht ohne Ende" (Konflikt zwischen Ost- und Westjuden).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Antisemitismus, Assimilation, Diaspora, Ostjudentum, Identität, Nationalismus und gesellschaftlicher Wandel in der Weimarer Republik.

Wie unterscheidet Roth in seinem Werk zwischen Ost- und Westjuden?

Roth unterscheidet zwischen den traditionell verwurzelten Ostjuden, die ihre kulturelle Einheit bewahrten, und den in die westliche Gesellschaft assimilierten Juden, deren Anpassung oft zu Identitätsverlust führte.

Welche Rolle spielt der Begriff des „Gastes“ in Bezug auf das Judentum?

Der Begriff nimmt Bezug auf die Vorstellung, dass irdisches Dasein nur eine vorläufige Etappe ist, was Roth als gemeinsame ethische Grundlage für Judentum und Christentum instrumentalisiert.

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Details

Titel
Darstellungen des Antisemitismus und Judentums im Werk von Joseph Roth
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,5
Autor
Imke Barfknecht (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
94
Katalognummer
V67817
ISBN (eBook)
9783638594004
ISBN (Buch)
9783656133926
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Darstellungen Antisemitismus Judentums Werk Joseph Roth
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Imke Barfknecht (Autor:in), 2006, Darstellungen des Antisemitismus und Judentums im Werk von Joseph Roth, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67817
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Leseprobe aus  94  Seiten
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