Das vorliegende Zitat spiegelt das Problem vieler Englischlernenden wieder, die versuchen sich auf einsprachige Wörterbücher zu stützen. Das Vokabular der Definitionen und Worterklärungen ist für den Benutzer im obigen Beispiel zu komplex und kompliziert und übersteigt seine Sprachkenntnisse. In der Entwicklung von Wörterbüchern „(...) have indeed been significant improvements (...) especially in the last decade (...)“ (Rundell, 1998: 316). Vor allem die technologischen Verbesserungen im Bereich der elektronischen Datenverarbeitung eröffneten für die Lexikographie viele neue Möglichkeiten. Das Zurückgreifen auf elektronische Datenbanken als authentische Sprachsammlungen, die Verbindung von Computer und Wörterbuch spielt nach Ooi (1998: 32) seit den 1970er Jahren eine essentielle Rolle und hat die Qualität der linguistischen Aussagen enorm verbessert. Die folgende Arbeit wird auf diese steigende Bedeutung von Korpora in der Lexikographie näher eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Quellen für lexikographische Information
2.1. Bereits vorhandene Sprachbeschreibungen
2.2. Belegsammlungen
2.3. Introspektion
2.4. Korpora
3. Die Rolle von Korpora innerhalb der Linguistik
3.1. Pragmatik
3.2. Dialektologie und Soziolinguistik
3.3. Phraseologie
3.4. Weitere übergreifende Einflüsse der Korpora auf die Lexikographie
4. Aus einer Konkordanzliste herauslesbare Informationen
5. Kritische Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zunehmende Bedeutung von elektronischen Sprachkorpora für die moderne Lexikographie und analysiert, wie diese authentischen Datenquellen die Qualität und Praxis der Wörterbucherstellung verbessern.
- Methoden der lexikographischen Informationsermittlung im Wandel
- Einsatzmöglichkeiten von Korpora in verschiedenen linguistischen Teilbereichen
- Bedeutung von Konkordanzlisten für die Beschreibung von Wortgebrauch
- Vorteile der rechnergestützten Analyse gegenüber traditionellen Verfahren
- Integration von Frequenzdaten in moderne Wörterbücher
Auszug aus dem Buch
3.2. Dialektologie und Soziolinguistik
Regionale Dialekte einer Sprache lassen sich auf verschiedene Weise erforschen. Field workers begeben sich in ihr Zielgebiet, meist ländliche Gegenden, führen Befragungen in der älteren Bevölkerungsschicht durch und zeichnen ihre Ergebnisse beispielsweise auf Tonband auf, wie es Orton und Dieth in ihrer „Survey of Englisch Dialects“ im Zeitraum von 1948 bis 1961 taten.
Eine weitere Möglichkeit bieten Feld- und Laborexperimente, in denen den Probanden Fragen gestellt werden oder sie bestimmte Aufgaben zu bewältigen haben. Diese Verfahren finden ebenso in der Soziolinguistik Anwendung. Labov untersuchte im Jahr 1966 in „The Social Stratification of English in New York City” inwieweit linguistischen Variablen wie Wortwahl, Aussprache und Stil der Ausdrucksweise von sozialem Status und der Gesprächssituation abhängig sind.
Doch meistens bauen solche Experimente, die aus den Menschen Anzeichen für bestimmte sprachliche Besonderheiten hervorlocken wollen, eine künstliche und unnatürliche Atmosphäre auf, so dass die erzielten Ergebnisse durch die Nervosität der Versuchspersonen und deren Anstrengungen, sich möglichst natürlich und der Situation angemessen zu verhalten, verfälscht sind. Corpora of informal transcribed talk liefern authentisches Sprachmaterial aus zwangslosen Unterhaltungen, bei denen die Gesprächspartner sich nicht der Beobachtung ausgesetzt fühlen. Dadurch werden die Resultate wirklichkeitsnah und gewinnen an Glaubwürdigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Schwierigkeiten von Fremdsprachenlernenden bei der Nutzung klassischer einsprachiger Wörterbücher und skizziert den technologischen Wandel hin zur korpusbasierten Lexikographie.
2. Quellen für lexikographische Information: Das Kapitel stellt vier grundlegende Verfahren zur Gewinnung lexikographischer Daten vor, von traditionellen Sprachbeschreibungen und Belegsammlungen bis hin zu Introspektion und modernen Korpora.
3. Die Rolle von Korpora innerhalb der Linguistik: Hier wird detailliert erläutert, wie Korpora über die Lexikographie hinaus Einblicke in Pragmatik, Dialektologie, Soziolinguistik und Phraseologie gewähren.
4. Aus einer Konkordanzliste herauslesbare Informationen: Anhand des Verbs "brook" wird aufgezeigt, welche tiefgehenden semantischen und syntaktischen Informationen Lexikographen aus computergestützten Konkordanzlisten gewinnen können.
5. Kritische Betrachtung: Das Kapitel reflektiert die Euphorie gegenüber Korpusdaten und betont, dass eine Symbiose aus Korpusdaten und menschlichem Sprachgefühl für die Erstellung hochwertiger Wörterbücher weiterhin unerlässlich ist.
Schlüsselwörter
Korpuslinguistik, Lexikographie, Konkordanzliste, Wörterbuch, Sprachdatenbank, Pragmatik, Soziolinguistik, Phraseologie, Collins COBUILD, authentisches Sprachmaterial, Frequenzdaten, Sprachgebrauch, Linguistik, Datenverarbeitung, Sprachbeschreibung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation der Lexikographie durch den Einsatz von elektronischen Korpora und deren Einfluss auf die Qualität und Gestaltung moderner Wörterbücher.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die verschiedenen Quellen der Informationsermittlung, die Vorteile maschinenlesbarer Sprachdaten sowie die Anwendung von Korpora in der Pragmatik, Phraseologie und Soziolinguistik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch Korpora eine wissenschaftlich fundiertere und praxisnähere Lexikographie möglich geworden ist, die den tatsächlichen Sprachgebrauch besser abbildet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Auswertung bestehender linguistischer Literatur und der Analyse von Beispielen aus der Korpuspraxis basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Entwicklungsschritte lexikographischer Quellen, die methodischen Vorteile digitaler Daten sowie konkrete Anwendungsbeispiele, wie die Extraktion von Informationen aus Konkordanzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Korpuslinguistik, Lexikographie, Konkordanzanalyse und authentischer Sprachgebrauch charakterisiert.
Warum ist das Beispiel des Verbs "brook" im Anhang so wichtig?
Es illustriert praktisch, wie eine Konkordanzliste dem Lexikographen hilft, semantische Vorlieben, Negationsmuster und typische syntaktische Umgebungen eines Wortes präzise zu identifizieren.
Kann ein Korpus das menschliche Sprachgefühl ersetzen?
Nein, der Autor betont in der kritischen Betrachtung, dass eine Kombination aus Korpusdaten und dem Urteilsvermögen muttersprachlicher Linguisten notwendig ist, da Korpora nicht jede grammatikalische Feinheit oder Unmöglichkeit beweisen können.
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- Matthias Schmid (Author), 2002, Die Rolle von Korpora in der Lexikographie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67850